22.08.1994

Theater„Ein Zeichen setzen“

SPIEGEL: Statt 106 sollen künftig nur noch 13 Berliner Honoratioren kostenlose Premierenkarten bekommen. Wieviel Geld werden Sie mit dem Freikartenabbau einsparen?
Roloff-Momin: Gespart werden damit nur ein paar tausend Mark im Jahr. Entscheidend ist vielmehr, daß wir ein Zeichen setzen. Wir haben aus Geldmangel ein Theater schließen müssen, und wir verlangen von den Berliner Künstlern, daß sie sich finanziell nach der Decke strecken - und sie tun es. Dann haben sie auch einen Anspruch darauf, daß die Stadt-Oberen mitziehen.
SPIEGEL: Rechnen Sie mit Widerspruch bei den Betroffenen?
Roloff-Momin: Das kann ich nicht ausschließen. Es ist immer schwierig, von liebgewordenen Gewohnheiten Abschied zu nehmen. Immerhin haben sogar die Geschäftsführer der CDU und FDP die neue Regelung begrüßt.
SPIEGEL: Warum gehen Sie nicht mit gutem Beispiel voran? Sie selbst werden weiterhin Freikarten erhalten.
Roloff-Momin: Die Karten für meine Ehefrau werde ich, solange ich im Amt bin, stets aus eigener Tasche bezahlen. Für mich selbst nehme ich allerdings mein Dienstrecht in Anspruch. Als Chef der Berliner Opern und Theater muß ich schließlich, wohl oder übel, fast jeden Abend in eine Vorstellung gehen.
SPIEGEL: Und das würde Ihnen privat zu teuer?
Roloff-Momin: Ich gehe ja nicht als Privatmann. Es gehört zu meinen Dienstpflichten als Kultursenator, alle Inszenierungen zu kennen. Meine dienstlichen Telefonate bezahle ich schließlich auch nicht.

DER SPIEGEL 34/1994
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