09.01.2016

Die SamstagsfrageWarum gibt es keine Katzensteuer?

Hundehalter empfinden es vielfach als ungerecht, dass nur sie für ihre Tierliebe zahlen müssen. Das war nicht immer so. Eingeführt wurde die Hundesteuer zu Beginn des 19. Jahrhunderts, mal als Maßnahme gegen die Ausbreitung von Tollwut, mal als eine Art Luxusabgabe. Der Besitz eines Hundes, der nicht als Nutztier diente, galt damals als Ausweis besonderer steuerlicher Leistungsfähigkeit. Das Gleiche traf aber auch für Besitzer anderer Tiere zu, wenn diese zum Vergnügen gehalten wurden. Der preußische Fiskus etwa besteuerte neben Hunden auch Katzen, Pferde, Enten und Stubenvögel. Von der Zahlungspflicht ausgenommen waren Bürger, die mit den Tieren einen gewerblichen Zweck verfolgten, also etwa Schäfer, Bauern oder Fuhrunternehmer. Bis heute überlebte im Wesentlichen die Hundesteuer, wobei die gewerblichen Ausnahmen bestehen blieben. Die Katzensteuer erlebte immer wieder eine Renaissance, beispielsweise 1930 im sächsischen Pirna. Begründet wurde die Maßnahme oft damit, die heimische Vogelwelt vor Nachstellungen zu schützen. Neuere Versuche, diese Steuer wieder zu beleben, scheiterten jedoch an deren Unwirtschaftlichkeit. Erhebung und Kontrolle kosten mehr, als das Aufkommen hergibt. Schlechte Erfahrungen machten einige Gemeinden auch mit der Pferdesteuer, die das Bundesverwaltungsgericht erst im August 2015 höchstrichterlich erlaubt hatte. Viele Pferdehalter entzogen sich der Besteuerung, indem sie ihre Reittiere im Nachbarort unterbrachten, wo die Steuer nicht galt. So werden wohl auch weiterhin vor allem Hundebesitzer zur Kasse gebeten. Sie tragen mit rund 300 Millionen Euro zur Finanzierung der Kommunen bei. Zum Vergleich: Das gesamte Steueraufkommen in Deutschland summiert sich auf fast 700 Milliarden Euro.
Von Rei,

DER SPIEGEL 2/2016
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