03.10.1994

Frühgeborene Last fürs Leben?

Das Überleben von Frühstgeborenen wird oft mit schweren Behinderungen erkauft. Diesen Verdacht bestätigten jetzt Kinderärzte in Cleveland. Sie untersuchten eine Gruppe von 68 acht- bis zwölfjährigen Kindern, die mit einem Gewicht unter 750 Gramm im fünften oder sechsten Schwangerschaftsmonat zur Welt gekommen waren. Dabei zeigten sich drastische Unterschiede zu einer entsprechenden Gruppe regulär geborener Kinder: 20 Prozent der Frühgeborenen waren auch noch als Schulkinder schwer geistig behindert, 45 Prozent benötigten spezielle Lernhilfen. Etwa jedes vierte Kind war sehbehindert oder blind, ebenso viele hörten schlecht. Bisher ließen sich die Folgen der Brutkastenpflege kaum abschätzen, denn erst seit einem Jahrzehnt gelingt es, 500-Gramm-Frühchen am Leben zu halten. Doch auch bei der jetzt durchgeführten Studie warnen die Autoren vor Rückschlüssen auf heute geborene Frühchen: Der medizinische Fortschritt sei in diesem Bereich so schnell, daß sich in der Zeit, bis die Kinder das Schulalter erreichten, die intensivmedizinische Behandlung von Neugeborenen erneut grundlegend verändert hat.


DER SPIEGEL 40/1994
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