07.02.1994

Kanada Schonung für Riesen

Nach Jahren leerer Versprechungen will Mike Harcourt, 51, Premierminister der waldreichsten kanadischen Provinz British Columbia, nun Ernst machen: Auf einer Rundreise durch Europa versprach der Regierungschef Schonung für Kanadas uralte Baumriesen. Die bisherige Kahlschlag-Praxis werde eingeschränkt, versprach der Kanadier: Ein neuer Verhaltenskodex werde strenger als zuvor die bislang übergangenen Umweltsünden der Holzkonzerne unter Strafe stellen. Harcourt sah sich zu seiner PR-Kampagne (Kosten: etwa sechs Millionen Dollar) genötigt. Unter anderem ein SPIEGEL-Bericht (46/1993) über den rücksichtslosen Raubbau in finnischen und kanadischen Urwäldern hatte in beiden Ländern Angst vor Boykott-Maßnahmen ausgelöst. British Columbia exportiert jährlich Zellstoff und Papier im Wert von über 200 Millionen Kanada-Dollar nach Deutschland, die Europäische Union bezieht aus Kanada Holz und Papier für 3,1 Milliarden Dollar. Papier, das aus kahlgeschlagenen Primärwäldern stamme, so hatten im Zuge einer Greenpeace-Aktion drei deutsche Großverlage erklärt, solle künftig nicht mehr verwendet werden. Naturschützer und Privatleute hatten in British Columbia bereits jahrelang vergebens versucht, die Zerstörung einzigartiger Waldregionen zu verhindern. 1993 waren 900 Demonstranten auf Betreiben des Holzkonzerns MacMillan Bloedel vor Gericht gebracht worden. Auch in der Benennung eines neuen Umweltministers und der Entlassung des für die bisherige rabiate Abholzungspolitik verantwortlichen Wes Cheston sieht die Naturschutz-Organisation Sierra Club "einen neuen Ansatz". Druck sei jedoch weiterhin vonnöten.


DER SPIEGEL 6/1994
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