25.07.1994

VerkehrFalsch gerechnet

Die Deutsche Bahn AG hat sich bei der Planung einer neuen ICE-Trasse, die von München über Ingolstadt nach Nürnberg führen soll, um mehr als eine halbe Milliarde Mark verkalkuliert. Die Bahn hatte sich trotz erheblicher Bedenken des Bundesrechnungshofes gegen eine Alternativstrecke über Augsburg entschieden (SPIEGEL 25/1994). Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und Bahn-Chef Heinz Dürr setzten vorvergangene Woche den ersten Spatenstich.
Die Frankfurter Rechnungsprüfer wiesen der Bahn jetzt eine Vielzahl eklatanter Fehler nach. Die auch von der Bundesregierung favorisierte Streckenführung über Ingolstadt war zu günstig gerechnet worden. Allein beim Tunnelbau kalkulierten die Planer die Kosten um 530 Millionen Mark zu niedrig. So fehlt ein 4,8 Kilometer langer Tunnel, der unter dem Köschinger Forst gebaut werden soll, im Kostenvergleich zwischen den beiden Strecken; mehrere Tunnel wurden falsch vermessen. Allein dadurch verteuert sich der Voranschlag von gut drei Milliarden Mark um rund 200 Millionen Mark. Zudem wurden Investitionskosten von 3,6 Millionen Mark für Weichenheizungen, Stromversorgung und Beleuchtung auf dem Bauabschnitt zwischen Ingolstadt und München vergessen.
Die Streckenführung über Augsburg wurde durch Rechenfehler dagegen teurer als tatsächlich notwendig. 5,5 Millionen Mark für elektrische Anlagen beim Bahnhof in Roth wurden doppelt veranschlagt; der Umbau des Treuchtlinger Bahnhofs taucht in der Kostenrechnung auf, obwohl er schon 1992 abgeschlossen wurde. Die Bahn listete außerdem 26,6 Millionen Mark für die Erneuerung eines Stellwerks in München-Pasing auf, das unabhängig von der ICE-Trasse überholt werden muß.
Die ICE-Strecke über Ingolstadt kostet, so das Fazit der Rechnungsprüfer, 3,89 Milliarden, die Alternativlösung über Augsburg würde in Wirklichkeit nur 2,2 Milliarden Mark betragen.

DER SPIEGEL 30/1994
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