06.04.1992

Deutsche Einheit - „alles Lüge“

Lange schon mag Dieter Hallervorden, 56, nicht mehr nur der Kasper sein. Nun kommt er in neuer Rolle ins Kino, als stiller Melancholiker. In der mit wunderbar geschmacklosen Ost-West-Kalauern gesättigten Komödie "Alles Lüge" (Regie: Heiko Schier) spielt "Didi" Hallervorden zwar wieder einen Komiker, doch einen Trauerkloß. Grau und mit den schweren Lidern des Dulders sucht ein verdienter Ost-Unterhaltungskader im hysterischen Berlin (West) den Anschluß ans Weltniveau, den ehemaligen Kompagnon und die einst republikflüchtige Tochter. Mächtig geht dann selbst diesem einfältigen Zoni der Zeitgeist mit der Zeit auf den Geist. Was der Spaßmacher auf seiner Irrfahrt durch die schrille Szene lernt: Keiner im Westen hat die Einheit gewollt, jedenfalls nicht so - alles Lüge. Die Kinokomödie setzt auf kabarettreife Dialoge bei dürrer Handlung, ist in Einzelrollen überdreht und doch auch ein Werk von historischem Verdienst. Denn einmal mehr wird deutlich, daß das lächerlichere Deutschland immer schon im Westen lag. Der Osten aber war ein Witz, über den Scherze nicht mehr lohnen.

DER SPIEGEL 15/1992
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