31.01.1983

Warten auf Hitler

SPIEGEL-Redakteur Heinz Höhne über Deutschlands Weg in die Diktatur (V)
Kaum einer hatte das Ereignis vorausgeahnt, niemand es in dieser Form kommen sehen. Noch später fiel es den Zeitgenossen schwer, genau zu erklären, wie es passieren konnte, daß Adolf Hitler und seine Partei in Deutschland trotz aller Widrigkeiten doch noch an die Macht gekommen waren.
Selbst die Propagandisten des Dritten Reiches hatten Mühe, die Vorgeschichte des "Tages der Machtergreifung", die keine war, zu rekonstruieren. Sie wichen gern in die Geschichte Preußens aus, in der sie vermeintliche Präzedenzfälle entdeckten, um das "Wunder" des 30. Januar 1933 verständlich zu machen.
Hitlers Mißerfolg bei der Reichspräsidentenwahl am 13. März 1932, so fand der NS-Historiker Walter Frank, sei das Kunersdorf des Nationalsozialismus gewesen, vergleichbar jener verheerenden Schlacht im Siebenjährigen Krieg, nach der Friedrich der Große Selbstmord verüben wollte, und die Krise der NSDAP am Endes des Jahres 1932, nach Wahlschlappe und Straßer-Affäre, erinnerte Frank an Friedrichs aussichtslose Lage im Herbst 1761, als er die Hälfte seines Staates verloren hatte.
Wie Friedrich dann, so Frank weiter, durch den Tod seiner stärksten Gegnerin, der Zarin Elisabeth, auf fast wundersame Art gerettet wurde, so sei auch der Führer durch seltsame Verkettung an die Macht gekommen. Hitler selber habe am 30. Januar 1933 einem Vertrauten erklärt, nur durch göttliche Fügung sei er in einem Augenblick gerettet worden, "als ich im Angesicht des Hafens zu scheitern schien".
Es war die Verwunderung eines Mannes, der sich noch wenige Tage zuvor von der Macht weiter denn je entfernt gewähnt hatte. "Das Jahr", notierte sich der Berliner Gauleiter Joseph Goebbels am 23. Dezember 1932, "war eine ewige Pechsträhne. Man muß es in Scherben schlagen. Die Zukunft ist dunkel und trübe; alle Aussichten und Hoffnungen vollends entschwunden."
Ganz anders die Stimmung im Lager des Reichskanzlers Kurt von Schleicher] Dort sah man optimistisch in die Zukunft, selbst der oft mürrische Reichspräsident Paul von Hindenburg war bester Laune. "Lieber junger Freund] Ich danke Ihnen für die stille ruhige Weihnacht, die ruhigste, die ich in meiner Amtszeit erlebt habe", schrieb er an den Kanzler. "Mit Freude drücke ich Ihnen, lieber junger Freund, meine große Zufriedenheit mit Ihrer Regierungsführung aus."
Tatsächlich gab es einige Gründe für Schleicher, die Lage zuversichtlich zu beurteilen. Zum erstenmal seit dem Beginn der deutschen Staats- und Wirtschaftskrise kündigten einige Anzeichen an, daß sich die Verhältnisse in der Republik allmählich wieder besserten.
Das Land profitierte offenkundig von der Vertrauenskrise in Hitlers Partei: S.132 Die Kassen der NSDAP waren erschöpft; die Parteiführung wußte kaum, wie sie die Angestellten bezahlen sollte. Zudem war das NS-Management in einem desolaten Zustand. Nach dem Ausscheiden Gregor Straßers hatte Hitler dessen gesamten Führungsapparat zerschlagen und eine "Politische Zentralkommission" geschaffen, die jedoch nur geringe Autorität besaß. Folge: Die Partei zerfaserte immer mehr.
Zur Krise der Partei trug auch bei, daß den nationalsozialistischen Agitatoren die Munition ausging, mit der sie sich bisher den Weg ins Zentrum deutscher Politik freigeschossen hatten. Die Wirtschaftskrise ebbte allmählich ab, die Talsohle schien überwunden.
Es gab deutliche Anzeichen für einen Aufschwung: Die Konkurse waren im November 1932 im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel zurückgegangen, die Aktienkurse gestiegen, festverzinsliche Werte zwischen Juni und November 1932 von 84,9 auf 102,4 (Ausgangswert 100 in der Zeit 1924/26) geklettert. Der Index der internationalen Industrieproduktion zeigte eine Tendenz nach oben, ein gewisser Optimismus war unverkennbar.
Das war natürlich nicht das Verdienst der Regierung Schleicher, sondern allenfalls, soweit die Besserung überhaupt auf Maßnahmen des Staates zurückzuführen war, das Ergebnis der Wirtschafts- und Finanzpolitik des vorangegangenen Kabinetts Franz von Papens, das ansatzweise begonnen hatte, sich von der Erblast des Brüningschen Deflationskurses freizumachen.
Papens Wirtschaftspolitiker hatten erkannt, daß die darniederliegende Wirtschaft einer Initialzündung bedurfte, um wieder auf die Beine zu kommen, und so war entstanden, was man heute mittelbare Arbeitsbeschaffung nennt. Durch Vergabe von Staatsaufträgen und durch steuerliches Entgegenkommen sollten den Unternehmern Anreize geboten werden, eigene Initiative zu entwickeln und damit die Wirtschaft zu beleben.
Es war seine Wirtschaftspolitik, die Papen das Wohlwollen der Unternehmer sicherte. Denn die Politik der Initialzündung kam in erster Linie den Unternehmern zugute, deren "Einkommen stieg, während sich die Einkommenslage der unselbständigen Beschäftigten nicht wesentlich verbesserte", wie der Historiker Helmut Marcon feststellt.
Wie sehr Papen den Unternehmern entgegenkam, war in einem Papier festgeschrieben, das die Gewerkschaften maßlos erregt hatte. In einer Verordnung vom 5. September 1932 hatte der Reichskanzler den Unternehmern die Möglichkeit eingeräumt, ohne vorherige Vereinbarung mit den Arbeitnehmerorganisationen die Arbeitszeit zu kürzen und Löhne zu senken.
Das machte unter den Arbeitern böses Blut. Wo immer die Betriebe versuchten, unter Berufung auf die Papen-Verordnung die Tariflöhne eigenmächtig zu senken, brachen wilde Streiks aus, die fast stets mit der Niederlage der Arbeitgeber endeten. Doch die verhaßte Verordnung blieb.
Für den Reichskanzler von Schleicher aber war gerade die Geschichte der mißglückten Verordnung Anlaß, es anders und besser zu machen als sein Vorgänger. Er wollte als "sozialer" General eine Front quer durch die arbeiterfreundlichen Gruppierungen aller Parteien schaffen, um die Arbeitslosigkeit entschiedener als bisher zu bekämpfen und die Republik vor der Zerstörungswut der Hitler-Bewegung zu bewahren. Der Reichspräsident, so ließ Schleicher verlauten, S.133 habe ihm den Befehl erteilt, "die Nationalsozialisten an den Staat heranzuführen oder sie unschädlich zu machen".
So begann Schleicher seine Fäden zu ziehen, gestützt auf die stärkste Macht, die es damals in Deutschland gab: die Reichswehr. Nie war der Einfluß des deutschen Militärs größer als in dieser Spätphase der Weimarer Republik, nicht einmal in der Monarchie hatte es eine solche Machtstellung besessen. Zum erstenmal war der Reichskanzler zugleich Wehrminister; zudem stand an der Spitze des Staates ein Generalfeldmarschall, dessen Autorität im Offizierskorps bedenkenloser akzeptiert wurde als früher jene des Kaisers.
In alle Lebensbereiche der Nation hatte die Reichswehr ihre Fühler ausgestreckt: Ein pensionierter Reichswehrgeneral, Edwin von Stülpnagel, stand dem "Reichskuratorium für Jugendertüchtigung" vor, in dem Angehörige der paramilitärischen Organisationen der Parteien für Grenzschutzaufgaben ausgebildet wurden, Offiziere des Reichswehrministeriums kontrollierten die Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD), der Erwerbslose, aber auch andere junge Deutsche zu öffentlichen Arbeiten heranzog, militärstrategische Erwägungen beeinflußten Straßenbau, Bahnstreckenerweiterungen und Produktionspläne.
Und überall, in Parteien und Behörden, saßen die geheimen Beauftragten des Abwehrchefs Ferdinand von Bredow und wachten über die Wahrung militärischer Interessen. Deutschland war dabei, zu einem Militärstaat zu werden.
Schleichers Macht reichte jedoch kaum über die Büros des Reichswehrministeriums hinaus; was sich in anderen Stäben der Reichswehr tat, entzog sich seinem Einfluß. Schleicher konnte die Reichswehr nur beherrschen, solange er das Vertrauen Hindenburgs genoß - das war der schwache Punkt in seiner Rechnung.
Das mag der General selber gespürt haben, mit der Reichswehr allein mochte er als Kanzler nicht operieren. Schleicher meinte sogar, die Reichswehr laufe Gefahr, sich politisch zu übernehmen. Deshalb solle sie bald wieder in den Hintergrund treten, sie habe nur noch die Aufgabe, dabei mitzuhelfen, die Querfront zu schaffen, die Gewerkschaftsachse, mit der Schleicher einen neuen Anfang in der deutschen Politik setzen wollte.
Eine phantastische Idee: Armee und Arbeiterschaft, die beiden stärksten Antagonisten der neueren deutschen Geschichte, vereint zur Stabilisierung der Republik] Diese Koalition hätte Hitler stoppen können - ein weiterer Beweis dafür, daß der Weg des Naziführers an die Macht nicht unaufhaltsam war. Er war durchaus aufhaltsam, zu allen Zeiten, wie immer neue Rettungsversuche belegen: Otto Brauns "Große Koalition der Vernünftigen", Gregor Straßers "Front der schaffenden Menschen" und jetzt die Querfront des Kurt von Schleicher.
Am 28. November 1932 traf Schleicher sich mit Theodor Leipart, dem Vorsitzenden des sozialdemokratischen Allgemeinen Gewerkschaftsbundes (ADGB), und dessen Stellvertreter Wilhelm Eggert, die nicht abgeneigt waren, mit ihm zusammenzuarbeiten. Sie unterbreiteten Schleicher ihre Forderungen, und er stimmte ihnen grundsätzlich zu. In sein Kabinett nahm er den gewerkschaftsfreundlichen FAD-Reichskommissar Friedrich Syrup als Arbeitsminister, er trennte sich von dem reaktionären Innenminister Gayl, ließ das Kabinett eine verbesserte Winterhilfe für Arbeitslose beschließen und zog - wichtigste Forderung der Gewerkschaftler - Papens Verordnung zurück.
Ein bunter Haufen nonkonformistischer Männer, darunter Gewerkschaftler von links und rechts, linke Nationalsozialisten, Führer des SPD-nahen Wehrverbandes "Reichsbanner" und des deutschnationalen "Stahlhelm", bot sich dem Kanzler an, dem man trotz aller Bedenken zutraute, anders zu sein als seine Vorgänger.
Der Reichsbanner-Generalsekretär Gebhard, der Stahlhelmführer Lübbert, der ADGB-Funktionär Furtwängler, der SA-Führer von Killinger und NS-Wirtschaftler Cordemann sahen im Kabinett Schleicher eine Chance, die Krise in den Griff zu bekommen, und es war wohl kein Zufall, daß Gebhard und Lübbert schon im August mit anderen Führern des Stahlhelm und des Reichsbanner darin übereinstimmten, die "notwendig gewordene Diktatur der Ordnung" könne nur Schleicher mit Hilfe der ehemaligen Frontsoldaten etablieren. Schleicher zu dem Reichsbanner-Vorsitzenden Karl Höltermann: "Mit dem Reichsbanner würde ich gern gemeinsame Sache machen, aber nicht mit den SA-Horden."
Nazis und Sozis, Stahlhelmer und Reichsbannerleute waren sich in wirtschaftspolitischen Zirkeln begegnet, in denen immer die gleichen Expertengruppen auftauchten: die sozialdemokratischen Arbeitsplaner Wladimir Woytinski, Fritz Tarnow und Fritz Baade, der nationalsozialistische Kreis um Straßer und die konservative Reformergruppe von Günter Gereke, dem Präsidenten des Landgemeindetages.
Hier entstand die Idee, die Krise - für die Jahreswende wurden noch immer 5,7 Millionen Arbeitslose erwartet - durch ein aktives Arbeitsbeschaffungsprogramm zu bekämpfen und zu überspielen: mittels öffentlicher Aufträge, finanziert durch öffentliche Schulden, die später, in der Hochkonjunktur, wieder abgezahlt werden sollten.
Am weitesten reichten die Vorschläge Gerekes. Er empfahl die Errichtung einer Zentralstelle für Arbeitsbeschaffung unter einem Reichskommissar mit Ministerrang, die in Zusammenarbeit mit öffentlich-rechtlichen Körperschaften einen Mehrjahresplan aufstellen sollte. Dessen Ziel müsse sein, volkswirtschaftlich wichtige Arbeiten zum ausschließlichen Nutzen der Gemeinden zu vergeben.
Dieser Plan gefiel Schleicher so gut, daß er Gereke anbot, sein Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung zu werden. Gereke sagte zu. SA-Führer Killinger übernahm die Leitung von Gerekes persönlichem Büro, auch Furtwängler vom ADGB und andere Freunde fanden als Sachbearbeiter Verwendung.
Kann man es da Schleicher verdenken, daß er glaubte, die Querfront beginne S.136 sich bereits zu formieren? Der Kanzler zählte schon die potentiellen Bundesgenossen entlang der Gewerkschafts-Achse zusammen: Der ADGB, die christlichen Gewerkschaften, die Zentrumspartei, die SPD - das mußte reichen, um selbst bei diesem unhantierbaren Reichstag sicher regieren zu können.
Schleicher hatte sich vorgenommen, gleich bei der Eröffnung des neuen Reichstages Ende Januar Hitler vor die Frage zu stellen, ob er das Kabinett unterstützen wolle oder nicht. Lehnte Hitler ab, dann war Schleicher zum rücksichtslosen Kampf gegen die NSDAP entschlossen.
Bredow hatte bereits einen Plan ausgearbeitet: Auflösung des Reichstages und Verschiebung der Neuwahlen auf unbestimmte Zeit, Verbot der NSDAP. Doch Schleicher hoffte, daß es ohne Kampf gehen würde. Auf die kritischen Stimmen in seiner Umgebung hörte er nicht. Er griff sogar den fragwürdigen Vorschlag auf, den von seinen Ämtern zurückgetretenen Straßer zum Vizekanzler zu ernennen, um so die NSDAP zu zwingen, zwischen ihm und Hitler zu wählen.
Der Kanzler war optimistisch, weil zu seiner Linken die Verhandlungen mit den sozialdemokratischen Gewerkschaftlern einen guten Fortgang nahmen. Leipart und Tarnow gehörten jetzt zu den regelmäßigen Besuchern der Reichskanzlei; Schleicher hatte sich schon entschlossen, die beiden ADGB-Männer demnächst als Minister in sein Kabinett aufzunehmen.
Doch der SPD-Vorstand mochte nicht länger dem Techtelmechtel führender Genossen mit dem Kanzler Schleicher zusehen. Für den SPD-Vorsitzenden Otto Wels gab es kein Paktieren mit dem verhaßten General in der Reichskanzlei. Sofort nach dem Amtsantritt Schleichers hatte die Sozialdemokratische Partei erklärt, sie wolle der neuen Regierung "in der allerschärfsten Opposition gegenüberstehen", und wer es von den Genossen noch nicht verstanden hatte, dem sagte es Wels immer wieder: "Wir haben als Gewerkschaftler und Sozialdemokraten mit Schleicher nichts zu tun, laßt es die anderen machen."
Ärger konnte wohl ein demokratischer Parteiführer nicht verkennen, worum es in diesen letzten Tagen des Jahres 1932 in Deutschland ging. Es war schon schlimm genug, daß Schleicher die tödliche Gefahr der Hitler-Bewegung unterschätzte. Daß aber eine Partei, die ständig von der Gefährdung der Demokratie durch den deutschen Faschismus sprach, im Ernst an diese Gefährdung gar nicht glaubte, war noch schlimmer.
Die eigentliche Bedrohung der Republik sahen die meisten SPD-Führer in der "Reaktion", im jeweiligen Präsidialkabinett. "Die größte Gefahr für die Demokratie sind jetzt die Machthaber von heute", hieß es in der auf reinem SPD-Kurs laufenden "Reichsbannerzeitung" nach den Novemberwahlen von 1932, in denen Wels den Herausforderer Hitler endgültig erledigt zu haben wähnte. Eine neue Parole ging um: Der "offene Faschismus" sei zurückgeschlagen, jetzt müsse seine heimliche Spielart geschlagen werden - und die hatte ein menschliches Gesicht, das Gesicht des Generals von Schleicher.
Typisch für diese Haltung war die Flut sinnloser Anträge der SPD-Reichstagsfraktion, die eine Verstaatlichung der Schlüsselindustrien und die Einführung einer sozialistischen Planwirtschaft verlangten. Sie bekundeten in Wahrheit nur den Rückzug der Partei aus der realen Politik. Durch Papens Preußenschlag war die SPD auch ihrer letzten staatlichen Verantwortung beraubt worden, und seither erging sie sich in einem Revolutionspathos, das nicht zuletzt dem Ziel diente, das Abdriften linker SPD-Gruppen zur KP zu stoppen.
Da störte natürlich jeder Versuch sozialdemokratischer Genossen, ein Arrangement mit Schleicher zu treffen. Hitler aufhalten? Das Thema gab es für die SPD-Führung nicht. So zerschlug sie blindlings die letzte politische Kombination, die Hitler hätte stoppen können.
Zunächst bekamen die Reichsbannerführer den Zorn der SPD-Vorstandsgenossen zu spüren. Wels verbot dem Reichsbanner jede Zusammenarbeit mit dem "Reichskuratorium für Jugendertüchtigung" und mahnte, alles zu unterlassen, was nach einer Unterstützung der Aufrüstung aussehe.
Tatsächlich waren die meisten Reichsbannerführer für die Aufrüstung ihres entmachteten Vaterlandes; sie fanden allenfalls, wie Bredow einmal notierte, man solle "nur nicht viel fragen, sondern handeln". Im Reichswehrministerium ging schon das Wort vom "National-Sozialismus des Reichsbanners" um, mit dem man ein Gegengewicht gegen die SA schaffen könne.
Höltermann stellte sich gegen das Wels-Verbot, auch der ostpreußische Reichsbannerführer Wilhelm Meißner polemisierte dagegen, selbst Otto Braun kam Höltermann zu Hilfe. Doch schließlich gab die Führung des Reichsbanners nach.
Dann waren die Gewerkschaftler an der Reihe. Am 6. Januar 1933 lud der SPD-Fraktionsvorsitzende Rudolf Breitscheid den ADGB-Vorsitzenden zu einer Sitzung des Parteivorstandes ein, auf der die Haltung des Gewerkschaftsbundes einer heftigen Kritik unterzogen wurde. Für manche Vorstandsgenossen war es eine Stunde der Rache: Im März 1930 war es der ADGB gewesen, der die Partei gezwungen hatte, einer Gewerkschaftsdoktrin zuliebe auf Regierungsverantwortung (im Kabinett Hermann Müllers) zu verzichten.
Stundenlang wurde Leipart von den Vorstandsmitgliedern bearbeitet, seine Beziehungen zu Schleicher abzubrechen. Breitscheid forderte strengste Distanz gegenüber dem Kabinett. Der erschöpfte Leipart willigte ein.
Damit war Schleichers Politik die Basis entzogen. Er mußte die Hoffnung aufgeben, im Reichstag eine Mehrheit zu finden, wie sie neuerdings auch Hindenburg von seinem Kanzler verlangte.
Schleicher mußte auf anderen Wegen versuchen, die Macht seiner Regierung zu erweitern. Der Kanzler trieb Gereke und dessen Mini-Querfront an, möglichst rasch ein konkretes Arbeitsbeschaffungsprogramm aufzustellen, mit dem er die Öffentlichkeit, vor allem die Gewerkschaften, beeindrucken konnte. S.137
In wenigen Wochen stellte Gerekes Mannschaft ein Sofortprogramm zusammen, mit dem sich der Kanzler sehen lassen konnte. Das Programm sah die Vergabe von öffentlichen Arbeiten (Straßenbau, Meliorationen, Kanalisierungsarbeiten, Bau von Randsiedlungen) vor, die in erster Linie den Gemeinden dienen sollten. Für die zehnmonatige Laufzeit des Programms standen 500 Millionen Mark zur Verfügung.
Doch der Start in die aktive Arbeitsbeschaffungspolitik kam Schleicher nicht mehr zugute. Schon hatte ein rachsüchtiger Rivale seine Chance erkannt, sich selber wieder ins Spiel zu bringen, der Mann, mit dem Schleicher eigentlich kaum noch rechnete: Franz von Papen.
Der wachsende Unmut vieler Unternehmer über die "staatssozialistischen" Experimente des neuen Reichskanzlers gab Papen eine ideale Gelegenheit, sich bei seinen Freunden an der Ruhr wieder in Erinnerung zu bringen.
Die Unternehmer trauerten noch immer "ihrem" Kanzler Papen nach. Für Schleicher hatten sie nichts übrig. Ein Politiker, zumal einer in Uniform, der öffentlich zu erkennen gab, er suche nach einem neuen Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus, und der sich überdies mit Gereke, diesem Enfant terrible der Arbeitsbeschaffungspolitik, liierte, konnte nicht auf das Wohlwollen deutscher Industrieller rechnen.
Das war die Stimmung, die Papen zu nutzen suchte, um sich wieder den Weg in die Reichskanzlei zu sichern. Dazu benötigte er Bundesgenossen; ohne Hitler - so kalkulierte Papen - würde es nicht gehen, auch der deutschnationale Parteichef Alfred Hugenberg mußte aktiviert werden. Ein Zufall erleichterte Papens Unternehmen.
Freunde hatten Papen gebeten, auf der Jahresversammlung des "Herrenklubs" am 16. Dezember die Festrede zu halten, und er hatte zugesagt. Der eitle Ex-Kanzler kannte nur ein Thema, und so sprach er denn vor 300 Gästen über seine sechsmonatige Regierungszeit, wobei er auch ein paar positive Bemerkungen über die nationalsozialistische Bewegung einflocht.
Ein Zuhörer, der Kölner Bankier Kurt Freiherr von Schröder, griff diese Bemerkungen Papens auf. Er sprach den Festredner nach dem Essen darauf an und meinte, es müsse doch eigentlich für Papen ganz reizvoll sein, sich einmal mit Hitler über die politische Lage auszusprechen; er könne ein solches Gespräch vermitteln. Papen war einverstanden.
Ohne es zu ahnen, hatte Franz von Papen einen Prozeß in Gang gesetzt, an dessen Ende Hitlers Machtergreifung stehen sollte. Denn Schröder war nicht nur Bankier, sondern ein ehrgeiziger Nationalsozialist, der zu einem Kreis gleichgesinnter Kaufleute, Reeder, Bankiers und Agrarier gehörte, der sich die Aufgabe gestellt hatte, die NSDAP in Wirtschaftsfragen zu beraten. Der Keppler-Kreis, so genannt nach seinem Gründer Wilhelm Keppler, träumte davon, Hitler an die Macht zu bringen.
Dieser Kreis war freilich nicht der dämonisch-einflußreiche Intrigantenklüngel der Großindustrie, als der er noch heute in der antifaschistischen Legende figuriert. Zum Keppler-Kreis gehörten kaum große Namen der deutschen Industrie.
Schröder leitete eine mittlere Privatbank, der Ingenieur Rudolf Bingel war Vorstandsmitglied der Siemens-Schuckertwerke in Berlin, Ewald Hecker stand dem Aufsichtsrat eines mittleren Eisen- und Stahlwerkes in Peine vor, und Keppler selber hatte sich von den zwei kleinen Familienunternehmen, deren Direktor und Hauptaktionär er einmal gewesen war, völlig getrennt, um sich der Arbeit für die Partei zu widmen.
Dieser kleine Kreis unternehmerischer NS-Förderer galt kaum etwas im Führungszirkel der Großindustrie, der eher auf Papens sozialreaktionäres Programm setzte. Wie die Gewichte verteilt waren, hatten zwei Unterschriftsaktionen im November 1932 enthüllt: Der Keppler-Kreis hatte mit Mühe 20 Unterschriften für eine Bittschrift an Hindenburg, die Hitlers Ernennung zum Kanzler befürwortete, zusammenbekommen, während in kürzester Zeit 336 Unternehmer bereit gewesen waren, einen Aufruf zur Unterstützung der Regierung Papen zu unterschreiben.
Desto erfreuter war Keppler, als er durch Schröder am 18. Dezember von Papens Zusage erfuhr. Sofort meldete Keppler seinem Führer, Papen sei zu einem Treff bereit und habe sich entschlossen, die Kanzlerschaft Hitlers zu unterstützen, nicht ohne hinzuzufügen, die Zusammenkunft müsse natürlich ganz geheim bleiben.
Doch Hitler zeigte keine Lust, sich mit Papen zu treffen. Er hatte die Demütigung vor Hindenburg am 13. August 1932, für die er Papen verantwortlich machte, noch nicht vergessen. Zudem hatte er sich noch nicht vom Schock der Straßer-Krise erholt. In der Partei bildeten sich "Notgemeinschaften" von Straßer-Anhängern, die sich auf den "wahren" Hitler beriefen, der nur von seinen schlechten Ratgebern befreit werden müsse. Das erlaubte auch einflußreichen Gauleitern wie Lohse, Koch, Karpenstein und Bürckel, formal dem Führer zu huldigen und dennoch auf die Karte Straßer zu setzen.
Mit einer solchen Partei mochte Hitler nicht zum Endkampf um die Macht in Berlin antreten. Er glaubte kaum noch an den Sieg. "Ich habe alle Hoffnung aufgegeben", schrieb Hitler an seine Bewunderin Winifred Wagner. Aber war er schon "am Ende", wie der US-Diplomat William Bullitt seinem Präsidenten meldete? Hitler war zumindest so unsicher, daß er Erik Jan Hanussen, Deutschlands berühmtesten Hellseher, zu Rate zog. Der bat um Bedenkzeit: Am Neujahrstag werde er Genaueres wissen.
Keppler aber drängte Hitler, die Vorteile eines Treffs mit Papen noch einmal zu überdenken. Vielleicht war das Jawort des Hindenburg-Vertrauten Papen ein Signal dafür, daß der Widerstand des Präsidenten gegen eine Kanzlerschaft Hitlers geringer wurde?
Hitler willigte schließlich ein, Papen am 4. Januar in Schröders Kölner Haus zu treffen, ja er erhoffte sich von dem Gespräch nun sogar einen bahnbrechenden Erfolg. Der Besuch von Hanussen am 1. Januar 1933 hatte ihn zuversichtlich gestimmt, denn der prophezeite ihm in einem Epigramm den guten Ausgang des Gesprächs mit Papen und "ie Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar: Die Bahn zum Ziel'" " ist noch verrammelt Die rechten Helfer nicht versammelt, Doch " " in drei Tagen - aus drei Ländern, Wird durch die Bank sich " " alles ändern] Und dann am Tag vor Monatsende " " Schleicher-Vertrauter von Bredow Zusammen mit dem " " Reichsbanner ... Reichsbannerführer Höltermann ... ein " " Gegengewicht gegen die SA Stehst Du am Ziel und an der Wende] "
Konnt' Dich die Bahn kein Adler tragen -
Der Holzwurm mußte sie Dir nagen]
Zu Boden sinkt, was morsch und welk -
" Es knistert schon in dem Gebälk] "
In München nahm Hitler mit seinem Gefolge einen Nachtzug, der am frühen Morgen des 4. Januar Bonn erreichte. Dort wartete schon Hitlers Wagen, der die Männer nach Bad Godesberg brachte, wo sie gemeinsam frühstückten. Dann trennte sich Hitler mit seinen beiden Begleitern Rudolf Heß und Heinrich Himmler von den übrigen und stieg in einen anderen Wagen, mit dem Keppler sie zu dem Haus Schröders brachte. Als die vier davor standen, erwartete sie eine Überraschung: Neben der Haustür stand ein Mann, der die Ankömmlinge photographierte. Das kam den vier Nazis merkwürdig vor, war doch alles so geheim vorbereitet worden. Sie vergaßen freilich den Vorfall schnell, denn schon öffnete Schröder die Tür zu seinem Arbeitszimmer, in dem Papen und Hitler zwei Stunden lang miteinander sprachen.
Hitler merkte rasch, daß Papen nicht die Absicht hatte, dem NS-Führer sofort zur Kanzlerschaft zu verhelfen. Da Papen in erster Linie seine eigene anstrebte, konnte er auch gar nicht an der Berufung Hitlers zum Reichskanzler interessiert sein. So bot er sich zunächst als Vermittler zwischen Hitler und Schleicher an und sagte, was er auch schon im Herrenklub gesagt hatte: Es sei staatspolitisch notwendig, daß die NSDAP und damit Hitler in ein Kabinett Schleicher eintrete.
Papen spürte Hitlers Unwillen und fügte sogleich hinzu, der Führer brauche sich vielleicht mit dem Posten eines Vizekanzlers nicht zu begnügen, es könne zu einem Duumvirat Schleicher-Hitler kommen - und ließ dabei die Andeutung mitschwingen, ein solches Duumvirat sei natürlich eines Tages auch zwischen ihnen beiden, Papen und Hitler, denkbar.
Papen beobachtete denn auch mit Vergnügen, wie die Zauberformel "Duumvirat" ihre Wirkung tat. Dann müsse er aber auch Reichswehrminister werden, forderte Hitler, und Papen sah es nicht ungern, daß sein Gegenüber immer mehr an diesem absurden, bei den damaligen Machtverhältnissen unrealistischen Gedanken Gefallen fand. Hitlers Forderung nach seiner Kanzlerschaft rückte zusehends in den Hintergrund - Anlaß für Papens optimistisches Urteil, im Grunde habe Hitler längst darauf verzichtet, Kanzler werden zu wollen.
So erzählte es Papen kurz darauf auch Paul Reusch, dem Generaldirektor der Gutehoffnungshütte, der am 8. Januar festhielt: "Der Ehrgeiz Hitlers erstreckt sich gegenwärtig noch auf die Forderung, Reichswehrminister zu werden. Auf die Reichskanzlerschaft scheint er bereits innerlich verzichtet zu haben." Auch der Tagebuchschreiber Goebbels wußte nichts von einer Kanzlerschaft Hitlers, über den Kölner Treff notierte er nur: "Wenn dieser Coup gelingt, dann sind wir nicht mehr weit von der Macht entfernt" - also doch noch nicht an der Macht.
Eine hartnäckige Fama will freilich, das Treffen im Hause Schröder sei zur Geburtsstunde des Dritten Reiches geworden. Der wichtigtuerische Schröder behauptete später, Hitler und Papen hätten sich damals "grundsätzlich geeinigt". Darauf sollen die Gelder der Schwerindustrie in munterer Fülle der bankrotten NSDAP zugeflossen sein und damit Hitlers Bewegung vor dem Ruin bewahrt haben.
Das ist schiere Phantasie: Die Kanzlerschaft Hitlers stand in Köln gar nicht zur Debatte, mehr als ein Abtasten hat es zwischen Hitler und Papen nicht gegeben, und die Hochfinanz hatte mit dem ganzen Treff überhaupt nichts zu tun.
die Kölner Zusammenkunft war das Werk des Keppler-Kreises, der eher durch seine guten Beziehungen zur NSDAP als durch jene zur Großindustrie bemerkenswert war. Sieht man von Papen ab, so waren in Köln die Nazis unter sich. Die maßgeblichen Männer der Schwerindustrie hielten nach wie vor Distanz zu Hitler - auch finanziell.
Heute stehen die Akten der großen Unternehmen zur Verfügung, aus denen jeder Forscher herauslesen kann, wer und mit welchen Beiträgen die NSDAP finanziert hat. Es sind armselige Summen.
"Außer den freiwilligen und unfreiwilligen Zuwendungen Fritz Thyssens", so S.139 der Historiker Volker Hentschel, "haben die Nazis 1932 an nennenswerten Summen erwiesenermaßen nur noch 50 000 Mark von Friedrich Flick bekommen. Allerdings sind auch diese 50 000 Mark eher ein Beispiel dafür, daß die Nazis finanziell kurzgehalten worden sind. Im gleichen Jahr hat Flick für politische Zwecke insgesamt 1,8 Millionen Mark ausgegeben, zwei Drittel davon für die Hindenburg-Wahl. Selbst die Linksparteien haben mehr bekommen als die NSDAP." Und die Herren an Ruhr und Rhein hatten auch nach dem Kölner Treffen nicht vor, das zu ändern.
So mußte Papen zunächst mit leeren Händen am 9. Januar nach Berlin zurückkehren - mitten hinein in den geballten Zorn Schleichers, der endlich begriffen hatte, was der "Freund" da für ein Spiel trieb. Lange genug hatte Schleicher die Warnungen vor Papens Intrigen ignoriert. Er war ahnungslos gewesen, bis der Zahnarzt Helmut Elbrechter, ein Konfident Schleichers und Straßers, in Schleichers Büro gestürzt war und dem Kanzler ein paar Photos auf den Schreibtisch geworfen hatte mit dem Ausruf: "Fränzchen hat Sie verraten]"
Der Zahnarzt war es gewesen, der einen Photographen, den pensionierten Hauptmann Johansen, nach Köln geschickt hatte, um die Besucher Schröders aufzunehmen. Elbrechter hatte durch einen Patienten von dem bevorstehenden Treffen gehört. Als Schleicher die Bilder sah und einen in Hans Zehrers "Täglicher Rundschau" veröffentlichten Bericht über die Kölner Tagung las, erkannte er die ihm drohenden Gefahren.
Schleicher ließ Hindenburg ersuchen, Papen weitere Verhandlungen mit Hitler zu verbieten und den NS-Führer nur im Beisein des Reichskanzlers zu empfangen. Dann nahm er sich Papen vor. Der dementierte alle "Gerüchte" über das Treffen mit Hitler und hielt Schleicher vor, eine gute Verbindung zu dem Führer liege auch im Interesse des Kanzlers, was Schleicher zugestehen mußte.
Dennoch blieb Schleicher mißtrauisch. Die matte Reaktion Hindenburgs auf seinen Protest gegen Papens Extratouren hatte ihn stutzig gemacht; er spürte, daß der Präsident zu seinem "lieben jungen Freund" kühler war als gewohnt. Ihn störte auch, daß Papen seine alte Dienstwohnung in der Wilhelmstraße noch nicht geräumt und so Gelegenheit hatte, durch den Garten unbemerkt zu Hindenburg zu gelangen.
Wie hätte Schleicher erst gestaunt, wenn er Zeuge des Gespräches zwischen Papen und Hindenburg gewesen wäre, das unmittelbar nach Papens Rückkehr stattgefunden hatte] Papen erklärte dem Präsidenten, Hitler habe seine Forderung nach einer alleinigen Führung der Regierung fallengelassen und sei bereit, mit ihm, Papen, und anderen "nationalen" Politikern eine Regierung ohne Parteibindungen zu bilden.
Hindenburg war interessiert. Er ersuchte Papen, "persönlich und streng vertraulich" mit Hitler in Kontakt zu bleiben. Das bedeutete nichts Geringeres, als daß Hindenburg seinem Kanzler Schleicher nicht mehr die Fähigkeit zutraute, das von ihm gewünschte Kabinett der "nationalen Konzentration" zustande zu bringen. Kurt von Schleichers Stern begann zu sinken.
Schon am 10. Januar traf sich Papen erneut mit Hitler, diesmal aber nun wirklich so geheim, daß kein Außenstehender davon erfuhr. Vermittelt hatte das Gespräch ein alter Bekannter Papens aus gemeinsamen Kriegstagen in der Türkei: Joachim von Ribbentrop, ehemaliger Husarenoffizier, Wein- und Sektimporteur und ein Bewunderer Hitlers. Als Himmler und Keppler ihn baten, ihren Führer möglichst unauffällig mit Papen zusammenzubringen, schlug Ribbentrop vor, die beiden sollten sich in seiner Dahlemer Villa treffen.
Die Zusammenkunft verlief für Papen nicht angenehm. Hitler verlangte in aller Deutlichkeit, ihn zum Reichskanzler zu ernennen und ihm die alleinige Führung der Regierung zu übertragen. Das brachte Papen in arge Verlegenheit, hatte er doch dem Reichspräsidenten eben das Gegenteil erzählt. So blieb ihm nichts anderes übrig als die Erklärung, einer Kanzlerschaft Hitlers auf dieser Basis werde Hindenburg niemals zustimmen.
Hitler redete sich in Wut, Papen gab Kontra - verärgert gingen die beiden auseinander. Ribbentrop mußte froh sein, daß sich Hitler wenigstens bereit fand, mit Papen noch einmal am Mittag des 12. Januar zusammenzukommen.
Kurz vor dem Mittagstermin sagte Hitler jedoch ab und ließ dem schon wartenden Papen ausrichten, weitere Gespräche hätten erst Sinn, wenn die Wahlen in Lippe vorüber seien. Die Landtagswahlen im Zwergstaat Lippe - auf sie war im Augenblick alle Aufmerksamkeit Hitlers konzentriert. Nach den Wahlschlappen in Sachsen, Thüringen und Bremen witterte die Partei eine Chance, ihren Abstieg in der Wählergunst zu stoppen.
Es war grotesk: 100 000 Wähler sollten über die Zukunft eines 70-Millionen-Volkes entscheiden, sollten ein Art Gottesurteil abgeben. "Hitlersieg] Das Volksurteil von Lippe" lautete denn auch die Schlagzeile des Goebbelsschen "Angriff", als am 15. Januar die Entscheidung gefallen war. Die NSDAP hatte 39,5 Prozent aller Stimmen gewonnen, sie hatte gegenüber der letzten Reichstagswahl fast fünf Prozent zugenommen. Goebbels triumphierte: "Die Partei ist wieder auf dem Vormarsch. Uns allen fällt ein Stein vom Herzen."
Hitler nutzte den Siegestaumel der Parteigenossen dazu, endlich das Straßer-Problem zu liquidieren. Er berief am 16. Januar eine Gauleitertagung in Weimar ein, auf der er in einer dreistündigen Rede mit seinem Kritiker abrechnete. Hitler fand unter den Gauleitern weitgehend Zustimmung, zumal inzwischen Straßer selbst Freunde durch seine totale Resignation verstört hatte. Dieser Gregor Straßer war für Hitler keine Gefahr mehr.
Kanzler Schleicher aber sah tatenlos zu, wie er immer mehr in die Isolierung geriet. Jetzt war für ihn die letzte Gelegenheit, die Nazi-Gefahr abzuwehren: S.142 durch ein Kooperationsangebot an Hitler oder, falls von diesem abgelehnt, durch härtesten Einsatz staatlicher Repressionsmittel gegen die NSDAP. Fast jeder politische Beobachter rechnete nach der Lippe-Wahl mit einer Initiative Schleichers, doch er rührte sich nicht.
Schleicher starrte wie gebannt auf das für Ende Januar erwartete Zusammentreten des Reichstags, bei dem die Entscheidung über seine Regierung fallen mußte. Am 16. Januar meinte der Kanzler auf einer Kabinettssitzung, Adolf Hitler wolle eigentlich gar nicht an die Macht, er habe Ambitionen auf den Posten des Reichswehrministers, womit man ja schon sehe, wie wenig ernst dieser Mann zu nehmen sei.
Schleicher war sich seiner Sache so sicher, daß er sogar einen Annäherungsversuch Hugenbergs zurückwies. Hugenberg bot Schleicher an, was er schon vor einem Monat Hitler offeriert hatte: seinen Eintritt in das Kabinett und die Übernahme eines vereinigten Wirtschafts- und Agrarministeriums. Schleicher konnte sich nicht entschließen - und trieb damit ungewollt Hugenberg ins Lager der Gegner.
So geriet die politische Initiative immer mehr in die Hände Papens und Hitlers. Die hatten allerdings wachsende Schwierigkeiten, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Denn Hitler war aus den lippischen Wahlen mit gesteigertem Selbstbewußtsein zurückgekehrt und ließ das auch Papen spüren.
Zwei Bitten des Ex-Kanzlers um eine Zusammenkunft wies Hitler ab und bequemte sich dann nach der dritten Einladung am 18. Januar zu einem Gespräch in der Villa Ribbentrop, um sofort wieder seine Kanzlerschaft zu fordern. Papen erklärte ihm, das sei sinnlos; das könne er nie beim Reichspräsidenten durchsetzen. Dann hätten weitere Unterhaltungen keinen Zweck, giftete Hitler und zog ab.
Da hatte Ribbentrop eine Idee: Um bei Hindenburg besser voranzukommen, schlug er vor, müsse man Hindenburgs Sohn Oskar und vielleicht auch seinen Staatssekretär Otto Meißner in die Papen-Hitler-Verhandlungen einschalten. Der Reichspräsident war einverstanden.
Nun war auch das Haus Hindenburg mit im Komplott - Anlaß für eine neuerliche Krimiszene: Mit gutgespieltem Interesse saßen Jung-Hindenburg und Meißner mit ihren Frauen am 22. Januar in der Oper, um auf einmal ihre Loge zu verlassen und im Schutz der Dunkelheit in ein Taxi zu springen, das sie nach Dahlem brachte.
Dort wartete schon ein freundlicher Hitler, der den Präsidentensohn in Empfang nahm und ihn in ein Gespräch zog, in dem er ihm erläuterte, er wolle Kanzler eines Präsidialkabinetts werden, wünsche aber natürlich "eine reiche Beteiligung bürgerlicher Minister". Oskar von Hindenburg war beeindruckt. Zu Meißner sagte er auf der Heimfahrt: "Ich fürchte, daß wir um diesen Hitler nicht herumkommen."
Jetzt endlich raffte sich Schleicher zu einer Aktion auf. Am späten Vormittag des 23. Januar erschien er vor dem Reichspräsidenten und erklärte ihm, beim Zusammentreten des Reichstags am 31. Januar sei mit einem Mißtrauensvotum zu rechnen. Um dem entgegenwirken zu können, benötige er die Genehmigung des Präsidenten, den Reichstag aufzulösen; dies genüge jedoch nicht, man müsse angesichts des "Notzustands des Staates" die Wahl des folgenden Reichstags "auf einige Monate hinausschieben".
Für Hindenburg war das keine neue Idee, er hatte ihr schon zehn Tage zuvor zugestimmt. Jetzt aber erteilte er seinem Kanzler eine Absage: Nein, das verfassungswidrige Aussetzen von Neuwahlen könne er nicht gutheißen.
Schleicher wußte sofort: Das ist das Ende. Er hatte sich immer so viel eingebildet auf seine guten Beziehungen zu Hindenburg; sie waren Regimentskameraden gewesen, der General des Feldmarschalls wichtigster politischer Berater. Was hatte sie auseinandergebracht? Die Intrigen von "Fränzchen", gewiß. Die notorische Treulosigkeit des alten Mannes, der jeden fallenließ, der ihm nicht mehr nützlich erschien: erst Groener, dann Brüning, zeitweilig Papen, jetzt ihn, Schleicher.
Aber es spielte noch etwas anderes mit. Daß "Sozis" unbedingt an den Sozialismus glauben wollten, mochte Hindenburg noch einleuchten; aber ein preußischer Offizier, der den Sozialisten hervorkehrte und sich gar mit Agrariern und Kapitalisten anlegte - das war für den Generalfeldmarschall zuviel.
Schlimmer noch: Schleicher hatte nichts zum Schutz der ostpreußischen Großagrarier und Hindenburg-Freunde unternommen, die in jene Skandale um die "Osthilfe", ein Stützungsprogramm für die ostdeutsche Landwirtschaft, verwickelt waren, über die in der Öffentlichkeit gestritten wurde, seit Reichstagsabgeordnete der SPD und des Zentrums am 13. Januar Korruption und Vetternwirtschaft bei der Vergabe von Osthilfegeldern aufgedeckt hatten.
Schleicher hatte ausgespielt, doch der Weg zur Kanzlerschaft Hitlers war damit noch nicht frei. Als Papen am 23. Januar Hindenburg vorschlug, Hitler als Kanzler einer Präsidialregierung zu berufen, bekam auch er ein Nein zu hören. Die Politiker saßen in der Zwickmühle: Hindenburg wollte weder Schleicher noch Hitler.
Da kam es zu einer kleinen Palastrevolte unter den Hitler-Helfern, bei einem Tee im Hause Ribbentrop am Nachmittag des 24. Januar 1933. Das Datum ist wichtig, denn hier wurde das Dritte Reich nun wirklich geboren. Papen war dabei und Ribbentrop, auch Hitlers Berliner Chefvertreter, der Reichstagspräsident Hermann Göring, und der NS-Fraktionsführer Wilhelm Frick.
Später wußte keiner mehr, wer die Idee zuerst formuliert hatte, aber alle waren sich einig: Man mußte Hitler die Idee des Präsidialkabinetts ausreden, mußte Hindenburg eine mehrheitsfähige Front aller Rechtsparteien unter einem Kanzler Hitler und einem Vizekanzler Papen präsentieren, die eine Auflösung des Reichstages mit sofortigen Neuwahlen herbeiführte, eben jenes Kabinett der nationalen Konzentration, das dem Reichspräsidenten seit geraumer Zeit vorschwebte.
Die Runde bestimmte Göring dazu, die weiteren Verhandlungen zu führen. Am nächsten Abend saß Oskar von Hindenburg beim Ribbentrop-Tee und ließ sich für das Projekt einer "nationalen Konzentration" gewinnen. Dann erschien am 27. Januar wieder Hitler auf der Berliner Szene, mutlos und schon abermals an dem Erfolg seiner Sache zweifelnd. Ribbentrop übernahm es, ihm das Projekt "Nationale Front" nahezubringen S.144 und ihn dafür zu gewinnen, sich in die Verhandlungen einzuschalten und mit Hugenberg zu reden.
Als die Gespräche Hitler-Hugenberg wegen der überspannten Forderungen des Geheimrats mit einem Krach endeten und der empörte Hitler schon wieder abreisen wollte, griff Ribbentrop ein und aktivierte Papen, den er davon überzeugte, daß nur noch eine "Hitler-Lösung" Sinn habe.
Eine bizarre Situation, wie sich da plötzlich Gehilfen selbständig machen und ihre Chefs manipulieren: Hitler wieder Mut einflößen, Papen in die Rolle eines "homo regius" der neuen Kabinettsbildung dirigieren und ihn erfolgreich auf Hugenberg ansetzen und schon Kandidaten für den Posten des Reichswehrministers aussuchen, allein zu dem Zweck, Schleicher aus seiner Schlüsselrolle an der Spitze der Reichswehr zu vertreiben und die politische Macht des Militärs zu neutralisieren.
Jetzt schwenkte auch Hindenburg um, in der Mittagszeit des 28. Januar gab er Papen zu erkennen, daß er für die neue Kombination sei, vorausgesetzt, Hitler und die Nazis würden in dem kommenden Kabinett von den konservativen Kräften in deutlichen Grenzen gehalten. Entscheidend war dem Präsidenten, daß die Reichswehr in sicherer Hand blieb.
Schleicher wollte er nicht länger im Reichswehrministerium dulden, er hatte bereits einen Kandidaten ausgewählt, nicht zufällig einen alten Gegner Schleichers: den Generalleutnant Werner von Blomberg, Befehlshaber im Wehrkreis I (Ostpreußen) und derzeit Mitglied der deutschen Abrüstungsdelegation in Genf. Am Morgen des 29. Januar ging ein Telegramm des Reichspräsidenten nach Genf, das Blomberg aufforderte, sofort nach Berlin zu kommen und sich bei ihm zu melden.
Den Rest besorgte der Königsmacher Papen. Er gewann Hugenberg endgültig für das Kabinett, feilschte mit Hitler um Ministerposten und suchte neue Kandidaten für die Regierungsliste. Am Abend des 29. Januar war ein Hitler-Kabinett auf dem Papier fertig: neben Hitler zwei Nazis im Kabinett, der Rest Konservative. Theoretisch war vollendet, was sich Hugenberg vorgenommen hatte: "Wir rahmen Hitler ein."
Noch aber war offen, ob es zu einem Hitler-Papen-Kabinett oder zu einem Papen-Hugenberg-Kabinett kommen würde. Papen spielte noch immer mit der Idee eines von ihm geleiteten Kabinetts, auch Hindenburg hatte sich noch nicht endgültig für Hitler entschieden. Der Präsident hätte wohl noch länger gezögert, wären nicht Schleicher und seine Militärs dazwischengetrampelt.
Schleicher hatte noch immer nicht begriffen, was gespielt wurde. Er war am 28. Januar mit seinem Kabinett zurückgetreten, nicht ohne vorher Hindenburg heftig angeklagt zu haben. Schleicher: "Ich gestehe Ihnen das Recht zu, mich abzusetzen. Aber das Recht, hinter dem Rücken des von Ihnen berufenen Kanzlers mit einem anderen zu paktieren, gestehe ich Ihnen nicht zu. Das ist Treubruch." Der Präsident war milde geblieben: "Lieber junger Freund, ich werde bald da oben sein. Von dort aus kann ich mir ja ansehen, ob ich recht gehandelt habe oder nicht."
Die ruhige Reaktion Hindenburgs mag Schleicher in der Illusion belassen haben, er werde auch im neuen Kabinett wieder Reichswehrminister sein. Er war jetzt nahezu von allen wichtigen Nachrichtenquellen abgeschnitten.
Da glaubte Schleicher nur allzu bereitwillig das Gerücht, Hindenburg sei dabei, Papen mit der Führung eines reaktionären "Kampfkabinetts" zu betrauen, was für Schleicher einer Einladung zum Bürgerkrieg gleichkam: Ein Kabinett Papen würde alle politischen Kräfte, Demokraten, Kommunisten und Nazis, provozieren, die Reichswehr aber inmitten des Chaos stehen.
Die führenden Generale der Reichswehr trafen sich daraufhin im Dienstzimmer des Chefs der Heeresleitung, des Generals Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord, und berieten, was zu tun sei. Schleicher und Hammerstein meinten, angesichts des drohenden Papen-Kabinetts sei "nur Hitler als zukünftiger Reichskanzler möglich". Doch wie Hindenburg dazu bewegen? Ein im Vorzimmer wartender Oberst, Blombergs Stabschef Walther von Reichenau, ein Sympathisant der Nationalsozialisten, kannte einen Weg: "Es wäre wirklich an der Zeit, den Feldmarschall zu verhaften." General von dem Bussche-Ippenburg knurrte: "Unsinn]"
Manche Offiziere hielten das gar nicht für Unsinn. In Potsdamer Kasinos ging das Wort um, die Armee müsse Hindenburg entmündigen, auch von einem Militärputsch war die Rede. Das ermunterte Schleicher am Nachmittag des 29. Januar, noch einmal aktiv zu werden, um die Berufung Papens zu verhindern.
Er schickte Hammerstein und einen seiner Konfidenten, Werner von Alvensleben, aus, die nationalsozialistischen Führer vor den "Machenschaften" Papens zu warnen - wohl ein Manöver, um Hitler von Papen zu trennen und in die Arme der Reichswehr zu treiben, ein letzter verzweifelter Versuch, das alte Zähmungskonzept zu verwirklichen.
Hammerstein schreckte Hitler mit der Frage hoch, ob er sich eigentlich sicher sei, daß Papen mit ihm wirklich und nicht nur zum Schein verhandle. Andernfalls, setzte der General hinzu, werde er "noch einmal versuchen, die Dinge zu beeinflussen". Hitler war offensichtlich verwirrt. Hammerstein stieß gleich mit der Frage nach, ob Hitler als Kanzler auch mit einem Reichswehrminister Schleicher zusammenarbeiten werde. Hitler nickte.
Dann stand schon der nächste Unglücksbote bereit, Hitler zu entnerven. Der saß gerade mit seinen engsten Gefährten bei Kaffee und Nußkuchen in der Wohnung von Goebbels am Reichskanzlerplatz, als Alvensleben mit dramatischen Putschgerüchten hereinplatzte.
Alvensleben ereiferte sich: "Wenn die Gesellschaft in der Wilhelmstraße nur S.146 Scheinverhandlungen mit Ihnen führt, so müßte doch der Reichswehrminister und der Chef der Heeresleitung die Garnison Potsdam alarmieren und den ganzen Saustall aus der Wilhelmstraße rausfegen."
Putsch - das Stichwort versetzte die Nazis in Panik. Goebbels und Göring rannten los, um Meißner und Papen zu warnen, während es Hitler übernahm, die Nationalsozialisten der Stadt in Alarmzustand zu versetzen. Und schon eilte Alvensleben mit neuen Nachrichten herbei, die davon sprachen, jeden Augenblick könne die Armee losschlagen.
Es war eine irrsinnige Taktik, die nur bewirkte, daß Hitler nun wirklich an die Macht kam. Am Nachmittag hatten Papen und Hugenberg noch mit dem Gedanken gespielt, eine Regierung ohne Hitler zu bilden, auch der Reichspräsident war noch unschlüssig gewesen - jetzt entschied sich Hindenburg für den Kanzler Hitler. Meißners Argumentation schien ihm einleuchtend: Ohne Berufung zur Kanzlerschaft würde der mißtrauische, stets absprungbereite Hitler die Koalition ganz verlassen, der geballten Wut der Nazibewegung aber sei ein Kabinett Papen-Hugenberg nicht gewachsen.
Noch an diesem Tag erhielten Hitler und Papen die Nachricht, sich am nächsten Morgen pünktlich um elf Uhr im Büro des Staatssekretärs Meißner zur Vereidigung einzufinden, und sogleich raste Goebbels los, genügend Volk zu bestellen, das die Siegesfahrt Hitlers vom Hotel "Kaiserhof", in dem er wohnte, hinüber zur Reichskanzlei gebührend zu bejubeln hatte.
Neue Tatarenmeldungen aus der Reichswehr trieben die Akteure zu noch schnellerer Gangart an. Um zwei Uhr am Morgen des 30. Januar weckte ein Sekretär Meißner mit der Nachricht, Schleicher wolle ihn, den Reichspräsidenten und dessen Sohn verhaften lassen. Die Wachen trafen Vorbereitungen, einen Angriff der Reichswehr abzuschlagen. Karabiner wurden ausgegeben, Fluchtmöglichkeiten erwogen.
Das werde er dem "Verräter Schleicher" heimzahlen, schrie Oskar von Hindenburg und machte sich bereit, den ihm erteilten Sonderauftrag auszuführen: den für 8.30 Uhr erwarteten General von Blomberg am Anhalter Bahnhof in Empfang zu nehmen und sofort zum Reichspräsidenten zu bringen.
Er kam keine Minute zu früh, denn Schleichers Leute hatten von der Anreise Blombergs erfahren. Schon stand der Major Adolf Kuntzen, Hammersteins Erster Adjutant, am Bahnsteig, um Blomberg sofort ins Reichswehrministerium zu bringen. Erstaunt sah der General zu, wie sich die beiden Männer an ihn herandrängelten; keiner wollte dem anderen den Vortritt lassen.
Am Ende gewann der jüngere Hindenburg die Oberhand. Blomberg, in Zivil, wollte sich seinem Reichspräsidenten nicht versagen und ging mit dessen Sohn. Um neun Uhr stand er vor dem Greis, der ihn kurz einweihte und sofort als Reichswehrminister vereidigte, um möglichst rasch die Reichswehr von Schleicher zu befreien.
Als sich der neue Minister zum Gehen wandte, um ins Reichswehrministerium zu fahren und sein Amt zu übernehmen, riet ihm Oskar von Hindenburg davon ab: Er laufe dort das Risiko, verhaftet zu werden. Er solle abwarten, bis das neue Kabinett gebildet sei. So schlenderte Blomberg durch die im Rücken von Hindenburgs provisorischem Amtssitz (das Reichspräsidentenpalais wurde renoviert) gelegenen Gärten und sah, daß in das Nachbarhaus, das zur Zeit Papen bewohnte, ein paar aufgeregte Leute hineindrängelten.
Denn inzwischen hatte Papen, von neuen Gerüchten aufgescheucht, die künftigen Minister alarmiert, jeder bekam von ihm zu hören: "Wenn nicht bis elf Uhr eine neue Regierung gebildet ist, marschiert die Reichswehr. Eine Militärdiktatur unter Schleicher und Hammerstein droht."
Schleicher hatte offenbar seinen Nervenkrieg noch einmal verschärft. Zumindest erzählte Keppler einem Vertrauten, am frühen Morgen seien zwei Beauftragte Schleichers im "Kaiserhof" erschienen und hätten Hitler das Angebot des Generals unterbreitet, mit ihm gemeinsam die Macht zu ergreifen; ein Flugzeug stehe bereit, Hindenburg auf sein Gut Neudeck zu bringen, und eine Kompanie mit Reichswehrsoldaten zur Bewachung des Präsidenten sei dort schon eingetroffen.
Papen sah allen Anlaß, die Helfer und Teilnehmer der Vereidigungszeremonie augenblicklich in sein Haus zu rufen. Um sieben Uhr weckte er den Stahlhelmführer Franz Seldte, auch den Reichskommissar Gereke telephonierte Papen heran, Hugenberg kam ebenfalls. Die beiden Schleicher-Minister Neurath und Schwerin von Krosigk hatte Meißner schon in sein Büro bestellt.
Dann erschien Hitler. Er hatte sich, begleitet von Göring, einen besonderen Auftritt gesichert. Um 10.30 Uhr verließ er mit seinen Begleitern das Hauptportal des Hotels unter den Heilrufen einer dichtgedrängten Menschenmenge, stieg in seinen schwarzen achtzylindrigen Mercedes-Benz-Tourenwagen und ließ sich von Chauffeur Julius Schreck gemächlich die wenigen Meter zur Wilhelmstraße 74 hinüberfahren, wo der Vermittler Papen seine Kandidaten gerade versammelte.
Fünf Minuten später sah Hitler seine künftigen Minister, die Papen für ihn ausgesucht hatte. Ein paar Worte wurden gewechselt, dann mahnte der Hausherr zum Aufbruch. Im Gänsemarsch bewegten sich die Männer durch die Gärten, zum provisorischen Amtssitz Hindenburgs (Wilhelmstraße 77).
Kaum aber hatten sie im Büro Meißners Platz genommen, da prallten ihre gegensätzlichen Interessen aufeinander. Neurath und Schwerin von Krosigk hatten sich geschworen, sofort wieder zu gehen, falls Papen Reichskanzler werde, Hitler ärgerte sich laut darüber, daß der Posten des Reichskommissars in Preußen seiner Partei verwehrt worden war, und Hugenberg konnte sich noch immer nicht damit abfinden, nun doch einen Kanzler Hitler zu bekommen.
Als der Geheimrat gar hörte, sofort nach der Regierungsbildung werde es zur Auflösung des Reichstags und zu Neuwahlen kommen, wurde er grantig und erklärte, das komme überhaupt nicht in Frage. Sofort geriet er mit Hitler aneinander, der wortreich versuchte, ihm den Vorteil dieser Lösung zu beweisen. Doch Hugenberg gab keine Ruhe, an ihm drohte die Vereidigung zu scheitern.
Hitler wollte ihm "in die Hand versprechen", daß sich an der Zusammensetzung der Regierung nichts ändern werde, wie immer auch die Wahlen ausgehen würden. Hugenberg schimpfte weiter vor sich hin. Papen schaltete sich ein: "Aber Herr Geheimrat, wollen Sie die unter solchen Erschwernissen vollzogene Einigung gefährden? Sie können doch nicht an dem feierlichen Ehrenwort eines deutschen Mannes zweifeln]"
Der Streit wäre noch weiter gegangen, hätte nicht Meißner, eine Taschenuhr in der Hand, mißbilligend gerufen: "Meine S.148 Herren, die Vereidigung durch den Herrn Reichspräsidenten war um 11 Uhr angesetzt. Es ist 11.15 Uhr. Sie können den Herrn Reichspräsidenten nicht länger warten lassen."
Die Männer sprangen auf und gingen in den Empfangssaal, wo schon der übelgelaunte Präsident wartete. Da fiel Schwerin von Krosigk ein, daß er Hitler noch gar nicht die Bedingungen seines Eintritts in die Regierung genannt hatte. Er flüsterte ihm ein paar Stichworte zu, denen Hitler kopfnickend zustimmte.
Hindenburg machte es kurz. Ohne, wie es üblich war, dem Kanzlerkandidaten den Posten formal anzutragen, vereidigte er Hitler: "Ich werde meine Kraft für das Wohl des deutschen Volkes einsetzen, die Verfassung und die Gesetze des Reiches wahren, die mir obliegenden Pflichten gewissenhaft erfüllen und meine Geschäfte unparteiisch und gerecht gegen jedermann führen."
Hitler hob die rechte Hand und sprach die Formel nach. Dann hielt er eine kurze Rede, auf die er sich schon seit langem vorbereitet hatte. Er werde dem Reichspräsidenten ein treuer Mitarbeiter und um eine parlamentarische Mehrheit bemüht sein, damit es dem Herrn Feldmarschall erspart bleibe, weiterhin Notverordnungen unterschreiben zu müssen.
"Es hat dem alten Herrn", meinte Hitler danach, von der eigenen Suada gerührt, "doch sehr gefallen, wie ich ihm heute sagte, daß ich ihm nun als Reichskanzler genauso treu dienen will, wie ich seinerzeit als Soldat im Heere diente, dessen Heldenvorbild er war." Hindenburg ließ sich nichts anmerken. Mit fast tonloser Stimme vereidigte er die Minister. Die erwartete Ansprache hielt er nicht. Er sagte nur, wie er es von den entscheidenden Momenten des Krieges her nicht anders kannte: "Und nun, meine Herren, vorwärts mit Gott]"
Es war 12.40 Uhr am 30. Januar 1933, als ein von Meißner redigiertes Kommunique der Nation bekanntgab: "Der Reichspräsident hat Herrn Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt."
Hitler hatte sein Ziel erreicht. Jahre eines bitteren, rüden Kampfes voller Triumphe und Demütigungen lagen hinter ihm. Es war ein weiter Weg gewesen, ein Weg der Demagogie, der Aufputschung der Leidenschaften, des Genossenverrats und eines giftigen Feldzugs gegen Demokratie und Republik, ein langer Weg von den Schüssen an der Münchner Feldherrnhalle im November 1923 bis zur Vereidigung im Empfangssaal des Reichspräsidenten.
Jetzt war Adolf Hitler an der Macht, und viele und vieles hatten ihn dorthin gebracht: der eigene Machtwille, die Intrigen Papens, Schleichers Torheiten in den letzten Tagen, die Panik der deutschen Wählermassen, die Herrschsucht konservativ-militärischer Eliten, die Mißwirtschaft der Parteien, die Pressionspolitik der Großagrarier und ihrer kapitalistischen Gegenspieler und nicht zuletzt das Ruhebedürfnis eines alten Mannes.
Dennoch war der 30. Januar 1933 nicht der "Tag der Machtergreifung", als der er nun fortan bei den Parteigenossen und bald auch bei allen Deutschen galt. An diesem Tag hat Hitler nicht die Macht ergriffen, sie ist ihm allenfalls ausgehändigt worden, und das noch in einem sehr begrenzten Umfang.
Die nationalsozialistische Machtergreifung hatte sich Hitler immer anders vorgestellt, seine Machtergreifung kam erst noch. Die Kanzlerschaft Hitlers war denn auch weniger sein Werk als das anderer Kräfte und Mächte, zumindest im letzten Akt der Regierungsbildung war er mehr ein Gedrängter als ein Drängender.
Selten hat ein Reichskanzler so wenig Einfluß genommen auf die Zusammenstellung seines Kabinetts wie Hitler. Die meisten Minister waren von Papen und Hindenburg ausgesucht worden, die wesentlichsten von ihnen kannte Hitler nicht einmal persönlich.
In dieser Gruppe ihm meist fremder Minister mußte Hitler fast etwas verloren wirken, und es ist seinen demokratischen Gegnern nachzusehen, daß sie ernsthaft meinten, ein solcher Hitler könne nun wirklich keine Furcht einflößen. Selbst Papen, der es hätte besser wissen müssen, gab sich solchen Illusionen hin: "Wir haben ihn uns engagiert."
Davon ahnten die Tausende wartender Berliner nichts, die in der Wilhelmstraße standen und wie gebannt auf die Tür starrten, durch die Hitler jeden Augenblick heraustreten mußte. In der Südwestecke des "Kaiserhof" im zweiten Stock, wo Hitlers Salon lag, hielt der SA-Stabschef Ernst Röhm immer wieder das Fernglas vor die Augen, um zu sehen, ob endlich Hitlers Wagen in Sicht kam, und auch die hinter ihm stehenden NS-Führer konnten kaum noch den Augenblick erwarten, "hin und her gerissen zwischen Zweifel, Hoffnung, Glück und Mutlosigkeit", wie Goebbels später aufschrieb.
Da endlich trat Göring heraus und rief den Wartenden ein paar Worte zu. Wenige Sekunden später setzte sich der Mercedes in Bewegung und verließ die Einfahrt von Hindenburgs Amtssitz. Hitler stand aufrecht im Wagen, und als die S.149 umstehenden Menschen zu schreien und zu jubeln anfingen, liefen ihm die Tränen über die Wangen. Er konnte nur noch schluchzen, die Stimme versagte zuweilen, nur die Umstehenden verstanden, was er da wie besessen immer wieder rief: "Wir haben es geschafft]"
Und dann stand Hitler endlich in der Halle des "Kaiserhof". Die Menschen stürzten herbei, klatschten Beifall, umringten ihn. Er konnte nur noch sagen: "Jetzt sind wir soweit", dann nahm ihn der Fahrstuhl auf. "Einige Minuten später", so Goebbels, "ist er bei uns im Zimmer. Er sagt nichts, und wir alle sagen auch nichts. Aber seine Augen stehen voll Wasser. Es ist soweit]"
"Es ist soweit]" Der Ruf pflanzte sich tausendfach im Lande fort. "Wir haben es geschafft] Wir sind an der Macht", rief Egon Hanfstaengl, der Sohn von Hitlers Presseberater, einem Freund zu und dachte zu spät daran, daß der Jude war und gar keinen Grund hatte, sich über die Machtübernahme durch die Partei des Judenhasses zu freuen.
Es gab viele, die über Hitlers Ernennung verwirrt und entsetzt waren. Doch merkwürdig, Hitlers Berufung fand bei mehr Menschen Zustimmung, als die NSDAP Wähler hatte. Da brach etwas auf, was es in Deutschland noch nicht gegeben hatte. Wildfremde Menschen umarmten sich auf den Straßen und küßten sich und weinten, als sei ein neues Zeitalter angebrochen. Plötzlich sprachen in diesem Deutschland mit seiner gesellschaftlichen Steifheit und seinen Klassenschranken Menschen miteinander, die sich früher nie eines Blickes gewürdigt hatten.
"Gab es in Deutschland jemals einen solchen Ausbruch von hochgestimmter Erregung, Glück und Triumph?" fragt der Historiker Ernst Nolte. Man muß in der deutschen Geschichte lange suchen, um Vergleichbares zu finden. Solche Massenekstase mag es beim Aufbruch Preußens in die Freiheitskriege gegen Napoleon gegeben haben, ganz sicher in den Augusttagen von 1914, als Millionen den Krieg als Befreier von allen ungelösten Problemen der Gesellschaft bejubelten und ihre Söhne, Brüder und Freunde blumengeschmückt hinausschickten in den Massenmord der Trommelfeuer und Stahlgewitter.
Die Historiker konnten später nicht erklären, wie diese Massenspontaneität des 30. Januar 1933 zustande gekommen war: die Umzüge, die sich in Hunderten deutscher Städte und Ortschaften formierten, die pseudoreligiösen Bekennergesten unzähliger Menschen, das Aufziehen von Hakenkreuzfahnen auch in den entlegensten Dörfern, das Besetzen von Rathäusern und Behörden durch jugendliche Banden im Braunhemd. Eine irrationale Zuversicht brach sich Bahn, die wundergläubige Vorstellung setzte sich fest, nun werde alles besser werden.
Ein gigantischer Coup der nationalsozialistischen Propaganda? Gewiß, auch das war mit im Spiel. "Dieser Doktor ist ein Hexenmeister", rief Hitler, als er sah, wie sich Goebbels der Medien zu bedienen wußte, um die Kunde vom "Sieg des Nationalsozialismus" in tausendfacher Vergrößerung in alle Winkel des Landes zu tragen: Der Rundfunk mußte den ganzen Tag über die NS-Kundgebungen in ausführlichen Reportagen feiern und auch die kleinste Maßnahme der neuen Regierung melden.
Es war jedoch kein Propagandacoup, der den jungen Leutnant Claus Graf Schenk von Stauffenberg bewegte, sich in Bamberg in voller Uniform an die Spitze eines Hitler huldigenden Demonstrantenzuges zu setzen, um sich dafür den Verweis eines Vorgesetzten einzuhandeln, es war kein Befehl, der Tausende von Beamten dazu bestimmte, sich das Parteiabzeichen an das Revers zu heften, kein Zwang, der bewirkte, daß Millionen wider alle Vernunft Hoffnung und Lebensmut zurückgewannen.
Es war auch mehr als nur die Befolgung von Befehlen, was am Abend dieses Tages 25 000 SA- und SS-Männer und Tausende von Stahlhelmern zum Marsch durch die Innenstadt Berlins vereinigte. Das war Goebbels' Idee gewesen: mit einem Fackelzug durch die Wilhelmstraße Hitler und Hindenburg zu huldigen. Um 19 Uhr versammelten sich die Einheiten mit Musikkapellen und Spielmannszügen am Tiergarten, dann brach das Fackelheer in Richtung Brandenburger Tor auf.
Anderthalb Stunden später hatte die Spitze der Kolonne die Wilhelmstraße erreicht, unter den Klängen des Fridericus-Rex-Marsches marschierten die Züge vor Hitler und Hindenburg vorbei, die von ihren Fenstern aus den langen Feuerwurm beobachteten. "Die endlose Wiederholung des triumphalen Rufes: 'Heil, Heil, Sieg Heil' klang mir in den Ohren wie eine Sturmglocke", erzählt Papen, der hinter Hitler stand. Der war ganz erregt und sagte mit heiserer Stimme: "Welche ungeheure Aufgabe liegt doch vor uns, Herr von Papen. Wir dürfen uns niemals trennen, bis unser Werk vollendet ist."
Papen starrte noch den letzten Kolonnen nach, die eben die Wilhelmstraße verließen und im Schwarz der Nacht verschwanden. Es war ein Akt voll düsterer Symbolik: Ein Volk marschierte in die Dunkelheit, völlig ahnungslos, daß dieser 30. Januar 1933 eine Ära von Gewalt, Menschenverachtung und Massenverbrechen eröffnete.
Im nächsten Heft
Von der Machtübernahme zur Machtergreifung: Reichstagsbrand, Märzwahl, Ermächtigungsgesetz
S.137
Die Bahn zum Ziel' ist noch verrammelt Die rechten Helfer nicht
versammelt, Doch in drei Tagen - aus drei Ländern, Wird durch die
Bank sich alles ändern] Und dann am Tag vor Monatsende
Schleicher-Vertrauter von Bredow Zusammen mit dem Reichsbanner ...
Reichsbannerführer Höltermann ... ein Gegengewicht gegen die SA
Stehst Du am Ziel und an der Wende]
Konnt' Dich die Bahn kein Adler tragen -
Der Holzwurm mußte sie Dir nagen]
Zu Boden sinkt, was morsch und welk -
Es knistert schon in dem Gebälk]
*

DER SPIEGEL 5/1983
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.


DER SPIEGEL 5/1983
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Warten auf Hitler

Video 04:36

Merkel-Besuch in Chemnitz "Eine Provokation, dass sie hier ist"

  • Video "Das war knapp: Arbeiter kappt aktive Starkstrom-Leitung" Video 00:53
    Das war knapp: Arbeiter kappt aktive Starkstrom-Leitung
  • Video "Theresa Mays erbitterter Gegner: Charmant, höflich, ganz schön rechts" Video 02:58
    Theresa Mays erbitterter Gegner: Charmant, höflich, ganz schön rechts
  • Video "Schiffskollision vor Borkum: Frachter verkeilen sich - und werden getrennt" Video 01:04
    Schiffskollision vor Borkum: Frachter verkeilen sich - und werden getrennt
  • Video "Kommunikation zwischen Koalas: So laut wie ein Elefant (Bitte Ton anschalten!)" Video 00:42
    Kommunikation zwischen Koalas: So laut wie ein Elefant (Bitte Ton anschalten!)
  • Video "Flucht durch Amerika: Volles Risiko mit La Bestia" Video 12:04
    Flucht durch Amerika: Volles Risiko mit "La Bestia"
  • Video "Chaos in Sri Lankas Parlament: Sie warfen mit Stühlen und Chilipaste" Video 00:45
    Chaos in Sri Lankas Parlament: Sie warfen mit Stühlen und Chilipaste
  • Video "Rätselhaftes Unterwasser-Wesen: Feuerwalze vor Neuseeland gefilmt" Video 01:33
    Rätselhaftes Unterwasser-Wesen: "Feuerwalze" vor Neuseeland gefilmt
  • Video "Lindnern, Lauch, Verbuggt: Sprechen Sie Jugend?" Video 01:29
    "Lindnern", "Lauch", "Verbuggt": Sprechen Sie Jugend?
  • Video "Amateurvideos aus New York: Verkehrschaos durch Schneesturm" Video 01:29
    Amateurvideos aus New York: Verkehrschaos durch Schneesturm
  • Video "Überwachungsvideo: Zug kreuzt Straße" Video 00:38
    Überwachungsvideo: Zug kreuzt Straße
  • Video "Kampf um CDU-Vorsitz: Mir hat Herr Spahn gefallen - erstaunlicherweise" Video 04:57
    Kampf um CDU-Vorsitz: "Mir hat Herr Spahn gefallen - erstaunlicherweise"
  • Video "Panoramavideo aus Kalifornien: Was vom Feuer übrig blieb" Video 01:02
    Panoramavideo aus Kalifornien: Was vom Feuer übrig blieb
  • Video "Kontrollierte Detonationen: Südkorea sprengt Grenzposten" Video 01:13
    Kontrollierte Detonationen: Südkorea sprengt Grenzposten
  • Video "Revolution in der Medizin: Die Mensch-Maschinen" Video 12:36
    Revolution in der Medizin: Die Mensch-Maschinen
  • Video "Merkel-Besuch in Chemnitz: Eine Provokation, dass sie hier ist" Video 04:36
    Merkel-Besuch in Chemnitz: "Eine Provokation, dass sie hier ist"