12.12.2015

Libor-SkandalDer Name Jain verschwindet

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat ihren Untersuchungsbericht über die Libor-Affäre um manipulierte Zinsen bei der Deutschen Bank offenbar deutlich abgeschwächt. Der Entwurf eines Schlussdokuments, welcher der Bank jetzt vorliegt, unterscheidet sich jedenfalls stark von einem Zwischenbericht, der im vergangenen Sommer öffentlich geworden war. In der alten Fassung hatte die Aufsicht mehreren Vorständen und Mitgliedern des erweiterten Vorstands zwar keine Beteiligung an der Manipulation, wohl aber ein Kontrollversagen und unzureichende Aufarbeitung vorgeworfen. Mittlerweile haben die betroffenen Manager die Bank verlassen oder ihre Ämter abgegeben. Ihre Namen sollen in der abschließenden Bewertung nicht mehr auftauchen. Bank und Aufsicht kommentieren den Vorgang nicht. Mittlerweile seien beide Seiten um Deeskalation bemüht, heißt es. Ein betroffener Manager hatte sich mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die BaFin und die zuständige Aufseherin Frauke Menke gewehrt. Auch der frühere Kochef der Bank, Anshu Jain, soll rechtliche Schritte zumindest erwogen haben. Das Ausscheiden Jains sowie anderer Topmanager wurde offiziell nie mit den Untersuchungen der BaFin in Zusammenhang gebracht, die Aufsicht soll aber hinter den Kulissen wegen der Libor-Affäre Druck gemacht haben. Der Aufsichtsrat lässt durch eine externe Kanzlei untersuchen, ob er ehemalige Mitglieder des Topmanagements in Regress nehmen kann. Zudem hat er unter Verweis auf die noch nicht abgeschlossenen Libor-Untersuchungen Vorstandsboni eingefroren. Amerikanische und britische Behörden hatten der Bank Strafen in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar auferlegt und die Höhe unter anderem mit der mangelnden Kooperation der Deutschen begründet.
Von Mhs

DER SPIEGEL 51/2015
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