19.12.2015

ChattenWem hilft der schwule Emoji, Herr Ulrich?

WhatsApp-Nutzer können seit Kurzem dunkelhäutige und homosexuelle Familien-"Emojis" verschicken. Der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands, Markus Ulrich, 33, sagt, was er davon hält.
SPIEGEL: Herr Ulrich, brauchen wir Emojis für homosexuelle Familien?
Ulrich: Diese Bilder zeigen, dass es solche Familien und Paare gibt. Diskriminierung funktioniert unter anderem darüber, welche Lebensweisen im Alltag sichtbar werden und welche nicht. Die Symbole sind wichtig, weil Lesben und Schwule sich wiederfinden. Das ist ein Teil von einem Anerkennungsprozess und kann helfen, dass ein schwuler Mann oder eine lesbische Frau ein positiveres Bild ihrer Identität entwickeln. Außerdem werden Heterosexuelle immer wieder darauf hingewiesen, dass Homosexuelle zum normalen Leben gehören.
SPIEGEL: Im Internet findet sich viel Kritik daran. Die Leute fragen: Gehts noch?
Ulrich: Sprache und Symbole haben sich immer weiterentwickelt, das ist Fortschritt. Mir fallen keine Argumente ein, warum es nicht 20 Hautfarben bei Emojis geben soll.
SPIEGEL: Der Ausdruck "politically correct" hat häufig eine negative Konnotation. Wie erklären Sie sich das?
Ulrich: Es ist eine Abwehrstrategie. Wenn Minderheiten Political Correctness fordern, wird eine Mehrheit kritisiert. Ich glaube, dass sich hinter der Kritik an den schwulen und lesbischen Emojis eine Verunsicherung verbirgt, weil ein altes Weltbild hinterfragt wird.
SPIEGEL: Ist die ganze Aktion nicht einfach nur PR für WhatsApp und Apple?
Ulrich: Das ist mir egal. WhatsApp kann man für alles Mögliche kritisieren, etwa für mangelnden Datenschutz, und es kann auch sein, dass die neuen Emojis entwickelt wurden, weil es gut fürs Geschäft ist. Der Effekt für Homosexuelle bleibt positiv.
SPIEGEL: Welcher Emoji ist Ihr Liebling?
Ulrich: Der Fuchs.
Von Tkw

DER SPIEGEL 52/2015
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