07.02.1994

DIE HUNDEGRENZE

Für die Autos, in denen die Teppichhändler saßen, hatten Sigalls bald einen Blick. Die kamen flott über den Feldweg gefahren und näherten sich dann im Schleichgang den ersten Häusern. Und ehe man abwinkend vor die Tür treten konnte, postierte sich so ein Auto schon im Hof. Zwei fremdländische Männer stiegen aus. Der eine ging mit geschulterter Teppichrolle auf die Hausbewohner zu, warf seine Fracht vor deren Füßen ab und breitete die guten Stücke über der Klinkertreppe aus.
Schon ein kurzes Hinsehen, auch wenn es sich verneinend gab, war dann zuviel, denn der Mann nahm es als Ermunterung. Am Ende der Vorführung kam der zweite Mann, dessen Verschwinden den Hausbewohnern vor lauter Teppichen entgangen war, aus dem Schuppen herausspaziert und fragte: "Alte Möbel nix?" Gegen Heimsuchungen dieser Art, die mit der gefallenen Grenze einhergingen, entschlossen sich Sigalls zur Anschaffung eines großen Hundes.
Alles fügte sich in zeitlich passender Reihenfolge. Die letzte Heimsuchung durch Teppiche war mittwochs, am Donnerstag fuhr Herr Sigall als glücklicher Mann den Audi vor, seine neue Errungenschaft, und freitags stieß Frau Sigall auf die Annonce in der Schweriner Volkszeitung: Das Grenzkommando Nord hatte einen Restbestand Hunde abzugeben, Nachfragen sonnabends erbeten.
Sigalls eigentliche Zeitenwende beginnt mit dem Tag, als der Audi vor der Tür stand. Alle Geschehnisse sind als vor oder nach dem Audi liegend sortiert. Auf diese Weise kam ihr Hofhund zu der Ehre, daß es in seinem desolaten Lebenslauf das Datum seiner Übergabe gibt, den letzten Sonnabend im August 1990. Damals fuhren Sigalls von Göhlen bei Ludwigslust nach Schlutup/Selmsdorf, der ehemaligen Grenzübergangsstelle bei Lübeck, um den Hund zu holen. Es war ihre erste längere Tour im neuen Auto.
Oberfähnrich Schönknecht, zuständig für das Dienst- und Wachhundewesen beim Grenzregiment VI, Dienststelle Selmsdorf, stand in ziviler Sommerhose vor der Zwingeranlage. Diese lag, in Reihen gestaffelt, etwas abseits von den Kasernen zu einem Kiefernwald hin. Den 30 mannshohen Betonboxen schloß sich jeweils ein umgitterter Auslauf an. Die Wege längs der Boxen waren geharkt. An den Querseiten der Hundesiedlung verliefen Rosenrabatten, vor jeder beginnenden Gasse durch einen Zierstrauch unterbrochen. Die akkurate Spärlichkeit dieser Anpflanzung widersprach nicht der Nüchternheit des übrigen Kasernengeländes. Keine atmosphärische Begütigung ging von ihr aus, vergleichbar den munteren Kegeln des Zwergwacholders in einem Klinikgarten. Oberfähnrich Schönknecht sprach von einem ordnungsgemäßen Umfeld, das auch den Hunden bekomme.
In der vordersten Gasse sprangen die Schäferhunde Amor, Muck und Brando an ihren Auslaufgittern hoch. Es waren ältere Diensthunde mit Herkunftspapieren und Prüfungsdiplomen, die an der Seite eines Hundeführers einmal Grenzdienst machten. Jetzt hatten sie den Verlust ihrer Herren zu verwinden, in die Städte zurückgekehrte Soldaten ohne weitere Verwendung für sie. Auch Oberfähnrich Schönknecht mußte seinem letzten Diensthund das Zuhause schuldig bleiben. Sicher waren das herbe Hundeschicksale, doch für Sigalls nicht herb genug. Sie glaubten sich in einer Kuranstalt, deren Insassen wie die Aale glänzten, aus geputzten Näpfen fraßen und nach kurzen Tumulten wieder absackten in Resignation.
Dieses Prinzendasein wäre hinter ihrem Haus in Göhlen nicht fortzuführen gewesen. Auch würden diese Hunde, von ihrer Anspruchshaltung einmal abgesehen, etwas gekostet haben. Der Zeitwert des Fährtenhundes Amor beispielsweise, mit sieben Jahren so alt wie ihr gebrauchter Audi, betrug noch fünfhundert Mark. Sigalls hatten eher an einen gröberen Wüterich gedacht, der sein Temperament nicht an Heimweh verschwendet.
Oberfähnrich Schönknecht beorderte einen Soldaten, den Sigalls nach Klein Siemz vorauszufahren, eine Ortschaft hinter Schönberg Richtung Ratzeburg. Hier bewachten fünf Laufleinenhunde aus Grenzzeiten ein Munitionsdepot, ein trübsinniger, zu Kopf steigender Dienst wie in den Jahren zuvor zwischen den Zäunen. Das Terrain war schattenlos, und die Hunde hatten sich kühlende Wannen in den Sand gegraben. Sie lagen matt in der Mittagshitze, als sie den Kübelwagen hörten, in dem der Soldat saß.
Jetzt, in Vorfreude einer Abwechslung, bellten sie und rasten zwischen ihren Pflöcken hin und her, daß das Drahtseil über ihnen bebte. Vor allem waren sie durstig. Da der Soldat, der aus dem Auto stieg, keinen Wassereimer trug, verebbte jedoch der Jubel bald, und übrigblieb, indem sie sich setzten, ihr lächelndes Büßertum.
Sigalls fürchteten sich vor diesen Hunden. Was sie soeben in Aktion erlebt hatten, waren galoppierende Mustangs, unter denen der Boden dröhnte. Selbst in ihrer Enttäuschtheit, wie sie mit flachen Ohren und artig gestellten Füßen den Zuspruch des Soldaten dankten, blieben es Ungetüme. Herr Sigall, als Frührentner zu Hause die Wirtschaft besorgend, sah sich von so einem Burschen im Geiste schon überrannt. Und hätte es nicht den Klagelaut gegeben aus der entferntesten Ecke des Terrains, wäre man ohne Hund nach Göhlen zurückgefahren.
Die Klage kam aus einem Schafgarbengebüsch. Und wo das Gebüsch etwas zitterte, zeigte sich ein schmaler gelber Hundekopf. Der Klage folgten noch einige kurze, nachhakende Töne, denen das Ereignis, endlich besucht zu werden, anzuhören war. Sigalls und der Soldat gingen an den Laufstrecken von vier schweren, dunklen Hunden vorbei. Dem vierten dieser kahlgefegten Abschnitte schloß sich das Revier des fünften, bis dahin versteckten Hundes an.
Er war inzwischen halb aus dem Gebüsch getreten, was ihn die volle Länge seiner Laufleine kostete. Seine Erscheinung strahlte eine gewisse Festlichkeit aus. Ein Geriesel von Schafgarbenblüten bildete ein Dreieck auf seiner Stirn, passend darunter die erfreute Miene. Das gelbe Gesicht lag in einem löwenhaften, etwas helleren Kragen. Die Ohren hielt er so lange hochgestellt, bis Sigall ihn ansprach und er in Überschwang geriet. Wie eine Machete schlug die Rute aus, daß es den ganzen Körper mitriß bis zum Kopf, und die kleine Wildnis, aus der er ragte, rechts und links zur Seite knickte. Gleichzeitig wollte er nach vorne springen, wobei die stramm gespannte Leine ihn zurückriß. Aufrecht, mit rudernden Pfoten, hing er in seiner Fessel. "Das ist Alf", sagte der Soldat, "den könnten Sie mit einer Mütze totschlagen."
Hannes Schween hatte als Zivilbediensteter beim Grenzkommando Nord, Regimentsstab Schönberg, die Planstelle eines Veterinäringenieurs. Seine Aufgabe bestand hauptverantwortlich im Rekrutieren von Dienst- und Wachhunden. Letztere mußten im Unterschied zu den Diensthunden weder Fähigkeiten mitbringen noch später erwerben. Sie hatten nur nach einem Hund auszusehen, worunter Schween eine gewisse abschreckende Größe verstand. Im Idealfall waren sie dunkel und stämmig und durch eine dichte Unterwolle winterhart. Sie sollten nicht von augenfälliger Treuherzigkeit sein und möglichst ohne geringelte Rute. Schween bevorzugte reizbare Kettenhunde vom Dorf mit spitzen Ohren.
Er verfügte über einen festen Stamm von Hundebeschaffern, den er sich mit Beginn seines Amtes 1976 langsam aufgebaut hatte. Hauptsächlich waren es Schäferhundzüchter, die sich ihrerseits von Hundeaufkäufern aus den Dörfern beliefern ließen. Den Bedarf an einfachen Grenzhunden deckten die Züchter aber auch aus eigenen Beständen. Neben den tadellosen, zum Schutz- und Fährtendienst geeigneten Exemplaren gaben sie ihre Mängelexemplare an die Grenztrasse ab; der Zucht abträgliche Hunde mit Zahn- oder Gebäudefehlern, mit sogenannter Wesensschwäche, die Einhoder oder auch den langhaarigen, vom Standard abweichenden altdeutschen Schlag.
Schween traf seine Verabredungen zu den Wochenenden, da sowohl die Züchter wie deren Lieferanten dem Hundegeschäft nur im Nebenerwerb nachgingen. Vor allem für die Lieferanten aus entfernten Dörfern, die schon nachts aufbrechen mußten, gab es keinen anderen Termin. Auch Schween in seinem Pritschenwagen mit Plane und seitlichem Gitteraufbau hatte weite Strecken zurückzulegen. Wenn in Mecklenburg die Hunde knapp wurden, in den Bezirken Rostock, Schwerin und Neubrandenburg sogar die Mischlinge ausgegangen waren, fuhr er von Schönberg bis nach Halle hinunter. Treffpunkt war in der Regel der Hundesportplatz örtlicher Schäferhundvereine. Dienst- und Trassenhunde, sortiert nach ihrer späteren Bestimmung, lagen kurz angekettet einen Zaun entlang, und Schween ging, zu einer ersten Musterung, die Parade ab. Er legte ein barsches, die Hunde aufregendes Gebaren an den Tag. Diejenigen, die davon ungerührt blieben, knöpfte sich Schween noch einmal extra mit dem Beißarm vor, links die dicke Manschette schwenkend und rechts einen Stock. Spätestens bei diesem Fuchteln mußte ein guter Wächter für die Trasse außer sich geraten.
Als Peter Pandosch die Klappe seines Hängers öffnete, lachten alle beim Anblick der beiden spitzen Köpfe. Er hatte eine armselige Colliehündin und deren fast doppelt so großen Sohn mitgebracht, einen gelben Mischling von der Statur eines Schäferhundes. "Die kannst du gleich wieder aufladen", sagte Schween zu Pandosch, die Hündin betreffend, die mit geklemmter Rute im Gelächter stand.
Stallarbeiter Benno Nehls hatte sie in der Abferkelei Charlottenthal, einer Nebenstelle der LPG Hoppenrade-Wohlstand, aufgelesen. Nehls zog gerade die Rotlichtlampe über ein Ferkelnest, als die trächtige Hündin sich vorbeischleppte. Stallhygienisch war das eine Katastrophe und für Nehls dazu von persönlicher Peinlichkeit. Ein weiblicher Lehrling der Fachrichtung Schweineproduktion mit Abitur hatte ihm über Mittag die Ferkelwache überlassen, eine Tätigkeit über seiner Kompetenz. Das Mädchen inspizierte einen frischen Wurf, während Nehls vor den Buchten Stroh anfuhr. Sie sagte, er müsse sie kurz vertreten, weil ihr übel sei.
Nehls wußte gleich, warum ihr übel war. In der Reihenfolge ihrer Pflichten hätte sie jetzt die schwachen Ferkel aussortieren und danach merzen müssen, ein lapidarer, wie das Glattschlagen von Teppichfransen einfacher Tötungsvorgang. Nehls war ihr gefällig; auch noch in einem weiteren Arbeitsgang, in dem er dem übrigen Wurf die Schwänze knipste. Und hätte er die Hündin nicht verscheuchen müssen, wäre er nicht mit der Knipszange durch den Stall gelaufen, wobei ihn der Brigadier antraf. Der brüllte ihn wegen Anmaßung einer Fachvertretung an, zuzüglich der eingeschlichenen Hündin.
Nehls fuhr die toten, von ihm gemerzten Ferkel zum Kadaverwagen, in dessen Schutz sich die Hündin gerettet hatte. Er schloß den Deckel über dem speckigen Gewirr; in dieser Frühschicht sein letzter Handgriff von Belang. Die Hündin lag ausgestreckt auf der Seite und hob nur kurz den Kopf.
Für Nehls waren störungsfreie Tiergeburten nie mehr als ein Faktor in der Planerfüllung. Und jetzt schaffte es diese Hündin, der seine Blamage ja zu danken war, daß er sich sorgte um ihre Niederkunft. Der Laster der Abdeckerei würde am Nachmittag laut bremsend am Kadaverwagen halten. Und ihre unschöne Arbeit verrichtend, würden die Männer die Not der Hündin nicht erkennen. Sie könnten annehmen, die Hündin sei am Verenden, und würden sie, in der ihrem Beruf abverlangten Roheit, gleich mit auf den Laster werfen.
Nehls trat den Heimweg mit seiner Fahrgemeinschaft an; vier Männer im Trabant und, leidlich gebettet, im Kofferraum die Hündin. In Klein-Grabow, einem Gutsdorf südlich von Güstrow, stieg Nehls mit der Hündin vor der Kate seines Bruders aus. In bester Absicht eigenmächtig, dirigierte er sie durch den Gänse- und Entenmorast des Hofes bis hinten zu den Verschlägen, wo die Hütte stand, in der sich die Hündin gleich niederließ. Jetzt mußte Nehls nur noch den Bruder ins Benehmen setzen, der auf dem Küchensofa schlief.
Im Sommer 1985 benötigte das Grenzkommando Nord wieder einen Schwung neuer Wachhunde. Weitere Trassen waren zu bestücken und die Abgänge durch Erhängen am Laufseil oder altersbedingtes Einschläfern zu ersetzen. Diesen Bedarf meldete Veterinäringenieur Schween wie üblich bei seinen Gewährsleuten an, vorrangig bei den renommierten Schäferhundzüchtern, da sie über Telefon verfügten. In besagtem Sommer rief Schween den Züchter Krieg in Parchim an, der nun seinerseits eigene Mittelsmänner nach Hunden ausschicken sollte.
Als erstes wandte sich Krieg an die Kameraden des örtlichen Hundesports sowie an die Hundebeschaffer seiner näheren Umgebung, die Tieraufkäufer Tomoschus und Mroske. Dann ließ er das Ansinnen noch von Güstrow aus in Umlauf bringen. Das übernahm Kollege Priem, ein mittlerer Züchter ohne Telefon, dem er einen Kurier vorbeischickte. Priem nun kontaktierte Pandosch, Zerleger am Schlachthof von Güstrow und Züchter in Lüdershagen, an Bekanntheit noch mal eine Klasse unter Priem.
Pandosch fuhr gleich mit dem Hänger in Klein-Grabow vor, so sicher war er, daß Nehls ihm einen Hund abtreten würde. Hartmut Nehls, der Bruder des Stallarbeiters und selber Melker bei der LPG Hoppenrade-Wohlstand, galt trotz seiner ständigen Übermüdung als gefälliger Mann. Und möglicherweise gründete dieser Wesenszug gerade in seiner Unausgeschlafenheit. Daß er vor lauter Mattigkeit oft wehrlos war, was man dann für Entgegenkommen nehmen konnte. Er hatte zweimal täglich 140 Kühen die Zitzenbecher anzusetzen, stand um drei Uhr zur Frühschicht auf und kehrte abends gegen sechs von der Spätschicht heim. Dazwischen blieben ihm drei Stunden für die eigene Wirtschaft. Die Individuellen, seine zwei bei seinem Schwager stehenden privaten Mastbullen, mußten versorgt werden. Zu Hause ging das Versorgen weiter; die Gänseherde stürzte ihm lärmend entgegen, die Hühner und Enten, diese enormen, im Nebenerwerb zu fütternden Geflügelmassen, die seinen Hof aufweichten, daß er genauso überfordert aussah, wie Nehls sich fühlte. Im Spätherbst kam das Schlachten auf ihn zu. Und zeitgleich lag meistens ein Neugeborenes im Bettchen. Also mußte Nehls auch noch allein rupfen.
Das Mittagessen, auch über der Woche ragten die krossen Keulen aus dem Bräter, streckte ihn dann in einen kurzen Schlaf. So hatte Nehls, unstörbar in den Geräuschen des Abwaschs, auf dem Küchensofa gelegen, als sein Bruder, der Stallarbeiter, an ihm rüttelte, um ihm die Hündin beizubringen. So lag er auch, als ein Jahr später Pandosch bei ihm klopfte, nur daß es Abend war und im Hof zwei Kettenhunde angeschlagen hatten.
Was den Melker in Müdigkeit abtauchen ließ, gab dem Viehzerleger Pandosch erst Elan. Nichts regte so sehr seine Lebensgeister an, wie in nebenerwerblichen Absichten über die Dörfer zu fahren. Und mit demselben Schwung, mit dem er am Tage das Beil durch die Viehhälften trieb, kam er zu Nehls in die Küche getreten. Nach dem scharfen Milchgeruch des Vorraumes, wo die Arbeitskleider des Melkers hingen, empfing ihn hier das Duftgemisch eines ungleichen Feierabends. Die Frau hängte Windeln auf, während die Waschmaschine mit einer weiteren Ladung im Schleudergang hüpfte. Auf dem Tisch stand noch das Abendbrot; das Gurkenglas, die herzhaften Würste im Papier, der Kaffeebecher der Frau und die Bierflaschen des Mannes, darüber lagen die Schwaden seiner Karo-Zigaretten.
Es war ein Stilleben von hoher Anfälligkeit, zu dem nur noch Pandosch mit der Schnapsflasche fehlte. Er stellte sie auf den Tisch, und Nehls raffte sich vom Sofa hoch. Zur Gemütlichkeit kippte Pandosch einen mit. Er war auf den gelben Rüden aus, der angekettet vor einem Loch in der Schuppentür lag. "Du hast doch zwei", sagte er zu Nehls, "den Gelben verkauf' ich dir an die Grenze." Und Nehls, der Tierwelt weder gut noch schlecht gesonnen, nur daß sie ihn erschöpfte, sagte zu Pandosch: "Dann nimm gleich alle beide mit!"
Pandoschs Verhältnis zu Tieren war wie bei Nehls beruflich geprägt. Eine sachdienliche Pfleglichkeit bestimmte seinen Umgang mit ihnen. Doch während Nehls allen Tieren eine gerechte Gleichgültigkeit widerfahren ließ, machte Pandosch eine Ausnahme bei den Schäferhunden. Das waren für ihn Hoheiten, sofern sie in Wesen und Erscheinung stimmten. Pandosch hatte damals die Funktion des Bezirksscheintäters für Schwerin inne. Schon im sechsten Jahr machte er den offiziellen Figuranten, den Mann mit dem Beißarm im wattierten Anzug, den die Prachtkerle versuchten, umzureißen. Und Pandosch mit seinem verwegenen Gesicht über der steifen Montur ließ die gereizten Hunde rotieren als säßen sie im Kettenkarussell.
Pandoschs Kleinod unter den Schäferhunden hieß Büffel, ein schwarzgrauer Fetzer, der schon als Trassenhund im Abschnitt Utecht am Ratzeburger See gelaufen war. Die Art und Weise, wie Pandosch sich ihn beschafft hatte, wäre ein paar Jahre Bautzen wert gewesen, zu schweigen von der Strafe für Krespin, den Soldaten, der ihm dabei behilflich war.
Grenzaufklärer Krespin hatte den Bezirksscheintäter Pandosch von einem Spitzenrüden wissen lassen, einem namens "Büffel vom Gamsetal", der sich am Laufseil die Seele aus dem Leibe rannte. Er biß sich die Schwanzhaare ab, was der Grund seiner Verbannung war. Und für Krespin stand diese Unart für einen heilbaren Kindheitsschaden. Die Nachricht zerriß Pandosch das Herz. Ständig sah er den exquisiten Hund vor sich, wie dieser im Leerlauf sich verzehrte, nicht anders als die, die er die "tauben Nüsse" nannte, diese nur hundeähnlichen Dorfkreaturen, denen aus seiner Sicht der Grenzdienst erst ein Dasein bescherte.
Es war eine helle Winternacht 1983, in der Pandosch über den Wirtschaftsweg hinter der LPG Rieps ins Sperrgebiet einfuhr. Grenzaufklärer Krespin hatte die Strecke mit allen Biegungen, Gebüschgruppen und Telegrafenmasten aufgezeichnet, ein Dokument, das ihn wie eine notarielle Hinterlassenschaft hätte erledigen können. Pandosch mußte weder einen Schlagbaum noch die binnenländische Hundetrasse der Volkspolizei gewärtigen. Das einzig Unwägbare an dieser Bewachungslücke wäre ein Freiwilliger Grenzhelfer gewesen, was sein weiteres Schicksal allerdings nicht gemildert hätte.
Personen dieses Titels waren in den Dörfern des Sperrgebiets rekrutierte Männer, die über ihrer privaten Hose die Tarnjacke der Grenzer tragen durften. Bei einem Vierteljahressold von 150 Mark versahen sie ihr Amt jedoch mit der spezifischen Schärfe der Freiwilligkeit. Sie kauerten, nach eigenen Dienstplänen in die Nacht geschickt, in den Gräben der Feldwege. Zur graugrünen, in rhythmischer Unterbrechung hell gestrichelten Tarnjacke, die in Grenzerkreisen "Ein-Strich-kein-Strich" hieß, trugen sie noch eine Stoppkelle als offizielles Requisit. Einen Vertreter dieser Spezies, der mit rotblinkendem Lichtgezeter auf den Wirtschaftsweg gesprungen wäre, hätte Pandosch fürchten müssen. Das Vorhaben, das ihn von Lüdershagen im Kreis Güstrow über Schönberg, Kreis Grevesmühlen, bis nach Rieps im Kreis Gadebusch, von dort über Thandorf bis zur Weggabelung hinter der geschleiften Ortschaft Neuhof hatte fahren lassen, machte ihm jetzt die Kehle eng. Allein seine Anwesenheit stellte einen Akt höchster Staatsfeindlichkeit dar. Und käme dazu noch das Motiv seiner Anwesenheit, dieser Plan für eine bis dahin nie begangene Tat, sähe alles noch um Lichtjahre schlimmer aus. Es würde zusätzlich von Sabotage der den Frieden der Republik gewährleistenden Sicherheitsvorkehrungen die Rede sein.
Pandosch hielt auf der Utechter Höhe. Links des Weges gab es die beschriebene Buchenhecke, in der ihn Krespin erwarten wollte. Zwischen den welken, in der Form von Fledermaustüten herabhängenden Blättern sah er den Glühpunkt einer Zigarette. Darüber hoben sich die Kanten einer hochgeklappten Wintermütze ab. Von der zu ahnenden Gestalt in der Hecke ragte ein Gewehrlauf im spitzen Winkel zur Mütze hinauf. Eine zweite Gestalt, in halber Höhe der Männergestalt, bewegte sich. Den unsteten Umrissen nach war es ein Hund, der erst saß und jetzt stand.
Doch so wie alles gegen einen Irrtum sprach, hätte auch alles dafür sprechen können. Die geräumige Hecke könnte jeder Streife als Unterstand gedient haben. Pandosch könnte nicht Krespin mit dem Trassenhund Büffel vorgefunden haben, sondern einen Kameraden Krespins mit einem Diensthund. Die Angst, die Pandosch befiel, steigerte sich mit dem Winseln in seinem Kofferraum, wo das Tauschobjekt für den Spitzenrüden Büffel lag, eine "taube Nuß" aus Striggow bei Hoppenrade, ein hyänenhaft getüpfelter Mischling mit brauchbaren Konturen für die Trasse.
Bevor die Gestalt aus der Hecke trat, schickte sie den Hund voraus, ihn an langer Leine haltend. Der Hund setzte sich, die hohen Ohren gegen das Mondlicht gestellt, und knurrte zu Pandosch hinüber. Der beugte sich aus dem Fenster seines Trabant und schickte ihm freundliche Worte zurück. Der Anblick entzückte ihn, wie er dunkel dasaß in der hellen Nacht. Sogar das Knurren war ihm eine Freude. Je nach Inbrunst näherte und entfernte es sich, rollte es heran und ging, eine Versöhnung nicht ausschließend, über in einen brummenden Dauerton. Und drohte der Ton zu versiegen, ließ Pandosch sein Werben in Angriffslaute überkippen, und das Knurren kam wieder in frischer Feindseligkeit durch die Hundekehle. So klang Musik, die Pandosch gern hörte.
Als es in der Hecke knackte und Krespin erschien, fühlte sich Pandosch längst schon als Herr des wunderbaren Hundes. Der Grenzaufklärer wünschte aber trotz der Verlassenheit des Ortes keine Begrüßungs- oder Anfreundungsgesten. Pandosch sollte gleich den Kofferraum öffnen und seine Gegengabe zeigen. Der Mischling bot ein Bild des Jammers; die Autofahrt hatte ihn ins Gemüt getroffen. Statt freudig hochzukommen, blieb er in seiner leidvollen Position, verschlungen und gekrümmt wie eine Brezel, liegen. Pandosch sah schon alles mißlingen. Schließlich half er dem Verstörten auf und band ihn ans Lenkrad seines Trabant. Und während Krespin ihn sich dort besah, hielt Pandosch die Leine mit dem Spitzenrüden Büffel.
Die Männer verfuhren eingespielt, als ob sie eine Katastrophenübung absolvierten. Beide hatten das Ende der Nacht zu fürchten. Zur Übergabe schnallte Krespin dem Spitzenrüden Büffel einen Maulkorb um, und Pandosch nahm das Fleischpaket vom Rücksitz, einen Rinderbatzen vom Schlachthof Güstrow, der den geringeren Tauschwert des Mischlings aufwiegen sollte. Dem war inzwischen gut zumute. Seine Rute machte eine schöne Silhouette. Wie er dahinfederte neben Krespin, schien er sich geehrt zu fühlen. Alles an ihm sprach vom Triumph des einstigen Kettenhundes.
Pandosch nahm denselben Weg zurück. Er war hochgestimmt, obwohl er das Abenteuer noch nicht ganz bestanden hatte. Die Gedanken waren bei seiner neuen Fracht im Kofferraum. Sobald er das Sperrgebiet im Rücken hätte, würde er die Begrüßung des Hundes nachholen. Vor allem wollte er ihn geduldig stimmen für die Beengtheit des Transports. In Thandorf brannte schon Licht in den Küchen. Demnach wird es gegen drei Uhr gewesen sein, und die Stallarbeiter und Melker der örtlichen Rinderanlage stürzten ihren Kaffee herunter.
Von diesen unsanft geweckten Menschen befürchtete Pandosch nichts. Die waren alle noch müde und ohne Blick. Trotzdem sah Pandosch sie lieber hinter den Küchenfenstern sitzen als vor die Türe treten, wo die Benommenheit langsam von ihnen abfiel und die erste Zigarette sie wieder in Gang setzte. Niemand außer ihresgleichen war draußen anzutreffen, jeder gehörte der Stallbrigade an. Auf jedem Fahrrad saß einer von der Frühschicht. Mit jedem Trabant, auch wenn er erst zu hören war, verband sich ein bestimmtes Gesicht. Zwischen allen wurden Grußgebärden ausgetauscht. Schon bevor man einander erkannte, hatte man zu dem kleinen männlichen Handzeichen angesetzt.
Was Pandosch vorfand, war die gesteigerte Intimität eines Dorfes im Sperrgebiet, verschärft noch durch die vorverlegte Morgenstunde. So galten auch ihm solche vorsorglichen Grüße. Keiner war gefaßt auf einen Fremden, nicht zu dieser Uhrzeit. Da sich der Fremde in Richtung Republik bewegte, konnte er kein Staatsfeind sein. Er schien legitimiert; er mußte den rosa Berechtigungsschein für die Fünfkilometerzone haben, vielleicht sogar den grünen für die letzten fünfhundert Meter vor dem Zaun. Als Verwandter ersten Grades könnte er von einer Hochzeit oder einem Begräbnis zurückkehren.
Für die Rückkehr von einer Hochzeit wäre es jedoch auffallend früh in der Nacht. Nach Hochzeiten schläft man gewöhnlich noch vor Ort die Schnäpse aus, ebenso nach Begräbnissen. Pandosch fiel eine Ungereimtheit nach der anderen ein, die einem günstigen Anschein zuwidersprachen. Die Grüße im Dorf entgegnend, glaubte er jeden Moment den Blick eines Freiwilligen Grenzhelfers auf sich gerichtet, der nun seinerseits nach Hause kam, um als Stallarbeiter oder Melker wieder aufzubrechen.
Am Ortsende beschleunigte Pandosch. Wie ein Kanu im Wildwasser schoß sein Trabant über die Schlaglöcher, hochgerissen und aufprallend abgesetzt, geschleudert und wieder hart in die Spur gestellt, begleitet von den dreisten Geräuschen des Motors und der eifernden Mühsal des Auspuffs. Über diesem letzten Kilometer in der Illegalität riskierte Pandosch, jemals die Sympathie seines neuen Hundes zu gewinnen. Anders als bei der Herfahrt, wo er nur an einen Achsenbruch dachte, doch nicht an den Mischling aus Striggow, empfand er jetzt, je höher das Auto sprang und ungefedert niederkrachte, je mehr er Gas gab in seinem knallenden Karton, die Tortur des Spitzenrüden Büffel als seine eigene.
Noch auf dem Wirtschaftsweg der LPG Rieps hielt Pandosch an, um Abbitte zu leisten bei dem geschüttelten Hund. Das Sperrgebiet lag hinter ihm, wirkte als unangenehmer Hauch aber noch herüber. Der Hund nahm die guten Worte hin, ohne auch nur durch eine Regung seiner Rute zu danken. Pandosch schätzte diese Uneinnehmbarkeit, auch wenn ihn ein Anflug von Freude im Augenblick mehr belohnt hätte. Von jetzt an versuchte er, den Schlaglöchern auszuweichen. Gegen die Müdigkeit bewegte er die schönsten Zukunftsbilder in seinem Kopf: Aus "Büffel vom Gamsetal" würde "Büffel vom Erlengrund", begehrter Rüde aus dem Zwinger Pandosch/Lüdershagen, Jahresbester aller Schutzhundklassen des SV Güstrow, Bezirkssieger Schwerin, Landessieger mit Kürung in Leipzig. So ging die Nacht der getauschten Hunde ihrem Ende zu. Der eine sah sich in ein besseres Leben gerettet und fand sich gegen Morgen an die Grenze verbannt, während dem wirklich Geretteten die Heimfahrt mit seinem Wohltäter widerstrebte.
Die besten Kontakte zu den Grenzeinheiten unterhielt Großzüchter Krieg in Parchim. Er war Zuchtwart für Schäferhunde des Bezirkes Schwerin, ein Reiseamt wie das des Bezirksscheintäters Pandosch, doch einflußreicher und gefürchteter als jenes. Als Vermittler von Trassenhunden standen ihm die rigorosesten Hundebeschaffer Mecklenburgs zu Diensten. Auf seinem Gehöft lagen manchmal bis zu dreißig Kandidaten angekettet, so daß Aufkäufer Schween vom Regimentsstab Schönberg nur den Wuchtigsten den Beißarm zeigte.
Im August 1985, bei einem dieser sonnabendlichen Hundemärkte auf dem Kriegschen Gehöft, sagte Schween zu Pandosch: "Also, den Gelben nehm' ich." Im Kaufvertrag wurde er "Alf" genannt. Zur bürokratischen Nachweisführung war der genaue Wurftag anzugeben. Pandosch gab den 5. 10. 84 an, ein willkürliches, dem Äußeren und Gebaren des Hundes aber zukommendes Datum, da er noch auf dicken Füßen stand und trotz seiner rauhen Kindheit bei dem Melker Nehls die Unernsthaftigkeit eines Welpen hatte.
Er bekam die Stammrollennummer A-0441, wobei der Buchstabe A allen Trassenhunden zwischen Pötenitz und Boizenburg galt. In die Rubrik "Wesensziffer" setzte Schween das Zahlenensemble II/344, das für die Eigenschaften geringe Schärfe, Sensibilität, Unbefangenheit und ausreichende Härte stand. Obwohl der Hund augenfällig gelb war, auf einem Truppendokument die Farbbestimmung "gelb" jedoch den Klang einer undienstlichen Zuwendung gehabt hätte, wurde er als "braun-weiß" bezeichnet.
Den ausgewählten Hunden legte Veterinäringenieur Schween ein Plastehalsband und einen Maulkorb um. Dann ließ er sie auf seinen Pritschenwagen springen. Den Störrischen half ein Soldat, der in sommerlicher Uniformbluse unter der Plane stand, von oben nach. Er machte die Hunde an kurzen Anbindeketten rechts und links der Ladefläche fest und versuchte beruhigend auf sie einzuwirken. Als zehnter und letzter sprang der Gelbe. Er hatte Pandosch, seinem Beschaffer, 250 Mark eingebracht, dazu die Genugtuung, die dieser bei seinem freiwilligen, fast freudigen Sprung empfand. Er entschädigte ihn für das Gelächter um die Colliehündin, die Mutter des Gelben, die wieder in seinem Hänger lag.
Als Schween anfuhr, setzte sich der Soldat als Schlichter zwischen die Hunde. Der Kopf des Gelben lag auf die Ladeklappe gestützt, und Pandosch registrierte das Mißverhältnis des genormten Maulkorbes zu dem schmalen Gesicht. Ein klägliches Bild, kläglich zu Lasten des Hundes. Denn Pandosch schätzte die Maulkörbe der Armee. Sie waren engmaschiger als die im Handel erhältlichen. Die besten Beißer kapitulierten in diesen Lederkörben. Über wirklich gutes Hundegeschirr verfügte nur die Armee. Und im landesüblichen Austausch von Gefälligkeiten hatte Schween auch einen Maulkorb oder Hetzarm übrig, wenn Viehzerteiler Pandosch sich erkenntlich zeigte mit Rouladenfleisch.
Der einarmige Zachow war der Freund aller Hunde aus Darze und Stralendorf. Er fuhr 33 Jahre auf dem Fahrrad Briefe aus, und die Hunde standen schon vor seiner Ankunft erwartungsfroh hinter den Toren. Näherte er sich einem Tor ohne die Absicht abzusteigen, ließ er es den Hund durch ein Kopfschütteln wissen, so daß dieser als Kurier für ausbleibende Post zum Haus hinlief. Die Abschnitte seines Lebens teilte er nach den Hunden ein, die er besessen hatte. Sie lagen alle unter einem markierenden Feldstein in seinem Obstgarten begraben.
Zachows Frau besorgte die Poststelle für Darze und Stralendorf. Als sie den Grünen Star bekam und mit immer stärkeren Lupen sich immer tiefer über den Schaltertisch beugen mußte, gab mit ihr auch Zachow den Postdienst auf und ging als Nachtviehpfleger zur Broilermast Parchim. Für ihn, der die Hunde zweier Dörfer mit Namen kannte, sich ihrer Mütter erinnerte und die Väter zumindest erriet, war das Gewimmel von 20 000 Broilern, einer hybriden, in sechs Wochen schlachtreifen Hähnchensorte, keine schöne Tierbegegnung.
Zachows gute Zeiten schienen vorüber zu sein. Die erblindende Frau sah kaum mehr als Schatten. Das Haus in Darze wurde zu groß. Die Vorzüge ländlicher Lebensumstände verkehrten sich in überfordernde Pflichten. Zachow mußte einen wuchernden Garten ertragen. Er schaffte sein Kleinvieh ab und hielt sich keinen Hund. Als letzte dieser traurigen Notwendigkeiten, die er hinzunehmen oder zu erfüllen hatte, stand der Umzug in die Weststadt von Parchim bevor.
Am Vorabend des Umzuges gab es einen Zwischenfall, den Zachow symbolisch nahm. In seiner Scheune lag eine auf den Tod erschöpfte Colliehündin. Zachow empfand ihre Zuflucht zu ihm wie eine Nötigung, zu bleiben. So als habe sie sich hergeschleppt als Abgesandte der Hunde von Darze und Stralendorf, um seine Unentbehrlichkeit einzuklagen. Die Nachbarn sagten, sie sei schon länger umhergeschlichen.
Zachow hatte die Betten schon abgeschlagen. Seit Tagen wohnte er, in Einübung des Abschieds, gar nicht mehr richtig, sondern nahm sein Haus, der Hündin vergleichbar, nur noch als Obdach. So standen die Dinge, als er den Bürgermeister fragte, was mit der Hündin zu geschehen habe. Der Bürgermeister schickte den Tierarzt, der auf einen Zustand des Verhungerns schloß. Zachow kämpfte kurz gegen den Gedanken an, sie durch Pflege wieder auf die Beine zu stellen, ließ dann aber, seine Zukunft im Neubau vor Augen, ihre Tötung zu.
Nach ihren Geschäften hatten sich die Hundelieferanten noch in der Parchimer "Bürgerquelle" getroffen. Die Pechvögel unter ihnen hatten einen verschmähten Hund im Auto sitzen, was ihnen dazu den Spott der Kumpane eintrug. Diesen Verschmähten schlug natürlich keine gute Stunde mehr. Von höchstem Unterhaltungswert war Pandoschs Hündin gewesen, die allerverschmähteste. Auf sie stand eine Runde Bier.
Pandosch, ihrer überdrüssig, gab sie dem Züchterkollegen Priem aus Güstrow mit auf den Weg, der in einem Anflug von Weichherzigkeit ihr ein neues Zuhause zu suchen versprach. Und Priem hatte sich dann in dem zwischen Parchim und Goldberg gelegenen Dorf Darze der Hündin entledigt. Begraben wurde sie vom einarmigen Zachow in Zachows Hundehain, wie dieser seinen Obstgarten nannte.
Nichts an Moldt spricht für den Berufssoldaten, der er 30 Jahre war, davon die längste Zeit als Grenzaufklärer dienend im Range eines Stabsfähnrichs. An Moldt zeugt alles von einer gewissen Nachgiebigkeit; die aus dem Knopfloch gesprungenen Hemdenknöpfe über dem Bauch, das ziemlich unbezahnte Lächeln, der allen Pflichten vorangestellte Lebensfriede. Auch dem Haus, das er mit seiner Frau bewohnt, ist das Gewährenlassen anzumerken. Zugewuchert, als nütze es nur der Wildnis als Klettergerüst, steht es am Waldrand von Palingen, einem Dorf im ehemaligen Sperrgebiet nahe Lübeck.
Daneben streckt sich das Moldtsche Gärtnereigelände hin, wie das Haus dem Wildwuchs überlassen. Auf einem Tisch vor der Haustür liegt ein bescheidenes Erntesortiment ausgebreitet. Das Preisschild, eine vom vielen Radieren pelzige Pappe, gibt die mittelgroße Gurke zu 35 Pfg. und die Gesamtheit von vier Tomaten zu 30 Pfg. an. Ohne diesen Tisch würde man gar nicht glauben, daß es Moldt noch gibt. Doch dann tritt er in schilfblasser Jacke über klaffendem Hemd aus dem Dickicht der Gärtnerei, im Gefolge die Foxhunde Anka und Bella, zwei spitzköpfige Luder von kastenförmiger Korpulenz.
Inzwischen haben es ihm solche Spielhunde angetan, wo ihm früher nur die schärfsten und größten gefielen, er die gefürchtetsten Exemplare der ganzen oberen Westgrenze an der Leine führte. Sein berühmtester und letzter hieß Nero, ein schwarzes Ungeheuer mit etwas Grau abgesetzt, im Rücken höher und in der Brust breiter als ein üblicher Schäferhund. Er war ein Beißer von Gnaden. Den alten Giese aus Herrnburg hatte er zu dessen Hauptmannszeiten einmal gebissen, daß ihm das Fleisch wie ein Handschuh herunterhing. Davon spricht Giese heute noch in einem Tonfall von Achtung.
Noch schärfer als Nero sei Greif gewesen, ebenso Sultan. Beide bissen jedoch nur befehlsmäßig, während Nero ohne den ausdrücklichen Befehl, nicht zu beißen, immer biß. Bei solchen Gefährten erübrigte sich das Schießen. Moldt wandte die 30 Jahre über kein einziges Mal die Waffe an. Die Hunde faßten den am weitesten abragenden Teil des Körpers, meistens einen Arm, und ließen ihn auf Pfiff wieder los.
In der Wohnstube sitzend, teilt Moldt mit den Foxhündinnen seinen Sessel. Die eine thront, vor Bedeutung bebend, auf seinen Knien; die andere hat sich in konkurrierender Wichtigkeit an seine Seite gedrückt. Das Zimmer ist dunkel und pflanzenfeucht. Überall stehen Gläser, in denen etwas Wurzel zieht. Moldt glaubt, seine glückliche Hand im Umgang mit Hunden verdanke er einem speziellen Individualgeruch. Da der angstvolle Mensch den Geruch von Buttersäure verströme, müsse bei ihm die Furchtlosigkeit eine chemische Aura bilden. Die sichere ihm die Unterordnung jedes Hundes.
Während dieser Ausführungen muß Moldt den Rivalinnen auf seinem Sessel abwechselnd seine Gunst beweisen. Trotz der Nähe zu ihm, deren sich beide erfreuen könnten, wollen sie keine Gerechtigkeit. Statt dessen muß jede tätschelnd begütigt, ja, in einen Zustand des Gönnens versetzt werden, damit die andere bleiben kann.
Moldt war seiner naturscharfen Diensthunde wegen, die er in Gehorsam zu lenken verstand, in Grenzerkreisen hochgeachtet. Sein Ansehen wuchs noch, als er 1966 mit seinen Empfehlungen hervortrat, wie eine Hundetrasse wirkungsvoll zu bestücken sei. Es war die Anfangszeit des Laufleinenhundes, der mithelfen sollte, die Republikgrenze unpassierbar zu machen. Die ersten, die das Los dieses Wächteramtes traf, waren ausgemusterte Diensthunde. In ihrer nutzbringenden Weiterverwendung lag der Beginn des Wachhundesystems.
Eine Laufleinenanlage bestand aus einem zwischen zwei Böcken mannshoch gespannten Drahtseil, dem Laufseil. Je nach Gelände war es zwischen 50 und 100 Meter lang. An dem Laufseil hing, mit einer Laufrolle oder einem Ring verbunden, die zweieinhalb Meter lange Laufleine des Hundes. Da sich die Laufstrecke des nächsten Hundes unmittelbar anschloß, die Hunde aber nicht aufeinandertreffen durften, waren vor dem jeweiligen Ende des Laufseils Stopper oder Seilklemmen angebracht. Während Laufrolle oder Ring oben gegen das Hindernis schlugen, reichte der Hund, durch die Länge der Leine, jedoch noch ein gutes Stück in die Nähe seines Nachbarn. In kürzester Distanz waren es fünfzig Zentimeter, die er ihm gegenüberstand.
Es ergab sich also ein Steg, eine winzige Bewachungslücke, die Oberfähnrich Schönknecht später als einen Durchlaß für Flüchtende qualifizierte. Der Flüchtende habe die Hunde zuerst nur das Drahtseil entlang rasen sehen. Da sie in ihrer Alarmiertheit jeweils bis zum Anschlag rasten und wieder zurück, habe der Flüchtende nach einer Weile den freien Steg ausmachen können. Näherte sich der Flüchtende dann dem Steg, was das Anrennen der Hunde in seine Richtung provozierte, habe er ein Stück Wurst nach beiden Seiten werfen müssen, damit ihn die Hunde in Frieden ziehen ließen. Noch nachhaltiger sei die Wirkung von Pfeffer gewesen. In der Darstellung Schönknechts mußte der Flüchtende den vom Stopper gebremsten, ruckartig sich aufbäumenden Hunden nur eine Prise auf die Nase stäuben, und die Hunde drehten ab.
Eine Hundetrasse bezeichnete die gesamte Strecke der Laufanlagen. Sie zog sich bis zu drei Kilometern hin, was den aneinandergereihten Wachabschnitten von wenigstens 30 Hunden entsprach. Was nun Moldts Empfehlung war, so sollte die Trasse, wo sie als mißliebige Tatsache schon einmal bestand, zumindest eine ideale Wächtergemeinschaft bilden. Moldt hatte damals lange Reihen nur wütender, sich gegenseitig erschöpfender Hunde vorgefunden und, in breiter Phalanx sich anschließend, nur gelangweilte oder sanfte. Solche unvermischten Nachbarschaften, folgerte Moldt, vervielfachten die Mängel der Hunde, während sie ihre Vorzüge vergeudeten.
Zuerst spielte Moldt nur gedanklich mit den Kompositionen für eine brauchbare Hundetrasse. Er komponierte den Wütenden neben den Gelangweilten oder Sanften, wo die Dynamik des einen den lammfrommen oder gelassenen anderen mitreißen müßte. Er dachte sich den Gelangweilten oder Sanften an die Seite des Wütenden, damit dessen Reizbarkeit nicht noch bedient würde.
Moldt kleidete seine Vorschläge in ein Klima von Wissenschaftlichkeit, als er sie beim Bataillon offenbarte. Er tischte die Temperamentenlehre des Hippokrates auf, die auch für Hunde gelte. Die klangvollsten Fremdwörter im Munde führend, erhöhte er die Trassenbelegschaft zu erlesenen Vertretern der klassischen Gemütsarten. Seine Darlegungen handelten jetzt nur noch von Cholerikern, Phlegmatikern und Melancholikern. Den Sanguiniker als den lebensvollen, in seinen Eigenschaften gut dosierten Typus führte Moldt nur der Vollständigkeit halber an. Dieser begreife schneller als ein Professor und gehöre, da er den wünschenswerten Hund verkörpere, nicht an die Trasse. Ans untere Ende seiner Eignungsskala plazierte Moldt den Phlegmatiker. Ihn störe gar nichts. Bei allergrößter Hundeknappheit gebe er jedoch die Attrappe eines Wächters ab. Brauchbarer verhalte sich der Melancholiker, ein Genosse der Angst. So wie ein hartes Wort ihn schon untröstlich stimme, er schon aufjaule, bevor der Schmerz ihn überhaupt treffe, so melde er eine herabfallende Eichel schon als Gefahr. Diese angstgenährte Vorsorglichkeit mache ihn zum besten Aufpasser der Trasse. Gleichzeitig bringe ihn sein aus nichtigstem Anlaß einsetzendes Gebell um die Kompetenz als Wächter.
Für den Grenzposten, dem er triftige Störungen anzuzeigen hätte und nicht sein Erschrecken über einen aufgerichteten, um sich blickenden Hasen, nutze sich sein Melden schließlich ab. Erst wenn sich ihm das Toben des Cholerikers beimische, verdiene es Beachtung. Im günstigsten Fall sei der Melancholiker der Zuarbeiter des Cholerikers, der aus dem Schlaf in Attacke übergehe. Im ungünstigsten Fall verbrauche sich aber auch für ihn die ständige Alarmiertheit des Melancholikers. Sie verschmelze möglicherweise mit den Naturgeräuschen der Trasse und umsorge, einem Wiegenlied vergleichbar, sogar noch seinen Schlaf.
Wo der Melancholiker keinen Vorrang kenne, lerne der Choleriker zwischen Geringfügigkeiten und Ereignissen von Belang zu unterscheiden. Eingerollt in seiner Hütte liegend, im Schutz seiner Erfahrung, daß aller Schrecken nur von ihm ausgehe, überlasse er das Ästeknacken dann nur noch der Obacht des Melancholikers. Für Moldt stand sowohl das eine wie das andere Temperament für ein Mängelexemplar der Gattung Hund. Dieser Befund war nun in einen Nutzen umzukehren, die Gegensätzlichkeit der Mängel als Vorteil einzubringen. Den Gebieter der Trasse sollte der Choleriker stellen, flankiert von dem daseinsfürchtigen Melancholiker. Befinde sich der Choleriker in der Minderzahl, wären entsprechend breitere Flanken aus Melancholikern zu bilden.
Wilhelm Tews hatte einen Logenplatz auf die Hunde an der Staatsgrenze. Der Gartenseite seines Hauses, des letzten von Herrnburg in Richtung Duvennest/Schattin, schloß sich unmittelbar der geeggte Kontrollstreifen an, auf den der erste Signalzaun folgte. Das engmaschige Rhombengitter entrückte das dahinter liegende Geschehen etwas. Für den flüchtigen Blick war alles weichgezeichnet wie durch Gaze, die Hunde einvernehmlich mit der Natur, in gleichmäßigem Eifer ihr Revier ausmessend. Sie liefen ein kleines Oval um ihre Hütte und längs des Drahtseils ein großes, als vollführten sie eine Kür auf Schienen. Sie trugen, als wollten sie Kunststücke zeigen, ihre Näpfe hin und her. Sie gruben Löcher, in denen sie ganz verschwanden. Über Stunden schossen die Sandfontänen hoch.
Tews wußte, daß diese Erdarbeiten Verzweiflungstaten waren. Nicht Possierlichkeit, sondern Verlassenheit schickte den Pottschlepper und Kürläufer auf seine Bahn. Die ganze Szenerie des Fleißes und der Fertigkeiten war ein Trugbild. Tews kannte alle Nuancen des Hundeunglücks. Mit den Jahren entwickelte er sogar ein forschendes Interesse daran. Wurde ein Neuer ans Drahtseil gebunden, wartete er auf den Moment, wo dieser sein Schicksal begriff. Der Zurückgelassene saß zuerst mit horchend schiefgelegtem Kopf und sah in die Richtung, in der das Soldatenauto verschwand. Er schien fassungslos gegenüber diesem Vorgang, gab sich aber noch der Hoffnung auf einen Irrtum hin. Verlor sich das Autogeräusch, fing er panisch zu rennen an. Andere nahmen ihr Zurückbleiben weniger schmerzvoll. Für Tews waren das die dörflichen Kettenhunde, die ehemals kurzgehaltenen. Sie inspizierten bald ihre Strecke, zu Anfang zögernd, dann sich dem Wunder des mitlaufenden Seiles überlassend.
Wilhelm Tews' abgelegenem Haus hängen zwei unschöne Geschichten an. Die Vorbesitzer galten als politisch ungefestigt und waren 1952 ins Innere der Republik ausgesiedelt worden. Stabsmäßig vorbereitete Vertreibungen aus dem Sperrgebiet wiederholten sich 1961 und 1972 mit den Aktionen "Kornblume" und "Rose". Allein in Mecklenburg wurden bei der "Aktion Ungeziefer" über 2000 Grenzanwohner wegen ideologischer Fragwürdigkeit zur Umsiedlung gezwungen.
Auch Wilhelm Tews verlor sein angestammtes Haus, das am entgegengesetzten Ende von Herrnburg lag, wo Lübeck fast beginnt. Dort störte es den Grenzverlauf und wurde 1961 abgerissen. Nun wollte man Tews beim Verwinden dieses Unglücks helfen, indem man ihn als politisch zuverlässig würdigte und ihm das geräumte Haus wie einen Orden zuerkannte. Widerstrebend zog Tews in die Einsamkeit. Und als er eines Tages ihr Lob zu singen begann, tat er es im Versuch, seine untröstliche Frau aufzurichten.
Von der Straße führt eine abschüssige Wiese zu dem Haus; links von ihm beginnt ein Kiefernwald, und rechts stehen Birken. Ohne die Rückseite, die als feindwärts gelegenes Terrain planiert worden war, wäre der Standort idyllisch. So hatte Tews aber 30 Jahre lang an einer Wüste gewohnt, aus der jetzt langsam eine Steppe wurde. Über die schußfreie Ebene fegten die Stürme und drückten den Sand gegen das Haus und durch den Maschendraht der Hasenställe. Dann nahmen sie in scharfen Spiralen den herantransportierten Sand wieder mit, wobei sich der Hof wie ein Rotor zu drehen schien. Alles, was nicht gemauert war, sah nachher struppig aus, am struppigsten die von den Böen geschobenen Hühner.
Schon um seiner betrübten Frau willen versuchte Tews, die Zumutungen der Grenze wie ein Abenteuer hinzunehmen. Mittwoch mittags beim Probealarm glaubte er sich in eine nördliche Wildnis versetzt. Zuerst heulten die Dorfhunde von Herrnburg, dem Standort der Sirene. Dann fielen die Trassenhunde an den Bahngleisen aus Richtung Lübeck ein, danach die hinter den Siedlungsgärten. Von dort sprang das Heulen auf die Feldtrassen über, von wo es sich fortpflanzte auf den Wüstenabschnitt, der bei Tews entlangführte.
Hund für Hund übernahm den aufwärts gezogenen, in der Höhe abbrechenden Ton, gab ihn weiter, um frisch modulierend wieder einzusetzen. Tews erfüllte ein zwiespältiges Behagen bei diesem Kanon der Klage. Ebenso bei dem wölfischen Gebaren der Mitwirkenden, die mit steil gereckten Köpfen ihre Verlautbarungen hochschickten.
Unter allen akustischen Besonderheiten, die die Grenze bereithielt, fand Tews nur eine wirklich behelligend: die von Anschlag zu Anschlag jagenden Eisenrollen, an denen die Laufleinen hingen. Das pfiff und riß an den Nerven. Und die Hunde, die es bewirkten, machte es verrückt. Je besessener sie liefen, um dem Pfeifen zu entkommen, um so schneidender pfiff es. Tews konnte der Entstehung des Hundewahnsinns vom Garten aus zusehen. Doch solange er zusah, griff ihn selber das Geräusch nicht an, vielmehr nahm er es nur als Qual für die Hunde wahr. In seinem Haus dagegen, wenn er das Drama nicht vor Augen hatte, traf ihn das Pfeifen wie Ziehschmerz.
Die Nacht wurde zum Tage, wenn ein Wildschwein den Signalzaun streifte oder ein herbeigewehter Ast. Dann fing der Zaun zu singen an. Und Sekunden später stand das Haus lichtüberflutet wie ein Denkmal da. Das gesamte, als "Gasse Tews" geführte Trassenstück lag unter Halogen. In dieser laborhaften Helligkeit sah Tews auch zum erstenmal jenen gelben Hund paradieren, den er sonst immer reglos antraf. Dann lagerte er mit gekreuzten Füßen auf dem Dach seiner Hütte, den schmalen Kopf in die Windströmung haltend.
Tews fand ihn rein farblich schon unpassend für das Geschäft der Abschreckung, ja diesem sogar abträglich. Viel zu einnehmend, von weithin sichtbarer Sanftmut das Gesicht, eine dem Lächeln ähnliche Mimik, als erreiche ihn die rauhe Örtlichkeit der Grenze gar nicht. Tews hätte ihm von allem, was ihn so erfreulich machte, weniger gewünscht. Denn nach den Kriterien der zu bewachenden Republik handelte es sich um einen eher mißliebigen Hund. Und mißliebig waren solche, die den Bannkreis ihrer Hütte nicht verließen, sich auch ganz in ihr verkrochen, die Einsamkeitsgeschädigten zum Beispiel, die nicht Schußfesten oder die Kaputtgehetzten.
Tews kannte deren Ende. Sie wurden abgeholt zur Spritze. So hatte er sich um den gelben Hund gesorgt, der den Tag wie ein milder Gebieter auf dem Hüttendach verbrachte. Und um so erleichterter war er, als er ihn nachts in Bewegung erlebte, wie er, im Halogenlicht trabend, seine Brauchbarkeit anbot.
Tews begann seinen Tag mit einem Blick zu diesem Hund hinüber. Obwohl ihn der Grenzzaun wie in einen Film entfernte, schloß ihn Tews in die Morgeninspektion seines Hofes mit ein. Er verknüpfte auch die Jahreszeiten mit dem Befinden des Hundes. Die winterliche Nässe weichte ihm die Pfoten auf, bis schließlich Blut aus den Ballen trat und er die eigene Spur aufleckte. Manchmal sah Tews ihn nur als Schemen in den Schneewehen laufen, oder er vermutete ihn in einem Fleck, der sich abzeichnete auf der Strecke. Dann wieder, wenn alles ohne Unterbrechung weiß war, glaubte er ihn tot in seiner eingeschneiten Hütte.
Schlimmeres brachte der Sommer. Tews nahm die leiderzeugenden Umstände der Grenze dann nur noch als Sachwalter der Hunde wahr. Die Trasse kam ihm wie aufgegeben vor, da auch die Wüste, an der er wohnte, mit jedem Sommer breiter wurde und die angewehte Sandmanschette seines Hauses höher. Es gab keinen Schatten für die Hunde außer dem schmalen Streifen, den gegen Abend die Hütte warf. Und bei den extremen Aktivisten, die ihre Hütte demontierten, fehlte selbst dieser Schatten. Auch die Hütten selber, zerlegbare Holzwürfel mit windgeschütztem Seitengelaß, das TGL-Standardmodell der bewaffneten Organe, waren Brutöfen im Sommer, aus denen es sogar die Verschreckten trieb.
Die Qualen des Sommers vollendeten sich jedoch erst im Durst. Zumal in der wüstenhaften Beschaffenheit der "Gasse Tews", wo nichts wuchs, das zumindest den Tau hätte auffangen können. Morgens fuhr der LO 1801A, ein kleiner Armeelaster, mit Futter- und Wasserbottich die Trasse ab. Ein Soldat hatte die Näpfe zu füllen. Diese waren in zwei Stahlringen eingehängt, die einem in die Erde gerammten Stab aufsaßen.
Nach heißen Tagen war eine weitere Wasserration am Abend auszuteilen. Diese Order schien dem Beobachter Tews aber mehr vom Charakter einer Empfehlung gewesen zu sein. Zudem wurden personelle Engpässe der Grenzkompanie immer zu Lasten der Hundestaffel behoben. Und fehlte es dort an Soldaten, fiel selbst bei größter Hitze die zweite Wasserfuhre aus.
Anfangs lag die Trasse als gleichmäßiges, über die Jahreszeiten fortdauerndes Ungemach vor Tews, und seine Vorstellung vom Durst der Hunde entsprach der "lütten Schüssel" und der oft achtlos geschwenkten Wasserkelle des Soldaten. Daß dieser Notstand auch noch Höhepunkte hatte, erschloß sich ihm erst, als es keine anonyme Hundeschaft mehr für ihn war, sondern er jeden einzelnen kannte. Die Pottschlepper strafte der Sommer am schärfsten. Tews sah sie ihr Wasser schon verschütten, wenn sie den Napf aus der Halterung zwangen.
Die anderen Motoriker der Trasse, die Erdarbeiter, unter deren rasendem Pfotenwirbel sich die Höcker einer Manöverlandschaft türmten, oder die rastlos Galoppierenden brachten sich mit ihrer Emsigkeit an den Rand des Verdurstens. Eine dritte Version dieser Sommerhölle war den Reglosen beschieden. Sie gingen haushälterisch mit ihrem Wasser um und ließen das Aufgesparte im Napf verdunsten. So halfen sie alle noch mit, den Umfang des Übels zu vergrößern. Und täglich erneuerten sie diese Erfahrung, wenn sie die Hitze niederstreckte. Tews konnte sogar zum Feierabend noch mit dem Anblick ihrer vom Hecheln geschüttelten Köpfe rechnen.
Doch erst während eines Sommerregens stellte sich ihm das eigentliche Ausmaß ihres Durstes dar. Sie leckten an Steinen und Stöcken, an ihren Pfoten, an allem, was immer auch einen Moment die Nässe hielt. Sie verrenkten sich für die Tropfen auf ihrem Rücken und versuchten, das Rinnsal entlang ihrer Leine aufzufangen. Ihre Zunge scheuerte das Hüttendach. Und nach dem Regen sah Tews sie mit gesenkter Schnauze oben sitzen, als beschworen sie die Wiederkehr einer Pfütze.
Tews mußte es beim Mitgefühl bewenden lassen, das über die Jahre nicht nachließ, doch aufhörte, eine scharfe Empfindung zu sein. Ihm konnte nur noch das Durstgebaren seines Favoriten einen Sonntag vergällen oder dessen hungriges Zurückbleiben, wenn der Futterbatzen ihn verfehlt hatte. Das letzte Unglück kündigte sich für Tews schon an, wenn auf dem Laster ein Soldat mit Forke stand, bei flotter Fahrt die Batzen schleudernd. Tews folgte dem Forkenschwung mit derselben Angespanntheit wie sein Favorit, sah wie dieser den Batzen fliegen und teilte mit ihm das Entsetzen, wenn der Batzen nicht in Reichweite niederging. Die vergeblichen, durch einen Leinenruck beendeten Sprünge des Hundes waren noch bis in die Nacht hinein zu hören.
Im Lauf der Zeit fühlte sich Tews mit der Trasse verwachsen, und die Not der Hunde bildete nur noch den Hintergrund seines eigenen Lebenskampfes. Auch seine Frau schien beschwichtigt. Sie war eine selbstvergessene Gärtnerin geworden. Das menschenferne Leben hatte seine guten Seiten. Tews, Maschinist bei der LPG Lüdersdorf, erlaubte sich, auf den gewaltigsten Traktoren über Mittag heimzufahren. Aus der Warte des Pilzsammlers Tews waren es sogar unübertreffliche Jahre. Tews mußte nur spurenlos den Kontrollstreifen überwinden. Dazu verhalf ihm ein Brett, mit dem er anschließend das Muster der Grenzegge nachzog. Und war er erst im Wald, konnte er gleich auf den Knien bleiben, so dicht standen die Pfifferlinge.
Tews hatte sein Herz an den Grenzaufklärer Peter Schoschies gehängt, der wie ein guter Sohn zu ihm war. Schoschies versah seine Soldatenpflicht mit zivilem Augenmaß. Er wußte, daß Tews in die Pilze ging, was ihm als Vorkommnis hätte gelten müssen. Spaßeshalber rief er auch "Halt, stehenbleiben!", wenn es in Tews bevorzugtem Waldstück knackte. Die beiden Männer tauschten Tauben. Schoschies nahm Tews' Sporttauben zu Friedens- und Solidaritätsflügen sowie Ehrenauflässen mit über die Sperrgebietsgrenze, regelte auch deren Teilnahme an Wettflügen nach Polen. Und der Freund dankte mit reichlich gedecktem Tisch. Sonntags duftete es nach gebratenen Tauben, und Tews sprach von ihrem Herzschlag zwischen seinen Händen, bevor er sie erdrosselte.
Der Grenzaufklärer kehrte während seiner Patrouillen ein, an seiner Seite den Fährtenhund Utz im Suchgeschirr. Sein Risiko, gesehen zu werden, war gering bei dem entlegenen Haus. Wobei diese Abgeschiedenheit aber den Nachteil hatte, daß sie das Haus exponierte und alles, was vom gewohnten Anblick abwich, auch ein fremdes Fahrrad am Gartenzaun, notwendig Interesse weckte. Zumindest am Tage hätte sich Schoschies, wäre er entdeckt worden, auf eine Fürsorgepflicht hinausgeredet, in dem Sinne, daß der alte Tews ihn, um Hilfe nachsuchend, von der Straße heruntergewunken habe.
Bei Dunkelheit versteckte Schoschies sein Fahrrad bei den Schuppen, dann hätte er seiner abendlichen Rast jenen Anschein nicht mehr geben können. Vor allem bei schlechtem Wetter nicht, wenn er Tews' Wohnstube zu seinem Unterstand machte und ohne Schuhe mit vor dem Fernseher saß, während seine Kleider am Ofen trockneten. Der Grenzaufklärer, den seine Frau für einen Offizier verlassen hatte, trug auch seinen Kummer zu Tews. Ihn hatte er schon eingeweiht, bevor seine Schmach in den Kasernen kursierte. Als höchsten Vertrauensbeweis schenkte er Tews einen Schäferhundwelpen, der einem Trassenwurf entstammte.
Es war ein heikles Geschenk. Schon die Tatsache, daß es eine tragende Hündin hatte geben können, stellte einen Zwischenfall dar. Als das eigentliche Übel galt jedoch der freilaufende Rüde, der Verursacher des Zwischenfalls. Sein Laufring mußte durchgescheuert sein. Er könnte auch sein gelockertes Halsband zerbissen oder den Kopf rückwärts dagegen gestemmt haben, um dann, den vorn gewonnenen Spielraum nutzend, hinauszuschlüpfen. Ihm verdankten sich nun alle Schwangerschaften längs der Trasse.
Trächtige Hündinnen schwächten das Wachpotential. Hochtragend zumindest waren sie nur noch auf Ruhe aus. Danach blieben sie sieben Tage nur mit ihrem Wurf befaßt, und die ganz Rigorosen fraßen nur, wenn der Napf in der Hütte stand. So gab es gegen ihren wochenbettbedingten Dienstausfall den Befehl, den Wurf zu töten.
Tews nannte den Welpen Lux. Lux entwickelte sich zu einem übelnehmerischen Zeitgenossen, was Tews dessen unkomfortabler Geburt anlastete. Die Mutter hatte ihre Hütte verweigert und unter freiem Himmel bei Winterkälte einen Wurfkessel gegraben. Letzteres ließ auf ihre Verwilderung schließen; ein Geschehen, das für Grenzaufklärer Schoschies die Selbstbehauptung der Hündin verriet, eine zurückgewonnene Souveränität, die sie dem Laufleinendasein entgegensetzte. Insgeheim beglückwünschte Schoschies jeden Trassenhund, der aufhörte, ein Menschengefährte zu sein, der die Einsamkeit als unabwendbar erkannte und sich dann selber aus dem Warten entließ.
Schoschies half beim Ausheben des unerwünschten Welpennestes, während die Mutter in einer Fangschlinge gehalten wurde. Sie erfüllte den Rassestandard für Schäferhunde. Da auch der Vater ihrer Nachkommenschaft in diesem Sinne als vollwertig galt, ließ man den Wurf am Leben und brachte ihn in die Obhut einer anderen Hündin. Diese lag mit eigenen Jungen in einem Waldversteck bei Schattin.
Es war eine illegale Wochenstation für Trassenhündinnen sowie ein Refugium zur Aufzucht respektabler Welpen. Es war zudem ein Durchgangslager für die illegalen Tauschobjekte. Hier hielten sich sowohl die Auserwählten auf, die von der Trasse Erlösten wie seinerzeit der Spitzenrüde Büffel, als auch die Unerheblichen, die dann die Lücke an der Trasse wieder schließen mußten. Es diktierte also nur eine halbe Barmherzigkeit dieses Hunderetten, Tauschen und Ersetzen, da die Begünstigten immer Schäferhunde waren.
Auch für den sanftmütigen Grenzaufklärer Schoschies war Schönheit nur bei Schäferhunden anzutreffen. In diesem Punkt ließ er keine Milde walten, selbst nicht seinem Freunde Tews zuliebe, der das Inbild eines Hundes in dem Gelben hinterm Grenzzaun sah. Schoschies ließ gerade die Seitenansicht des Kopfes gelten mit dem hohen Ohr. Von vorn hatte der Kopf optisch aber schon ausgespielt: der Fang zu spitz, die Augen zu schräg, der Schädel fleischlos. Und weil Tews dagegenhielt, befleißigte sich Schoschies bei der übrigen Gestalt einer noch kälteren Genauigkeit. Da begutachtete er ein Wesen, das gar nicht mehr den Hunden zuzurechnen war; dem es an einer Hinterhand- sowie an einer Vorderhandwinklung fehlte, dessen Oberlinie von den Ohren über den Widerrist bis hin zur Kruppe nicht schräg verlief, das also für Schoschies auch keinen Rücken hatte.
Ein Grenzaufklärer war Berufssoldat. Im Unterschied zu den Wehrpflichtigen, den Wachsoldaten auf den Türmen und zwischen den Zäunen, die zur gegenseitigen Kontrolle nur als Doppelposten auftraten, versah er seinen Dienst allein. Er legte Fußmärsche bis zu 20 Kilometern zurück, mit dem Fahrrad bis zu 30, beides in Begleitung seines Hundes. Er trug eine Kalaschnikow mit 60 Schuß Munition, eine Pistole sowie Fernglas und Funkgerät. Als ständiger Waffenträger nahm er seine Ausrüstung mit nach Hause, von wo er auch aufbrach. Ebenso war ihm sein Diensthund in private Obhut gegeben.
Der Grenzaufklärer hatte, der Logik eines Grenzbrechers folgend, das Sperrgebiet zu erkunden und sollte das erste Hindernis vor dem Signalzaun sein. Im äußersten Fall hatte er die Schußwaffe anzuwenden. Davor rangierte der Beißbefehl an seinen Hund. Bei Grenzalarm oder erwarteten Provokationen wurde er zu den Schwachstellen hinbeordert. In diesem Sinne waren Hochzeiten und andere Familienfeste durch eine verstärkte Streifentätigkeit abzusichern. Vor allem mußte er die aus der übrigen Republik geladenen Gäste im Auge behalten, die unter Alkohol manchmal gegen die Staatsgrenze rannten.
In der Regel widerstrebte ihm diese Pflicht, von draußen ins Gewoge einer Gastwirtschaft hineinzuschauen, die Schunkelnden am Ausziehtisch eines Wohnzimmers abzuschätzen oder aus dem Busch heraus eine Polonaise im Garten zu fixieren. So waren bestimmte Örtlichkeiten, an denen er sich postierte, dem Grenzaufklärer zwar vorgegeben. Doch zu den Streifengängen der Wachsoldaten verhielten sich seine Patrouillen wie Wanderungen mit offenem Ziel.
Aus dem freien Ermessen, das dem Grenzaufklärer zugestanden wurde und das seinen Dienst auch auszeichnete, erwuchsen ihm Versuchungen. Beispielsweise zählte das verbotswidrige Einkehren bei Zivilpersonen schon zu seinen Gepflogenheiten. Es fand sozusagen innerhalb der Sitten statt. Wie auch seine Teilnahme an der landesüblichen Tauschwirtschaft. Seine Tauschgabe bestand in der Milde, die er walten lassen konnte, im Nachsehen oder Begünstigen einer Zuwiderhandlung. Übte er etwa Nachsicht mit einem LPG-Brigadier, der betrunken Auto fuhr, ließ er sie sich mit einem Sack Weizen für die Hühner entgelten. Übte er Nachsicht mit einem Klempner, geschah es für ein Abflußknie.
Die Aussicht auf eine Mangelware ließ dem Grenzaufklärer Verfehlungen sogar gelegen kommen. Ja, er wünschte sie sich von bestimmten Personen geradezu herbei. Dann paßte er, weil er Dachlatten brauchte, den Bautischler aus dem Hinterland ab, der ein Verhältnis mit einer Frau im Sperrgebiet hatte. Jetzt war der Bautischler zudem verheiratet und die Geliebte eine Frau von schlechtem Ruf, und ihre trübe Geschichte benötigte eigentlich den Schutz der Dunkelheit. Als Handwerker mit Arbeitspassierschein durfte der Bautischler jedoch nur bis neun Uhr abends bleiben. Die Nöte des Mannes waren also beträchtlich. Und er erfüllte bald den Tatbestand einer illegal verbrachten Nacht im Sperrgebiet.
Die längste Zeit seines Dienstes brachte der Grenzaufklärer in Einsamkeit zu. Seine Wege führten ihn durch eine unangetastete, der Wildnis wieder zugefallene Landschaft, die sich der Grenze verdankte. Er unterschied die Jahreszeiten nach ihren Vorzügen und Nachteilen für einen Fliehenden, die sich gewöhnlich deckten mit seinem persönlichen Wohlsein und Verdruß. Die besten Fluchtverstecke hielt die vollbelaubte Natur bereit, im späten Frühjahr beginnend, wo es sich auch noch angenehm patrouillieren ließ.
Danach kamen die Mückenschwärme, aber auch die warmen Nächte, das Gute am Sommer. Nun konnte der Fliehende länger ausharren, während den Grenzaufklärer solche Nächte die Geruhsamkeit kosteten. In jedem blätterdichten Busch nahm er etwas zusätzlich Kompaktes wahr. Jede überrankte Mulde schien ihm ausgefüllt mit einem Kauernden. Dann, zum Winter hin, wenn ihm selber die Kälte schon zuzusetzen begann, verringerten sich auch die Verdachtsmomente. Die Büsche waren wieder durchsichtig, und das Schußfeld hatte sich gelichtet.
Wenn es sein Naturell hergab, versah der Grenzaufklärer seinen Dienst im Bewußtsein des gewürdigten Solisten. Oder aber er fand sich einer zermürbenden Unabhängigkeit ausgeliefert, in der ihn die Ereignisse der Natur mehr forderten als die Anzeichen einer Flucht. Ihm waren die Nächte vor allem bedrohlich, ihre Geräusche, von denen er nicht wußte, wer sie erzeugte. Überall huschte, schnaubte und fiepte, knarrte und knackte es. Die Laute folgten ihm und eilten ihm voraus. Blieb er stehen, schienen sie ihn einzukreisen, und er fühlte sich wie vorgeführt. In dieser Vielfalt von Tönen hatte er dann noch das Aufknurren seines Hundes einzuschätzen, das einen Republikfeind anders annoncierte als ein Reh.
Je nach Beschaffenheit seines Gemütes erfüllte der Grenzaufklärer auch die Rolle eines naturkundlichen Emissärs. Dann sammelte er für den Lehrer die Speiballen der Eulen ein oder nannte den Dörflern den Zeitpunkt, zu dem die Füchsin nicht mehr säugte und unterwegs war zu den Hühnerhöfen. Und genauso spielte er die umgekehrte Rolle und gab für die Waldtiere den Komplizen ab. Er schickte das Jagdkollektiv dann nach links, wenn die Wildschweinrotte rechts lag. In der Regel verabscheute er die Jagdkollektive, diesen Offiziershaufen im Troß des Regimentskommandeurs, der sich in den Grenzwäldern unbeobachtet wähnte.
Ihre Betätigung nannte sich militärischer Wildabschuß. Schon diesem Begriff waren die Gewehrsalven anzuhören. Das ganze Jahr über herrschte ein jagdlicher Ausnahmezustand für die Schützen. Ihr gründliches, unaufschiebbares Wirken sollte den Wildschäden an den Grenzanlagen vorbeugen sowie dem wildbedingten Alarm des Signalzauns. Es sollte auch die Zahl der unter einem Rehhuf oder einer Wildschweinklaue explodierenden Minen verringern. Am Abend vor der Jagd erschien der Adjutant des Kommandeurs in der Kaserne und suchte einen Freiwilligen für den H4-Scheinwerfer. Mit ihm hatte der Soldat den Zielort des Jagdkollektivs auszuleuchten. Daneben blendeten mit kaum geringerer Strahlkraft die Scheinwerfer des russischen UAS-Jeeps, in dem ein Teil der Jägerschaft sa ß. In dieser Lichtkanonade stand nun das gebannte Wild zur Auswahl. Der Befehlshöchste legte auf das Prachtstück an, und die Dienstgradärmeren erledigten den Rest.
Allesamt waren sie skandalöse Jäger. Sie feuerten während der Fütterung, schossen vom Hochstand herunter auf die angehäuften Äpfel oder hielten in den umzäunten Saufang hinein, bis die Rotte nur noch zuckte. Nichts war regelwidrig für die Schützen. Wie und was sie auch niederstreckten, es schien militärisch erforderlich. Immer handelte es sich um die Erfüllung einer höheren Pflicht, zu der, auch wenn sie Vergnügen bereitete, die Schützen gezwungen sein wollten.
Um die Massaker der Jagdkollektive, soweit sie nicht hörbar waren in den Dörfern, wußte nur der Grenzaufklärer. Nur er, der die Wälder besser kannte als die Jäger, hätte als Zeuge gegen deren Untaten bestellt werden können, auch gegen deren Bereicherung, die der Antrieb ihres Beutefleißes war. Stücke mit vernünftigem Schuß brachten gute Kilopreise bei der Wildannahmestelle. Die unverkäuflich Zugerichteten, vom Sperrfeuer Zersiebten blieben liegen, wo es sie getroffen hatte. Auf ihre Kadaver stieß später dann der Grenzaufklärer, tragende Ricken, Kitze und große Schweine, auf alles auch, was angeschossen entkommen und bald darauf verendet war. Denn die militärischen Jäger traten ohne Hunde an und ersparten sich selber das Suchen. Am Waldrand lag der Aufbruch jener Beute, die offenbar weidmännisch erlegt worden war und für die Wildannahme taugte.
Im Sommer stiegen die Gerüche von den Überresten auf. Schon der noch aus der Jagdnacht hervorgegangene erste heiße Tag hatte sie in Aas verwandelt, an dem die Vögel zerrten und das Raubzeug saß. Jeder Windhauch kündigte dem Grenzaufklärer einen üblen Anblick an. Er hörte von weitem das gereizte Insistieren der Insekten. Und welche Richtung er auch wählte, er geriet auf einen schaurigen Parcours. Der Gedanke daran konnte ihm zu Hause schon auf den Magen schlagen, wenn er den kurzen Soldatenspaten vom Haken nahm, den er aus freien Stücken mit sich schleppte, um das Aas mit Erde zu bedecken.
Stabsoberfähnrich Zimmermann hatte die aufreizende Vorstellung, daß die Angehörigen des Bundesgrenzschutzes allesamt Industriellensöhne seien oder aristokratischen Familien entstammten. Er glaubte sie alle in Reichtum und prachtvollen Häusern aufgewachsen, was seinem verordneten Feindbild noch ein ziviles Motiv zufügte. Seine Vorstellung gründete auf einem Gerücht, das zum Ansporn des Soldateneifers von höchster Kommandoebene in Umlauf gebracht worden war.
So hatte Zimmermann in Ausübung seines Dienstes als Grenzaufklärer einen verwöhnten, gutsituierten und daher doppelt zu hassenden Feind vor Augen. Beide gingen sie ihre Patrouillen in Gesellschaft eines Hundes, der eine diesseits der Zäune und jenseits der andere. Beide sahen einander so manchen abwechslungsarmen Tag verbringen, an dem sich nichts weiter ereignete als das Wetter. Beide schleppten sich über die Mittagsstunden des Hochsommers in einer parallelen Mattigkeit. Ihr Gleichklang gipfelte darin, daß sie sich im Fernglas anvisierten, wobei jeder die Geduld des anderen durch die eigene Geduld zermürben wollte. Sieger war, wer zuletzt das Fernglas sinken ließ.
Obwohl diese Gegnerschaft hin und wieder solche spielerischen Züge trug, für Zimmermann lag sie weit über dem soldatischen Auftrag. Sie reichte in seine private Lebenssphäre hinein, in die Einliegerwohnung über dem Zuchtbullenstall, in sein kleines akkurates Milieu, das er gegen die Zimmerfluchten des Feindes setzte. Sie rührte an die ihm verliehene sozialistische Überlegenheit, wenn er das zwölfmal nachgestrichene Dienstrad bestieg, auf dem kein Abkömmling des großen Geldes jemals würde fahren müssen.
Das Gerücht hatte sich schließlich gegen das militärische Machtorgan der Arbeiterklasse selbst gewendet, von dem Zimmermann ein Teil war. Es unterhöhlte seine Zufriedenheit. Im Geiste sah er die Söhne der Eliten Tennis spielen, während ihn nach Dienstschluß die nebenerwerblichen Pflichten riefen. Er hielt sechs Schweine, davon fünf zum Verkauf, jedes mit 1100 Mark kalkulierend. Er zog die Welpen seiner Fährtenhündinnen auf, um sie bei Tauschgeschäften abzusetzen.
Als Züchter hatte er die Kleintierpalette im Programm; Zwerghühner und Tauben, Meerschweinchen als Gabentischartikel für Kinder, Kaninchen, die sowohl dem Rassestandard genügten - 15 Jungtiere je Häsin bei drei jährlichen Würfen - als auch der Weißfleischproduktion. Die Annahmestelle zahlte Stückpreise von 50 Mark und mehr. Zimmermann bewegte sich durch eine Budenstadt aus Verschlägen, Volieren und aufgebockten Kästen, Refugien mit Schlupfloch oder Maschendrahtfenster. Hinter jedem Gitter gab es Ansturm und Erwartung, wenn er kam. Alles wollte gefüttert und frisch gebettet sein.
Nicht, daß er Not gelitten und ohne zusätzliche Wirtschaft ihm zur Suppe das Fleisch gefehlt hätte. Die vier Kinder verließen gesättigt den Tisch. Und seiner Frau, Telefonistin in einer Milchviehanlage, standen die Futtermittel zu, die er am Abend verteilte. Zimmermanns Nebenerwerb galt den Dingen des höheren Bedarfs, den Filzfliesen, dem Duschvorhang und der Mischbatterie, den Preziosen aus den Westpaketen, deren Empfänger sie ihrerseits zu Markte trugen.
Ihn selber erreichten keine Westpakete, da er der Truppe angehörte. In dieser Eigenschaft hätte er nicht einmal einen westlichen Absender kennen dürfen. Schon das bloße Deponieren eines solches Pakets vor seiner Tür, selbst wenn es ein Versehen des Zustellers war, konnte ihn militärisch illoyal erscheinen lassen. Aber auch das kleinbäuerliche Tätigsein, von dessen Erlös er die Produkte des Feindes kaufte, kehrte sich gegen ihn. Mit umgebundener Schürze im Schweinestall beschädigte er das Bild des sozialistischen Berufssoldaten. Ein Stabsoberfähnrich, der Gras für seine Hasen sichelte und Goldhamster gegen Mandelsplitter und Rosinen tauschte, rührte an die Würde der Armee.
Zimmermann hatte mit der beladenen Mistgabel die Stalltür von innen aufgedrückt und lief blindlings in Richtung des Abschnittsbevollmächtigten Möss. Dabei hatte er die Mistgabel wie ein langstieliges Tablett vor sich hergetragen, nämlich waagerecht und in Brusthöhe, so daß Möss den Eindruck gewinnen konnte, Zimmermann wolle ihm servieren. Beide Männer verband seit Jahren eine gegenseitige Abneigung. Der Harmoniegesetze des Dorfes wegen grüßten sie sich jedoch. Und bei neuen, ihre Abneigung auffrischenden Anlässen grüßten sie sich sogar äußerst bedachtvoll. Diese Regel war jetzt aber außer Kraft gesetzt.
Die Männer standen starr voreinander, Möss, die hochbepackte Forke unter der Nase, und Zimmermann sie ihm darbietend. Dieser Vorgang war nicht mehr unschuldig zu machen. Zimmermann spürte den langen Blick auf sich ruhen. Der Blick verhieß einen Gegenschlag, einen in den Sekunden des Hinsehens sich verfertigenden bösen Plan.
Der Kurier, der die Vorladung zu überbringen hatte, parkte den Kübelwagen quer zum Dielentor. So blieben ihm die Jauchepfützen erspart, und er konnte trockenen Fußes nach Stabsoberfähnrich Zimmermann suchen. Links gingen die Ställe ab. Aus jeder Fuge strömten die warmen Rinderessenzen. Das Wiederkäuen der Bullen war zu hören, das Rumoren der Hufe, ihre Quastenschläge und das strahlscharfe Urinieren. Hin und wieder klirrten die Kettenmonturen an ihren Köpfen. Hinter einer Sperrholztür am Ende der Diele führte die Treppe zu Zimmermanns Wohnung.
Auf der untersten Stufe, zwischen mehreren Schuh- und Pantoffelpaaren, standen seine Grenzerstiefel. Eine Stufe darüber lagen das Neue Deutschland vom Vortag, einzelne Textstellen von Hand unterstrichen, eine Geflügelzeitung sowie das Periodikum Der Hund. Letztere wirkten zerlesen. Wie Zimmermann später dem Offizier der Staatssicherheit erklären sollte, handelte es sich um die ausgeliehenen Exemplare eines Züchterfreundes, dem er im Gegenzug sein Neues Deutschland überließ. Alle drei Blätter habe er abholbereit auf die Treppe gelegt. Er sei, das ND betreffend, das Pflichtblatt für Soldaten, also selber Abonnent gewesen und nicht, wie ihm unterstellt worden war, der Nutznießer eines anderen Abonnenten.
Der Kurier rief nach oben, wo sich aber nichts rührte. Statt dessen drang Zimmermanns Stimme von draußen in die Diele hinein. Die Befehlstöne fuhren wie Schüsse zwischen die Stallgeräusche: "Aus!", "Fuß!", "Platz!" Sie kamen von der Gartenseite des Bauernhauses her. Ihrer Richtung folgend, geriet der Kurier in ein Labyrinth von Nebengelassen. Er bückte sich unter Zwiebelgebinden, Dörrobstketten und kopfüber hängenden Minzesträußen, unter Kaninchenfellen und Schweinsblasen, die an Fäden schwebten. Einer Kammer voller Federn, nach ihren Spendern in Säcke sortiert, schloß sich eine Futterküche an. Im Dämpfer garten die Kartoffeln für die Schweine, die schon zu riechen und entfernt zu hören waren. Neben dem Dämpfer stand, gescheuert wie ein Wirtshaustisch, ein Knochenbock. Alles verriet Zimmermanns penible Hand.
Die Vorladung beim Regimentsstab Schönberg war auf den folgenden Tag datiert. Zimmermann brachte sie gleich in einen Zusammenhang mit dem Abschnittsbevollmächtigten Möss. Er ahnte auch die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben würden. Und dieser Ahnung entsprang sein Unbehagen, als er den Kurier aus dem Schweinestall hatte hinaustreten sehen, der einzigen Tür, die aus der Intimsphäre seines nebenerwerblichen Schaffens ins Freie führte.
Der Kurier traf den Gesuchten bei einer hundesportlichen Übung an. Ein Schäferhund, im Fang ein Bringholz tragend, lief auf Zimmermann zu, setzte sich vor ihn und ließ auf das Hörzeichen "Aus!" das Bringholz fallen. Es handelte sich um ein jüngeres, von der Armee neu erworbenes Tier, und Zimmermann, der in seinen freien Stunden auch noch Abrichter von Truppenhunden war, nahm es als Glück im Unglück, gerade jetzt in dienstlicher Strenge mit ihm befaßt zu sein.
Der Regimentsstab residierte in einem früheren Wehrmachtsgebäude mit säulengetragenem Vorbau, weiter Halle und breiter Steintreppe. Im ersten Stock lag das Büro des Offiziers für Staatssicherheit. Die Polstertür hatte nur von außen eine Klinke, von innen war sie durch einen im Polster verschwindenden Knopf zu schließen. Zimmermann befand sich in einem Raum voller Tabakschwaden, in dem selbst der Schreibtisch keine festen Konturen mehr hatte und der Offizier, der dahinter saß und rauchte, nur zu vermuten war. Es roch nach der Dreißigpfennigszigarre der Marke "Jagdkammer". "Stabsoberfähnrich Zimmermann wie befohlen zur Stelle!" Der straffe Meldeton schien zu versacken wie ein Geschoß in Watte. Der Qualm schluckte auch das Ritual mit der Mütze. Nach der Ehrenbezeigung mit der rechten angelegten Hand war sie abzunehmen und in der herabhängenden linken Hand zu halten, ihre Öffnung zum Körper gerichtet und die Kokarde nach vorn zum Dienstgradhöheren hin. In diesem Falle war es ein Genosse Hauptmann. Er war zu jung für die Sorgfalt, mit der er seine Ringe blies. Auch wie er die Zigarre balancierte, damit sie ihren Aschekegel nicht verlor, entsprach nicht seinen Jahren. Zu beidem paßte aber seine Blässe. Als er sich ausließ über Stallarbeit und Schweine und deren Unverträglichkeit mit sozialistischem Berufssoldatentum, machte er eine Miene, als würde das Genannte ihm soeben in die Kleider dringen. Dann verwarnte er Zimmermann wegen Kleinbürgerlichkeit nach Dienstschluß.
Anfangs verband den Grenzaufklärer Zimmermann und den Abschnittsbevollmächtigten Möss die natürliche Abneigung zweier Männer, deren Kompetenzen sich überschnitten, obwohl sie verschiedene Dienstherren hatten. Als ABV gehörte Möss der Volkspolizei an, somit dem Ministerium des Innern, dem im Aufspüren des inneren Feindes symbiotischen Zwilling der Staatssicherheit. Möss empfahl sich den Dörflern im Habitus des braven Schutzmannes, Freundes und Helfers. Er kannte die Kümmernisse, die ihnen aus der Abgeschiedenheit des Sperrgebiets erwuchsen, die versiegenden Kontakte der Familien und ihre Prozeduren, damit sich der Schlagbaum für eine Hochzeitsgesellschaft öffnete. Sein Augenmerk jedoch galt ihrem darüber entstehenden Überdruß. Denn Überdruß war ein Fluchtmotiv.
Möss hatte eine Vorliebe für das Wittern von Fluchtabsichten. Bei einem Schicksalsschlag, wenn der Betroffene das Herz auf der Zunge trug, war er gleich zur Stelle. Er saß an manchem Stubentisch, das erste Schnäpschen nicht verwehrend, und hörte sich den Jammer an. Jedes Ehezerwürfnis benotete er im Hinblick auf eine zu erwartende Kopflosigkeit. Und da Vermutungen sein Arbeitsfeld waren, sah er den Ehebrecher oder den Betrogenen bald über den Grenzzaun steigen. Gegen diese unbeweisbare Absicht schlug Möss sodann den Dienstweg ein.
Möss hielt einmal die Woche eine Sprechstunde ab. Die meisten kamen, um Besucheranträge auszufüllen. Neben den persönlichen Daten, dem Verwandtschaftsgrad und der Personenkennzahl des Herbeigewünschten war auch noch anzugeben, warum man dessen Besuch sich wünsche. Die Anträge blieben bei Möss, dem ihre Beförderung zum Volkspolizeikreisamt oblag. Möss nahm sich nun die Muße, sie auf ihre Triftigkeit hin zu studieren. Und wo ihm diese nicht gegeben schien, versah er die Rückseite mit einem Vermerk. Er vermerkte auch die zerrütteten Verhältnisse eines Antragstellers, die Tatsache, der Republik abträgliche Reden geführt oder durch Zurüstung des Fernsehgerätes Westempfang zu haben. Der Vermerk war sein Machtinstrument, sein Einspruch gegen ein Besuchsanliegen, seine Empfehlung für eine Nichteinreise. Damit traf Möss den empfindlichsten Punkt, den es im Sperrgebiet zu treffen gab.
Am Neujahrstag 1986 standen Kinder mit einem zitternden Hund vor Zimmermanns Tür, einem kurzhaarigen, dunkelbraunen Pointer. An seinem Halsband hingen eine westliche Steuermarke sowie eine aufschraubbare Kapsel, in der ein Zettel mit Lübecker Adresse und seinem Namen steckte. Er hieß Kemal. Die Kinder hatten ihn morgens bei Herrnburg aufgelesen, dem östlichen Nachbarort von Lübeck-Eichholz, wo auch der Interzonenzug Hamburg-Rostock vorbeikam.
Äußerlich befand sich der Hund in gutem Zustand, so daß ein Umherirren über längere Zeit ausgeschlossen werden konnte. Wahrscheinlicher war, was auch seine Verstörtheit erklärte, daß die Feuerwerke und Knallkörper der Lübecker Silvesternacht ihn panisch das Weite hatten suchen lassen. Dagegen gab es für seinen Grenzübertritt nur einen möglichen Hergang. Er mußte ihn über den Gleiskörper geschafft haben. Zimmermann nahm den Findling auf. Er tat es zum Ärger von ABV Möss, der für den Hund zuständig gewesen wäre.
Kemal ergänzte Zimmermanns Bild vom verweichlichten Westen, ja er übertraf es. Man hatte ihn später in die Stube hochgeholt, ihm einen Kuraufenthalt gewähren wollen für die erste Nacht. Zur Schonung des Teppichs breitete Zimmermann eine Decke neben dem Ofen aus. Und er stand noch gebückt, die Decke glättend, als er einen Seufzer des Behagens hörte. Kemal hatte sich in einem Sessel niedergelassen und zitterte nicht mehr.
Mit dem Tag, an dem der Hund in seinem Sessel lag, sah Grenzer Zimmermann in den Türmen von Lübeck keine feindlichen Köder mehr. Jetzt war ihm ihre Nähe eher angenehm. Sie stärkten seine Zuversicht auf einen kurzen Heimweg des Hundes. Er dachte daran, ihn in den Interzonenzug zu setzen. Der östliche Zugbegleiter, der am Grenzbahnhof Herrnburg aussteigen mußte, sollte ihn der westlichen Ablösung übergeben. Und dieser Beamte sollte nun seinerseits am Lübecker Hauptbahnhof jemanden finden, der den Hund nach Hause schaffte, ihn zumindest in weiterleitende Hände gab. Der Zugbegleiter glaubte, nicht recht gehört zu haben. Das Ansinnen verhöhnte sein Amt.
Da der Hund ohne Impfpapiere in die Republik gelangt war, erfüllte seine Anwesenheit den Tatbestand der illegalen Einfuhr von Tieren. Darüber setzte der Kreistierarzt von Grevesmühlen den Bezirkstierarzt in Rostock ins Benehmen. Der meldete den Vorfall der Veterinärfachverwaltung beim Ministerium für Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft in Berlin. Dort befürwortete man im Interesse des innerdeutschen Friedens eine unkomplizierte Rückführung des Hundes und kontaktierte die Ständige Vertretung der Bundesrepublik, die ihrerseits über die Schleswig-Holsteinische Landesregierung in Kiel den Hundehalter in Lübeck fragen ließ, ob er den Hund zurückhaben wolle. Er wollte es.
Über diesem Aufgebot von Maßnahmen wurde dem Pointer Kemal sein Bravourstück aberkannt, sein die Grenze verspottender Ortswechsel. Er war kein entlaufener Hund mehr. Für sein Vorhandensein in der Republik hatte aus ihm eine Importsache werden müssen und der Logik dieser Deklarierung folgend aus seinem Herrn ein Exporteur. Nun stand jedoch nicht das Verbleiben, sondern die Entledigung des Hundes an. Dazu brauchte er wiederum den Status eines Ausfuhrgutes.
Bis zur Heimkehr des Hundes vergingen Wochen. Unterdessen führte er bei Zimmermann das Leben eines Gastes. Er war heikel. Nach Spaziergängen hob er jeden seiner Füße einzeln an, damit man sie ihm wischte. Zimmermann sah einen Zögling der Klassengesellschaft in ihm und in seinem Gebaren deren feudale Überreste. Nachts fehlte ihm die Menschennähe, obwohl er das Schnarchen des Grenzaufklärers aus dem Nebenzimmer hörte. Manchmal schleppte er dessen Kleidungsstücke zu seinem Sessel und bettete sich darauf. Diese Anwandlung hielt Zimmermann aber seinem Trennungsschmerz zugute. Im Kameradenkreis hätte ihn seine Nachsicht zur Spottfigur gemacht. Selbst seine Fährtenhündin Corina, die brave Soldatin auf ihrem Strohsack in der Hütte, beschämte ihn. Sie mußte nur anschlagen in jenen kalten Nächten, wo der Pointer vor dem Ofen lag, und er fühlte sich ins Unrecht gesetzt.
Ach, diese Corina, was für große Momente hatte er ihretwegen schon. Sie war berühmt für ihre hohe Nasenleistung. 1982 durfte sie am Taschentuch von Bou Thong, dem Verteidigungsminister von Kambodscha, riechen, um anschließend unter vielen spaßeshalber abgelegten Mützen die des Ministers auszubellen. Solche Intermezzi waren zum "Tag der Grenztruppen" gern gesehen, dem 1. Dezember, wenn Staatsbesuch nach vorn kam. Die Delegationen trugen die Felddienstuniformen des Gastlandes, eine gegen den Bundesgrenzschutz gerichtete Tarnung der Prominenz.
Bou Thongs Mütze war also kein über die Amtsjahre von seinem Schweiß getränktes Exemplar, sondern ein nagelneues aus der Regimentskleiderkammer, was für das Findeglück der Hündin sprach. Und vier Jahre später, wieder zu besagtem Anlaß, dieselben Späße mit Humberto Ortega, dem Verteidigungsminister Nicaraguas. Der ließ an seinem Taschenkamm die Nasenprobe nehmen. Die Lockstoffe, die diesem Gegenstand entströmten, verkürzten natürlich die Sucharbeit für seine Mütze. Daraufhin wollte auch der Adjutant des Ministers seine Mütze zugeordnet haben. Es war ein kleiner Mann, dessen Gestalt der überlangen und knüppeldicken Havanna, die er rauchte, die Proportionen eines Ofenrohres gab. Er hielt Corina die Aluminiumhülse jener Zigarre in die Witterung, ein nun wirklich körperfremdes, kaltes Utensil, von dem er gehofft haben mochte, die Hündin würde daran scheitern. Doch sie mußte ihn enttäuschen.
Nach sechs Wochen stand der Abschnittsbevollmächtigte Möss mit umgehängter Hundeleine in der Stubentür. Bevor noch ein Wort gewechselt war, wußte Zimmermann, daß nun eine Feindschaft besiegelt würde. Der Grenzer, ihm zur Seite Kemal sitzend, sah Sportprogramm. Und Möss fühlte sich beschenkt durch diesen Anblick. "Jetzt geht's heimwärts, Freundchen!" sagte er in die schöne Eintracht hinein. Dabei glühte er vor Zuständigkeit. Da Zimmermann im Beisein des mißliebigen Mannes nicht getroffen wirken wollte, machte er den Abschied kurz. Immerhin beklopfte er den Hund, strich ihm die Ohren nach hinten und nahm, etwas, das ihm sonst als äffig widerstrebte, die Grußpfote an. Möss führte den Westhund dem Volkspolizeikreisamt in Grevesmühlen zu. Dort brachte man ihn auf den Weg nach Gudow-Zarrentin, der Grenzübergangsstelle für lebende Handelsgüter, wo auch sein Herr sich eingefunden hatte.
Am Ende der Flurtreppe hebt sich Zimmermanns straffe Silhouette ab; der Kopf wirkt wie durch ein Brett begradigt. Dieses Phänomen erweist sich dann aber, sobald er aus dem Gegenlicht tritt, als naß gescheitelte Frisur. Er hat ein schmales Wettergesicht. Der Oberlippenbart darin muß jedoch neuesten Datums sein, ein Testgewächs scheinbar, das noch nicht in Einklang mit dem Träger steht. Dasselbe gilt für die kurze, papageienbunte Hose. Zimmermann ist dabei, sich als Zivilist einzuüben. Zuerst gehörte er dem Rückbaukommando für die Staatsgrenze an, unter anderem mit dem Verkauf der feuerverzinkten Stahlgitterzäune betraut, 3 1,50 Meter oder 3 1 Meter zu acht beziehungsweise sechs Mark. Sie waren, kleinmaschig und rostfrei, hoch begehrt zur Einfriedung von Küchengärten, Hühnerställen und anderen Tiergehegen. Inzwischen ist Zimmermann Nachtpförtner und Aufsichtsperson in einem Asylantenheim, einer früheren Grenzerkaserne in Schlagsdorf.
Um die Irritationen durch die neuen Zeiten besser zu bestehen, hatte er schnell die Kameradschaft westlicher Schäferhundfreunde gesucht und war Mitglied des Gebrauchshundesportvereins Ziethen-Ratzeburg geworden. Beim Einstand gab es das übliche Ritual mit Schnäpsen, aber auch die Frage "Heinz, hast du auf einen geschossen?", worauf Zimmermann antwortete, er habe das Glück gehabt, es nicht zu müssen, doch wenn nicht, dann hätte er. Das war nun ein klares Wort. Jetzt zählte nur noch sein kynologischer Sachverstand, und er fand sich schon bald in den Vorstand gewählt.
Der GHSV Ziethen-Ratzeburg mit seiner geflämmten Rundholzhütte, den Tiroler Stühlen und dem Flutlicht auf dem Abrichteplatz wärmte den ausrangierten Soldaten. Er prostete mit BGS- und Polizeibeamten, mit den aus rückwärtiger Sicht exponiertesten Feindfiguren. Hundesportlich hatte er durch die Vereinigung Deutschlands allerdings eine Kränkung hinnehmen müssen. Seine Veteranin Corina, diese einstige Nasenkönigin des Grenzkommandos Nord, von der er immer noch in der närrischen Tonlage eines Liebenden spricht, erfüllte nicht das westdeutsche Schönheitsideal eines Schäferhundes. Denn dieser hat einen schwarzen Sattel, große gelbe Abzeichen, einen Karpfenrücken sowie eine gewölbte Vorbrust bei ausgeprägtem Trabergestell. Corina hingegen zeigte alle Merkmale des ostdeutschen Hundeschlages. Ihr fehlte die sogenannte Buntheit; was gelb hätte sein müssen, war grau. Aufgrund des steilen Oberarms und entsprechender Winkelverhältnisse der Hinterhand hatte sie kein Trabergebäude, sondern war von gerader Wolfsarchitektur und vom Gangwerk her unbefähigt für die Pferdetätigkeit des Trabens.
In einer Winternacht erzählte Schoschies dem alten Tews den Grenzzwischenfall vom Lankower See. Hinter beiden Männern lag ein böser Tag. Schoschies war aufgewühlt von privatem Kummer, denn seine Frau wollte die Scheidung. Und Tews hatten seinen Hund erschlagen, vielmehr vom Schwiegersohn erschlagen lassen, ihn dabei aber festgehalten. Der Hund war plötzlich verrückt geworden, nervlich kaputt durch die Soldaten, was mit Tews' Gartenzaun zusammenhing. Der Zaun war mit Strauchwerk ausgeflochten, und die Grenzer zogen die Bündel heraus, um auf dem geeggten Kontrollstreifen ihre Spuren zu verwischen. Dann tobte der Hund und bellte sich in Heiserkeit, und die Soldaten schürten seine Weißglut noch, indem sie mit den Bündeln winkten.
In dieser Nacht, der das Niedergehen einer umgedrehten Axt vorausgegangen war und in der Schoschies, der Trost für ein verfehltes Leben suchte, sein Dienstgeheimnis brach, schien auch der "Gasse Tews" das Leben zu entweichen. Den Laufleinenhunden gefror die Atemluft beim Heulen. Es ging bald in ein Wimmern über, und dann verstummte es. Die Kälte wird also vergleichbar gewesen sein mit der auf dem Lankower See, dessen westliches Ufer feindwärts lag. Das Eis trug. Es hätte auch Traktoren getragen an dem Tag, als man die Trasse installierte und auf die schmalste Stelle sieben Hunde brachte.
Es waren wetterfeste Exemplare, die wolligsten und buschigsten zwischen Pötenitz und Boizenburg, unter ihnen, sie alle überragend, ein Kaukase. Er hatte die Größe eines Bären, und seine Farbe wechselte zwischen Kupfer und Messing. Er bewachte die Mitte des Sees, und je nach Einfall des Lichtes sah Schoschies ihn wie ein Feuer unter seinem Drahtseil laufen.
In sonniger Kälte bot die Trasse das Schauspiel scheinbarer Winterfreuden. Die Bahnen der Hunde beschrieben das gewohnte Oval, das langgestreckte zwischen den Stoppern und das kleine um die Hütte. Nur waren sie jetzt spiegelblank. Vom Uferhügel aus oder durch die Luke des Wachturms konnte man sie für die endlose Acht eines Schlittschuhläufers halten. Die Ringe pfiffen, die Drahtseile federten. Und über dem Eis hatten beide Geräusche einen sphärischen Klang. Dazu vollführten die Hunde ihre Rutschpartien. Sie rannten los, wenn sie das Futterauto hörten, vergaßen die Glätte und schossen wie auf Kufen auf den Stopper zu. Danach mußten sie die Schmach eines Sturzes verwinden und gingen auf steifen Beinen zurück.
Dann ließ der Frost nach, und es schneite. Der Schnee dämpfte die Geschäftigkeit der Trasse. Er tarnte die Hütten. Ihre Eingänge schienen in Bunker hinabzuführen. Und von den Böcken, die die Drahtseile spannten, ragte gerade noch, als wären es Überreste eines zurückliegenden Geschehens, die obere Hälfte heraus. Nur der Kaukase in der Mitte wirbelte weiter und pflügte seinen Wachabschnitt. Als der Bataillonschef über das beginnende Tauwetter in Kenntnis gesetzt worden war, trug das Eis noch zwei Wochen. Auf dem See breitete sich ein Nässefilm aus, und längs der Trasse bildeten sich morastige Furchen. Die Hunde legten sich, um das Schmelzwasser von den Pfoten zu lecken; eine unsinnige Verrichtung, wie sie bald merkten, da sie anschließend am ganzen Körper trieften. Ihre Hütten standen in einer Lache, die auf ihr Strohlager überfloß.
Grenzaufklärer Schoschies hatte bei den Hunden eine Unruhe wahrgenommen, die anders war als jene Ruhelosigkeit, mit der sie auf ihre gewöhnliche Fron reagierten. Das sonst eher kopflose, die Verlassenheit betäubende Rotieren war jetzt ein hellwaches, von Furcht getriebenes Aufund-ab-Gehen. Unter der wäßrigen Fläche schien sich ihnen noch eine Tiefe mitzuteilen, die sich bewegte und Töne von sich gab. Auch ihr Aufruhr bei der Ankunft des Futterkommandos wirkte gedrosselt. Schoschies sah sie nur noch ansatzweise Freudensprünge machen, als wüßten sie um die Reizbarkeit des Untergrundes.
Nach der ersten Tauwetterwoche betraten nur die kühnsten und mitleidvollsten Soldaten den See. Das Unglück hätte jetzt noch abgewendet werden können. Doch der Bataillonschef erklärte aus der Entfernung seines Schreibtisches heraus das Eis für stabil. Die Hunde wateten schon mehr, als daß sie liefen. Vor allem den Kaukasen umspülte das Wasser. Der kolossale Hund war der Proband des Bataillonschefs, sein Gefahrenmelder für den Abbau der Trasse. Solange das Eis ihm standhalten würde, so lange wäre es auch als Fluchtweg in Betracht zu ziehen.
Endlich wagte sich auch der allergütigste Soldat nicht mehr hinaus, und die Hunde begriffen, daß ihre Not nur noch Zuschauer hatte. Sie standen auf ihren gefluteten Hütten, als warteten sie auf die Belobigung eines Dompteurs. Zuerst brach das Eis unter dem Kaukasen weg. Er kämpfte einige Schwimmschläge lang. Schoschies sah seinen Kopf noch für Sekunden über Wasser. Nach dem mittleren Trassenstück brachen die angrenzenden Nachbarschaften ein, dann, diese Symmetrie weiter befolgend, die jeweils nächsten. Es schien, daß es dem Riesen aus der Mitte vorbehalten war, alle mit sich hinabzuziehen.
Ein einziger überlebte, vom östlichen Ufer aus gezählt, der erste. Schoschies stand in Blickkontakt mit ihm, als der Sog der etappenweise sinkenden Trasse seine Hütte erfaßte. Er gab ihm Zeichen, abzuspringen, und lief ihm im Wasser entgegen. Es handelte sich um einen gelben Colliemischling, in der Bestandsliste für Laufleinenhunde beim Grenzkommando Nord unter "Alf" geführt, Stammrollen-Nr. A-0441, Wesensziffer II/344; 1985 über den Bezirksscheintäter und Hundebeschaffer Pandosch aus Lüdershagen bei Güstrow an die Trasse verkauft, später angebunden in der "Gasse Tews" bei Herrnburg, nach dem Grenzfall Hofhund in Göhlen bei Ludwigslust, zuletzt Bewacher eines Gasthofes in Strachau bei Dömitz. Y *VITA-KASTEN-1 *ÜBERSCHRIFT:
Im Sperrgebiet *
auf der östlichen Seite der Grenze, die vier Jahrzehnte lang Deutsche von Deutschen trennte, lagen 297 Ortschaften. Fünf Kilometer breit war das Sperrland zwischen den Machtblöcken, gleichsam der Isoliertrakt der hermetisch abgeschlossenen DDR. Auch Städte wie Dömitz, Dassow und Boizenburg unterlagen der Sonderüberwachung durch Volkspolizei, Staatssicherheit und Grenzaufklärer. Nur wer als politisch zuverlässig galt, durfte hier wohnen bleiben. Betreten und Verlassen eines Ortes war nur mit Passierschein möglich. Besuch gab es nur von Familienangehörigen, und auch das nur auf Antrag. Handwerker aus dem Hinterland mußten die Grenzzone bis neun Uhr abends verlassen. Zwischen Sperrgebiet und dem westlichen Teil Deutschlands lag der Todesstreifen mit Wachtürmen und Minenfeldern, Metallgitterzäunen und Selbstschußanlagen - ihn bewohnten nur die Hunde. Mitte der sechziger Jahre hatten die Grenztruppen begonnen, zur Bewachung schwer zu sichernder Abschnitte Hundelaufleinenanlagen mit Hütten zu installieren ("TGL-Standardmodell der bewaffneten Organe mit windgeschütztem Seitengelaß"). Durch einen Signalzaun von den Bewohnern des Sperrgebietes getrennt, liefen die Hunde an einem Drahtseil entlang. Beim Grenzkommando Nord, zuständig für den 130 Kilometer langen Abschnitt zwischen Pötenitz und Boizenburg, waren es bis zu 240 Hunde, an der gesamten Grenze liefen zuletzt 957 Hunde. Die Grenzkommandos unterhielten ein verzweigtes System der Hundebeschaffung in der gesamten DDR.
[Grafiktext]
__95_ DDR: Sperrgebiet an d. innerdeutschen Grenze
[GrafiktextEnde]
Von Marie-Luise Scherer

DER SPIEGEL 6/1994
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