14.02.1994

Geheimdienste

Spion aus Leidenschaft

Die unaufhaltsame Karriere des Mehrfachagenten Peter Weinmann

Peter Weinmann spionierte jahrelang für den deutschen Verfassungsschutz, für den italienischen Geheimdienst Sismi und die DDR-Staatssicherheit. Als Dreifachagent fühlte sich der gelernte Friseur ernst genommen, in der Welt der Geheimdienstler ging er auf und brach die Brücken zum bürgerlichen Leben ab. Nach der Wende wurde Weinmann, 47, enttarnt. In dieser Woche muß er sich vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Koblenz für seine Stasi-Dienste verantworten.

Das Haus an der Schmidtstraße 12 in Bochum liegt längst im Dunkeln, als sich der Mann mit der Schiebermütze ans Werk macht. Mit einem Brecheisen stemmt er die Tür zu den Büroräumen im Hochparterre auf und sucht nach einem dunklen Pappkarton. Er nimmt einen Stapel Karteikarten heraus, dann schreibt er Namen und Adressen von 35 Mitgliedern der rechtsradikalen Partei der Arbeit ab.

Wie im Film.

Ein paar Tage später wartet im Bonner China-Restaurant "Hongkong" ein Verfassungsschützer auf den Einbrecher. Der Mann vom Geheimdienst, der sich "Doktor Semmler" nennt, läßt, wie immer bei den konspirativen Treffen, Ente mit Mangos servieren. Er nimmt die Namensliste entgegen und dankt. "Doktor Semmler" will nicht wissen, auf welche Weise sein V-Mann fündig geworden ist. Zufrieden sagt er eine Leistungsprämie von 1500 Mark zu, steuerfrei.

Noch heute rühmt sich Peter Weinmann, 47, des Einbruchs wie einer Heldentat: "Das war schon ein dickes Ding, das ich für die gedreht habe." Sein Brecheisen ermöglichte dem Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz Anfang der siebziger Jahre Einblick in die rechtsradikale Szene.

Gedreht hat Weinmann einiges. Acht Jahre lang ist er als "Werner" V-Mann des Verfassungsschutzes, bevor er 16 Jahre lang als "Sigmund" dem italienischen Geheimdienst Sismi beim Spionieren hilft. Fünf Jahre lang wird er in Ost-Berlin als IM "Rolf Römer" geführt und kassiert als Doppelagent auch vom DDR-Staatssicherheitsdienst - bis der Wanderer zwischen drei Welten nach der Wende enttarnt wird.

In dieser Woche muß sich der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Koblenz mit den Geschichten des Mehrfachagenten Weinmann beschäftigen. Aus dessen Geständnis, aus Zeugenaussagen und Stasi-Akten haben die Ermittler das Leben eines ungewöhnlichen Spitzels nachgezeichnet: kein großer Fisch, eher ein mittelgroßer Schweinehund mit eigenem, recht eigenwilligem Ehrenkodex.

Die Geschichte des dreifachen Herrn Weinmann spielt im armseligen, aber schillernden Milieu, in dem die Geheimdienste ihre Mitarbeiter rekrutieren. Wer da wen ausnutzt - die Verfassungsschützer den V-Mann oder umgekehrt -, ist oft nicht leicht auszumachen. Aber: Warum wird einer Spitzel? Und weshalb gleich für mehrere Auftraggeber?

Im Fall Weinmann war es am Anfang das schöne Gefühl, wichtig zu sein. Das war im Jahr 1969. Da war der kleingeratene Schwabe 23 Jahre alt.

In einem Hotel im Teutoburger Wald sagt ihm ein V-Mann-Führer des Verfassungsschutzes bedeutungsvoll, er sei "einer von 100 Bürgern, die wir bundesweit ausgesucht haben". Als Weinmann wissen will, wie der Geheimdienst auf ihn aufmerksam wurde, schweigt sich der Mann aus.

Weinmann fühlt sich geschmeichelt. Dunkle Mächte haben sich für ihn entschieden. Gerade für ihn. Er ist "mächtig stolz", ohne eigenes Zutun zu einer Elite zu gehören, die ein unsichtbares Netz zwischen Flensburg und Passau, Aachen und Hannover verbindet.

Der gelernte Coiffeur hatte bis dahin Schwierigkeiten, sich einen anständigen Platz im Leben zu erkämpfen. Seine Erfolge reichten ihm nicht aus: Zweimal wurde er bester Haarschneider Nord-Württembergs.

Weder auf der Polizeischule noch als Bademeister findet er die Bestätigung, die er braucht. Da kommt der Verfassungsschutz gerade recht. Als V-Mann heißt Weinmann nun "Werner" und wird auf die rechtsextreme Szene angesetzt. Ihm bereitet es keine Schwierigkeiten, seinen Auftrag zu erfüllen. Das Waisenkind Weinmann hat seinen Platz in der Großfamilie der Agenten.

Als früheres Mitglied der NPD zu Zeiten Adolf von Thaddens hat er exzellente Verbindungen zu den Ewiggestrigen; arglos läßt ihn Neonazi-Führer Friedhelm Busse bei der Partei der Arbeit schnüffeln. "Zum Nutzen des Verfassungsschutzes" (Weinmann) streckt er später mit den Kameraden der Wehrsportgruppe Hoffmann die Hand zum Hitlergruß empor.

Der Geheimdienst honoriert den Einsatz fürs Vaterland mit monatlich 600 bis 700 Mark plus Spesen per telegrafischer Zahlungsanweisung an ein Postamt; Sonderleistungen werden mit Sonderzahlungen vergütet - ein gutes Zubrot zu Weinmanns Arbeit als freier Journalist und Buchhändler.

Dem Verfassungsschutz ist die Quelle so wichtig, daß er "Werner" zur Seite steht, wenn der über die Stränge schlägt. 1972 hatte Weinmann mit der "Aktion Widerstand" eine DKP-Veranstaltung in Düsseldorf gestürmt, einen Gesinnungsgenossen aus dem Gewahrsam der Polizei befreit und sich gleich mehrfach strafbar gemacht.

Wieder wird Ente süßsauer mit Mangos serviert, als "Dr. Semmler" vom Verfassungsschutz seinen Agenten im China-Restaurant "Hongkong" beruhigt: Die Anklageschrift könne er, sollte sie denn überhaupt formuliert werden, "gleich in die Mülltonne werfen". Zum Prozeß kommt es tatsächlich nicht.

Weinmann verhält sich wie ein typischer V-Mann. Die Regeln seiner Arbeit stellt er selbst auf, die Grenzlinie zwischen legaler und illegaler Spitzelei verwischt er nach Belieben. Er beobachtet nicht nur, er hilft auch mit, die neonazistische Szene am Leben zu erhalten.

Einer wie Weinmann sucht überall Anerkennung, wo er sie bekommen kann. Jungnazis, die er beobachten soll, nehmen ihn ernst - prompt macht er bei ihnen mit.

Der V-Mann im Dienste des Staates kümmert sich um die rechte Nachwuchswerbung. Am Rande eines Übungsplatzes in Heroldsberg bei Nürnberg nimmt er an einer "Winterübung" der 1980 verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann teil. Weinmann bringt jungen Neonazis bei, "wie man durchs Feld robbt", das hatte er "bei der Polizei gelernt". Mit Billigung Hoffmanns dreht er einen Film über die Neonazis, der sogar vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wird. Heute distanziert er sich. "Der Hoffmann war mir nicht geheuer, ein unangenehmer Typ."

Unter den Augen des Verfassungsschutzes hilft Weinmann den Neonazis von der "Aktion Neue Rechte", für deren Pamphlete er verantwortlich zeichnet. In einem Flugblatt des "Freundeskreises zur Förderung der Wehrsportgruppe Hoffmann" von 1975 steht er als "Informationsstelle Bonn" im Impressum.

Weinmann glaubt, seine Berichte aus dem rechten Lager würden "in den höchsten Regierungskreisen gelesen". Noch heute schwärmt er: "24 Stunden ist man ein Geheimer. Dafür schlagen sie für einen Strafverfahren nieder, und man braucht keine Steuern zu zahlen für den Job."

Das Schattendasein entwurzelt den Friseur. Seine Ehe zerbricht, seinen Job als Buchhändler gibt er auf, seinen Wohnsitz auch. Weinmann wandert aus nach Südtirol.

Im Ländchen der Schnäpse und Separatisten verdingt sich der Ausreißer bei einem Pressedienst für Reiseberichte. Doch die Schilderung der Bergwelt für ausländische Medien ist ihm nicht aufregend und nicht einträglich genug.

Weinmann kann sich der faszinierenden Welt des Geheimen nicht entziehen, auch aus finanziellen Gründen nicht. Im Jahr 1976 dient sich der Deutsche in Bozen dem italienischen Geheimdienst Sismi an, der dem Verteidigungsministerium untersteht.

Die Italiener suchen nach Informationen über Separatisten, die noch immer eine Loslösung Südtirols von Rom und einen Anschluß an Österreich propagieren. Agent Weinmann soll übernehmen.

Zentrale Figur des legalen Arms der Autonomiebewegung ist die Lehrerin Eva Klotz. Ihr Vater Georg zählte zu den "Bumsern" der sechziger Jahre; er wurde in Italien wegen Sprengstoffattentaten in Abwesenheit zu 51 Jahren schwerem Kerker verurteilt und starb im österreichischen Exil. Weinmann ist Stammgast im Hause Klotz, wandert und rodelt mit Eva, die zu Hause noch heute die "Jeanne d'Arc" von Südtirol genannt wird - und horcht sie aus.

Der Agent "Sigmund" schreibt Persönlichkeitsprofile, notiert für den Geheimdienst, daß Eva Klotz für die Südtiroler Volkspartei aktiv ist, und erhält dafür ein monatliches Salär von 800 Mark.

Eva Klotz, heute Landtagsabgeordnete für die separatistische Union für Südtirol, hat dem Agenten inzwischen verziehen. "Objektiv", sagt sie, sei Weinmann wohl "ein Schweinehund. Aber eigentlich war er ein einsames, armes Manderl, das versucht hat, billig durchs Leben zu kommen, und immer da war, wenn an einem unserer Töpfe Knödel zu riechen waren".

Die Agentenführer - der eine nennt sich "Franz Gamper", der andere "Doktor" - treffen sich mit Weinmann abwechselnd im Restaurant der Bozener Seilbahnstation "Jenesien" oder im Motel Bozener Boden nahe der Brenner-Autobahn. Zum Erstaunen der Profis teilt Weinmann eines Tags sogar eine wichtige Entdeckung mit: Es führe über einen Bozener Separatisten eine "Spur nach Deutschland".

Schon lange vermuten die italienischen Sicherheitsbehörden, daß die Südtirol-Separatisten aus der Bundesrepublik alimentiert werden. Nun gibt es konkrete Hinweise.

Weinmann berichtet von einer in Düsseldorf beheimateten Stiftung, die der 1985 verstorbene Immobilien-Multimillionär Hermann Niermann Mitte der siebziger Jahre eingerichtet hat. Zweck: zur "Völkerverständigung durch Unterstützung der ethnischen Minderheiten" beizutragen.

Das geschieht auf seltsame Weise. Mal werden, wie 1980, Südtiroler Bergbauern mit 74 400 Mark subventioniert, mal gibt es, wie fünf Jahre später, 15 000 Mark "für die heimattreuen Studenten". Zwischen 300 000 und 400 000 Mark fließen jährlich nach Südtirol, oft für die deutschfrommen Familien verurteilter Südtirol-Attentäter - aber nur ein Teil kommt bei den im Rechenschaftsbericht ausgewiesenen Empfängern an.

Agent Weinmann kennt nun den Grund. Bar wird das Geld von deutschen Konten abgehoben und von Kurieren über den Brenner nach Südtirol gebracht. Der Teil, der nicht den notleidenden Familien der sogenannten Freiheitskämpfer übergeben wird, landet offensichtlich bei Organisationen der Separatistenszene.

Gegen das Stiftungsmitglied Norbert Burger, einen wegen Sprengstoffanschlägen in Italien zu 30 Jahren verurteilten österreichischen Rechtsradikalen, leitet die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft alsbald ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf Untreue ein. Es wird 1988 gegen die Zahlung einer Geldbuße von 15 000 Mark eingestellt.

Seine Südtiroler Spitzelerfolge machen Weinmann Mut. Spionage, egal für wen, bereitet ihm Spaß. Er träumt davon, international zu operieren und am Ost-West-Handel zu verdienen.

Da gibt es interessierte Auftraggeber.

Am 21. August 1984 steigt Weinmann in Mailand in einen Jet der DDR-Fluggesellschaft Interflug nach Berlin-Schönefeld. Vom Ost-Berliner Hotel Metropol aus ruft er den Staatssicherheitsdienst an und bietet sich als Zuträger an.

Die Stasi-Offiziere Gerd Fischer, Vizechef der für Rechtsextremismus zuständigen Hauptabteilung XXII, und Referatsleiter Dieter Hünniger halten den Westdeutschen, der seine Arbeit für den Sismi offenbart, zunächst für einen vom Verfassungsschutz geschickten Doppelagenten.

Weinmann zerstreut die Bedenken. IM "Römer" - so wird er in Ost-Berlin wegen seiner Spitzelei in Italien geführt - trifft sich von nun an alle drei Monate mit den Stasi-Offizieren.

200 Blatt politische Analysen und Broschüren schleppt er jedesmal in die DDR, pro Besuch diktiert er 15 Stunden lang Berichte. Daß er sich als "nationalen Typen" bezeichnet, jetzt aber den Nutzen des Arbeiter-und-Bauern-Staates mehrt, stört ihn nicht. "Ich habe immer nur professionell gearbeitet, nicht ideologisch", prahlt Weinmann.

Geschickt vermarktet der Agent sein Wissen. Er plaudert in Ost-Berlin alles aus, was er über den Verfassungsschutz weiß - und der beklagt heute einen "erheblichen Schaden", da Weinmann der Stasi "tiefe Einblicke in Arbeitsweisen und Methoden der Abteilung Rechtsextremismus" ermöglicht habe.

Weinmann bleibt den Geheimdiensten in Süd und Ost auch treu, als er Mitte der achtziger Jahre in die Bundesrepublik zurückkehrt. Treffen in Ost-Berlin verabredet er unter der Decktelefonnummer 3662208, die Beamte des Bundeskriminalamtes später verschlüsselt in seinem Taschenkalender aus dem Jahr 1992 finden werden.

Die Stasi-Reisen beginnen jeweils um 23.59 Uhr auf dem Kölner Hauptbahnhof, wenn er im Nachtexpreß Paris-Moskau Platz nimmt. Morgens um 7.28 Uhr kommt er in Berlin an, sein "Verratsmaterial" (Anklageschrift der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz) gibt er bei der Gepäckaufbewahrung im Ost-Berliner S-Bahnhof Friedrichstraße auf. Stasi-Mitarbeiter holen es ab.

Seine Führungsoffiziere notieren, daß er vom 25. bis zum 27. August 1987 im "Konspirativen Objekt Nr. 75", einem Stasi-Bungalow bei Berlin, über die Junge Union berichtet, die Paten für DDR-Häftlinge sucht - sofort leitet die Stasi "Personenüberprüfungen" ein.

Weinmann unterrichtet den DDR-Geheimdienst auch über die Studentin Stefanie, seine neue Lebensgefährtin. "Für Moral", sagt er, "ist in unserem Geschäft kein Platz."

Der Doppelverdiener hat seine Arbeit mittlerweile rationalisiert. Berichte über westdeutsche Rechtsradikale und Südtiroler Separatisten schreibt er zuerst für die Stasi auf und kopiert sie dann für den Sismi. Der DDR-Geheimdienst entlohnt ihn pro Treffen mit 1500 bis 3000 Mark (insgesamt verdient er 20 700 Mark).

Den Sinn für Schöngeistiges, den sich die Stasi-Leute offenbar bewahrt hatten, kann Weinmann nicht teilen: Ein 10 000 Mark teures 42bändiges Kunstlexikon, das ihm die Führungsoffiziere als Ausdruck ihrer Wertschätzung überreichen, verkauft er für 6000 Mark.

Auffällig interessieren sich die Ost-Berliner für die Südtiroler Separatisten und deren westdeutsche Unterstützer. Sie wollen wie ihre italienischen Kollegen wissen, wer die Hintermänner der Bewegung "Ein Tirol" sind, die 1986 mit einem Bombenanschlag auf das Postamt von Burgstall eine zwei Jahre andauernde Serie von Gewalttaten beginnen.

"Bei jedem Anschlag", sagt Weinmann, "haben sich die Stasi-Leute gefreut, weil damit im Nato-Land Italien eine instabile Zone sichtbar wurde."

Von seinen italienischen Auftraggebern wird Weinmann in dieser Zeit um eine Gefälligkeit gebeten, die er heute für seinen "schlimmsten Fehler als Agent" hält. Er soll die Lebensumstände des in Nürnberg lebenden Peter Kienesberger ausspähen.

Der Österreicher war wegen Anschlägen während der sechziger Jahre in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte mittlerweile dem Terrorismus öffentlich abgeschworen. Dennoch verdächtigten ihn die italienischen Ermittlungsbehörden als Drahtzieher der neuen Anschläge. Immer wieder sind Bekennerbriefe der neuen Bumser-Generation in Nürnberger Postbriefkästen eingeworfen worden.

Weinmann fährt nach Nürnberg und fertigt eine Lageskizze des Hauses an der Beilngrieser Straße an, in dem Kienesberger seinen "Buchdienst Südtirol" betreibt. Er notiert, daß der Durchgang zwischen Haus und Garagen etwa drei Meter breit und die hintere Terrasse ebenerdig ist. Den Plan gibt er in einem DIN-A4-Umschlag bei der Post auf, adressiert an "Franz Perathoner, Postfach 106, 39 100 Bozen". Für den Spezialauftrag erhält er eine Leistungsprämie von 1000 Mark.

Was Weinmann kaum gewußt haben kann: Es gibt einen - später gestoppten - Mordplan gegen Kienesberger. 1990 kommt heraus, daß ein neofaschistischer Mitarbeiter des Sismi mit "nicht-orthodoxen" Mitteln gegen den Südtirol-Terrorismus vorgehen wollte.

Kienesberger sollte, wie der Südtiroler Journalist Hans Karl Peterlini in seinem Buch "Bomben aus zweiter Hand" beschreibt, in Österreich gekidnappt, betäubt und nach Italien geschafft werden. Dort hätte ihn die Polizei dann in einem Auto gefunden - mit einem Rucksack voller Sprengstoff. Würde die geplante Entführung scheitern, sollte der Österreicher in seinen Nürnberger Geschäftsräumen mit einem Präzisionsgewehr erschossen werden.

Als Weinmann erfährt, wozu sein Lageplan dienen sollte, bekommt er einen Schreck: "Ich hätte doch nie bewußt Beihilfe zum Mord geleistet."

Für "schmutzige Geschichten", sagt Weinmann den Staatsanwälten, die gegen ihn ermitteln, habe er nie zur Verfügung gestanden. Es sei ihm doch "immer nur um die Spitzelei" gegangen.

Weinmann bekennt sich zu seinem Leben als Agent. Er war es gern.

"Wenn ich von irgend jemandem nicht für voll genommen oder scharf kritisiert wurde, dachte ich immer: Wenn du wüßtest, wer ich in Wahrheit bin."

Ein schönes Gefühl, mehr nicht. Dafür, hofft der Multiagent, müßte er jetzt mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Y

Der V-Mann bildet den Nachwuchs der Rechtsradikalen aus

Der Doppelagent bietet sich in Ost-Berlin der Stasi an


DER SPIEGEL 7/1994
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