28.11.2015

Umwelt„180 000 Menschen starben an Atemnot“

Der Freiburger Feuerökologe Johann Georg Goldammer, 66, über die gefährlichen Brandrodungen auf Borneo und Sumatra
SPIEGEL: Der Feuerrauch in der Region um Indonesien hat sich verzogen. Sind die Brände jetzt unter Kontrolle?
Goldammer: Nein, der Eindruck täuscht. Es hat dort gerade viel geregnet, das hat vorübergehend die Luft gereinigt und die Flächen, die mit Feuer gerodet werden, durchnässt. Aber ab Dezember dürfte die nächste Trockenperiode einsetzen, ausgelöst durch das Klimaphänomen El Niño. Dann wird die Verbrennung von Naturwäldern und trockengelegten Feuchtgebieten wieder zunehmen, so wie es seit Jahren geschieht.
SPIEGEL: Was macht der Rauch mit den Menschen?
Goldammer: Sie leiden. Betroffen sind eine halbe Million Menschen. Gesundheitlich geschädigt werden vor allem kleine Kinder, Alte, Kranke und Asthmatiker. Schätzungen lassen befürchten, dass dieses Jahr bereits rund 180 000 Menschen nach akuter Atemnot vorzeitig gestorben sind.
SPIEGEL: Sind Indonesiens Probleme einzigartig?
Goldammer: Nein, auch der brasilianische Regenwald wurde früher mit großflächiger Brandrodung für die Schaffung von Flächen für die Rinderzucht und Sojaanbau vernichtet. Aber Brasilien hat umgesteuert, heute geht die Regierung recht konsequent dagegen vor. Wenn auf Satellitenbildern ein neuer Brand auftaucht, werden Eingreiftruppen per Hubschrauber dorthin geschickt.
SPIEGEL: Was muss geschehen, damit Indonesien aktiv wird?
Goldammer: Die Südasiatische Staatengemeinschaft Asean müsste endlich das Abkommen zur Luftreinhaltung durchsetzen. Bislang haben betroffene Nachbarländer wie Malaysia und Singapur ja Jahr für Jahr immer nur über den Rauch geklagt, aber nie mit Sanktionen gedroht. Außerdem sollte Europa wirtschaftlichen Druck ausüben, zum Beispiel durch ein Importverbot für Palmöl, das aus Brandrodungsflächen stammt. Und drittens muss die Weltgemeinschaft neue Perspektiven für die Bevölkerung vor Ort schaffen – mit Jobs, die den Wald nicht vernichten, sondern ihn schützen.
Von Hil

DER SPIEGEL 49/2015
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