12.12.1983

„Die Chinesen können nicht ohne Kaiser leben“

Der neue Mao und die Kampagne gegen „geistige Umweltverschmutzung“ in China *
An der Ecke der Wang-Fujin-Straße und der Allee des Langen Friedens blickt seit kurzem von einem riesigen Plakat ein ehrwürdiger Mao Tse-tung auf den nicht endenden Strom von Radfahrern gegenüber dem Hotel "Peking" hinab.
Weiter südlich, an der Kreuzung der Perlen, prangt an einer Mauer ein Plakat, das überlebensgroß einen jüngeren Mao darstellt, Anführer einer entscheidenden Schlacht auf dem legendären Langen Marsch von 1934/35.
Beide Maos machen Reklame für zwei Filme, die am 26. Dezember anlaufen sollen, zu Maos 90. Geburtstag, an dem auch 50 neue Bücher über Mao erscheinen. Die Durchschnittschinesen verstehen die Botschaft so: Der "Große Steuermann" kommt, sieben Jahre nach seinem Tod, wieder zu Ehren.
Vor zwei Jahren noch war Mao der nichtgenannte, aber eigentliche Angeklagte im Prozeß gegen die "Viererbande", der die Verbrechen von Maos "Großer Proletarischer Kulturrevolution" angelastet wurden. Ein Grundsatzpapier der Partei bezeichnete auch den einstigen Übermenschen Mao als verantwortlich.
Von allen öffentlichen Gebäuden Chinas, mit Ausnahme des Haupttors am Eingang zur Verbotenen Stadt an Pekings Platz des Himmlischen Friedens, wurden seine Bilder entfernt. Danach geriet der einst millionenfach verehrte Mao fast zur Unperson - sein Mausoleum blieb die meiste Zeit über geschlossen, sein Name wurde kaum erwähnt, seine Jahrestage wurden vergessen.
Nun aber ist Mao plötzlich wieder aktuell. Im Dezember sollen zu Ehren seines Geburtstages große Feiern stattfinden und dabei auch die beiden Filme gezeigt werden. Der eine mit dem schlichten Titel "Mao Tse-tung" ist ein Zusammenschnitt aus Wochenschauen über Maos Leben, der andere ein Spielfilm mit dem Titel "Die vier Überquerungen des Stroms". Maos Geburtshaus wurde restauriert, das Mao-Museum in Schaoschan wieder geöffnet.
In ganz China werden Maos Ideen wieder öffentlich diskutiert, etwa in Nanking in einem achttägigen Seminar über das Gedankengut Maos. Die Armee preist seine militärischen Theorien wieder, viele seiner Schriften, darunter auch die berühmten aus den 60er Jahren, die dann in die kleine rote Mao-Bibel Eingang fanden, sind heute für KP-Mitglieder wieder Pflichtlektüre.
Zugleich begann eine landesweite Kampagne gegen "geistige Umweltverschmutzung", die sich zum Teil genau jener Parolen bedient und jene Angriffsziele (bürgerliche Werte, westliche Einflüsse) nennt, die einst in Maos Kulturrevolution auch der Außenwelt angst machten.
Kehrt also der Maoismus, kehrt gar die Kulturrevolution wieder? Wurde der Pragmatiker Teng Hsiao-ping, der China Ende der 70er Jahre zum Westen hin öffnete, in seiner Politik durch linke Doktrinäre gestoppt?
Ausländische Beobachter in Peking glauben, daß Teng, 79, "Maos Doktrin für seine eigenen Zwecke nutzt". Ein West-Diplomat: "Heute lehrt Teng die Chinesen, was Mao wirklich sagte."
Das Ziel Tengs, der über kein Regierungsamt mehr verfügt, scheint ihnen vergleichsweise simpel: Er möchte seinen Einfluß auf Partei und Land festigen, um eine reibungslose Amtsübergabe an jene beiden Männer vorzubereiten, die er als seine Nachfolger an der Spitze ausgewählt hat - Hu Jaobang im höchsten Parteiamt, Zhao Ziyang im höchsten Regierungsamt.
Die Erfahrungen der letzten fünf Jahre könnten Teng gezeigt haben, daß seine Ziele nur zu erreichen sind, wenn eine gewisse Kontinuität zwischen Vergangenheit und Zukunft aufrechterhalten bleibt. Dieses Bindeglied soll sein Erzfeind Mao sein.
Chinesische Medien stellen Teng nach Mao-Art dar: auf einem Plakat in der "Zeitung der Volksbefreiungsarmee", das Teng über Massen von Soldaten und Technikern schwebend zeigt; oder auf einem Bild, das Teng schwimmend im Meer darstellt - bewußte Parallele zu jenem historischen Photo aus dem Jahre 1966, auf dem Mao im Jangtsekiang schwimmt.
Tengs Politik hatte die wichtigsten Errungenschaften der Mao-Zeit zerstört: die Volkskommunen, die Rote Garde, die Ausrichtung auf die eine große Führergestalt. Der Personenkult wurde per Parteistatut verboten.
Jetzt aber sind Tengs "Ausgewählte Werke" in einer Druckauflage von 40 Millionen Exemplaren erschienen und werden als eine Art Evangelium für die Zukunft Chinas gepriesen. Parteifunktionäre rühmen Teng als "einen Mann mit tiefem Verständnis des Marxismus-Leninismus und des maoistischen Gedankenguts", wie der Parteihistoriker Liao Gailong in seinem Referat auf dem Seminar in Nanking formulierte: Teng habe "einen herausragenden Beitrag zur Aufrechterhaltung und Bereicherung der Ideen Mao Tse-tungs geleistet".
Diese "Aufrechterhaltung und Bereicherung des maoistischen Gedankengutes" erscheint heute als der entscheidende Beitrag Tengs zur kommunistischen Ideologie. Teng und niemand sonst, auch nicht der Parteichef Hu Jaobang, tritt damit als der eigentliche Nachfolger Mao Tse-tungs auf.
Natürlich eines Mao, wie er Teng genehm erscheint, des Mao der 50er Jahre, der 1957 erklärte, die Parteimitglieder sollten von Teng die materialistische Dialektik lernen, und der ein Jahr vor seinem Tode über Teng gesagt haben soll: "Er ist ein Mensch von sehr seltener
Begabung und von sehr großen ideologischen Fähigkeiten."
Der revidierte Mao ist nicht der Mao der Kulturrevolution. Der Film, der an seinem Geburtstag vorgeführt werden soll, wird denn auch keine Bilder zeigen, auf denen Mao etwa eine Parade der Rotgardisten abnimmt.
Die orthodoxen Maoisten der früheren Zeit haben zwar ihre Exponenten an der Parteispitze verloren - Marschall Jeh Tschien-jing ist 85 und halb gelähmt, der frühere Parteichef Hua Kuo-feng soll einen Selbstmord versucht haben. Dennoch bekleiden immer noch viele Radikale Parteiposten auf mittlerer oder unterer Ebene, wo sie die Politik Tengs hintertreiben und Reformen bremsen können.
Gegen diese Elemente begann Teng die sogenannte Korrektur-Kampagne - eine gründliche Säuberung unter den Linken, die seit Jahren erwartet wurde, die Teng und seine Leute aber aus Angst vor Widerstand nicht früher zu eröffnen wagten. "Jetzt kann Teng alles machen", vermutet ein amerikanischer Sinologe in Peking, "denn er ist stärker, als Mao es selbst auf dem Höhepunkt seiner Macht je war."
Während Linke als Anhänger der Viererbande identifiziert und verhaftet wurden, kam eine zweite Kampagne in Gang - gegen die "geistige Umweltverschmutzung", offenbar weil etliche Reformen der Nach-Mao-Zeit zu politischer Instabilität geführt hatten und zurechtgestutzt werden mußten: Gemeint war "geistige Verschmutzung" durch den Einfluß westlicher Ideen.
So weckte denn die Kampagne Ängste, in China stehe womöglich eine neue Kulturrevolution bevor. Da wurde der Schriftsteller Bai Hua, berühmt für seine Mao-Kritik, öffentlich angegriffen, weil er einen politischen Kurs vertrete, "der dem Sozialismus widerspricht". Da wurden selbst Normalbürger, meist Jugendliche, bezichtigt, von der "geistigen Umweltverschmutzung" infiziert zu sein.
In Schanghai etwa ließ ein junges Mädchen in einem Photogeschäft einen Film entwickeln. Der Techniker in der Dunkelkammer erkannte auf den Aufnahmen das Mädchen - nackt mit einem Jungen. Er informierte die Polizei, die beiden auf dem Revier eine Strafpredigt hielt.
In Szetschuan konfiszierte die Polizei in einer Bibliothek tausend Bücher als "vulgär". In der Provinz Hupei mußten sechs von 21 Zeitschriften, die in den Jahren nach dem Sturz der Viererbande entstanden waren, wegen "minderwertiger Qualität" ihr Erscheinen einstellen.
In der Provinz Kuangtung wurde verhaftet, wer pornographische Video-Bänder kopiert und verkauft hatte, in Kanton das Cafe des Hotels Li Hua mit einer Geldstrafe belegt, weil eine der Sängerinnen
bei einer Vorstellung zuviel Bein gezeigt hatte.
"Geistige Umweltverschmutzung" kann in der Sicht der Partei verschiedene Symptome zeigen. In Tibet äußert sie sich in einer Wiederbelebung der Religion. In Ninghsia tritt sie in Anzeigen zutage, die für ausländische Produkte werben. In Hunan zeigt sie sich bei Chinesen, die "begeisterte Anhänger von Sartres Existentialismus sind und Sartre für größer halten als Marx", so Radio Hunan am 3. November. Selbst Sportler können schuldig werden, wenn sie "mit Sportlern aus aller Welt, mithin mit der dekadenten Ideologie und dem kapitalistischen Lebensstil, in Berührung gekommen sind".
"Geistige Umweltverschmutzung" ist nach Berichten der amtlichen Presse auch im Spiel, wenn Chinesen die Kunst als Mittel der Selbstäußerung befürworten oder sich in der Musik für Songs interessieren, die Schwäche und Sentimentalität hervorrufen. Selbst Sciencefiction-Literatur wird inzwischen angegriffen, denn, so die Schlußfolgerung einer Konferenz in Schanghai, "Roboter und Kreaturen aus dem Weltraum werden dazu benutzt, die Parteipolitik und den Sozialismus in Zweifel zu ziehen".
Im Zuge der Kampagne wurden Chinesen kritisiert und verhaftet, weil sie halb ausgezogen tanzten, einen angeblich mondänen Haarschnitt oder zu exzentrische Kleidung trugen. "Ich weiß nicht mehr, was falsch und was richtig ist", klagt eine Verkäuferin in Peking. "Morgens beim Anziehen schon frage ich mich, ob die Leiterin meiner Einheit das Kleid, das ich dann trage, als 'vergiftet' bezeichnen wird."
Um Ängste vor einer neuen Kulturrevolution zu zerstreuen, instruierte die Partei jeden Parteisekretär einschlägig. In jeder Provinz, jedem Bezirk und jeder Stadt fanden Versammlungen statt zur Diskussion über die neue Kampagne, die auch höheren Orts Opfer forderte: Bisher verloren zwei leitende Redakteure der Pekinger "Volkszeitung" ihre Posten.
"Teng", so erklärte ein amerikanischer Beobachter, der ihm das harte Vorgehen gegen Abweichler und Liberale anlastet, "hat das Fenster geöffnet, um frische Luft hereinzulassen. Jetzt aber möchte er die Fliegen loswerden, die mit der frischen Luft hereingekommen sind."
Was den Pragmatiker Teng beunruhigen könnte, sind nicht nur die "Fliegen", die durch die Öffnung des Landes für westliche Technologie, für West-Touristen und West-Ideen nach China kamen. Es ist die Tatsache, daß die Kommunistische Partei Chinas durch ihre zahlreichen Kampagnen und Gegenkampagnen, die totale Maoisierung und die folgende Ent-Maoisierung, ihr altes Prestige eingebüßt hat und die chinesische Gesellschaft eine tiefe Krise durchmacht, die nur zum Teil auf westliche Einflüsse zurückgeführt werden kann.
Unmittelbar nach der kommunistischen Machtübernahme 1949, ja sogar noch bis Anfang der 60er Jahre hatten sich die meisten Chinesen hingebungsvoll dem Wiederaufbau ihres Landes gewidmet, waren bereit, für Vaterland und Partei alle erdenklichen Opfer zu bringen.
Heute liegt jene Zeit weit zurück. Nun zeigt sich, daß die Volksbefreiungsarmee nicht mehr auf ein riesiges Reservoir an Freiwilligen zurückgreifen kann, um sich neu zu rekrutieren. Selbst die Partei hat Schwierigkeiten, gute Mitglieder zu werben, und muß sehen, jene wieder loszuwerden, die ihr aus reinem Opportunismus beitraten.
Die Jugend scheint desillusioniert und desorientiert, die Gesellschaft hat ihren einstigen Zusammenhalt verloren. Folge: Die Kriminalität hat so sehr zugenommen, daß die Behörden mit Massenhinrichtungen vorgingen (siehe Seite 144). 30 Prozent der in den vergangenen Monaten verhafteten Wirtschaftskriminellen waren Farteimitglieder.
Der Aberglaube, drei Jahrzehnte lang bekämpft, ist unter den Massen wiederaufgelebt. Die traditionelle Religion findet wieder Anklang - selbst bei der Jugend, die in sozialistischen Schulen erzogen wurde. Einige Intellektuelle setzten sich mit dieser Entwicklung bereits auseinander, und manche sprachen sogar von Entfremdung. So schrieb der Vizepräsident des chinesischen Schriftsteller- und Künstlerverbands, Zhou Yang, zum 100. Todestag von Karl Marx
in der Pekinger "Volkszeitung" einen langen Artikel, in dem es hieß: _____" Lange Zeit haben wir den Humanismus zusammen mit dem " _____" Revisionismus abgelehnt und behauptet, Humanismus und " _____" Marxismus seien absolut unvereinbar. Das war falsch. " _____" Gegenwärtig ist es im Interesse des Volkes dringend " _____" notwendig, die menschliche Würde wiederherzustellen und " _____" den Wert des Menschen zu stärken. "
Sodann setzte sich Zhou Yang mit der "Entfremdung in der sozialistischen Gesellschaft" auseinander, die entstehen könne, weil "die Diener des Volkes zuweilen ihre Macht mißbrauchen und zu Herren des Volkes werden". China sei es nicht gelungen, ein hinreichend demokratisches Regime und ein befriedigendes Rechtssystem aufzubauen.
Der Artikel löste eine schwere Kontroverse aus. Die ZK-Propaganda-Abteilung wies andere Zeitschriften an, ihn nicht nachzudrucken. Die "Theorie der menschlichen Natur und des Humanismus" wurde heftig angegriffen, ebenso ein Buch mit dem Titel "Der Mensch ist der Ausgangspunkt des Marxismus", weil das Wort "Mensch" auf dem Umschlag zu groß herausgestellt war.
Am 5. November übte Zhou Yang in einem von der Pekinger "Volkszeitung" veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Hsinhua öffentlich Selbstkritik: "Ich war nicht bescheiden und vorsichtig genug. Nachdem ich meinen Artikel noch einmal in Ruhe durchgesehen habe, erkenne ich jetzt seine Unzulänglichkeiten." Der Minister für Rundfunk und Fernsehen mußte sich schuldig bekennen, nicht "wachsam" genug gewesen zu sein.
Die Parteiideologen stießen auch in der Literatur auf die "Theorie der menschlichen Natur" und des Humanismus. So wurden viele Schriften angegriffen, weil sie "freie Demokratie, individuelle Emanzipation und individuellen Kampf, Anarchismus, Nihilismus und negative Weltverdrossenheit" gepredigt hätten, etwa das Intellektuellenblatt "Guangming" (siehe Seite 152).
Bai Hua, der Drehbuchautor des Films "Bittere Liebe", sah sich als "unsozialistisch" und "unpatriotisch" angegriffen, nur weil sein Filmheld die Worte gesprochen hatte: "Ich liebe mein Vaterland. Liebt mein Vaterland aber auch mich?" Der Film wurde verboten. Der Schriftsteller Ding Ling verurteilte Kollegen, die den Standpunkt vertreten, je weniger Kontrolle die Partei über die Kultur habe, desto besser sei es: Die alte Taktik, einen Intellektuellen den anderen anklagen zu lassen, wurde wieder üblich.
"Einige Leute haben versucht, die Führung durch die Partei mit dem Vorwand abzuschütteln, daß Kunst und Literatur sich frei entwickeln sollten - wie ein durchgegangenes Pferd", klagte ein Parteikader in der Provinz Anhwei; geistige Verschmutzung heiße, "dekadente Ideen der Bourgeoisie und anderer Ausbeuterklassen zu verbreiten und Mißtrauen in den Sozialismus, den Kommunismus und die kommunistische Parteiführung zu säen".
Am 12. November schließlich kam die Pekinger "Volkszeitung" auf die psychologischen Ursachen der "geistigen Umweltverschmutzung" zu sprechen: Das Blatt führte sie auf den "nationalen Minderwertigkeitskomplex" zurück, unter dem China im Augenblick leide.
Fazit: Die Öffnung Chinas gegenüber der Welt sowie der Wandel, der sich nach Maos Tod und der Entmachtung der Radikalen in China vollzog, haben in den Augen der Partei die Autorität der Partei untergraben und mußten korrigiert werden. Teng Hsiao-ping hat bisher zwar die Politik der offenen Tür nicht gestoppt, weil sie nach wie vor die einzige Möglichkeit ist, Chinas Wirtschaft voranzubringen und den Lebensstandard der Chinesen zu verbessern. Aber der Feind "geistige Umweltverschmutzung" wird energisch bekämpft.
Gleichzeitig läßt Teng, so scheint es Beobachtern in Peking, einen revidierten Mao wiederaufleben, damit die ideologische Kontinuität der Parteigeschichte durch jenen Mann gewahrt wird, der immerhin der Gründer der Volksrepublik war und dessen Persönlichkeit den verunsicherten Chinesen Halt geben soll.
Bei der Masse der Chinesen könnte eine Politik, die Maos Image wahrt und den Mao-Gegner Teng zum Mao-Nachfolger stilisiert, durchaus ankommen: "Die Chinesen", so ein chinesischer Schriftsteller, "sind noch nicht gewohnt, ohne einen Kaiser zu leben."
Doch die aufgeklärteren Chinesen, die Intellektuellen und die auf den Westen neugierige Jugend der großen Städte, fürchten den Rückfall in eine Bevormundung des Denkens.
Drei japanische Filme sind verboten, ein Tanz-Ensemble aus Portugal mußte "modernistische" Darbietungen aus dem Programm seines Gastspiels nehmen, Chinas Komponisten dürfen keine "experimentellen" Töne mehr setzen. Ein Buch der Schriftstellerin und Professorin Dai Houying aus Schanghai (verkaufte Auflage: 300 000) gilt jetzt als "geistige Verschmutzung", weil es "die bürgerliche Humanität anbetet und die linken Fehler in der Kulturrevolution übertreibt".
Die geschrumpfte Redaktion der "Volkszeitung" warnte bereits davor, die neue Kampagne zu übertreiben, in das Alltagsleben einzugreifen und die geistige Arbeit zu behindern. Und Parlamentspräsident Peng Tschen, Organisator der Prozesse gegen die Viererbande, verlangte von der Regierung eine Definition dessen, was ideologisch korrekt ist.
Die "Jugendnachrichten" definierten die schwersten Sünden: "bürgerlicher Liberalismus" und "Pornographie". Die Zeitung wagte auch Widerspruch: "Wir sollen den jungen Leuten helfen und uns nicht auf die Weite der Hosen, die Höhe der Absätze und die Frisuren konzentrieren", wie zur Zeit der "sozialistischen Armut 1966/76".
Die Parteispitze übt sich indessen in Anpassung: Premier Zhao, der auf Besuch in Australien 20 verschiedene Krawatten zu 10 verschiedenen Anzügen trug, empfängt seine Gäste neuerdings wieder in schlichter Mao-Kluft.

DER SPIEGEL 50/1983
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