10.10.1994

Umwelt Löschgas gesucht

Jahrzehntelang galten die Substanzen Halon 1301 und Halon 1211 als wahre Wundergase: Sie erstickten Triebwerkbrände bei Düsenflugzeugen buchstäblich im Flug, verhinderten Brände bei Großcomputeranlagen oder an Bord von Schiffen. Nachteil: Die in der Stratosphäre freigesetzten Brom-Atome entfalten eine noch verheerendere Wirkung auf den Ozonmantel der Erde als die Fluorchlorkohlenwasserstoffe. Bis Ende letzten Jahres wurde die Produktion der Halone deshalb eingestellt. Noch in diesem Monat will das US-Verteidigungsministerium entscheiden, welcher Ersatzstoff in die Brandschutzbehälter amerikanischer Militärflugzeuge gepackt werden soll. Die zivile Luftfahrt steht weltweit vor dem gleichen Problem, aber bislang ist eine Lösung nicht in Sicht: Alle bisher in Aussicht genommenen Ersatzstoffe erwiesen sich als ungeeignet. Sie waren entweder zu voluminös oder in anderer Weise umweltschädlich oder auch zu giftig für den Einsatz in Anwesenheit von Menschen. So droht ein für die Ozonschicht unverträglicher Kompromiß - eine Weiterverwendung der alten Halone. Nach Schätzungen der Uno sind von diesen Gasverbindungen noch so viele gelagert, daß sie bis Mitte des nächsten Jahrhunderts ausreichen würden.


DER SPIEGEL 41/1994
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.