23.08.1993

Minister

Fester Standpunkt

Der thüringische Kultusminister Dieter Althaus (CDU) stand dem SED-Regime offenbar näher, als er bislang öffentlich zugeben mochte. Noch kurz vor der Wende legte der damalige Oberschullehrer auf einer Kreistagung von Schulfunktionären ein umfassendes Treuebekenntnis zum DDR-Staat ab, das über die üblichen Lippenbekenntnisse hinausging.

So würdigte er in seiner am 25. August 1989 gehaltenen Rede, die dem SPIEGEL vorliegt, die "politisch-ideologische Arbeit" in den DDR-Schulen, verlangte von den Kollegen einen "festen Klassenstandpunkt" und forderte die anwesenden Pädagogen dazu auf, bei den "Problemen Jugendweihe, militärischer und pädagogischer Nachwuchs . . . weiter voranzukommen".

Scharf prangerte Althaus, 35, der heute für die Reform des thüringischen Schulsystems verantwortlich ist, "das wahre Gesicht der BRD" an, das "unseren Menschen nur selten offen deutlich" werde. Dabei bezog er sich auf einen Zwischenfall in dem DDR-Grenzdorf Wahlhausen. Zwei Männer, so hieß es damals in der DDR-Presse, hätten die Kirche und Wohnhäuser des Ortes von der Westseite aus beschossen. Die Honecker-Regierung benutzte diesen bis heute ungeklärten Zwischenfall, um gegen die Ausreisebewegung ihrer Bürger in die Bundesrepublik zu agitieren.


DER SPIEGEL 34/1993
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