30.05.1983

BertelsmannDie Kehrseite

Die Hitler-Tagebücher, die sich ein kleiner Fälscher ausgedacht hatte; Spürnases Weltsensation, die zur Presseente eines Betrügers schrumpfte; eine fassungslose Redaktion, die darüber ihre Chefredaktion verlor und gegen eine neue ankämpfte - das ist die eine Seite der "Stern"-Affäre.
Die Kehrseite heißt Bertelsmann. Der Reinhard Mohn gehörende westdeutsche Medienmulti, Mehrheitsgesellschafter beim "Stern"-Verlag Gruner + Jahr, ist auf doppelte Weise direkt verantwortlich für den Skandal.
Es waren die Mohn-Leute an der Spitze von G + J, erst der Vorstandsvorsitzende Manfred Fischer und dann dessen Nachfolger Gerd Schulte-Hillen, die unter konspirativer Umgehung der Redaktion mit dem Reporter Gerd Heidemann die Beschaffung der vermeintlichen Hitler-Tagebücher ausmachten und dafür kofferweise Geld hergaben.
Es waren die Mohn-Leute aus Gütersloh, so der Vorsitzende der Bertelsmann AG, Mark Wössner, und aus Hamburg, wiederum Schulte-Hillen, die zusammen mit Mohn und den Gründern von G + J (John Jahr, Gerd Bucerius) dem "Stern" handstreichartig eine neue Chefredaktion präsentierten - unmittelbare Ursache für den Aufstand der Redaktion, die nun auch vom Illustriertengründer Henri Nannen nichts mehr wissen will.
Was da in einer Mischung von Unbehagen und Mißtrauen, Ratlosigkeit und Kurzsichtigkeit hochkam, macht die Wesensunterschiede zwischen der Gütersloher Konzernmutter und der Hamburger Konzerntochter deutlich, die auch nach einem Jahrzehnt Bertelsmannscher Vorherrschaft bei G + J nicht geringer geworden sind.
Im Gegenteil. Wie eh und je stehen die Bertelsmann-Manager mit ihren in Gütersloh geeichten Rechenschiebern dem ertragreichen Wochentrubel der über 200 "Stern"-Leute, die Deutschlands größte Illustrierte mit 1,65 Millionen Auflage machen, irritiert gegenüber.
Daß jede Menge "Stern"-Taler in die Kasse fielen, erlaubte es ihnen freilich, den hektischen, gewissermaßen unberechenbaren Redaktionsbetrieb unter "Kreativität" abzubuchen - die branchenübliche Umschreibung dafür, daß da vielbewunderte Spinner am Werk sind. Mohns erster Sendbote in Hamburg, Manfred Fischer: "Die leben eben von Einfällen, die manchmal irrational erscheinen mögen."
Bei Pannen reagierten die Bertelsmänner denn auch hilflos wie eben jener Fischer, der vor Jahren beispielsweise über "den Zirkus" um den Abdruck eines illegal abgehörten Telephongesprächs der CDU-Politiker Helmut Kohl und Kurt Biedenkopf jammerte: "Daß die Sache eine solche Brisanz bekommen würde, war nicht vorauszusehen."
Das Augenmaß für Tragweite und Folgewirkungen redaktioneller Vorgänge und verlegerischer Entscheidungen ging den Bertelsmann-Managern deshalb ab, weil sie Erfahrung und Erfolg allenthalben aufzuweisen hatten, beim Aufziehen von Buchklubs und Leseringen, bei der Schallplattenproduktion und bei der Entwicklung von Spitzentechnik für den Massendruck - nur nicht im Umgang mit großen aktuellen Zeitschriften.
Heute umfaßt die Bertelsmann AG (Jahresumsatz: 6,04 Milliarden Mark) 222 Einzelfirmen in fünf großen Unternehmensbereichen gegliedert. Es sind *___die Buchgemeinschaften und Schallplattenringe mit 1,87 ____Milliarden Mark Jahresumsatz; *___die Zeitschriften bei G + J, darunter "Stern", ____"Brigitte", "Capital" mit 1,74 Milliarden; *___die Druckereien, bei denen außer konzerneigenen ____Produkten auch Zeitschriften wie "Für Sie", "Frau im ____Spiegel" oder "Zeit-Magazin" hergestellt werden, mit ____1,09 Milliarden; *___die elektronischen Medien mit 669 Millionen; die Buch- ____und Fachverlage mit 671 Millionen.
Als Medienkonzern übertrifft Bertelsmann den größten deutschen Pressekonzern Springer (Jahresumsatz: 2,09 Milliarden) um das Doppelte. Weltweit rangiert vor den Güterslohern nur noch der im Fernsehen starke Medien-Multi CBS (Columbia Broadcasting System) in New York.
Nach seiner Unternehmensverfassung versteht sich der Konzern als "Verlagshaus der Alternativen, das unterschiedliche Meinungen veröffentlicht und für publizistische Freiheit und Vielfalt eintritt". Auf den ersten Blick scheint Bertelsmanns Buchrepertoire diese geschäftsbedingte Liberalität auch zu bestätigen.
Außer Bestseller-Autoren wie John Knittel und Heinz Konsalik findet sich dort beispielsweise auch Franz Josef Strauß ("Gebote der Freiheit") - aber ebenso dessen scharfer Kontrahent Bernt Engelmann ("Wie wir wurden, was wir sind"), den Strauß gerne als "Ratte und Schmeißfliege" schmäht.
Andererseits vereitelte der sonst so scharf kalkulierende Reinhard Mohn
höchstpersönlich Rolf Hochhuths Papst-Anklage "Der Stellvertreter", obschon das heiße Manuskript bereits gesetzt war.
Und dem progressiv angelegten Filialverlag "Autoren Edition" in München weinte Mohn nicht nach, als er nach einem eher oberflächlichen Zwist mit dem linken Autor Peter O. Chotjewitz kurzerhand abgestoßen wurde.
Auch ein früher unumstößliches Prinzip, wonach in Gütersloh "politisches Engagement ebenso vermieden wird wie harter Sex", wurde im Laufe der Jahre aufgeweicht. Bertelsmanns Ufa hat jedenfalls längst auch Pornos auf der Palette, mit Titeln wie "Wilde Betten" oder "Bohr weiter, Kumpel".
Bei seinem Aufstieg zum zweitgrößten Medienkonzern der Welt ging der gute Mohn so stille, daß er praktisch ungeschoren durch die Jahre kam. Während der Berliner Zeitungsverleger Axel Springer mit seinem Weltbild von "Bild" und "Welt" jahrelang den schärfsten Attacken der Apo ("Springer-Presse, halt die Fresse!") ausgesetzt war und Zeitschriftenverlage wie Gruner + Jahr ihre innere Pressefreiheit durch Statute so nachhaltig zu sichern versuchten, daß der damalige Mitverleger Richard Gruner die "Stern"-Redaktion als "erste deutsche Redaktionskommune" beschimpfte, blieb der unaufhaltsame Aufstieg von Bertelsmann fast unbemerkt.
Das Bundeskartellamt verbot dem Medienmulti aus Westfalen zwar den Zukauf des "Deutschen Verkehrsverlags" und der Buchimportfirma Saarbach in Köln, hatte aber stillgehalten, als Mohn 1969 ein Viertel von Gruner + Jahr und neun Monate später auch noch ein Drittel von Springer packte - eine Liaison, die von den Verlagsherren Mohn und Springer dann allerdings rückgängig gemacht wurde.
Der Einstieg ins Geschäft mit aktuellen Zeitschriften wurde für Bertelsmann zum Prüfstein für die reklamierte Liberalität des Konzerns. Seit je plädierte Mohn bei seinen Führungskräften für ein "Loslassen von der Leine", und das sollte fortan auch gelten für "unsere Zeitschriftenabteilung in Hamburg".
Doch mit der Aufstockung des Anteils bei G + J auf heute 74,9 Prozent schwand zusehends der Mut zur löblichen Distanz. Bertelsmanns Fischer: "Wir haben die Finanzierungsverantwortung, also müssen wir auch die Kompetenz haben, bei der Finanzierung so zu entscheiden, wie wir wollen."
In verschärfter Manier wurde die Reorganisation durchgezogen - so oder so eine innerbetriebliche Notwendigkeit. Denn seit den Gründertagen des Konzerns, der 1965 aus den Verlagen Jahrs ("Constanze"), Bucerius' ("Stern") und Gruners Itzehoer Druckerei zusammengebacken worden war, gab es noch immer Überbesetzungen; die Umsatzrendite war zur Zeit der Gründerväter auf unter ein Prozent gesunken, dem Großbetrieb drohte die Pleite.
Die neuen Herren räumten so gründlich auf, daß die Wirtschaftspresse bald, wie bei Bertelsmann üblich, vom "Bombengeschäft" und von "Traumrenditen" bei G + J berichtete. Die Umsatzrendite kletterte auf bisweilen über zehn Prozent. Nach Gütersloher Vorbild wurde die Technik hochgetrimmt, in Itzehoe hatte G+J-Vorstandsmitglied Gerd Schulte-Hillen, zuvor Druckchef bei Bertelsmann in Barcelona, bald "der Welt modernste Tiefdruckerei" (Branchendienst "Text intern") stehen.
Arrondiert wurde mit allem, was Geld brachte oder Kosten sparte: einer Itzehoer Druckfiliale für Textildessins (Gruner + Jahr: "... beabsichtigt, die Grenzen des Textildrucks zu sprengen"), Computersystemen für Schriftsatz und Zeitschriftenvertrieb, der Veranstaltung von "Leser-Reisen". Arm in Arm mit der Mutter ging die Tochter ins Ausland, kaufte die Frauenzeitschrift "Dunia" in Spanien, übernahm die Elternblätter "Parents" in New York und "Ser Padres" in Madrid und erwarb die Druckerei Brown Printing Co. (1600 Mitarbeiter) im US-Staat Minnesota.
Alles war wie zu Hause in Gütersloh, nur eins nicht: Mohn blieb unerklärlich, warum seine Abgesandten in Hamburg nicht endlich auch die "Stern"-Redaktion mit ihren dauernden Querelen auf Vordermann brachten. Denn daß "Gruner + Jahr im Griff der Gütersloher" sei, hatte auch für Springers "Welt" schon frühzeitig festgestanden.
Von Anfang an genierte Mohn die industriekritische Linie, an der Bekannte aus Wirtschaft und Industrie Anstoß nahmen. Nach außen drang einmal eine Beschwerde des Bielefelder Industriellen Rudolf August Oetker gegen eine Story über ein geplantes Oetker-Mausoleum auf dem heimischen Friedhof. Der "Stern": "Wie es gemacht werden sollte, daß die Nachwelt bei dem Namen Oetker nicht nur an Pudding denkt." Ein von Bucerius angebahntes Versöhnungsgespräch endete im Krach mit dem erzkonservativen Unternehmer.
Daß dann aber eine - wenig qualifizierte - "Stern"-Kritik an deutschen Kapitalexporten ins Ausland zum Sturz Manfred Bissingers, des designierten Nachfolgers von Chefredakteur Henri Nannen, durch Mohn und Fischer geführt habe - dieser Argwohn ist unter "Stern"-Redakteuren bis heute nicht verstummt, auch wenn Nannen stets auf eigene Differenzen mit seinem Vize verwies.
Es war nicht die Dreifaltigkeit "von Nacktem, politischer Schnüffelei und Klatsch" ("Wall Street Journal"), woran sich die Gütersloher rieben - Geschmacksfragen fochten sie ja auch bei ihrer Buch- und Videoproduktion wenig an. Die so gern herausgestellte Liberalität hatte vielmehr, das wurde immer deutlicher, sehr wohl ihre Grenzen. Die Bertelsmänner hatten den Eindruck, daß der "Stern" inzwischen gar "kein liberalfortschrittliches Blatt mehr" sei, sondern mehr und mehr "ein rotgrünes Kampagnenblatt" wurde.
Altverleger Bucerius unternahm es einmal, in einer doppelseitigen "Stern"-Kolumne zu einem Titelbericht über die "Atom-Rampe Deutschland" die USkritische "Stern"-Version zu kontern: "Wir tun gut daran, uns den Amerikanern anzuvertrauen."
Weil der "Stern", so wie er nun einmal war, immense Gewinne abwarf - eine "Lokomotive, die nicht nur den Zug zieht, sondern den ganzen Bahnhof", wie Nannen gern scherzte -, sahen die Bertelsmänner bis zur Tagebuch-Affäre keinen rechten Anlaß zum Durchgriff auf die Blattlinie.
Das änderte sich im Nu. Denn der nach dem Reinfall mit den Hitler-Falsifikaten schon jetzt bezifferbare Verlust von 20 Millionen Mark tangiert die westfälischen
Macher am empfindlichsten Punkt: bei der Rendite.
Es kommt hinzu, daß Bertelsmanns Wirtschaftslage, wie Wössner unumwunden zugibt, seit vorletztem Jahr "von großen Problemen bestimmt" ist: "In einzelnen Bereichen des Konzerns hat die Konjunkturentwicklung, noch überlagert durch zusätzliche Strukturprobleme, tiefe Spuren hinterlassen." Auch etliche Investitionsflops wirken nach.
Die verlorenen 14 Millionen Mark für die erfolglose Gruner + Jahr-Zeitschrift "Leute" war noch ein vergleichsweise harmloser Auftakt. Der Fehlstart mit der US-Ausgabe des Erdkundemagazins "Geo" kostete dann schon rund 80 Millionen Mark, der Mißerfolg der amerikanischen Schallplattentochter Arista um die 40 Millionen. "Geo USA" mußte verkauft werden, bei Arista stieg der Medienkonzern RCA als Retter ein. Erhalten blieb Bertelsmann bis heute die hochdefizitäre Produktion von Bildplatten in Gütersloh.
Bei schwindenden Erträgen in angestammten Konzernbereichen - der Gesamtumsatz stieg freilich auch 1981/82 um acht Prozent - blieb die Hamburger Beteiligung bei Gruner + Jahr ein stabiler "Stützpfeiler des Hauses", so ein Insider. Auch Gruner + Jahr legte "eine Atempause ein" ("Frankfurter Allgemeine"), meldete aber immer noch gut 90 Millionen Mark Gewinn, davon rund die Hälfte vom "Stern" - "ein gut verdienendes Unternehmen", so die "FAZ".
Die wachsende Bedeutung des Zeitschriftenladens innerhalb des Gemischtwaren-Konzerns bürdete den Gütersloher Statthaltern in Hamburg eine zunehmende Last auf: Sie mußten für die Prosperität eines Unternehmens geradestehen, die vor allem von den teils bewunderten, teils suspekten "Stern"-Leuten zusammengeschrieben wurde. Das erklärt die nervöse Aufmerksamkeit der Manager für den "kreativen Bereich" - die Entschlossenheit, mit der sie sich mal schützend vor die Redakteure stellten, mal in deren Arbeit einmengten, um nur ja das Blatt auf Erfolgskurs zu halten.
Es war die materielle Basis, die Marktposition, um die sie wegen der Linksorientierung und der wachsenden Vorliebe etlicher "Stern"-Journalisten für die Anliegen "der Ökopaxe" (Wössner) fürchteten. Rein geschäftlichen Überlegungen entsprang der Beschluß, sich aus dem Desaster der gescheiterten Spekulation mit Hitlers Tagebüchern durch die Berufung zweier konservativer, sprich wirtschaftsfreundlicher Chefredakteure zu befreien.
Mitgetragen, geradezu begeistert herbeigeredet wurde die verfehlte Berufung auch von den Altgesellschaftern Bucerius und Jahr. Jahr hatte schon Bissinger für einen Kommunisten gehalten. Und Bucerius, der einst als Mitglied der Bonner Kommission zur Bekämpfung der Pressekonzentration lautstark gegen den "manchesterlichen Frühkapitalismus im deutschen Verlagswesen" und die "Zusammenballung verlegerischer Macht" gefochten hatte, änderte im Gleichklang mit seinen Beteiligungsverhältnissen auch seine Meinung.
Der Verleger, inzwischen bei G + J draußen und bei Bertelsmann mit 10,74 Prozent drin, stellte schon Wochen vor dem Hitler-Flop in einem Interview mit der österreichischen Zeitschrift "Profil" deutliche "Meinungsverschiedenheiten" mit der Linie des "Stern" fest: "Man muß nicht gleich feuern", aber doch "Konsequenzen ziehen". Sich selbst fragte er einmal, ob er wohl ein Mann sei, "der einmal liberal war", aber nun "durch sein Alter daran gehindert" werde.
Es liegt offenbar nicht nur am Alter. Denn die jüngeren Bertelsmänner Wössner und Schulte-Hillen verfolgten nach der gescheiterten Multimedia-Vermarktung der Hitler-Sensation genau dieselbe Linie. Bertelsmann-Eigner Reinhard Mohn hielt sich im Hintergrund, aber Konzernkenner meinen, er werde den "Stern" konsequent auf eine andere Bahn bringen - nicht etwa auf eine Art Springer-Kurs, eher auf eine "liberalfortschrittliche" Linie nach Gütersloher Definition: mehr wirtschaftsliberal, mehr fortschrittsgläubig. Vielleicht nicht gerade eine Wende, aber gewiß eine weitausladende Kurve.
Denn Bertelsmann bleibt Bertelsmann, und deshalb kann der "Stern" nicht bleiben, was er war. In einem SPIEGEL-Gespräch (siehe Seite 92) macht Mohn im "Grundsätzlichen" deutlich, was für das Hamburger Bilderblatt konkret Bedeutung hat: Die Verlagsleitung erhält das letzte Wort über die inhaltliche Linie; der Kurswechsel wird mit dem Redaktionsbeirat abgestimmt; wer partout nicht spurt, wird gefeuert.
Wie der Konflikt, der sich irgendwann aufs neue anbahnen dürfte, ausgeht, ist für Manfred Bissinger, heute Chefredakteur des Linksblattes "Konkret", bereits absehbar: Die "Stern"-Redakteure hätten nur noch "wenige Alternativen", "eigentlich gar keine" mehr, nachdem sie schon seit Jahren fortwährend betriebsinterne und journalistische Konzessionen gemacht hätten: keine Auflehnung gegen Lügenstorys wie bei "Bild", keine Bedenken gegen die Abwanderung gestandener liberaler Kollegen. Bissinger: _____" Wo war der vollmundige Protest, als die erste Ausgabe " _____" mit der widerwärtigen Hitler-Verherrlichung auf den Markt " _____" kam? Wer hat den Reporter Heidemann aus der Redaktion " _____" gewiesen, als dieser durch die Räume stolzierte und sich " _____" mit dem SS-Ehrendolch " _____" bewundern ließ? Waren es etwa nicht die " _____" "Stern"-Redakteure, die in der morgendlichen Konferenz " _____" ihren Chefredakteur Peter Koch mit Beifall begrüßten, als " _____" dieser in einer denkwürdigen ZDF-Fernsehsendung alle " _____" Zweifler als Dummköpfe, Fälscher und Neider bezeichnet " _____" hatte? "
So war es, auch wenn die Episode, wie andere Peinlichkeiten, in der Abrechnung der Illustrierten mit sich selbst in der Titelstory der letzten Woche ("Betrifft: Stern") nicht vorkam. Auch der Auftritt eines Betriebsrates fehlte, der den schwer "angeschlagenen" ("Stern"-) Herausgeber Nannen unter Androhung von Polizeigewalt von einer Betriebsversammlung ausschloß.
Zum Schluß blieb der "Stern"-Redaktion sogar die Genugtuung versagt, wenigstens die Fälschungsaffäre rückhaltlos aufzuklären. Tagebuch-Lieferant Konrad Kujau griff im Hamburger Untersuchungsgefängnis zur Feder und schrieb in einer Mischung von Altdeutsch und Sütterlin, jener schlecht kopierten Handschrift Adolf Hitlers, die vor ein paar Wochen noch das teuer bezahlte Entzücken der "Stern"-Chefs gewesen war, sein Geständnis auf. Der Fälscher sei er selbst gewesen, nachdem er zwei Jahre lang Hitlers Schriftzüge eingeübt habe - unterzeichnet "hochachtungsvoll Ihr Adolf Hitler alias Konrad Kujau". 2,5 Millionen Mark will er von "Stern"-Reporter Gerd Heidemann für die Falsifikate bekommen haben, dem der Verlag freilich 9,34 Millionen anvertraut hatte.
Daß die Kladden aus der 1945 bei Börnersdorf in Sachsen abgestürzten "Ju 352" stammten, war eine Erfindung - oder eine miserable Recherche - des "Stern"-Reporters (siehe Seite 99). Gerd Heidemann wurde am Donnerstagabend vergangener Woche wegen Betrugsverdachts verhaftet.

DER SPIEGEL 22/1983
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