30.11.1992

„So viele Lügen“

Korrupte Funktionäre vermitteln in Moskau gegen viel Geld die Einladungen deutscher Hilfsorganisationen für Tschernobyl-geschädigte Kinder. Statt der Strahlenopfer profitieren vielfach Familien aus der russischen Devisen-Oberschicht von den Wohltätigkeitsreisen in die Bundesrepublik.
Zum Frühstück gibt es Ferrero Küßchen und Windsor-Castle-Tea, Sorte "Earl Grey". Die Schülerin Irina Artachowa, 16, die mit ihren Eltern in einer eleganten Stadtwohnung am Moskauer Friedensprospekt lebt, ist gerade eben aufgestanden.
Widerwillig löst sich die junge Dame im rosa Frottee-Bademantel aus dem modischen Stahlrohrsessel, als es an der Haustür klingelt; draußen steht der Chauffeur ihres Vaters mit einer Kiste Wodka.
Mangel kennt die Moskauerin Irina nicht. In der Wohnung der Artachows fehlt es weder an der Mikrowelle noch am Farbfernseher, am schnurlosen Telefon oder am Bauknecht-Herd. Viele Lebensmittel kommen aus dem Westen, selbst das Mineralwasser ist ein Markenimport aus deutschen Landen.
Die Artachows zählen in Moskau, wo jeder dritte an oder unter der Armutsgrenze lebt, zu jenen drei Prozent des neuen Devisenadels, der im Wohlstand schwelgt. Davon freilich weiß im Luftkurort Rengsdorf in Rheinland-Pfalz niemand etwas: Als angebliches Tschernobyl-Opfer verbrachte Irina dort mit _(* Oben: Jelena Fedjajewa und Freundin ) _(Katja Meschena im Garten der deutschen ) _(Gasteltern; Igor Bogdaschew mit seiner ) _(Mutter im elterlichen Wohnzimmer in ) _(Moskau; unten: in der Küche ihrer ) _(Eltern. ) einer ganzen Gruppe wohlhabender Jugendlicher aus der ehemaligen Sowjetunion in diesem Jahr zwei Wochen ihrer Sommerferien - auf Kosten mildtätiger Bundesbürger.
Laut Teilnehmerliste kamen die jungen Besucher aus Gomel, 150 Kilometer nordöstlich vom Ort der Reaktor-Havarie entfernt. Die angeblich strahlenverseuchten jungen Leute waren einer Einladung der Sportjugend Rheinland-Pfalz (600 000 Mitglieder) gefolgt; Ministerpräsident Rudolf Scharping hatte an Wohlfahrtsverbände und Sportvereine, Kirchen und Privatleute appelliert, rund 2000 Kindern aus der Tschernobyl-Region einen Erholungsaufenthalt in Deutschland zu ermöglichen.
Gut 10 000 Mark ließ sich allein der rheinland-pfälzische Sportverband den 14tägigen Aufenthalt der Tschernobyl-Kindergruppe in Rengsdorf kosten. Auch die Bürger des malerischen Urlaubsortes hatten zu der Hilfsaktion mit Kleider-, Lebensmittel- und Geldspenden beigetragen.
Unter der Überschrift "Verbrüderung am Lagerfeuer" berichtete die örtliche Neuwieder Zeitung über die "Mädchen und Jungen aus der Tschernobyl-Region", die mit den Folgen von "starken Strahlenschäden kämpfen müssen", was "immer wieder zu beobachten war". Am Ende der mildtätigen Jugendfreizeit hatte sich bei dem deutschen Betreuerteam jedoch ein anderer Eindruck durchgesetzt - die Erkenntnis, daß man in Wahrheit "Bonzenkinder" beherbergt hatte.
Die Schülerin Simone Strutz, 17, etwa hatte im Vorjahr bereits Erfahrungen mit Kindern gemacht, die wirklich aus Gomel bei Tschernobyl kamen. In diesem Jahr fiel ihr auf: "Da war zuviel Schmuck und zuviel Geld."
Betrogen fühlen sich auch die 20 Familien einer privaten Hilfsinitiative im Westerwald. Sie hatten ebenfalls bedürftige Kinder aus Rußland eingeladen. Die Aktion empfanden Gastgeber wie die Hausfrau Irmgard Marenbach, 65, aus Maulsbach als "Christenpflicht": "Ich dachte, da kommen kranke, schwache Kinder in Pappschuhen."
Weit gefehlt. Nach der Landung auf dem Flughafen Köln/Bonn überreichten modisch gekleidete Mädchen und Jungen den Gastgebern einheitliche Gastgeschenke, einen elektrischen Samowar und Holzlöffel mit russischen Folklore-Ornamenten. Die Betzdorfer Pfarrersfrau Liane Aust, 31, erhielt von der kleinen Wiktorija Jewstratowa, 10, außerdem _(* In der Petrowski-Passage in Moskau. ) einen Parfum-Flakon Marke "Gucci".
Ratlos reagierte die sozial engagierte Gastmutter auch auf die Geldbündel, die sie beim Auspacken des Kinderkoffers fand: "Bei 200 Dollar habe ich aufgehört zu zählen."
Mehr als an Spielveranstaltungen und Ausflügen in die Natur waren die jungen Gäste an Shopping-Touren nach Köln und Bonn interessiert. No-name-Produkte kamen kaum in Frage - die meisten Kinder hatten exakte Vorstellungen, welche Markenartikel sie mit nach Hause nehmen wollten.
Nach vier Wochen Besucherstreß fühlte sich Gastmutter Ute Lamberty, 59, aus Bruchermühle "wie erschossen": "Diesen überreizten Kindern konnte man überhaupt keine Freude mehr machen."
Kein Wunder. Die Kleinen kamen keineswegs aus sozial schwachen Familien. Auf Deutschland-Reise gegangen waren Sprößlinge von Belegschaftsmitgliedern und Geschäftsfreunden der "Petrowski-Passage", des exklusivsten Devisen-Kaufhauses in ganz Moskau.
Dabei hatten die Deutschen ganz unmißverständlich "arme Kinder" eingeladen. Ihr Angebot richteten sie an die als seriös geltende Moskauer Wohltätigkeitsorganisation "International Charity & Health Found".
Die Vorbereitung der Reise und die Auswahl der Kinder hatte jedoch eine freie Mitarbeiterin dieser Stiftung übernommen: Alla Schinkarewskaja, 34, eine clevere Geschäftsfrau. Deren Handelsfirma "Arsenal" hat ihren Sitz direkt in der Petrowski-Passage, einem boomenden Unternehmen, mit dem Schinkarewskaja auch geschäftlich eng verbandelt ist.
Mit dem preiswerten Reiseangebot für die Kinder, erklärt die stellvertretende Direktorin des Kaufhauses, Larissa Fedjajewa, 32, deren Tochter Jelena mit ihrer Freundin Katja Meschena ebenfalls auf Deutschland-Tour gegangen war, habe die Kollegin Schinkarewskaja ihnen "einen Gefallen tun" wollen. Informationen über die Finanzierung der Reise bekamen die ausgewählten Mitarbeiter der teuren Kaufhalle bei einem Meeting kurz vor Abfahrt.
Für die verbilligten Flugtickets der Kleinen zu 10 000 Rubel, umgerechnet 40 Mark, so erklärte die Organisatorin Schinkarewskaja, komme die Betriebsleitung der Petrowski-Passage auf. Alle übrigen Gelder, auch für beliebig viele Telefongespräche nach Hause sowie für die Einkäufe der Kinder, würden dagegen die Deutschen beisteuern.
Von sogenannten Sponsoren, die für die Reisekosten von jungen Tschernobyl-Opfern aufkommen, hören deutsche Hilfsinitiativen und gemeinnützige Organisationen immer wieder mal. Diese Form der Finanzierung von Fahrtkosten wird ihnen meist als "Mäzenatentum" (Schinkarewskaja) verkauft.
Aus purer Mildtätigkeit, so gaukeln die Ansprechpartner auf GUS-Seite den Gastgebern im Westen häufig vor, spendeten Firmen sechs- oder siebenstellige Rubel-Geldbeträge, um bedürftigen Kindern eine Erholungsreise ins Ausland zu ermöglichen. Tatsächlich werden die Einladungen aus Deutschland oft regelrecht an die Betriebe oder auch direkt an Privatpersonen verkauft.
Der Wert von Einladungen aus dem Traumland Bundesrepublik läßt sich täglich in den Zeitungen ablesen; dort werden solche Offerten offen gehandelt, verlangt werden jeweils bis zu 20 000 Rubel, das Dreifache eines durchschnittlichen Monatslohns. Anbieter sind mitunter Funktionäre russischer Wohlfahrtsorganisationen.
Die ohnehin privilegierten Direktoren von Banken, Ölraffinerien und Fabriken erhalten auf diese Weise die seltene Gelegenheit, mit steuerfreien Spenden aus ihrer Firmenkasse an eine humanitäre Einrichtung ihre eigenen Kinder oder Freundeskinder preisgünstig ins westliche Ausland zu schicken.
Privatgruppen aus der Betriebskasse zu finanzieren gilt in der GUS als Alltagsdelikt. Die Spendenfreudigkeit der Betriebe ist dementsprechend groß - selbst bei miserablen Bilanzen.
An das Dickicht aus Betrug und Mauschelei wagen sich die örtlichen Steuerinspekteure kaum heran. Die meisten Prüfer halten sich wie Marina Donskaja, 55, Vize-Chefin der Moskauer Steuerinspektion, "lieber ans Pragmatische": "Zwei Prozent des Jahresgewinns sind als Spende steuerfrei. Wir kontrollieren nur, ob das Geld auch überwiesen wird - Schluß, aus."
Selbst wenn die Steuerpolizei einem konkreten Verdacht nachgeht, sind die Ergebnisse "mager", wie Wjatscheslaw Sowenkow, 45, weiß, der Leiter des Sekretariats der russischen Steuerbehörde in Moskau: "In den Betrieben stoßen wir auf eine Mauer des Schweigens."
Sowenkow, ein rothaariger Mann, der in seinem mit Sportwimpeln und einem Goldfischbecken dekorierten Büro des ehemaligen Finanzministeriums die überall gegenwärtige Korruption beklagt, hält das für "kaum verwunderlich". Wer sollte sich auch beschweren? "Der Betriebsdirektor ist zufrieden, die Eltern sind es auch, und der Buchhalter hält den Mund, weil er sonst ein toter Mann ist."
Von den illegalen Machenschaften profitieren nicht zuletzt die angeblich gemeinnützigen Organisationen, die derzeit allerorten entstehen, obgleich ihnen der Staat heute kaum mehr Unterstützung gewährt. Hinter den Neugründungen verbergen sich oft ehemals hochrangige Funktionäre der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei, die ein neues Betätigungsfeld suchen.
Dank ihrer alten Kontakte kommen die KP-Größen von einst heute leichter als andere an die mildtätigen Einladungen aus dem goldenen Westen, die sie gewinnbringend weiterverkaufen. Die Kinder - etwa Wiktorija Jewstratowa, deren Mutter als Fernsehingenieurin beim zentralen Sender Ostankino arbeitet und deren Vater als Geschäftsmann im Ost-West-Business gut verdient - wissen oft gar nicht, daß sie die Fahrt mit einem Wohlfahrtsticket antreten.
Unter den Wohltätigkeitsvereinen sind "viele trübe Gewässer", hat die Moskauer Redakteurin Tatjana Korssakowa, 46, bei ihren Recherchen für die Komsomolskaja prawda herausgefunden, das einstige Verlautbarungsorgan des Parteijugendverbandes Komsomol. Deutsche Hilfsinitiativen und -verbände ahnen oft gar nicht, mit welchem Partner in der ehemaligen Sowjetunion sie es gerade zu tun haben.
Kaum jemand kann verläßlich darüber Auskunft geben, wie seriös eine russische, belorussische oder ukrainische Hilfsorganisation arbeitet. Am wenigsten durchsichtig ist das Auswahlverfahren.
So glaubte die Mainzer Sportjugend, mit dem Moskauer Verein "Mut und Humanität", einer Hilfsorganisation für "junge Straffällige, gefallene Mädchen und Tschernobyl-Opfer" (Bildungsreferentin Gaby Klein), zu korrespondieren, als es um den Aufenthalt der vermeintlichen Gomel-Gruppe in diesem Sommer ging. Tatsächlich aber verhandelte der Verband mit einem Ex-Funktionär des heute aufgelösten Komitees für Jugendangelegenheiten im ehemaligen Zentralkomitee des Komsomol.
Früher war diese im Parteiapparat hoch angesiedelte Abteilung auch für die Jugend-Westkontakte zuständig gewesen; sie wurde von vielen Moskowitern als "Futterkrippe der Funktionäre" beschimpft.
Der Ex-Funktionär Wladimir Lobynzew, 36, arbeitet heute im Nachfolgeverein der ehemaligen KP-Kinderorganisation, deren Filialnetz noch immer die gesamte GUS überspannt. Erneut in leitender Funktion, mangelt es dem Mann, auf dessen großem dunklem Holzschreibtisch trotzig eine Lenin-Büste thront, wie ehedem an Unrechtsbewußtsein, vor allem aber an Erinnerungsvermögen: "Daß die Deutschen Tschernobyl-Kinder wollten, davon hatte ich keine Ahnung."
Hinter dem angeblichen Mißverständnis verbirgt sich in Wahrheit die Kumpanei ehemaliger Komsomol-Funktionäre. Die politische Jugendelite von einst steckt auch hinter dem Verein "Mut und Humanität", der sich offiziell um Schwererziehbare kümmert.
Weil "Mut und Humanität" selbst keine Sponsoren für eine Reise auftreiben konnte, schanzte der Verein dem Ex-Komsomol-Mann Lobynzew die Einladungen zu. Der löste das Geldproblem auf seine Weise: Er kassierte bei Eltern und Betrieben ab.
Wer nicht zahlte, hatte keine Chancen mitzukommen - es sei denn über gute Beziehungen. So schaffte es beispielsweise der Moskauer Schüler Igor Bogdaschew, 16, gleich zweimal innerhalb eines Jahres, nach Deutschland zu reisen. "Das ist", erklärt der Junge ganz offen, "eine Sippenwirtschaft."
Reiche Funktionärskinder wurden auch einer Bürgerinitiative aus Andernach, einer Stadt zwischen Koblenz und Bonn, untergeschoben. Einige Familien, die sich dort zur Aufnahme von bedürftigen Tschernobyl-Opfern bereit erklärt hatten, machten ähnliche Erfahrungen wie der Andernacher Rettungsassistent Lothar Euteneuer, 45, der selbst vier Kinder hat.
Schon auf dem Weg vom Flughafen nach Hause zückte ein elfjähriger Gast aus Kiew einen Zettel, auf dem seine Wünsche standen: Markenwindeln, Nike-Turnschuhe, Benetton-T-Shirts und ein Game-Boy plus Batterien. Der Sohn eines Arztes war, trotz einjähriger Planung der Aktion, erst zwei Tage vor der Abreise auf die Teilnehmerliste der ukrainischen Hilfsorganisation "Sojus Tschernobyl" gerutscht. Gisela Müller, 66, engagierte Vorsitzende der Bürgerinitiative, vermutet dahinter "üble Schiebereien": "Die Eltern haben den Jungen in letzter Minute eingekauft."
In Zukunft will sich die resolute Dame nichts mehr vormachen lassen. Vergangene Woche reiste sie mit medizinischem Hilfsgerät im Gepäck Richtung Ukraine. Sie wollte "erkunden, was da läuft".
Schriftliche Beschwerden bleiben meist ohne Wirkung. So schickte der Postbedienstete Heinz Hennek, 49, Koordinator der Privatinitiative im Westerwald, mit "viel Wut im Bauch" einen bösen Brief an Wiktor Nowokreschtschenow, den Leiter der Internationalen Abteilung des Moskauer "Charity & Health Found". Ihm seien, schimpfte Hennek, "unmögliche, ungezogene, verwöhnte" Kinder geschickt worden. Die Charity-Mitarbeiterin Schinkarewskaja, klagte der Postmann, habe ihm "so viele Lügen und Geschichten" aufgetischt, daß ihm "schlecht" geworden sei.
Nowokreschtschenow, der sein mit Aktenstapeln übersätes Büro in der Kuppel der Hauskirche eines ehemaligen Fürsten-Schlößchens eingerichtet hat, sandte lediglich eine Entschuldigung zurück. Den Machenschaften seiner Mitarbeiterin nachzurecherchieren, die statt armer Kinder die Sprößlinge reicher Geschäftsfreunde nach Deutschland schickte, "lohnt den Aufwand nicht" - Betrug scheint in der GUS auch in der Branche der Barmherzigkeit an der Tagesordnung zu sein.
Dabei wächst in der ehemaligen Sowjetunion der Bedarf an wahren Wohltaten. Zehntausende Kinder verwahrlosen auf den Straßen der Großstädte. Sechsjährige verkaufen in Moskau an Ampeln und Kreuzungen Coca-Cola-Büchsen oder wischen im stinkenden Stop-and-go-Verkehr für ein paar Rubel Fensterscheiben.
Weit über eine Million Kinder leiden an den Folgen der Strahlenkatastrophe von Tschernobyl, allein in Belorußland rund 600 000. Doch die Hilfsangebote aus dem Westen dringen häufig gar nicht zu denen vor, die es am nötigsten haben.
Fast überall in der ehemaligen Sowjetunion kontrollieren alte Kader und Funktionäre die Behörden und die Schaltzentralen der Gesellschaft. Auch wenn Institutionen der Kommunistischen Partei heute andere Namen tragen, gibt es noch immer keine andere Infrastruktur als die der KP. Vetternwirtschaft ist das einzige, was funktioniert.
Belorußlands Staatsoberhaupt Stanislaw Schuschkewitsch warnte denn auch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder im September bei einem Treffen in Wolfsburg vor falschem Engagement für Tschernobyl-Kinder. Nach Deutschland, ließ Schuschkewitsch den SPD-Politiker wissen, kämen vielfach "Kinder ehemaliger Parteifunktionäre". Die belorussischen Hilfsorganisationen seien als Ansprechpartner "wenig zuverlässig", weil sie sich ständig selbst bekriegten.
Noch in diesem Jahr hatte Schröder privaten Initiativen, die Strahlenopfer nach Niedersachsen holten, aus dem Staatssäckel rund 200 000 Mark zugeschossen. Dem Rat Schuschkewitschs folgend, sollen die Gelder der neugegründeten Landesstiftung "Kinder von Tschernobyl" nun direkt nach Belorußland fließen.
Große Hilfsorganisationen in der Bundesrepublik wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) oder die Caritas zweifeln zunehmend am positiven Effekt von Bemühungen, arme Kinder oder erholungsbedürftige Tschernobyl-Opfer massenhaft in die Bundesrepublik zu holen.
Mit dem Geld, das Länder, Kommunen und Spender investieren, könnte ein Vielfaches an Erholungsaufenthalten innerhalb der GUS organisiert werden. So kosten vier Wochen Deutschland-Besuch inklusive Transport und ärztliche Betreuung das DRK pro Kind rund 2000 Mark. Am Schwarzen Meer wäre dasselbe für wenige tausend Rubel zu haben.
Zudem wächst der Neid der Kinder, die daheim bleiben müssen. Denn pro Jahr hat allenfalls jedes zehnte bedürftige Kind die Möglichkeit, ins Ausland zu reisen. Experten befürchten auch einen "Kulturschock" bei den Kleinen, die vier Wochen lang mit dem westdeutschen Wohlstand konfrontiert und dann wieder zurück in die Armut geschickt werden.
Dennoch sind auch fürs nächste Jahr wieder große Einladungsaktionen für Tschernobyl-Kinder in Vorbereitung. Vor allem Rheinland-Pfalz hat sich mächtig was vorgenommen; das Land will noch einmal 400 000 Mark zur Verfügung stellen.
Ein Veranstalter wird sicher ausfallen - die Sportjugend in Mainz. Bildungsreferentin Gaby Klein: "Wir lassen uns nicht gern leimen."
* Oben: Jelena Fedjajewa und Freundin Katja Meschena im Garten der deutschen Gasteltern; Igor Bogdaschew mit seiner Mutter im elterlichen Wohnzimmer in Moskau; unten: in der Küche ihrer Eltern. * In der Petrowski-Passage in Moskau.

DER SPIEGEL 49/1992
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