14.02.1994

Behördenwie Arbeitslos

Als unlängst im Wartebereich 13 des Arbeitsamtes Nürnberg die Abreißapparatur für die Wartenummern ausfiel, stellte sich dem zuständigen Sachbearbeiter Norbert Scheller, 50, der Verhalt etwa folgendermaßen dar: Das "Getriebe des Nummerngebers" sei nicht zuletzt wegen des neuerdings "erheblichen Andrangs an Bewerbern" defekt.
Der Maschinenbauingenieur Diethelm Puch, 46, erhielt vor gut einem Jahr, zwei Tage vor Heiligabend, Post von der Triumph-Adler AG in Nürnberg. Nachdem er dem Schreiben entnommen hatte, daß sein "Arbeitsplatz ersatzlos entfällt", sagte er zu seiner Frau: "Jetzt sind auch die Schlipsträger dran."
Am Dienstag morgen vergangener Woche hat Bernhard Jagoda, 53, wieder einmal vor laufenden Fernsehkameras ein "Statement" verlesen. Pünktlich um zehn Uhr teilte der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit (BA) der Nation mit, was die Puchs und Schellers ohnehin schon lange wissen: *___daß sich die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch ____weiter verschlimmert hat; *___daß es in der Bundesrepublik so viele ____Beschäftigungslose gibt wie nie zuvor (erstmals mehr ____als vier Millionen); *___daß die neue Erwerbslosigkeit wie eine Seuche um sich ____greift und längst in sicher geglaubte Bereiche ____eingebrochen ist.
Vertraute, wenngleich traurige Wahrheiten im wiedervereinigten Wunderland. Ernsten Gesichts wiederholt der Nürnberger Hiob in Variation nur altvertrauten Text.
Nichts Neues aus Nürnberg?
Zu dürren Daten verdichtet, lesen sich selbst Katastrophenmeldungen wie belanglose Kassenberichte. Vier Millionen sind unvorstellbar, sechs Millionen ebenfalls. Unvorstellbar ist nicht steigerbar. Arbeitslos auch nicht. Gewohnheit ist der Feind des Aufbegehrens, des Arbeitsmarktes Agonie ein Trauerspiel in vielen kleinen Akten.
In einer leeren Fabrikhalle kann einem die eigene Stimme gespenstisch werden. Wer sein Organ dann dämpft und die Vokale unterdrückt, bekämpft den Hall der Laute wie den bösen Geist. Diethelm Puch hat diesen Ort noch voller Leben in Erinnerung: Hier, an der Fürther Straße, stand ein Werk für Wertarbeit, hier produzierten Triumph-Adler-Arbeitnehmer Büromaschinen von Weltruf. Hier hat auch der Diplomingenieur mehr als 18 Jahre lang sein Geld verdient, zuletzt als Abteilungsleiter in Forschung und Entwicklung. Seit dem vergangenen Sommer ernährt eine andere Nürnberger Quelle die Familie Puch: Sie bezieht Leistungen von der Bundesanstalt für Arbeit.
Im Wartebereich 13 des Arbeitsamtes Nürnberg sorgt der einen Andrang allmählich für der anderen Drangsal: Die "Unterbeschäftigung draußen", sagt Sachbearbeiter Scheller, führe hier drinnen auf Dauer zur Überarbeitung.
Wenn einer wie er im nächsten Atemzug von "Abnutzung" spricht, hat er gewiß nicht nur den Wartemarkenapparat im Sinn. Da fließt auch ganz Persönliches in die Analyse einer "Amtsperson", die es im Rahmen ihrer Möglichkeiten immerhin zu etwas gebracht hat - "auf deutsch gesagt: zum Bürovorsteher" im Raum 1229 des ersten Stocks.
Irgendwo hier muß sie verlaufen, die Trennlinie zwischen öffentlicher Innen- und privater Außenwelt. Jene "Front", von der sie hier bisweilen so reden, als hätten sie es mit Gegnern zu tun. Und wenn sie hier "oben" sagen, dann denken sie hierarchisch statt geographisch - und meinen die rund drei Kilometer entfernte Hauptstelle der Bundesanstalt.
Dieses Mutterhaus deutscher Arbeitsverwaltung, das sich einmal im Monat in die Schlagzeilen geraten läßt, beschäftigt 1200 Arbeitnehmer. Sie gebieten "weisungsbefugt" über gut 90 000 Mitarbeiter in 11 Landesarbeitsämtern, 184 Arbeitsämtern, deren 647 Nebenstellen und 14 "besonderen Dienststellen" bundesweit. "Was uns die Hauptstelle hustet", heißt es im Amt, "ist unser Gesetz."
Zwischen Herrn Schellers Wartebereich und der BA-Führungsebene liegen - in Dienstgraden oder Besoldungsstufen gemessen - ganze Lebens- und Karrierewege. Aus diesem Höhenunterschied mag das Gemenge aus unausgesprochener Kritik und ausgesprochener Kritiklosigkeit resultieren, wenn die da unten über die da oben reden.
Umgekehrt, wenn Oben über Unten spricht, schwingt manchmal jene Mischung aus leutseliger Achtung und leiser Verachtung mit, wie man sie Feldherren auf ihren sicheren Hügeln nachsagt. Knapp, aber ausführlich, schwer zu verstehen, aber unmißverständlich äußert die "Zentrale" ihren Willen als "Weisung" - an die "Front", wie man hier ebenfalls sagt. Und da Dienstwege grundsätzlich den Gesetzen der Schwerkraft unterliegen, regnen den "nachgeordneten Stellen" die Vorschriften zur "effizienten Aufgabenerledigung" nur so in die Amtsstuben.
Der Defekt im Wartebereich 13 ist längst behoben, als sich der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker Dirk Krüger in der "A-B-Stelle I 219" einfindet. In dieser "Anmelde- und Bearbeitungsstelle" nehmen Norbert Scheller und seine zwei Mitarbeiterinnen "den Erstkontakt zu unseren Kunden" auf. Ordnungsgemäß reißt K. einen Abschnitt von der Nummernrolle und sucht sich, das blaue Papier in der Hand, einen Platz in der Sitzgruppe vor Zimmer 1229. Dann wartet der 26jährige und teilt das Schweigen der Männer und wenigen Frauen, die nur manchmal ihre Köpfe heben, wenn ein neues Gesicht in dem zum Wartebereich sich weitenden Gang erscheint.
Irgendwo hier, zwischen Herrn Schellers Finger auf dem runden schwarzen Aufrufknopf drinnen und den auf rote Leuchtziffern gerichteten Augen draußen, zwischen dem klobigen Computerterminal auf seinem Schreibtisch und dem Schnellhefter mit den säuberlich abgelegten Unterlagen auf dem Schoß des Kandidaten, irgendwo hier muß sie verlaufen, jene Grenze zwischen Bürokraten und Bürgern.
In der Hauptstelle gibt es keinen öffentlichen "Parteiverkehr". Hier ist man unter sich - untergebracht in einem langgestreckten Kasten aus Glas und Beton, nach einem früheren Präsidenten "Stingl-Palast" genannt. Eben diesem Ex-Chef, Alteingesessenen als "absoluter Alleinherrscher" im Gedächtnis, verdankt die Institution auch ihr Imageproblem - sie soll ein modernes Dienstleistungsunternehmen sein - und ihr verunglücktes, wenngleich einprägsames Emblem: das allgegenwärtige, von Mitarbeitern nur "Contergan-A" genannte, einbeinige rote A.
A wie Arbeit.
Gibt es ein Wort, das mehr nach Dasein klingt? Wie kaum eine andere Erscheinung vereinigt Arbeit Segen und Fluch zur klassischen Haßliebe: Nichts kotze ihn so an wie die Maloche, sagt der Kumpel. Aber nimm sie ihm weg, dann trauert er um seine Liebste. Wer seine Arbeit verliert, büßt mit der Befreiung von einer Bürde stets auch einen Teil seiner Würde ein.
"Mein Job", sagt Diethelm Puch, "war auch ein Stück Lebensinhalt." Bis zum Schluß habe er es als "reizvolle Aufgabe" empfunden, "ein Unternehmen, das abzusaufen droht, zu retten". Draußen vor der leeren Fabrikhalle steht ein Lastwagen mit Mailänder Kennzeichen. Der Olivetti-Konzern hat sich 1986 den kleineren deutschen Konkurrenten einverleibt. Der sollte "neben Büromaschinen vermehrt Computer bauen". Die kamen aber billiger und besser aus Fernost. Am Ende rechnete sich die Investition nicht. Alles Bewegliche wird nun verladen und über die Alpen verfrachtet. Die Demontage ist bald abgeschlossen. Abwicklung West.
"Wenn ein Schiff untergeht", sagt Puch, "sollte man früh genug von Bord gehen." Wenn einem erst "der Personalleiter ins Gesicht guckt", sei es zu spät; seit dem Sommer 1993 spricht Bernhard Jagoda Monat für Monat auch von ihm.
Die monatliche Präsentation durch den Präsidenten - nicht Gesetzespflicht, eher Gewohnheitsrecht - gehört längst zu den "same procedures" dieser Republik. Und zu den Höhepunkten im behördlichen Gleichmaß: Über eine Woche lang leben Jagodas Zuarbeiter, dem "Dienstblatt-Runderlaß 120/93" wie einem Regimentsbefehl folgend, auf seinen Zehn-Uhr-Termin hin. Der "Gratisauftritt im Fernsehen", sagt ein Mitarbeiter, verschaffe "dem Bernie" und seiner Anstalt eine Bekanntheit, von der manche Bonner Ministerien samt Minister nur träumten.
Der Nürnberger Palast der Arbeit vereint das großklotzige Gehabe bedeutender Konzernhäuser mit der kleinkarierten Behäbigkeit einer provinziellen Polizeiwache. Hier laufen die Fasern und Fädchen zusammen, die in Arbeitsämtern und deren Nebenstellen in ganz Deutschland ihren Ausgang nehmen.
Der Organisationsplan weist 7 einem Präsidenten direkt unterstellte Abteilungsleiter sowie 12 etwas weniger einflußreiche Unterabteilungsleiter und eine Unterabteilungsleiterin auf. Kraft ihrer 83 Referatsleiter und 4 Referatsleiterinnen sowie deren Referenten und Sachbearbeitern sind sie befugt, den Alltag aller BA-Mitarbeiter zu regulieren und damit gewissermaßen bis in das Privatleben ihrer Klienten hineinzuregieren.
Nach annähernd zwei Stunden wert- und wortlosen Sitzens im Wartebereich 13 sieht sich K. schließlich an der Reihe, seinen Fall vorzutragen. Zu seiner großen Erleichterung erweisen sich die von ihm vorgelegten Antragsunterlagen als vollständig. Ein förmliches Schriftstück vom bisherigen Arbeitgeber belegt, daß Dirk Krüger "freigesetzt" worden, somit der "Versicherungsfall eingetreten" ist. Das Schreiben zeigt die "Kündigung aus betriebsbedingten Gründen" an - zu deutsch: wegen Stellenabbaus.
Da der hiesige Teil des sozialen Netzes ihn nur auffängt, wenn er "für den Arbeitsmarkt verfügbar" ist, hat er zunächst ein "Bewerberangebot" zu unterbreiten. Hierzu müssen Lohnsteuerkarte und Sozialversicherungsausweis einbehalten werden. Für diese Maßnahme verordneten Mißtrauens erbittet sich der Sachbearbeiter freundlich Verständnis. Sie sei "notwendig wegen möglichen Mißbrauchs". Der Stellungslose, dies offenbar als Unterstellung mißdeutend, schüttelt verständnislos den Kopf.
Etwa hier, zwischen Unkündbaren und Gekündigten, zwischen Planstellen und Sozialplänen treffen zwei Schichten scheinbar unvereinbar aufeinander: die einen sicher im System verankert, die anderen draußen ohne festen Halt. Auch wenn der Angestellte glaubt, des Antragstellers Lage zu "verstehen" - nur selten reicht Verstand allein ja für Verständnis aus.
Die Bundesanstalt betreibt eigens ein "Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung" (IAB), um unter anderem Arbeitslosigkeit als Einzelschicksal und Massenerscheinung wissenschaftlichanalytisch zu begreifen.
Wie der Kreislauf eines Intensivpatienten wird hier der Arbeitsmarkt als Organ des Organismus Gesellschaft begriffen und in kühler, technischer Sprache beschrieben: Freisetzungen und Einstellungsvorgänge im Lichte zyklischer Schwächeperioden, die Krise ''93 im Vergleich mit 1983, Bestandsveränderung und "out of the labour force" als wiederkehrende Größen - die Wirkungsforschung macht Menschen zum Humankapital.
Massenarbeitslosigkeit gilt als eine der gefährlichsten Stoffwechselkrankheiten im wirtschaftlichen Metabolismus, weil sie sich schubweise verstärkt: Bei jeder Rezession nimmt sie zu. Springt die Konjunktur - etwa durch "Selbstheilungskräfte" - wieder an, wie es so schön heißt, fällt die Quote nicht auf den alten Wert zurück, sondern verharrt auf einem neuen, höheren "Sockel".
Der Schwere der Krankheit entsprechend ist der "Instrumenteneinsatz": Ob Arbeitsbeschaffung oder Kurzarbeit, Vorruhestand oder Fortbildung und Umschulung - wenn das diagnostizierte Leiden schon nicht zu therapieren ist, so stehen der Bundesanstalt wenigstens Pflaster zur Verfügung, einen Teil der Wunden _(* In einer geräumten Werkhalle der ) _(Triumph-Adler AG. ) abzudecken. Diese kosmetischen Korrekturen haben dann zur Folge, daß die monatlich aus Nürnberg gemeldeten Zahlen die Realität nur unvollständig beschreiben. Die ohnehin schon beängstigenden Werte dürfen ohne weiteres um 50 Prozent erhöht werden. "Aber ohne die Instrumente", schätzt ein IAB-Angehöriger, "wären wir bald wieder bei ''32."
Die Symbole mögen sich gleichen, die Symptome sind andere als damals während der Weltwirtschaftskrise. In gewisser Weise sind Puch und Krüger jeder auf seine Art unschuldige Opfer der Grenzenlosigkeit und neuen Blockfreiheit der Weltmarktwirtschaft.
Sah sich der eine durch die Konzernleitung in Italien und die Konkurrenz aus dem Fernen Osten um seine Stelle gebracht, geht des anderen Jobverlust auf Kosten der Grenzöffnung zum benachbarten Osten: Als Maschinenbediener produzierte Krüger bis vor kurzem Zulieferteile für IBM-Computer. Die sind von den "verlängerten Werkbänken" in Tschechien nun viel billiger zu haben, was Krügers Werkbank sozusagen auf Null verkürzt hat.
Was da passiere, sei "Manchester-Kapitalismus", sagt ein Abschnittsleiter im Nürnberger Amt. Mit "einem Federstrich" würden alle Errungenschaften der Arbeiterbewegung weggewischt, "wenn die im Knoblauchland für neun Mark die Stunde" produzieren. Seit Krügers Arbeitsplatz ausgewandert ist, schaut der die Welt ein wenig anders an: "Da gibt es keine Menschlichkeit mehr."
Die neuen Verhältnisse von K. werden durch den "vollständigen Vollzug der Arbeitslosmeldung" amtlich gemacht. Diese besteht aus nichts als der eigenhändigen Erfassung der Antragsdaten seitens des Sachbearbeiters, der den öden Text schweren Fingers in seine Tastatur klopft. Die Konsequenzen dieser Fingerübung für Bewerber wie Behörde sind beträchtlich. Indem er eine "Eingabenummer" erhält, unter der seine Daten elektronisch gespeichert werden, und später eine "Stammnummer", verwandelt sich der ehemals "abhängig Erwerbstätige" in einen noch abhängigeren Erwerbslosen.
Was sich amtsseits im kleinen regt, ist in der Hauptstelle im großen registrierbar: Der ständig wachsende, in letzter Zeit nahezu explodierende BA-Etat gilt vielen als Gradmesser für den zuletzt in manchen Bereichen geradezu implodierenden Arbeitsmarkt. Als bewahrheite sich in ihrem verstümmelten Logo der alte Trinkerspruch - "Auf einem Bein ist nicht gut stehen" -, reichen der Großbehörde die jährlichen Beiträge aus der Arbeitslosenversicherung, 1993 immerhin 80 Milliarden Mark, bei weitem nicht mehr aus: Im letztem Jahr betrug die "Liquiditätshilfe" vom Bund 24,4 Milliarden. Allerdings beteiligte sich Nürnberg indirekt am Aufbau Ost mit netto 36 Milliarden.
Die Hauptstelle befaßt sich indes weniger mit Über- als vielmehr mit Anweisungen. Hier dient die Bewegung von Papier vor allem jener Form der Textverarbeitung, bei der das amtliche -ung-Deutsch besondere Blüten treiben kann: wenn etwa die "Anleitung zur Ausfüllung des Antrages auf Gewährung von Kurzarbeitergeld" zur Anwendung kommt.
Ursache des scheinbar nie endenden Papierdurchsatzes ist neben der zentralistischen Regelungswut, die den Nürnbergern oft vorgehalten wird, das unaufhörliche Eintreffen neuer oder sich ändernder alter Gesetze und Bestimmungen. Deren abstrakte Formulierungen haben sie in anwendbare Vorschriften _(* Im "Tabellenzimmer" der Zentralen ) _(BA-Schreibkanzlei. ) umzusetzen oder, wie eine Referatsleiterin es ausdrückt, als "materiell-rechtliche Botschaften rüberzubringen".
Erst nach komplizierten Abstimmungen mit anderen Abteilungen geht ein Formularvorgang ins Tabellenzimmer der Zentralen Schreibkanzlei. Dort entsteht an Reißbrett oder Bildschirm gemäß den "allgemein anerkannten Regeln des Vordruckwesens" jenes Formblatt, mit dem Bürger und Beamte bis zur nächsten Novelle zu leben haben. Erweist sich das Papier in der Verwaltung als unpraktikabel, steht den Amtspersonen unten zur nachträglichen Korrektur nur der "Bericht" nach oben zur Verfügung. Dessen auf Änderungen hinwirkende Kräfte werden allgemein als geringfügig eingeschätzt.
Daß der Hauptstelle die Arbeit nie ausgehen kann, hat auch damit zu tun, daß sie ein für derartige Einrichtungen nicht untypisches Eigenleben führt. Der allamtlichen Devise "Hoch lebe der Vorgang!" verpflichtet und der "GO-Hst" - der Geschäftsordnung der Hauptstelle - buchstabengetreu ergeben, stehen die Behördianer hier wie überall nicht zuletzt im Papierkrieg gegen sich selbst. So wie selbst Schlafende einen gewissen Grundumsatz an Energie haben, arbeiten bestimmte Teile des Amtsapparates stets nur an der Erhaltung des eigenen Ganzen - die Tragik jeder Bürokratie. Niemand weiß, wie viele Umlaufmappen oder Akten sich in den internen, geschlossenen Kreisläufen jeweils befinden.
In diesem Licht können Veranstaltungen der Anstalt, allen voran die monatliche Pressekonferenz des Präsidenten, wie Ausbrüche aus dem amtlichen Autismus erscheinen - die indes perfekt organisiert und professionell inszeniert sind: angefangen beim "Zähltag", an dem alle 184 Arbeitsämter zeitgleich ihre Daten zusammentragen, bis hin zum "Zahleneingangsendtermin", wo beim Chefstatistiker der Hauptstelle, Hans Rathai, seinen 2 Referenten und 13 Sachbearbeitern "das Ressort rotiert".
Da der Präsident mit Zahlen und Tabellen noch nicht in Händen hält, was sich den Presseleuten darbieten ließe, muß dann Rudolf Möller vier Untergebene an den kleinen Konferenztisch in seinem aktenengen Büro bitten. Der promovierte Volkswirt, Jagoda direkt unterstellt, hat dafür Sorge zu tragen, daß dem Datenwerk "ein möglichst begründeter Bericht" vorangestellt werden kann. "Die Statistik", sagt er, "liefert die Töne, wir machen die Musik."
Möller betrachtet die Dinge, wie er sagt, "mit nüchternem Blick". Die Lage sei ernst, außerdem habe das Publikum "die Wahrnehmungsfilter hinsichtlich negativer Dinge stark geöffnet". Daher gilt es in solch sensiblen Bereichen wie dem Arbeitsmarktbericht "buchstabengenau" vorzugehen.
In der kleinen Redaktionsrunde wird gestritten, ob "weniger ungünstig" oder "günstiger" die Entwicklung im Osten besser beschreibt, ob sich im Westen die Verschlechterung "alles in allem" oder "insgesamt" fortgesetzt hat und ob diese Fortsetzung "weniger stark" oder "anscheinend weniger ausgeprägt" war als zuvor. Da wird der Tischrechner strapaziert, die Zettel balancieren auf den Knien, Herr Möller sagt: "Der Satz ist windelweich", und sein Vertreter Klaus Schuberth möchte "spürbar" streichen, weil ihm "die Arbeitslosigkeit ist erneut gestiegen" völlig reicht.
Was schließlich nach zwei weiteren "Abstimmungsgesprächen" mit Abteilungsleitern, Wissenschaftlern des IAB und zuletzt dem Präsidenten übrigbleibt, ist die kleinste vollständige Wahrheit bei größter noch vertretbarer Offenheit. Jeder hier weiß, daß der Präsident mehr weiß, als er sagt. Hinter verschlossenen Abteilungsleitertüren ist, nicht namentlich zitierbar, von "neuer Qualität" und dem "längst nicht erreichten Tiefpunkt" die Rede. Die meisten gehen davon aus: "Das kommt noch viel, viel schlimmer."
Auch wenn Jagoda sagt: "Ich darf mich nicht vom Einzelschicksal übermannen lassen", so kennt er doch die Lage an der "Front" - dem behördlichen Brennpunkt, wo soziale Reibung spürbar ist und es bisweilen deutlich knirscht. Wo Leute wie der Sachbearbeiter Scheller, Einzelfall für Einzelfall, Vorgang für Vorgang täglich zu Gesicht bekommen, was der Organismus Wirtschaft "ausgespuckt" hat. Und sich "einiges anhören müssen", als seien sie zuständig für die Zustände im Land.
K. darf sich, nachdem seine Daten "verabschiedet" und dem zentralen Großrechner im Keller des Amtes übereignet sind, in der Schar von mehr als 50 000 Gleichgestimmten im Bereich Nürnberg verborgen fühlen: Die Statistik macht auch seinen Fall zur Zahl, hier kriegt er seine Anonymität zurück - und wird ein Steinchen im Mosaik der monatlichen Hiobsbotschaft.
Krüger könnte nun zur "Antragsannahme" der Leistungsabteilung gehen und dort Geld beantragen, das er nach einer Bearbeitungszeit von mindestens vier Wochen erhält. Wenn er vorher etwas benötigte, könnte er sich noch im Wartebereich 42 im 4. Stock einen "Laufzettel für das Sozialamt" ausstellen lassen. Doch da die Behörde vor das Recht die Pflicht gestellt hat, findet er sich nach Abschluß des Erstkontakts zunächst in den Wartebereich 13 zurückversetzt: Er muß zur Stellenvermittlung.
Während er seine Aufmerksamkeit erneut der Aufrufanlage schenkt, trägt Sachbearbeiter Scheller die Umlaufmappe mit seinem Vorgang durch den öffentlichen Flur zum Büro der Vermittlerin Ingeborg Hehenberger, 44, das nur ein paar Gipskartonständerwände von seinem entfernt liegt. Scheller liebt das kleine Beinvertreten zwischendurch.
Ein zweites Mal unter seiner Wartenummer aufgerufen, diesmal per Leuchtanzeige jedoch ins Zimmer 1221 gelenkt, sieht sich Krüger nun am vermeintlichen Ziel seines Behördengangs - und ist damit zum Kern der Krise der Arbeitsverwaltung vorgedrungen.
Als sich die 1952 gegründete Bundesanstalt am 1. Juli 1969 in ihrer heutigen Form konzipierte, geschah das unter gänzlich anderen Vorzeichen, als sie nun gelten: Mit einer Arbeitslosenquote von 0,5 Prozent konnte sie sich ihrer ureigensten Aufgabe widmen - Arbeitskräfte in freiwerdende Jobs zu vermitteln. Seit das Phänomen Massenarbeitslosigkeit die "Vollbeschäftigung" aber zum fernen Phantom hat verkümmern lassen, muß sie sich vor allem der "Schadensbegrenzung" widmen.
"Vermittlerisch", hört Dirk Krüger Frau Hehenberger sagen, nachdem sie kurz mit scheinbar suchendem Blick ihren Computerbildschirm angestarrt hat, "vermittlerisch ist bei Ihnen nichts drin." Einen Job, wie er ihn hatte, würde er wohl nicht wieder kriegen. Im Metallbereich sei schlicht "der Arbeitsmarkt tot". Da könne sie "nicht mal einem Weltmeister helfen". Und als bedürfe der Zwangsgast auf dem Besucherstuhl vor der Stirnseite ihres Schreibtischs noch einer weiteren Bestätigung seiner Nichtsnutzigkeit, bittet Frau Hehenberger ihn freundlich wie schon Dutzende vor ihm, "in etwa zwei Monaten noch mal vorbeizuschauen".
"Auf diesem Weg", sagt Krüger, "werde ich nie wieder Arbeit finden."
Für den Fall behördlicher Vermittlung hat sich jeder Bewerber einer arbeitsamtlichen Anamnese, einer Abschätzung seines Leistungsprofils, zu unterziehen: Wo aber die einen, die nichts verlieren können, sich ein Urteil machen über andere, die nichts mehr zu verlieren haben, teilt tief ein Graben die Gesellschaft. Das entwürdigende Vokabular macht nur allzu deutlich, wie darwinistisch Leistungsgemeinschaften im freien Spiel der Wirtschaftskräfte werden können.
Die Typologie reicht vom "harten Kern der Schwervermittelbaren und Schwerstfälle", bei denen "sich negative Merkmale in einer Person bündeln" oder "Risikofaktoren kumulieren", hin zu "Risikogruppen mit Verfestigungstendenzen" und "nicht mehr behebbaren Leistungsdefiziten", denen auch mit "Krücken" - arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen - nicht zu helfen ist. Soziale Selektion kann grausam sein: Wer einmal draußen ist, muß besser sein als viele, um wieder reinzukommen. Die Wissenschaft spricht von "Sortierprozessen" und "Spülungseffekten".
Den Ingenieur Diethelm Puch belastet weder der Risikofaktor Geschlecht, noch macht Behinderung seine Chancen von vornherein zunichte. Er ist mobil und hochmotiviert: Er hat sich mit ehemaligen Kollegen zusammengetan, um das gemeinsame Know-how in eine neu zu gründende Firma fließen zu lassen. Er würde sogar sein "Eigenheim veräußern" und selbst beim Einkommen erhebliche Einbußen hinnehmen. Der 46jährige will einfach nicht wahrhaben, daß es der Risikofaktor Alter ist, der ihm selbst kleinste Hoffnungen immer wieder zunichte macht. Und noch etwas haftet ihm an: Er ist arbeitslos. Und wird in den Augen potentieller Arbeitgeber sozusagen täglich arbeitsloser. Allein, vom Arbeitsamt zu kommen, wirkt wie ein Leistungsdefizit. "Arbeitslos macht arbeitslos", lautet die bittere Erkenntnis der Betroffenen.
Kaum etwas fürchten die Verantwortlichen in der Hauptstelle mehr als diesen Selbstverstärkungsprozeß. Wenn den Bewerbern erst der "Geruch des Arbeitsamtes" anhaftet, rächt sich die Entscheidung für das verkrüppelte A. Dann ist der nächste Schritt vollzogen auf dem Weg zur Bundesanstalt für Arbeitslose, zum "zweiten Sozialamt".
Dieser Abstieg und die drohende Konkurrenz durch private Vermittler haben den grauen Riesen an der Regensburger Straße scheinbar aus einem langen Schlaf geweckt: Der Präsident höchstpersönlich leitet eine hausinterne Arbeitsgruppe zur "Verwaltungsvereinfachung", sein Stellvertreter eine zur "Rechtsvereinfachung".
"Wir haben", räumt Bernhard Jagoda ein, "ja selbst dem Perfektionismus gehuldigt." Nun läßt er prüfen, wie viele Erlasse sich einfach aufheben lassen. Die fränkische "Denkfabrik" experimentiert zudem in "Modell- und Diskussionsarbeitsämtern" mit neuen "aufbau- und ablauforganisatorischen Modellen für den Einsatz in der Fläche". Sie reden über "mixed teams", die "dem Kunden eine gemeinsame Anlaufstelle mit einem Wartebereich bieten" sollen.
Der Vermittler Roland Schindel, 44, zuständig für Techniker und Industriemeister im Bereich Nürnberg, zählte "in meinen besten Jahren" 150 Vermittlungen pro Monat. Heute ist es gerade noch eine. Vielfach komme er sich "schon vor wie ein Seelentröster".
Seine Kollegen erleben an einem Tag mitunter mehr Trauer und Tränen, als ihre dreijährige Fachhochschulausbildung für ihr ganzes Berufsleben vorgesehen hat. Manchmal fühlen sie sich fast wie in einem Krankenhaus, weil Unvermittelbare wie Unheilbare sein können. Frau Hehenberger sitzen "erschreckend viele junge Leute mit tiefen psychologischen Problemen" gegenüber. Die meisten hätten "Angst, daß für sie nichts mehr kommt". Und wenn sie dann ihr eigenes psychologisches Problem mit nach Hause nimmt, kann es sie "bis in die Nacht verfolgen", das Gefühl von Hilflosigkeit.
Immer Klagen hören, nie klagen dürfen, weil es die anderen noch schlechter haben - im Arbeitsamt macht sich das "Sozialarbeitersyndrom" breit. Eberhard Einsiedler, Vorsitzender des Hauptpersonalrats der BA, sieht allmählich schwarz. Als Pulloverträger vom Krawattenwettbewerb in der Hauptstelle unberührt, spricht der Gewerkschafter düstere Befürchtungen in seine rote ÖTV-Tasse: Wenn die "Erfolgserlebnisse drastisch zurückgehen" und "wir von allen Seiten immer nur geprügelt" werden, wenn die Belastung weiter zunehme, aber demnächst "die Stellen mit dem kw-Vermerk" - für "künftig wegfallend" - tatsächlich nicht mehr besetzt würden, "dann bricht hier irgendwann alles zusammen".
Und während seine Kollegen in der Hauptstelle vom "Arbeitsamt 2000" träumen, von "Dezentralisierung" und "strategischem Controlling" reden, rücken an der "Front" die einen und die anderen unmerklich aufeinander zu. Da begegnen zunehmend Menschen, die zwar einen Beruf, aber ihre Arbeit verloren haben, anderen Menschen, die zwar ihre Arbeit nicht verlieren können, denen jedoch allmählich der Beruf abhanden kommt. Wer lediglich einmal im Monat beruflich zum Zuge komme, sagt Vermittler Schindel, der müsse "definieren, was seine Aufgabe ist". Y _(* In der "Leistungsabteilung". )
Jagoda-Pressekonferenz in Nürnberg: "Der
Arbeitslose im Nürnberger Arbeitsamt: Vier
Gratisauftritt im Fernsehen verhilft dem Bernie und seiner Anstalt zur Bekanntheit"
Millionen sind unvorstellbar, sechs Millionen ebenfalls
Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit: Großklotzig und kleinkariert
Arbeitsloser Puch* "Mein Job war ein Stück Lebensinhalt"
Arbeitsuchender Krüger, Entwerfen eines Formulars*: Nach zwei Stunden im Wartebereich sieht sich K. an der Reihe
Zentralrechner in der Nürnberger Bundesanstalt: Die Statistik macht den Fall zur Zahl
Dateneingabe im Nürnberger Arbeitsamt*: "Vermittlerisch ist bei Ihnen nichts drin"
BA-Präsident Jagoda "Wir haben dem Perfektionismus gehuldigt" *VITA-KASTEN-1 *ÜBERSCHRIFT:
Im Mutterhaus *
der deutschen Arbeitsämter, einem klotzigen Palast in Nürnberg, arbeiten 1200 Menschen, ihrerseits weisungsbefugt über ein Heer von 90 000 Bürokraten, die im ganzen Land den Mangel verwalten. Letzte Woche lieferte Bernhard Jagoda, Präsident der Nürnberger Behörde, wieder neue Rekordzahlen. Die Beamten an der Front klagen über wachsende Belastung, ihre Erfolgserlebnisse (bei der Arbeitsvermittlung) gehen gegen Null.
* In einer geräumten Werkhalle der Triumph-Adler AG. * Im "Tabellenzimmer" der Zentralen BA-Schreibkanzlei. * In der "Leistungsabteilung".
Von Jürgen Neffe

DER SPIEGEL 7/1994
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