05.12.1983

GESTORBENLotte Eisner

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87. In den zwanziger und frühen dreißiger Jahren beobachtete die Theater- und Filmkritikerin, die für den Berliner "Film-Kurier" schrieb, die Regisseure beinahe täglich bei der Arbeit im Studio - "so lernte ich Lang, Murnau, Pabst und Peter Lorre kennen, von Stroheim und Louise Brooks". Lotte Eisner, die eigentlich Archäologin hatte werden wollen, wurde die wohl profundeste Kennerin des deutschen Films jener Zeit, über den sie ihr Hauptwerk "Die dämonische Leinwand" schrieb. 1933 floh sie vor den Nazis nach Paris, wo sie gemeinsam mit Henri Langlois begann, Tausende alter Filme zu sichten, zu archivieren und schließlich vor den einmarschierenden Deutschen zu verstecken. Der verborgene Schatz wurde der Grundstock der legendären Cinematheque Francaise, Lotte Eisner 1945 Kuratorin des französischen Filminstituts. Den deutschen Filmemachern der Nachkriegsgeneration galt "die Eisnerin" als "Gewissen", wie Werner Herzog es im März letzten Jahres bei der Verleihung des Helmut-Käutner-Filmpreises an Lotte Eisner nannte. Sie starb vorletzten Freitag in Garches bei Paris.

DER SPIEGEL 49/1983
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