23.01.2016

ThailandRepression im Touristenparadies

Thanakorn Siripaiboon, 27 Jahre alt, unbescholtener Fabrikarbeiter, war einer der Ersten, die inhaftiert wurden. Eine regelrechte Verhaftungswelle sei gefolgt, sagt seine Anwältin Pawinee Chumsri. Zuletzt am Mittwoch wurde Sirawith Seritiwat, Anführer der Studentengruppe New Democracy Movement, von Militärs auf offener Straße in ein Fahrzeug gezerrt. Im Touristenparadies Thailand herrschen repressive Zustände. Das Vergehen, das Thanakorn und seinen Leidensgenossen vorgeworfen wird: Majestätsbeleidigung. Ein gefährlicher Vorwurf, da der König so etwas wie göttlichen Status genießt und per Gesetz vor jedweder Kritik geschützt wird. Tabu ist dabei nicht nur der derzeitige Monarch, der greise König Bhumibol, selbst über den Hund des Königs darf man offenbar keine Witze machen. Die regierenden Generäle können auf diese Weise Kritiker ausschalten; die Militärs in Bangkok reklamieren den königlichen Segen gern für ihre oft dubiosen Unternehmen. Spektakuläres Beispiel ist der Bau eines Parks in der Provinz Prachuap Khiri Khan, inklusive Paradeplatz und sieben riesenhaften Königsstatuen. Bei Auftragsvergabe und Bau soll Korruption im Spiel gewesen sein. Doch diese Vorwürfe werden nur leise und mit Vorsicht geäußert. "Es ist nicht möglich, das öffentlich auszusprechen", so Anwältin Pawinee, die den Fabrikarbeiter vertritt. Der hatte eine Grafik des angeblichen Korruptionsnetzes auf Facebook geteilt. Aber da er sich über den Hund des Königs lustig gemacht hatte, wird ihm zusätzlich zu Computervergehen und Aufruhr auch Majestätsbeleidigung vorgeworfen. Ihm drohen mehr als 30 Jahre Haft.
Von Red

DER SPIEGEL 4/2016
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