03.03.1980

Feldherr bin ich wider Willen

Von Augstein, Rudolf

Rudolf Augstein über Hitlers Monologe im Führerhauptquartier

Als Dr. Henry Picker 1976 seine eigene Ausgabe von "Hitlers Tischgesprächen im Führerhauptquartier" herausbrachte, war das ein äußerst zweifelhaftes Unternehmen. Picker selbst hatte nämlich nur den kleineren und unwichtigeren Teil der mittäglichen Gesprächsvermerke erstellt, zwischen dem 21. März und dem 31. Juli 1942 in seiner Eigenschaft als Stellvertreter des Adjutanten Martin Bormanns, des damaligen Ministerialrats Heinrich Heim.

Heim hingegen fertigte die Aufzeichnungen zwischen dem 5. Juli 1941, 13 Tage nach dem Einfall in die Sowjet-Union, und dem 12. März 1942, ferner die zwischen dem 1. August und dem 7. September 1942.

Damals, kurz vor Stalingrad, bekam Hitlers Geselligkeitstrieb einen Knacks, weil Hitler im Kaukasus die Grenzen seiner Macht spürte. Er isolierte sich.

Weder Picker noch Heim hatten später Gelegenheit, ein Gespräch aus der Erinnerung oder nach Notizen wiederzugeben. Es gibt nur noch wenige, zudem aussageschwache Vermerke aus den Jahren 1943 und 1944, sämtlich von anderer Hand.

Nicht nur an Zahl, auch nach Inhalt wogen Heims Aufzeichnungen schwerer. Das war Picker bewußt. Er verfiel auf die nicht sehr wissenschaftliche Idee, die Gesprächsaufzeichnungen für "Original-Stenogramme" auszugeben und 36 von Heim gefertigte Vermerke in seiner Ausgabe zu plazieren. Dabei hatte er die Stirn, zu behaupten, Hitler und Bormann, zwei tote Zeugen also, hätten ihm die Mitnahme seiner eigenen und einiger ausgewählter Aufzeichnungen Heims ausdrücklich genehmigt.

Ein Vergleich zwischen den von Picker verwendeten und den nicht von ihm mitgenommenen Vermerken zeigt allerdings, daß Picker die Bedeutung der Heimschen Aufzeichnungen oft verkannt hat; es sei denn, Hitler und Bormann hätten sich kurz vor Stalingrad darangemacht, für den Oberregierungsrat Picker jene von ihnen beiden als minder bedeutsam eingestuften 36 Aufzeichnungen Heims auszusondern, die Picker mitgenommen hat.

Das demnächst erscheinende Buch "Adolf Hitler: Monologe im Führerhauptquartier 1941--1944" läßt die komplexe Erscheinung dieses ungeheuerlichsten menschlichen Monstrums aller uns bekannten Zeiten plastischer hervortreten, als dies in einer noch so kurzen oder noch so ellenlangen Biographie möglich wäre.

( "Adolf Hitler: Monologe im ) ( Führerhauptquartier 1941--1944", ) ( herausgegeben von Werner Jochmann; ) ( Albrecht Knaus Verlag, Hamburg; 480 ) ( Seiten; 39,80 Mark. )

Und es mag den Leser nur noch amüsieren, daß der eine Verlag seine Rechte auf Frau Gerda Bormann, die Witwe, zurückführt (Knaus), und der andere auf Frau Paula Hitler, des Toten Schwester (Seewald). Ein Urheberrecht, das solche Konstruktionen möglich macht, wirkt schon recht abstrus.

Reichsleiter Martin Bormann, Jahrgang 1900, dem Nachfolger des im Mai 1941 über England aus dem Flugzeug gesprungenen Rudolf Heß im Amt des Leiters der Parteikanzlei, kommt unzweifelhaft das Verdienst zu, daß der wahre Hitler sich in aller Kürze selbst porträtieren konnte. Bormann, der meistens dämonisiert worden ist, begleitete seinen Führer in die für den "Ostfeldzug" errichteten Führerhauptquartiere, sei es in die Wolfsschanze bei Rastenburg oder in das Quartier Wehrwolf bei Winniza in der Ukraine.

Welche Motive ihn geleitet haben, Hitlers Monologe vor oft kleinstem Kreise (sechs bis acht Personen) ohne S.177 dessen Wissen nach dem Gedächtnis festhalten zu lassen -- in den nächtlichen Teestunden durfte Heim sich nicht einmal Notizen machen --, kann nur geahnt werden.

In einem Vermerk für die Parteikanzlei in München hielt Bormann am 20. Oktober 1941 fest: "Bitte diese -später äußerst wertvollen -- Aufzeichnungen sehr gut aufheben. Endlich habe ich Heim so weit, daß er sich eingehende Aufzeichnungen als Grundlage für diese Vermerke macht. Jede nicht ganz zutreffende Niederschrift wird von mir noch einmal korrigiert]"

Jedenfalls scheint die Interpretation von Heims Herausgeber, dem Hamburger Historiker Werner Jochmann, blauäugig, wenn nicht abwegig, Bormann habe die weltanschauliche Geschlossenheit der Partei und ihren klaren Kurs wiederherstellen, habe die Parteiarbeit koordinieren und aktivieren wollen. Dazu eigneten sich Hitlers oft unkonventionelle und in sich widersprüchliche Auslassungen gewiß nicht.

Eher scheint glaubhaft, Bormann habe sich ein nur ihm verfügbares Herrschaftswissen aneignen wollen. Daß er das, zumindest im Falle der nächtlichen Aufzeichnungen, ohne Hitlers Kenntnis arrangierte, zeugt von beträchtlichem Selbstbewußtsein.

Der Zeitpunkt war gut gewählt. Nach den ersten gigantischen Siegen im Osten war Hitler zum erstenmal mit seiner politischen Natur im reinen, konnte sich den wahnhaften Zielen seines politischen Wirkens nahe glauben: Ausrottung des gesamten europäischen Judentums, Zurückdrängung des aus Judentum und Christentum hervorgegangenen Bolschewismus, von Paulus zu Marx nur ein Schritt, bis weit hinter den Ural; Abrechnung mit den christlichen Kirchen; Erniedrigung aller westlich des Urals verbliebenen Russen zu Arbeitstieren; autarkes europäisches Großreich mit den stärksten Streitkräften und ergiebigsten Rohstoffen der Welt; später Herrschaft über die Welt oder, in den Worten Hitlers, "totale Hegemonie".

Zwar sollte alle 15 bis 20 Jahre ein Krieg zur Kräftigung der Rasse stattfinden. Dennoch, Hitler in dem zweiten von Heim angefertigten Bericht: "Ich glaube, nach dem Krieg wird eine große Freude kommen."

"Der Chef", wie er bei Heim immer nur heißt, hält seine Monologe kunterbunt. Von der Lebensart der Völker kommt er sogleich auf seinen Leibkoch Krümel, der von früh bis spät tätig sei, anders als die faulen Russen, deren einzige Bestimmung der Wodka bleibe.

Da Hitler es "geschafft" hat, jedenfalls glaubt er das, kann er sich bei diesen Sitzungen entspannen, kann ausspannen, auslaufen, schwadronieren. Von seiner Jugend erzählt er, vom Ersten Weltkrieg und aus der Frühzeit der Bewegung. Er charakterisiert und kritisiert seine Paladine, lobt aber auch die S.178 tüftelige Geschicklichkeit seines ihm gerade davongeflogenen Stellvertreters Rudolf Heß. Wo andere Menschen saufen, um zu quasseln, quasselt Hitler sich besoffen.

Beherrschendes Thema bleibt aber die Tagträumerei eines in seinen Omnipotenz-Phantasien Wahnsinnigen. Die Schönheit der Krim: uns erschlossen. Leningrad, Moskau, Kiew: vom Erdboden verschwunden, dem Erdboden gleichgemacht.

Der Kraftwagen -- seine wohl größte Liebe, obwohl er selbst nicht fährt -verbindet die Völker (welche eigentlich noch?) mittels Autobahnen.

Stalin ist noch nicht der große, unheimlich große Gegenspieler, wie später nach dem Stopp vor Moskau, sondern "eine der eigenartigsten Gestalten der Weltgeschichte", so der Vermerk vom 12. Juli 1941.

Um Moskau ist es nicht schade. Um Berlin wäre es allerdings heute auch noch nicht schade -- leider. Der Erste Weltkrieg, er hätte ihn gewonnen, wenn er Reichskanzler und 20, 25 Jahre früher geboren wäre.

Zwischen England und Amerika wird es einen Krieg geben: "Eines von beiden Ländern wird verschwinden müssen"; etwas anderes kann er sich gar nicht vorstellen als das "Verschwinden" von Völkern und Kontinenten.

Mit 250 000 Menschen insgesamt, so sagt er, regieren die Engländer 400 Millionen Inder. Mit ebensoviel guten Leuten müssen die Deutschen "den Ostraum regieren". Die Russen müssen Analphabeten bleiben. Nur die Verkehrszeichen müssen sie lernen, damit sie uns nicht in die Autos laufen.

Freilich, der Polizei muß die Pistole dabei locker sitzen. Dschingis Khan war der größte Organisator der Weltgeschichte.

Ein neuer Typ von Menschen wird sich herausschälen, richtige Herrenmenschen (armer Nietzsche]), die man freilich im Westen nicht einsetzen kann: Vizekönige.

Den Ernst Thälmann wird er freilassen, sobald die große Gefahr in Rußland beseitigt ist. Schließlich sind unsere deutschen Kommunisten tausendmal sympathischer als ein Starhemberg (der österreichische Heimwehrfaschist Ernst Rüdiger Fürst Starhemberg).

Norwegen wird unsere Elektrizitätszentrale. Was aus dem elenden Schweden wird, weiß er noch nicht.

Norweger, Schweden, Dänen und Niederländer müssen wir alle in die Ostgebiete leiten, keiner darf mehr nach Amerika auswandern. Die Schweizer lassen sich allerdings nur als Gastwirte verwenden.

Er hat bisher geglaubt, eine Wehrmacht könne ohne Fleisch nicht auskommen. Jetzt erfährt er, daß die römischen Soldaten fast nur von Getreide gelebt haben. Es gibt nichts Schöneres als die Gartenwirtschaft.

Er hofft, daß in zehn Jahren mindestens 10 bis 15 Millionen Deutsche mehr auf der Welt sind; ob Mann oder Frau ist ihm gleichgültig. Die Ukraine und dann das Wolgabecken werden einmal die Kornkammer Europas sein.

Er hat keine unmäßigen Ziele. Er möchte niemand leiden sehen und keinem weh tun. Aber wenn die Art in Gefahr ist, dann tritt an die Stelle des Gefühls die eiskalte Vernunft.

Er ist kolossal human. Aber wenn die Juden nicht freiwillig gehen, sieht er nur die absolute Ausrottung. Warum haben sie den Krieg angezettelt?

Er hat noch nie Gefallen gefunden daran, andere zu schinden. Aber er sieht ein, daß es ohne Gewalt nicht möglich ist, sich zu behaupten.

Die Kirche ist ihm zu grausam. Es kann allerdings mit dieser Sache noch 100 bis 200 Jahre dauern (hier wird er seine Meinung ändern). Er muß nur verhindern, daß eine neue, noch größere Lüge entsteht: Die jüdisch-bolschewistische Welt muß zerbrechen]

Er hat trotz seines materiellen Elends als junger Mann geistig in Palästen gelebt. Damals ist ihm das Bild S.180 vom Neubau der Stadt Berlin entstanden, vielleicht einem gänzlichen Neubau am Müritzsee in Mecklenburg.

Er sagt: "Ich will Baumeister sein. Feldherr bin ich wider Willen."

Die Hohenzollern hätten die Habsburger Monarchie dem russischen Streben nach dem Balkan aufopfern müssen. Er ist der Sozialdemokratie dankbar, daß sie die höfischen Interessen der Hohenzollern beseitigt hat. Er hätte vielleicht so nicht auftreten können (wieso nicht, er ist doch immer "eiskalt"?). Gegen Habsburg ja, das war für ihn, den in Österreich geborenen, ein fremdes Haus.

Er wird niemanden hindern, sich das Leben zu nehmen.

Hätte man ihn in Landsberg nicht eingesperrt, hätte er keine Zeit gehabt, über die Naturgesetze nachzudenken. Vielleicht hätte er sie dann gar nie erkannt. Es war also ein schwerer Fehler, ihn einzusperren.

Er sagt: "Würden wir uns nicht den Naturgesetzen anpassen, uns mit dem Recht des Stärkeren durchsetzen, dann könnten eines Tages die wilden Tiere uns wieder auffressen, und später fräßen Insekten die wilden Tiere, und es blieben endlich nur die Mikroben."

Unser Ostwall muß aus lebenden Menschen bestehen.

Heute geht es wieder um die Naturschätze (der Führer war nicht dumm).

Er hofft, daß die Wochenschau künftig von den fähigsten Menschen gemacht wird, die es überhaupt gibt.

Der Bolschewismus geht am Fehlen einer Panzerabwehr zugrunde.

Der Mensch ist vielleicht die gefährlichste Mikrobe, die man sich denken kann: Die ganze Erde nimmt er aus, ohne danach zu fragen, was kommt (der Führer als Grüner).

Anspruchslosigkeit ist der Feind jeden Fortschritts (der Führer als Nicht-Grüner).

Er sagt: "Ich denke über militärische Dinge jetzt im Durchschnitt zehn Stunden am Tag nach ... Ich kann nicht sagen, daß sich in den Kriegsjahren in mir die Meinung, ich sei entbehrlich, verstärkt hätte. Wäre ich nicht gewesen, so wären die Entschlüsse, denen wir heute unser Dasein verdanken, eben nicht gefaßt worden."

Am besten läßt man das Christentum langsam verklingen, das hat dann auch noch etwas Versöhnendes (er muß einen guten Tag gehabt haben).

Die erste Ursache des Gleichbleibens unserer Währung wird das KZ sein.

In 300 Jahren wird der Ostraum eine blühende Parklandschaft von ungewöhnlicher Schönheit sein (wo die Pistole des Polizisten locker sitzt).

Die Ureinwohner müssen wir als Indianer betrachten. Wir essen auch kanadischen Weizen und denken nicht an die Indianer.

Der Himmel kennt nur die Kraft.

Mag man die Taten unserer Wehrmacht vergessen. Die Bauten, welche Berlin erhält, sollen nach 1000 Jahren wie heute ihren Ruhm verkünden: der Triumphbogen, die Soldatenhalle, die Halle des Volkes]

Die Wirtschaft besteht überall aus den gleichen Halunken, eiskalten Geldverdienern. Die Wirtschaft kennt den Idealismus bloß, wenn es sich um die Löhne der Arbeiter handelt: "Was, Sie wollen Erhöhung, wo bleibt da der Idealismus?" (der Führer als Arbeiterführer).

Kolonien? Nur unser Kamerun will er haben, sonst nichts (schließlich braucht er eine Kolonie, wo der Kaffee herkommt, im übrigen ist er autark).

Das Christentum war der Vorbolschewismus, die Mobilisierung von Sklavenmassen durch den Juden zum Zwecke der Aushöhlung des Staatsbaus. Deshalb haben sich die anständigen römischen Elemente von der neuen Lehre auch ferngehalten. Jesus war kein Jude. Rom wurde bolschewisiert.

Er will ein Netz von wetterfühligen Leuten, Schäfern und Lehrern, errichten, damit er endlich einmal eine präzise Wettervoraussage bekommt (und bei Tagesanbruch losschlagen kann).

Wer die Reichskanzlei betritt, muß das Gefühl haben, vor den Herrn der Welt zu treten (gar nicht kleinlich).

Zu Himmler und Heydrich am 25. 10. 1941: "Vor dem Reichstag habe ich dem Judentum prophezeit, der Jude werde aus Europa verschwinden, wenn der Krieg nicht vermieden bleibt. Diese Verbrecherrasse hat die zwei Millionen Toten des Weltkrieges auf dem Gewissen, jetzt wieder Hunderttausende. Sage mir keiner: Wir können sie doch nicht in den Morast schicken]" (aber in die Gaskammer). "Wer kümmert sich denn um unsere Menschen? Es ist gut, S.182 wenn uns der Schrecken vorangeht, daß wir das Judentum ausrotten. Der Versuch, einen Judenstaat zu gründen, wird ein Fehlschlag sein."

Mit unseren 400 Millionen nehmen wir es auf gegen die 130 Millionen Amerikaner.

Die Jagd ist nicht populär. Zu einem Jagdgenossen des Außenministers Graf Ciano: "Was habt ihr nun da geschossen, Adler, Löwen?" SS-Gruppenführer Wolff: "Nein, ganz gewöhnliche Karnickel." Führer: "Das wird eine Freude sein jetzt unter den Karnickeln: Die Luft ist rein]"

"Wir brauchen einen Übungsplatz mit mehr oder weniger kriegsmäßigen Bedingungen. Ich habe dafür die Pripjetsümpfe im Auge, ein Gebiet von 500 km Länge und 300 km Tiefe" (der Führer war auch verrückt).

Als die Entwürfe zum Bau der Oper in Berlin publiziert wurden, da hat ihm als jungem Mann das Herz geklopft, weil er sich sagte: "Viel schlechter als das, was du selbst geplant hast."

Tadel des Führers, es hätte ein Diplomat mit Martha Dodd, der Tochter des früheren amerikanischen Botschafters in Berlin, poussieren müssen. So hätte man wenigstens etwas erfahren können.

Keitel: "War sie denn wenigstens hübsch?" v. Puttkamer: "Widerwärtig]" Der Führer: "Ja, das muß man überwinden, lieber Freund, da muß man schon so was in Kauf nehmen, für was werden die Leute bezahlt] Wäre es anders, so ist das ja kein Dienst mehr, sondern Wollust und damit zu verurteilen] Und es bestünde wieder die Gefahr, daß er sich mit ihr verheiratet" (der Führer hatte auch Witz).

Unsere Generaldirektoren sind doch oft alle selber Arbeiter gewesen (hier scheint er nicht gut informiert).

Unsere deutsche Sprache wird in hundert Jahren die europäische Sprache sein.

Wir leben davon, daß Italien keine Bäume mehr hat. Die warmen Winde kämen sonst nicht zu uns (der Führer ist Spezialist).

Wien hat heute noch Strolche, wie sie in keiner anderen Stadt existieren (hier spricht der Fachmann).

Der Richter soll die Wahrheit erforschen; da er doch Mensch ist, kann er das nur entweder intuitiv oder überhaupt nicht (wird oft so gehandhabt).

Eine Kröte ist ein entarteter Frosch.

Unsere Vorfahren waren entartete Bauern.

Die englische Unterschicht ist rassisch minderwertig.

Mit 30 Jahren kann einer auch eine Armee nicht führen (siehe Napoleon).

Rasputin hätte dem slawischen Element einer gesunden Lebensbejahung Geltung verschafft (Lenin also ausgepunktet).

Die neue Welt wird vegetarisch sein, dies an die Adresse der "Fleischfresser". Er hätte aber den Nationalsozialismus in Deutschland nicht erfolgreich durchsetzen können, wenn er die Fleischkost verboten hätte.

Mit unserer heutigen Justiz würde unser Reich bereits dem Zerfall ausgeliefert gewesen sein, hätte er nicht durch staatliche Selbsthilfe ein Korrektiv geschaffen (was er wohl meint?).

Voraussetzung des Richter-Königtums ist, daß die Richterschaft rassisch so homogen ist, daß für die Rechtsprechung eine Rahmenanweisung genügt.

Eine seiner drei Sekretärinnen, Gerda Daranowski, meint, wenn eine Deutsche einen Juden zum Mann genommen habe, stehe sie doch auf jeden Fall außerhalb der Volksgemeinschaft. Dazu der "Chef": "Sagen Sie das nicht. Vor zehn Jahren hatte unsere ganze intellektuelle Welt noch keine Vorstellung davon, was ein Jude ist." Viele Juden seien sich auch des destruktiven Charakters ihres Daseins nicht bewußt gewesen. Auch er wisse nicht, welchen Sinn die Einrichtung habe, daß der Jude ganze Völker zerstöre. Nur, wer Leben zerstört, setzt sich dem Tode aus, und etwas anderes geschehe auch ihnen nicht.

Julius Streicher, so der "Chef", hat den Juden (in seinem "Stürmer") zeichnerisch idealisiert. Der Jude ist viel gemeiner, viel blutgieriger, viel satanischer, als Streicher ihn dargestellt hat (er glaubt das also wirklich).

Die Juden sind das auserwählt dümmste Volk: Sie hätten um Gottes willen diesen Krieg nicht anstiften dürfen. Aus Europa werden sie nun verschwinden.

Der Panzer wird das Ende des Krieges nicht mehr erleben.

Roosevelt ist wirklich geisteskrank (führt jetzt Krieg mit Hitler). Auch Churchill ist geisteskrank, ein verkommener Journalist.

Daß das Abpraller-Schießen eine verheerende Wirkung hat, wußte er nicht. Keitel hat ihm das eingetrichtert (ausnahmsweise hat er einmal etwas nicht besser gewußt).

Bis zum 7. Januar 1942 gibt es in Hitlers Monologen keine Anspielung auf die miese militärische Lage. Die Deutschen waren am 7. November 1941 vor Moskau im Schlamm steckengeblieben, Hitlers Armee verdiente sich rückwärts humpelnd den "Gefrierfleischorden".

Der "Chef" am 7. Januar 1942: "Nur ein einziger Staat kann in diesem Krieg nichts gewinnen und nur verlieren: England" (wie bitte? und Stalin?).

Zu den Japanern (die gerade Pearl Harbor überfallen haben) hat er keine innere Beziehung. Sie sind ihm in Kultur und Lebensform zu fremd.

Der "Chef" am 10. Januar: "Amerika ist für uns nur eine Frage des eisernen Durchhaltens."

Am 15. Januar, abends: "Gewinnen wird in diesem Krieg, wenn überhaupt gewonnen wird, nur Amerika, verlieren nur England"; ein Anfall von Defätismus? Mitnichten:

In der Nacht vom 15. auf den 16. Januar: Er wird das Protektorat übernehmen über eine neu zu bauende Stadt S.184 unmittelbar neben Drontheim und dort das nördlichste Kulturzentrum des Reiches aufbauen. Schließlich, Kriege kommen und vergehen, nur die Werke der menschlichen Kultur bleiben (also doch etwas melancholisch?).

Er kann Sachen, die er vor zehn Jahren geschrieben hat, heute gar nicht mehr lesen] (Siehe da, ein Mensch])

Am 17./18. Januar, nachts: Sein Vorgänger im Oberbefehl des Heeres hat keine Nerven gehabt (Generalfeldmarschall Brauchitsch, Schuldige gesucht).

Jetzt ist er Oberbefehlshaber. Die Vorsehung hat eingegriffen, sonst wäre er mit seiner Armee noch 600 Kilometer weitergelaufen. Die Vorsehung hat ihn vor dieser Katastrophe bewahrt (das nennt er seinen "Berge versetzenden Optimismus").

18./19. Januar, nachts: Was für ein Glück für die Regierenden, daß die Menschen nicht denken] Denken gibt es nur in der Erteilung oder im Vollzug eines Befehls. Wäre es anders, so könnte die menschliche Gesellschaft nicht bestehen. Er, und nicht Dr. G. (Goebbels), wird am 30. Januar im Berliner Sportpalast die Rede halten. Er trifft für die Soldaten den richtigen Ton (der Klumpfuß natürlich nicht).

Er wäre Künstler oder Philosoph geworden, hätte er nicht Führer werden müssen. Es war ja aber kein anderer da.

26. Januar: Wer sich gegen die Gesellschaftsordnung wendet, den schießt er rücksichtslos nieder. Und auch darin ist er eiskalt: Wenn das deutsche Volk nicht bereit ist, für seine Selbsterhaltung sich einzusetzen, ganz gut, dann soll es verschwinden.

28. Januar: Er schämt sich vor Friedrich dem Großen, der einer zwölffachen Übermacht gegenüberstand. Diesmal hat er doch die Übermacht] (Ja, woran liegt es denn dann?)

8. Februar: Der größte Krebsschaden sind die Pfarrer beider Konfessionen. Es wird der Moment kommen, wo er mit ihnen abrechnet. Über juristische Zwirnfäden wird er dabei nicht stolpern (keine Rede mehr von "versöhnlich" und "langsam verklingen").

19./20. Februar: Er wird den Juristen und Ärzten hinsichtlich der Russen Gewalt antun: nicht impfen, nicht waschen] Dafür Schnaps und Tabak]

20./21. Februar: Man muß der Vorsehung dankbar sein, daß man jetzt lebt und nicht vor 300 Jahren, wo in jedem Ort die Scheiterhaufen brannten (unter ihm werden keine brennen?).

22. Februar, zu Himmler: Der gleiche Kampf, den Pasteur und Koch haben kämpfen müssen, muß heute von uns geführt werden. Zahllose Erkrankungen S.186 haben die Ursache in einem Bazillus: dem Juden]

26. Februar: Weltpolitik kann erst der machen, der den Rücken ganz frei hat.

"n der Nacht zum 27. Februar dann der große Erleichterungsschrei: " " Am Sonntag ist der 1. März. Kinder, ihr wißt nicht, was das " " für mich bedeutet] Wie haben diese drei Monate an meiner " " Nervenkraft gezehrt] Heute kann ich es sagen: In den zwei " " ersten Dezember-Wochen haben wir tausend Panzer verloren, " " zweitausend Lokomotiven sind ausgefallen; weil alles versagt " " hat, bin ich zum Lügner geworden, ohne gelogen zu haben. Ich " " sagte, es kommen Züge; die Eisenbahn bringt Wagen und " " Lokomotiven auf, aber die Lokomotiven schaffen es nicht] Ich " " sagte, es kommen Panzer; aber die Panzer gehen kaputt] Jetzt " " im Süden weiß ich, was ich da hinschicke, kommt an, es kann " " nichts mehr passieren. Wie habe ich mir diesen Tag " " herbeigewünscht: Wenn der Januar und der Februar hinter uns " " liegen, müssen die anderen die Hoffnung darauf begraben, daß " " wir das Schicksal Napoleons erleiden] Jetzt ist es geschafft] " " Und ich werde ihnen das heimzahlen] Ich habe es wieder " " gesehen, wenn alle die Nerven verlieren, bin schließlich " " allein wieder ich der, welcher standhält] "

Jetzt kann er wieder sorgenfrei vor sich hinspinnen.

27. Februar, abends: Er findet Himmlers Ostland-Theorie außerordentlich korrekturbedürftig. Heinrich der Löwe habe verhindert, daß ganz Norditalien germanisiert werden konnte, habe nicht mit dem Kaiser an einem Strang gezogen. Der Westen sei rassisch zum großen Teil sowieso germanisch.

11./12. März, in dem letzten Gespräch vor der Protokollpause, die am ". August enden wird: Ich bin überzeugt, wenn ich Raucher wäre, i"h " würde den Sorgen nicht standgehalten haben, die mich seit so " " langer Zeit belasten. Vielleicht verdankt dem das Deutsche " " Volk seine Rettung] "

"at ihm also die Vorsehung das Rauchen abgewöhnt? Berlin wird als" " Welthauptstadt nur mit dem alten Ägypten, Babylon oder Rom " " vergleichbar sein] Was ist London, was ist Paris dagegen] "

Am 1. August 1942, Stalingrad schon in Reichweite, geht es mit den Aufzeichnungen und mit den Ausrottungs-Phantasien weiter. Die Bibelforscher sind asoziale Elemente, sie müssen ausgemerzt werden. Die Schweiz, eine Eiterbeule, es geht mit ihr so nicht weiter. Schweden ein Lausestaat, muß verschwinden.

Auch den Kampf mit den christlichen Kirchen will er nun ein für allemal noch selbst zum Austrag bringen: "Dieses Reptil muß man zertreten."

"r phantasiert: Man müßte demnächst einmal ein Buch schreiben: De" " Idealstaat der Zukunft, ein Zucht- und Ernährungsproblem. Der " " normale Bürger wird, damit man ihn leicht regieren kann, mit " " Gras gefüttert] Sicher ist, daß die Tuberkulose bei Vieh, das " " im Stall steht, weit mehr verbreitet ist als bei Vieh auf der " " Weide. In meiner Heimat bilden sich die Alpenbauern ein: Ja " " keine großen Fenster, kein Licht, sonst bekommt man weniger " " Milch] In Norddeutschland, wo das Vieh vollkommen im Freien " " lebt, gibt es nahezu keine Tuberkulose] "

"r entwirft Science-Fiction-Filme: Wenn dieser Krieg zehn Jahre " " dauern würde, so würden die Flugzeuge alle über 8000 bis 10 " " 000 Meter hoch fliegen. Der Seeverkehr würde unter dem Meer " " vor sich gehen. Die normale Welt würde ein ganz angenehmes " " Leben führen. Ein Streit, von dem man nichts mehr sieht] " " England würde ein Trümmerhaufen sein, in Deutschland gehörte " " jeder Mann und jede Frau zu einer Flak-Bedienung. Wenn wir " " jedes Jahr 5000 Geschütze mehr erhalten: Jedes unserer Dörfer " " hat dann seine Flak. Scheinwerfer kommen dazu, das ganze " " Deutsche Reich ist in eine Quadratur geteilt: Mit Spiegeln " " geblendet sieht der Flieger nur lauter Licht] Wenn man alle " " 500 Meter im Quadrat 4 Spiegel aufstellt, da ist schon " " allerhand zu machen] Vor dem Krieg, als ich sagte, daß wir " " auf solche Zahlen kommen] "

Aber die Zeichenschrift an der Wand kann auch ein Hitler nicht ganz verkennen. Das Italien des Duce ist eben doch nicht das Rom der Antike, es schlingert. Bei den Midway-Inseln hat Admiral Nimitz Japans Seemacht gebrochen.

Hatte er früher noch moniert, es sei der Fehler bolschewistischer Orgien gewesen, die Intelligenz auszurotten, so widmet er Stalin "etzt folgende Eloge: Wenn Stalin noch zehn bis fünfzehn Jahre an" " der Arbeit geblieben wäre, wäre Sowjetrußland der gewaltigste " " Staat der Erde geworden, da können 150, 200, 300 Jahre " " vergehen; das ist so eine einmalige Erscheinung] Daß der " " allgemeine Lebensstandard sich gehoben hat, daran ist kein " " Zweifel. Hunger haben die Menschen nicht gelitten. Alles in " " allem gesehen, muß man sagen: Die haben Fabriken hier gebaut, " " wo vor zwei Jahren noch unbekannte Bauerndörfer waren, " " Fabriken, die die Größe der Hermann-Göring-Werke haben. Sie " " haben Eisenbahnen, die sind gar nicht eingezeichnet auf der " " Karte. Bei uns streitet man sich um die Tarife, bevor die " " Bahn gebaut ist. Ich habe ein Buch über Stalin; man muß " " sagen: Das ist eine ungeheure Persönlichkeit, ein richtiger " " Asket, der mit einer eisernen Faust dieses Riesenreich " " zusammengefaßt hat. Nur wenn einer sagt, das ist ein sozialer " " Staat, das ist dann ein ungeheurer Schwindel] Das ist ein " " staatskapitalistischer Staat: 200 Millionen Menschen, Eisen, " " Mangan, Nickel, Öl, Petroleum, und was man will - unbegrenzt. " " An der Spitze ein Mensch, der sagte: Finden Sie den Verlust " " von 13 Millionen Menschen zuviel für eine große Idee? "

Am 6. September, kurz vor Schluß der Vorstellung, folgende Notiz vom S.189 Mittagessen: "Die Russen haben einen Fehler gemacht: Sie haben sich auf Stalingrad geworfen]"

Der Knaus-Verlag hat die "Monologe" mit einer Einführung von Professor Werner Jochmann versehen, Jahrgang 1921 und Leiter der staatlichen "Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg".

Jochmann, ein Schüler Fritz Fischers, ist nicht verdächtig, Hitler-Anhänger je gewesen oder geworden zu sein. Aber er schreibt, als wäre er es. Er meldet uns erstaunliche Dinge: "Hitler hat bei den Gesprächen mit den wenigen Menschen seiner Umgebung im Führerhauptquartier gespürt, daß die Bereitschaft zum härteren und kompromißloseren Vorgehen gegen Außenseiter oder Feinde des Regimes wuchs, je schwerer der Krieg wurde und je mehr Opfer er verlangte."

Der Satz grenzt an eine Verherrlichung des Naziregimes. Aus den "Monologen" geht hervor, daß die Anwesenden, zu Statisten degradiert, nur die Geräuschkulisse hergaben.

Jochmann findet beispielsweise heraus, daß Hitler "auch später immer wieder mit der Justiz unzufrieden" war, daß er "ausgezeichnet informiert" gewesen sei und "der Kunstförderung sein Interesse geschenkt" habe. Angesichts des Kontextes der Hitlerischen Bestrebungen wird man dies eine recht volksschülerhafte und im übrigen falsche Darstellung nennen dürfen.

Man verlangt ja nicht Schaum vorm Mund. Aber man bekommt eine Verniedlichung der Hitlerischen Ungeheuerlichkeiten zu lesen, wenn ein Zeitgeschichtler Anno 1980 zu Papier bringt, Hitler habe während seiner Monologe "Kontakt zu seinen Ratgebern und Mitarbeitern" gesucht, wenn er sich Klarheit über die Grenzen seines Handelns habe verschaffen wollen.

Jochmann erwähnt hier ausdrücklich Hitlers "Ausführungen über die Rechtsprechung und die besonderen Probleme des Strafvollzugs unter den Ausnahmebedingungen des Krieges". Man ist versucht, sich Hitlers Bierbank-Urteil über die Professoren zu eigen zu machen.

Die ewige Stammtisch-Kannegießerei gegen Lehrer, Juristen, Beamte, Diplomaten, Bürokraten, gegen Experten, Studierte und Intellektuelle überhaupt, nicht nur bei Hitler anzutreffen, meist auf dem Niveau des preußischen Feldmarschalls Wrangel, wird bei Jochmann so beschrieben:

"Er besaß auch in der Abgeschiedenheit seines Hauptquartiers noch ein Gespür für die Stimmung im Lande und für die Bewußtseinslage der einzelnen Gruppen und Schichten. Daher seine wiederholte harte Kritik an der Verwaltung und ihrem Schematismus, die von Teilen der Bevölkerung geteilt wurde, sein Spott über die Sorgen und Einwände der Experten auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, sein Ärger über die Deutschen, die angesichts der Judendeportationen und der Verfolgungsmaßnahmen in den besetzten Gebieten Furcht und Abscheu zeigten."

Verständnisvoller kann man dem Führer nicht folgen. Hitlers pubertäre Wahnvorstellungen sind bei Jochmann "weltanschauliche Ziele". Die "Anwürfe gegen die Kirchen und das Christentum fielen nicht zuletzt deshalb so scharf aus, weil Hitler keineswegs areligiös war, sondern an einen Schöpfer glaubte, im Gegensatz zu den Christen jedoch davon überzeugt war, dessen Willen zu kennen und zu vollstrecken".

Nicht einmal das stimmt. Er glaubte nicht an einen Schöpfer. Hitler machte sich Gedanken, warum wohl "die Vorsehung" den Juden dazu bestimmt hätte, die Völker zu verderben.

Er glaubte an das Naturgesetz, an einen kruden Sozialdarwinismus, und an gar nichts sonst. Daß die entpersönlichte Seele in einen großen kollektiven Seelenpool eintauchen könnte, hielt er für möglich, aber der einzelne hat davon nichts, er ist mausetot.

Im übrigen liebte er die große Oper, alle berühmten Bühnenbildner mußten vom Wehrdienst freigestellt werden. Und so antwortet er "einer Sekretärin Christa Schroeder: Irgendwie kommen wir ja um d"n " Begriff Gott nicht herum] Wenn ich Ruhe dazu habe, will ich " " mich einmal daranmachen, die Sätze zu prägen, welche - " " gleichbleibend - bei den großen Augenblicken im Leben des " " einzelnen gesprochen werden sollen. Es muß das wunderschön " " sein im Gedanken und in der Form, etwas Einmaliges, das man " " sonst nie zu hören bekommt. "

Da dürfen wir denn mit Jochmann ahnen: "Von der Richtigkeit dessen überzeugt, was er erstrebte, ließ er keine Milde und Nachsicht aufkommen. Er verstand die Menschen mit ihren Fehlern und Schwächen, verbot sich S.191 und anderen aber, ihnen Rechnung zu tragen. Sein Regime stand nicht im Dienst der Menschen, sondern die Menschen wurden seiner Weltanschauung dienstbar gemacht."

Es mag ja Historiker geben, die in der Erforschung des Nationalsozialismus Vorzügliches leisten, sich aber hinsichtlich der Natur des Führers Adolf Hitler entweder nicht auskennen oder nicht "ussprechen können. Jochmann schließt seine Einführung so: In den" " letzten Jahren sind mancherlei Versuche zur Revision des " " Hitler-Bildes unternommen worden. Danach erscheint der Führer " " des Dritten Reichs als der Mann des Friedens (]), als " " Förderer der Künste und Baumeister eines neuen, schöneren " " Europas (]). Belege für diese Thesen lassen sich auch in den " " hier veröffentlichten Monologen durchaus finden (]). Und es " " besteht kein Zweifel, daß Hitler bis zum Schluß Menschen für " " sich und seine Ziele zu gewinnen und zu begeistern verstand. " " Aber wer diese Gesprächsvermerke aufmerksam (]) liest, kann " " sich auch nicht der Erkenntnis verschließen, daß er das Glück " " künftiger Generationen (]) auf dem Unglück derer aufbauen " " wollte, die er zu Feinden erklärte oder die nicht so " " handelten und glaubten wie er. Auf dem Weg in seine Zukunft " " (]) blieben als Opfer nicht nur Feinde (]), sondern auch " " begeisterte Anhänger und treue Gefolgsleute zurück (]). "

Ausrufungszeichen samt und sonders von mir. Wer über Hitler so schreibt, hat nichts begriffen.

Ja, die "Monologe" zeigen uns, mehr noch als die "Tischgespräche", einen oft überraschenden Hitler. Daß ein solch manischer Vernichter und Selbstvernichter auch menschliche Züge aufweisen kann -- wer hätte das gedacht?

Dieser Arbeiterführer, der das Kastensystem auf seinen Kriegsschiffen -vier verschiedene Küchen -- beklagt, verhöhnt die Minister der Weimarer Republik wegen deren Sparsamkeit und spottet über die an Geld und Gut Armen, die sich gegen die herrschende Klasse auflehnen. Nach dem Krieg will er seinen Fuhrpark mit 200 Wagen ausstatten.

Eine solide Halbbildung hatte er auf vielen Gebieten. Er weiß viel von Bildern, öffentlichen Gebäuden und Stadtanlagen. Dichter sind in seiner Vorstellung überflüssig. Aber er kennt und liebt spezielle Musik; den "Tristan", behauptet er, hat er 30- bis 40mal gesehen (bisken ville).

Als Schüler in Wien hat er immer nur die wenigen besten Vorstellungen besucht, weil er sich viele billige nicht leisten konnte. An Beethovens Kopf sieht er seine Theorie bestätigt, daß der Germane die Organisation und der Slawe die Musikalität beisteuert, ein halber Slawe also, dieser Beethoven.

Den Generalmusikdirektor Fritz Busch in Dresden hätte er gern dort behalten. Aber der Gauleiter Mutschmann, dieser Banause, hat den Künstler 1933 hinausgeekelt.

Mutschmann, laut Hitler, wollte dem Busch alte Parteigenossen ins Orchester setzen. Die Sache war etwas anders: Busch wollte an seinen jüdischen Musikern festhalten und emigrierte.

Als Hitler in Bayreuth den Juden Schorr in der Rolle des Wotan erleben mußte, hat er sich so geärgert, daß er Bayreuth jahrelang ferngeblieben ist, trotz der innigen Bitten von Frau Winifred: "Für mich war das Rassenschande."

Zeitlebens ist er ein Feind des Schnees. Aber nun muß er "wegen dem Sau-Osten" das Skifahren kolossal fördern. Er ist auch ein Feind der Jäger, vorzüglich, wenn sie Diplomaten sind. Allenfalls die Wilderer mag er anerkennen. Lieber möchte er eine Truppe von Wilderern anführen als eine Truppe von Richtern, die Wilderer verurteilen (da steht er wohl nicht allein).

Als junger Mensch hat er 20 bis 40 Zigaretten pro Tag geraucht. Heilfroh war er, daß er sein knappes Geld von einem Tag auf den anderen in bekömmlichere Kost umgesetzt hat.

Seitdem verursacht ihm das Rauchen anderer Leute Bakterien. Wie kann nur der Reichsmarschall, eine Art Renaissance-Mensch immerhin, sich mit einer Pfeife im Munde photographieren lassen, was sollen die Leute da denken] Will Göring ein Denkmal, wo er eine Zigarre im Munde hat?

Er mag, wenn überhaupt, nur ein Glas süßen Wein, keinen solchen Rachenputzer wie sein Freund Heinrich Hoffmann, der jede Schlange vergiften würde, wenn sie ihn bisse.

Seinen "alten Herrn" hat er durch das Rauchen verloren. Der war ein fanatischer Imker. Als einziger, wenn auch unzulänglicher Schutz gegen die Bienen diente dem der Tabakqualm. Auch seinen liebsten Spezi, den Leibphotographen Hoffmann, wird er demnächst durch das Rauchen verlieren (der wurde 72 Jahre alt).

Wenn Hoffmann, Goebbels und der Reichsleiter Amann, sein Pressezar, beisammensitzen, dann gibt es sogleich Gelächter. Auch im Krieg hat man viel gelacht, Amann war damals sein Feldwebel. Am Tag vor dem Abmarsch an die Somme haben sie wie verrückt Schuhplattler getanzt, einen sehr männlichen Tanz.

Sport mag er nicht treiben, und er hat da eine einleuchtende Theorie: S.193 "Ich hasse alle diese Leute, die sportlich sich betätigen." Er will keine lächerliche Figur abgeben wie der Duce, wenn der schwimmen geht. Lieber sollte der sein Italien steuern. Bismarck habe auf das Ansinnen gesagt, er solle baden gehen: "Ich glaube, ich könnte es tun, aber ich finde, es wäre nicht richtig, man würde Anforderungen stellen, denen ich nicht genügen würde." (Bismarck jagte und ritt nun allerdings ausdauernd.)

Da fällt doch dem Furtwängler eines Tages ein, er müsse Ski fahren. Das ist genauso, als ob er, der Führer, plötzlich dirigieren wollte] "Er muß einen Slalomlauf machen, bumms, liegt er da." Wenn Leute sehr berühmt sind, dann erwartet man was von ihnen.

Auto fährt er auch nicht. Er kann nicht zwölf Stunden am Steuer sitzen und dann eine Rede halten (müßte er auch nicht). Außerdem sei er 1923 "politisch gestrauchelt", und für die bayrische Regierung hätte es keine größere Freude gegeben, als ihn wieder ins Loch zu stecken. (Vor nichts hätten die größere Manschetten gehabt.) Was hat er dann für Liebhabereien? Zweierlei, elegante Autos und Schäferhunde. Er ist, sagt er, ein "Narr der Technik".

Er fährt die schönsten Wagen. Er ist, sagt er, ein Autonarr. Richtig verliebt war er in seinen Mercedes-Kompressor. 26 000 Mark, und das 1924]

Auch einen wunderschönen Benz hat er gefahren. Aber schneller als 80 Kilometer sollte man nicht fahren, sonst derschmeißt es einen eines Tages. Früher hat er alle die autotechnischen Fachzeitschriften gelesen.

Er resümiert: "Das Auto hat mir mit die schönsten Stunden meines Lebens geschenkt, das muß ich wirklich sagen: Menschen, Landschaften, Denkmäler." Viel Picknick, wenig wandern, obwohl er zum Wandern mehr als einmal auffordert, hierin zumindest rhetorisch ein Vorgänger des Bundespräsidenten Karl Carstens.

Aber er ist auch ein Tierliebhaber (mit Ausnahme der Pferde). Hunde hat er besonders gern, besonders Schäferhunde. Zu einem Boxer hätte er (wie zu den Japanern) kein inneres Verhältnis.

Am liebsten gewöhnt sich ein Hund an einen neuen Herrn, wenn schon ein anderer Hund da ist. Ja, wenn er nur riecht, daß sein neuer Herr vorher einen Hund hatte, tut man sich mit dem neuen Hund viel leichter.

Wenn ein Hund mit umflorten Augen vor sich hin stiert, die Augen voller Wasser, dann weiß man, er denkt an das, was war. Der Mensch versteht zwar den Hund nicht, aber der Hund versteht den Menschen.

Sein Foxl in Fromelles, er konnte ihn nicht mehr mit nach vorn an die Front nehmen, denn da war der Gaskrieg. Kam er aber nach zwei Tagen zurück, so hatte das treue Tier auf ihn gewartet.

Der Foxl war ein richtiger Zirkushund und konnte viele Kunststücke, aber man hat ihm den Hund geklaut.

"Mit einer kolossalen Geduld -- er verstand nicht deutsch -- habe ich ihn an mich gewöhnt." Und mit Keks und Schokolade auch. Foxl hat nicht nur die Somme-, er hat auch die Arras-Schlacht mitgemacht.

Mit der Kriegsseife kann Hitler sich unbegrenzt die Hände waschen, ohne daß sie springen, mit Friedensseife nicht. "Aber wegen dem Hundevieh muß ich das."

Er würde niemals einen Spion empfangen, nie hat er sich eines Nachrichtendienstes bedient, nie würde er in den Wehrmachtsbericht eine Lüge hineinsetzen (war bis dahin auch nur selten nötig). Er ist gegen das Duell, ist dagegen, die Fremdwörter aus der deutschen Sprache zu entfernen; sonst würde unsere Sprache wie das Japanische "ein reines Gekrächze, ein Gegacker", eigentlich sollte er so ja nicht sprechen. Nur müßten die Fremdwörter phonetisch geschrieben werden. Wie schade, daß es die "Fliegenden Blätter" nicht mehr gibt]

Daß er, um auch in Norddeutschland anzukommen, nicht mehr "in der S.196 Wichs" gehen konnte, nicht mehr in kurzen Hosen, "kurze Wichs mit Halbschuh und Wadelstrümpfen", hat ihn echt gekränkt, "einer der schmerzlichsten Momente". Dies sei die gesündeste Kleidung, die es gebe. Eine SS-Standarte "Hochland" soll in Zukunft kurze Wichs tragen, und auch eine Hamburger Standarte, obwohl man nördlich Coburg die Sepplhose für eine Faschingstracht halte. Sein Problem war halt: Ein paar Wochen in Norddeutschland, und schon hatte er nicht mehr sonnengebräunte, sondern weiße Knie. Geht er dann wieder in der kurzen Wichs, belächeln ihn die Bayern.

Die langen Stiefel fand er "das Unbequemste", aber wie "Mein Führer]" werden, ohne lange Stiefel?

Das vielstündige Stehen mit durchgedrückten Knien bei den Parteitagen war ihm eine echte Qual. Er bräuchte einen Schutz gegen die Sonne. Das Grüßen mit dem ausgestreckten Arm hat er sich beim letzten Parteitag schon leichter gemacht. Der Ausweg: künftig Vorbeimarsch in Sechzehner-Reihe anstatt in Zwölfer-Reihe. Da spart er ein Viertel der Zeit. Nur: Er ist doch gewohnt, allen Männern ins Auge zu blicken]

Im Krieg nun muß er nicht mehr so lange paradieren. Die langen Stiefel trägt er nur, wenn er muß, und im übrigen ist er auf das zweitgrößte Übel, auf die bürgerliche lange Hose umgestiegen, ecce homo.

Daß Hitler Kinder liebte, über das übliche Getätschele hinaus, kann wohl nicht bewiesen werden. Er nahm sich oder hatte keine Zeit für sie.

Frauen teilte er, soviel man sieht, in drei Kategorien ein:

* "Vier Paradefrauen habe ich gehabt: Frau Troost,

( Gerdy Troost, Witwe von Speer-Vorgänger ) ( Paul Troost; )

Frau Wagner, Frau Scholtz-Klink,

( Gertrud Scholtz-Klink, ) ( Reichsfrauenführerin seit 1934. )

Leni Riefenstahl";

* gesellige Frauen, mit denen er sich sehen lassen konnte, oder Honoratioren-Frauen, die ihn förderten und bemutterten;

* liebe, etwas dümmliche Mädel wie Eva Braun, die ihn anbeteten und die er schlecht behandeln konnte.

Vielleicht war er, was Frauen anlangt, ein Spätentwickler. Während eines Kriegsurlaubs besucht er die Berliner Museen. Er war nämlich, so sagt er, in seiner Jugend "ein für sich gehender Sonderling".

Jetzt, 1942, so sagt er, 53 Jahre alt, kann er gar nicht mehr allein sein: "Am schönsten finde ich es, mit einer Frau allein zu speisen."

Obwohl der Kammerdiener Heinz Linge -- Hitler: "Vergißt viel" -- erst kürzlich wieder beteuert hat, Hitler und Eva Braun hätten wie Mann und Frau gelebt, muß man da zweifeln.

Linge hat die beiden in einer zärtlichen Umarmung überrascht, sie standen mitten im Zimmer, warum nicht. Aber der intimste Hitler-Kenner Heinrich Hoffmann, in dessen Photogeschäft Hitler Eva Braun kennengelernt hatte, ließ mich 1949, noch aus der Internierungshaft in Bayern, wissen, es sei zwischen den beiden nichts anderes gewesen, als daß sie angekleidet nebeneinander im Bett gelegen hätten. Erotik und Sex fand Hitler eher in seinen politischen Exzessen.

Da war nun aber die Mizzerl, ein bildschönes Mädel. Nur, er wollte ja unter gar keinen Umständen heiraten. "Das hat mich in jener (Anfangs-) Zeit dazu geführt, daß ich einige Chancen nicht wahrgenommen habe. Ich habe mich zurückgerissen." Nur, muß man, wenn man die Mizzerln liebt, gleich heiraten? Der Text, scheint''s, spricht eher für Hoffmanns These.

Er war ebenso höflich wie gutartig zu seinen Fahrern, Sekretärinnen, Dienern, Köchen. Er konnte auch nicht leiden, daß spielende Kinder von Autos überfahren wurden. Der Führer, nach allem, war auch nur ein Mensch und konnte sogar vernünftig sein, wie du und ich.

Ja, wir wissen es nun bis zum Überdruß: Hitler "vermochte in großen Zusammenhängen zu denken" (Jochmann), in zu großen, wie man gesehen hat. Die Frage ist ja, ob er überhaupt Sachen zu Ende denken, ob er nicht nur wollen konnte.

Er besaß "hohe intellektuelle Fähigkeiten" (zum letzten Mal Jochmann), so daß den bornierten Marinefritzen Raeder und Dönitz das Wasser in die Augen trat.

Nur, zu welchen Zwecken konnte er seine intellektuellen Fähigkeiten nutzen? Zu Wahnsinnstaten, für die man einen anderen in die Zwangsjacke gesteckt hätte. Wenn Tiervergleiche heute nicht suspekt wären, so dürfte man sagen, daß man diesen "Wolf" (so sein Kosename) wie einen und als einen tollwütigen Hund hätte erschießen sollen, schon vor 1933.

Wenn denn ein fleischgewordener Gottessohn für vorstellbar gilt, warum dann nicht dieser Menschensohn hier als die fleischgewordene Vernichtung?

Im nächsten Heft

beginnt der SPIEGEL mit dem Vorabdruck von Hitlers Monologen im Führerhauptquartier

S.176 "Adolf Hitler: Monologe im Führerhauptquartier 1941--1944", herausgegeben von Werner Jochmann; Albrecht Knaus Verlag, Hamburg; 480 Seiten; 39,80 Mark. * Vorn: Hitler-Sekretär Bormann; hinten: Außenminister von Ribbentrop. * S.189 Mit Winifred Wagner in Bayreuth. * S.193 Oben: mit Blondi, 1942; unten: mit Foxl, 1916. * S.196 Gerdy Troost, Witwe von Speer-Vorgänger Paul Troost; * Gertrud Scholtz-Klink, Reichsfrauenführerin seit 1934. *

DER SPIEGEL 10/1980
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Feldherr bin ich wider Willen