07.11.1994

Flick-AffäreStasi kannte schwarze Kassen

Schon Jahre vor den westdeutschen Behörden war die DDR-Staatssicherheit über Schmiergeldzahlungen des Flick-Konzerns an westdeutsche Politiker informiert. Zuträger der Stasi-Hauptverwaltung Aufklärung in Ost-Berlin soll der ehemalige Bonner Flick-Lobbyist Adolf Kanter gewesen sein. Die Karlsruher Bundesanwaltschaft hat jetzt wegen Spionageverdachts Anklage vor dem Oberlandesgericht Koblenz erhoben. CDU-Mitglied Kanter, 69, soll seine Agententätigkeit für die Stasi 1952 aufgenommen haben. 1974 wurde er Vizechef der "Politischen Stabsstelle der Geschäftsführung" des Flick-Konzerns in Bonn. Das Unternehmen leistete Wahlkampfhilfe für die CDU/CSU und zahlte Volksvertretern heimlich Bargeld. Kanter hatte dafür die Flickschen "Spezialbriefe" erfunden: Umschläge mit Beträgen bis zu 10 000 Mark. Ende der siebziger Jahre habe Kanter - so die Bundesanwaltschaft - seine DDR-Führungsoffiziere von der Abteilung I ("Staatsapparat der BRD") mit Details über die Millionenspenden der Industrie an Politiker und illegale Geldwaschanlagen versorgt. So soll er die Stasi beispielsweise frühzeitig über Geld-Gaben an hohe CDU-Politiker informiert haben.

DER SPIEGEL 45/1994
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