28.06.1999

POLIT-COMICS Gallige Sprechblasen

Der japanische Comic-Zeichner Yoshinori Kobayashi führt einen Privatkrieg gegen die deutsche "Zeit". In einem achtseitigen Comic des japanischen Magazins "Sapio" läßt der nationalistische Bestsellerautor den Tokio-Korrespondenten des Hamburger Blatts, Henrik Bork, als häßlichen Deutschen auftreten. In einem längeren Interview will Kobayashi dem Journalisten demnach erläutert haben, warum er historische Angaben über japanische Greueltaten bei der Einnahme von Nanking 1937 bezweifelt. Doch in seinem "Zeit"-Artikel habe Bork Kobayashis Argumente "total ignoriert, er hat mich verleumdet und geschmäht". Von Bork und "Zeit" geht der Japaner zum Generalangriff auf die Deutschen über: Indem die Deutschen Nippons frühere Armee zum Bösewicht stempelten, wollten sie vom eigenen Schuldkomplex gegenüber dem Holocaust ablenken. Den "Zeit"-Korrespondenten, den Kobayashi mal als schleimigen Aal, mal mit haßerfüllter Nazi-Visage zeichnet, will der zornige Japaner auch künftig mit seinen galligen Sprechblasen verfolgen: Falls sich die "Zeit" nicht entschuldige, wolle er Bork in weiteren Comics vorführen - als Beispiel für schlechten deutschen Journalismus.


DER SPIEGEL 26/1999
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