05.12.1994

Rassisten-Basis USA

Rechtsextreme in Amerika unterstützen die deutsche Szene

Die USA sind ein Hauptstützpunkt des internationalen Rechtsextremismus. Unter dem Schutz der von der Verfassung garantierten Meinungsfreiheit können Rechtsradikale dort Nazi-Propagandamaterial herstellen und vertreiben, das in Deutschland und in vielen anderen Ländern illegal ist. Als wichtigste US-Rechtsextremisten mit Verbindungen nach Deutschland gelten:

Mark Weber, Institute for Historical Review (IHR): Das IHR ist eine pseudowissenschaftliche Organisation, die weltweit die Arbeit von Leugnern des Holocaust koordiniert und ihnen in ihrem Journal of Historical Review (Chefredakteur: Weber) ein Forum bietet. Offiziell distanzieren sich Weber und das IHR von Neonazis, doch das Institut arbeitet eng mit rechtsradikalen Leitfiguren wie Ernst Zündel, Fred Leuchter und David Irving zusammen.

Willis Carto, Liberty Lobby: Carto ist ein Veteran der amerikanischen Rechtsradikalen. Er gründete das IHR und die Populist Party, die 1988 einen Kandidaten in die Präsidentschaftswahlen schickte: den ehemaligen Ku-Klux-Klan-Führer David Duke. Carto ist eine wichtige Materialquelle für deutsche Neonazis.

Gary "Rex" Lauck, NSDAP-AO: Er gilt bei seinen amerikanischen Kampfgenossen als Verrückter, beim Bundesverfassungsschutz als wichtigste Adresse deutscher Neonazis für Propagandamaterial und unterhält die amerikanische Abteilung der "NSDAP-Auslands- und Aufbauorganisation". Laucks Nazi-Zeitung The New Order erscheint in zehn Sprachen, unter dem Titel NS-Kampfruf auf deutsch.

Tom Metzger, White Aryan Resistance: Der "Pate der Skinhead-Bewegung" versuchte schon früh ein internationales Netz "Arischer Revolutionäre" aufzubauen. Er spielt seine internationalen Verbindungen wegen laufender Ermittlungen gegen ihn herunter, führte aber in seinem Propagandablatt WAR bis September vorigen Jahres Postfachadressen von Organisationen aus 13 Ländern an.

Richard Butler, Aryan Nations: Er unterhält in Idaho ein Camp, in dem rund hundert Rassisten zusammenleben. Einmal im Jahr veranstalten die Aryan Nations ein Sommerlager mit paramilitärischem Training, zu dem auch regelmäßig deutsche Neonazis anreisen.

Ku-Klux-Klan: Die meisten Überseekontakte des Ku-Klux-Klan beschränken sich auf Brieffreundschaften. Im Adressenverzeichnis der Knights of the Ku-Klux-Klan finden sich jedoch Hinweise auf Kontakte zu deutschen Organisationen.

Dennis Mahon, White Knights of The Ku-Klux-Klan: Mahon erregte 1991 großes Aufsehen, als er in Berlin einen Ku-Klux-Klan ins Leben rief und vor den Kameras des Fernsehsenders RTL eine Kreuzverbrennung inszenierte. Das BKA ließ ihn daraufhin als Mitglied und Gründer einer terroristischen Vereinigung auf die Interpol-Fahndungsliste setzen.

Rick McCarty, Church of The Creator (COTC): McCarty versucht, Rassismus zur Religion hochzustilisieren. Die COTC unterhält inzwischen Auslandsabteilungen in 37 Ländern, unter anderem in Deutschland, der Schweiz und Südafrika.

Hans Schmidt, German-American National Political Action Committee (GANPAC): Schmidt diente während des Dritten Reiches bei der Hitlerjugend, später bei der Waffen-SS. Nach dem Krieg setzte er sich in die USA ab, wo er seither Holocaust-Revisionismus betreibt. GANPAC gibt vor, die "52 Millionen Amerikaner deutscher Abstammung zu repräsentieren".


DER SPIEGEL 49/1994
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