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Unbeeindruckt

"In der Schußlinie" heißt der Film des israelischen Regisseurs Eran Riklis, der die Freundschaft zwischen einem PLO-Kommandeur und einem israelischen Gefangenen schildert. Am Mittwoch steht er auf dem 20.15-Uhr-Sendeplatz der ARD. Wäre die ursprüngliche Planung realisiert worden und hätte der Südwestfunk das Fernsehspiel "Amok" von Norbert Ehry gezeigt - die Verantwortlichen des Ersten hätten in der Schußlinie gestanden. Denn was durch ein Veto des SWF-Programmdirektors Kurt Rittig, vor kurzem in der Baden-Badener Intendantenwahl dem ZDF-Rechtsausleger Peter Voß unterlegen, in letzter Minute verhindert wurde, war - einmalig in der Geschichte des deutschen Fernsehspiels - ein Stück, das gewollt oder ungewollt, die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland angestachelt hätte. Offenbar von Rostock und Hoyerswerda unbeeindruckt, wollte die von allen guten Geistern verlassene SWF-Fernsehspiel-Redaktion eine deutsche Version des US-Films "Ein Mann sieht rot" zeigen, ein Drama vom armen, arbeitslosen Deutschen (Helmut Zierl), der angesichts seiner süchtigen Stieftochter (Nicolette Krebitz) und afrikanischer Drogenhändler am Ende mitten in Frankfurt gezielt Schwarze abknallt. Nun sucht die ARD einen Sendeplatz, bei dem das blutrünstige Ehry-Werk durch eine anschließende Diskussion entschärft werden soll. Als hätten dadurch die Zuschauer nicht gesehen, was sie dann gesehen haben werden.


DER SPIEGEL 44/1992
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