10.03.1980

„Feldberr bin ich wider Willen“

Adolf Hitlers Monologe im Führerhauptquartier 1980 Albrecht Knaus Verlag, Hamburg.
17./18. 10. 1941
Am 22. Juni (1941) hat sich uns ein Tor geöffnet, von dem wir nicht wußten, was dahinter liegt. Wir mußten mit einem Gas- und Bakterienkrieg rechnen, und die Ungewißheit lastete wie ein Grauen auf mir. Die Menschen dort sind etwas uns ganz Fremdes.
Alles, was nach Kultur aussieht, haben die Bolschewiken weggenommen, und ich empfinde nichts, wenn ich Kiew, Moskau und Petersburg (Leningrad) dem Erdboden gleichmache.
11./12. 7. 1941
Stalin ist eine der eigenartigsten Gestalten der Weltgeschichte. Er hat angefangen als kleiner Sekretär und hat nie das Büro verlassen, nie eine Rede gehalten. Vom Büro aus regiert er mit einer auf ihn eingestellten Bürokratie.
Es fällt auf, daß sich die russische Propaganda in der Kritik an uns noch immer sehr in Grenzen hält. Dieser schlaue Kaukasier ist bereit, das europäische Rußland dranzugeben, wenn er fürchten muß, sonst das Ganze zu verlieren. Man sage nicht, vom Ural aus kann er Europa zurückerobern. Das ist, wie wenn ich in der Slowakei säße und von da aus das Reich sollte erobern wollen.
25. 7. 1941, abends
England und Amerika werden einmal einen Krieg haben, und der wird mit dem denkbar größten Haß geführt werden. Eines von beiden Ländern wird verschwinden müssen.
27. 7. 1941, abends
Wir werden eisern darauf bedacht sein müssen, daß sich diesseits des Ural keine militärische Macht je mehr auftut: Unsere westlichen Nachbarn würden immer die Bundesgenossen unserer östlichen sein; so haben es die Franzosen mit den Türken gehalten, und so halten es jetzt die Engländer mit den Sowjets. Unter diesseits des Ural verstehe ich eine Linie von 200 bis 300 Kilometer östlich von ihm.
Es muß uns möglich sein, diesen Ostraum mit 250 000 Mann und dazu einigen guten Männern der Verwaltung zu beherrschen. Schauen wir uns nur die Engländer an, die mit 250 000 Menschen insgesamt -- Wehrmacht davon etwa 50 000 Mann -- 400 Millionen Inder regieren.
Immer soll dieser Raum auf deutsche Herrscher angewiesen sein. Nichts wäre verkehrter, als die Masse etwa erziehen zu wollen. Ein Interesse haben wir lediglich daran, daß die Leute, sagen S.182 wir, die Verkehrszeichen unterscheiden lernen; sie sind Analphabeten, und sie wollen es bleiben. Wohl aber müssen sie gut leben können; das ist unser eigenes Interesse.
Den Süden der Ukraine, die Krim besonders, wollen wir ganz ausschließlich deutsch besiedeln. Es macht mir keine Mühe, die dortige Bevölkerung anderswohin zu schieben. Der deutsche Siedler wird der Wehrbauer sein, und dazu nehme ich die Kapitulanten,
( Kapitulant: Soldat, der sich über die ) ( gesetzliche Dienstzeit hinaus zum ) ( Militärdienst verpflichtet. )
mögen sie bisher verwandt sein wie immer. Wir erhalten auf diesem Wege zugleich ein braves Unteroffizier-Korps, wie wir es brauchen.
Ihnen stellt, wenn sie Bauernsöhne sind, das Reich einen vollständig ausgerüsteten Hof zur Verfügung. Der Boden kostet uns nichts, wir müssen nur das Haus bauen. Diesen Betrieb "kauft" sich der Bauernsohn, mit dem ich das Land besiedeln will, durch seinen zwölfjährigen Dienst; die letzten zwei Jahre schon in Vorbereitung auf die Landwirtschaft.
Es knüpft sich daran nur die einzige Bedingung, daß der Kapitulant keine Städterin, sondern ein Landmädchen zur Frau nimmt, das möglichst gar nicht erst in der Stadt mit ihm gelebt hat. Diese Wehrbauern bekommen Waffen mit, so daß sie bei irgendwelcher Gefahr sofort als örtliche Waffenträger zur Verfügung sind.
So hat das alte Österreich mit dem Grenzer seine Ostvölker im Zaum gehalten. Zugleich ist der Wehrbauer der beste Lehrer dort. Jedenfalls ist der Unteroffizier ein besserer Lehrer für die Bauernkinder, als der heutige Lehrer ein guter Offizier ist.
2. 8. 1941, abends bei Tisch
Wie die Jägerei das Wild hegt, um es bei Gelegenheit umbringen zu können, so hegen die Juristen die Unterwelt. Die größte Gefahr ist die große Bedeutung, die der ersten Strafe beigemessen wird. Prügelstrafe wäre da wirklich viel besser als Freiheitsstrafe. Im Gefängnis und Zuchthaus kommt der Bestrafte gleich in die rechte Schule. Er wird belehrt, wie man es anstellen muß. Zunächst wird ihm gesagt, wie blöd er das angefangen hat. Der weitere Aufenthalt ist ein fortgesetzter Unterricht.
19. auf 20. 8. 1941, nachts
Wenn man dem deutschen Volke etwas Gutes wünschen will, dann wäre es, alle fünfzehn bis zwanzig Jahre einen Krieg zu haben. Eine Wehrmacht, deren einziges Ziel es ist, den Frieden zu erhalten, führt zu einem Soldat-Spielen -- man betrachte nur Schweden oder die Schweiz --, oder sie wird eine Gefahr im Sinne revolutionärer Einstellung.
Wenn man mir vorhält, hundert- oder zweihunderttausend Menschen sind durch deine Kriegführung ums Leben gekommen, so kann ich dem entgegenhalten: Durch meine bisherige Tätigkeit hat die deutsche Nation schon über zweieinhalb Millionen Menschen mehr bekommen.
Verlange ich zehn Prozent davon als Opfer, habe ich neunzig Prozent gegeben; ich hoffe, daß wir in zehn Jahren mindestens zehn bis fünfzehn Millionen Deutsche mehr auf der Welt sind; ob Mann oder Frau, ist gleichgültig; ich schaffe die Lebensvoraussetzungen.
Das Leben ist grausam. Werden, Sein und Vergehen, es ist immer ein Töten; alles, was geboren wird, muß wieder sterben, ob durch Krankheit, Unfall oder Krieg, es bleibt das gleiche. Nur können die, denen der Krieg Wunden geschlagen hat, einen Trost finden darin, daß ihr Opfer um der Zukunft des Volkes willen gebracht ist.
Viele große Männer waren die sechsten, siebenten Kinder] Wenn ich einen Menschen töte, der da ist, weiß ich, was verlorengeht. Was durch die Geburten-Beschränkung getötet wird, weiß ich nicht. Der Mensch, den ich vor der Geburt töte, ist das ewige Rätsel. Die Kriege führen zum Geburten-Reichtum, sie sind die Lehre, nicht in den Fehler zu verfallen, mit einem Kind sich zufrieden zu geben.
17. 9. 1941, mittags, abends
Der Kampf um die Hegemonie in der Welt wird für Europa durch den Besitz des russischen Raumes entschieden; er macht Europa zum blockadefestesten Ort der Welt. Es sind das wirtschaftliche Perspektiven, die den liberalsten westlichen Demokraten der neuen Ordnung geneigt machen werden. Jetzt müssen wir es durchbeißen. Das übrige ist eine Frage der Organisation.
Man braucht diese Urwelt lediglich zu sehen und weiß, daß hier nichts geschieht, wenn man den Menschen die Arbeit nicht zumißt. Der Slawe ist eine geborene Sklaven-Masse, die nach dem Herrn schreit; es fragt sich nur, wer der Herr ist.
Der Bolschewismus hat uns da einen großen Dienst erwiesen. Er hatte zunächst das Land an die Bauern aufgeteilt. Die Folge war ungeheuere Hungersnot; es blieb nichts übrig, als in der Form der Staatsdomänen die Grundherrschaft wieder einzuführen, nur, daß der frühere Herr etwas von der Landwirtschaft verstanden hatte, während dem politischen Kommissar das Wissen darum fehlte.
Wenn die Engländer aus Indien hinausgetrieben würden, so würde Indien verkommen. Das ist hier genauso. Der Nationalsozialismus könnte nicht einmal nach Ungarn exportiert werden. In der breiten Masse ist der Ungar so faul wie der Russe; er ist der geborene Steppenreiter.
Insoweit hat (Ungarns Reichsverweser) Horthy recht, wenn er sagt: "Bei mir sinken die Bodenerträge, wenn ich den Großgrundbesitz aufgebe." In Spanien ist es dasselbe; Spanien würde verhungern, wenn der Großgrundbesitz verschwände.
Der deutsche Bauer hat den Trieb weiterzukommen, er denkt an seine Kinder; ein ukrainischer Bauer aber wird nicht nach dem Imperativ der Pflicht handeln. Bedingt gibt es ein Bauerntum unseres Stiles noch in S.184 Frankreich, sehr stark in Holland und in Italien, wo jeder Quadratmeter in einem wahren Bienenfleiß ausgenutzt wird.
Der russische Raum ist unser Indien, und wie die Engländer es mit einer Handvoll Menschen beherrschen, so werden wir diesen unseren Kolonialraum regieren. Es wäre verfehlt, den Eingeborenen erziehen zu wollen. Was wir erreichen würden, ist ein Halbwissen, das zur Revolution führt. Es ist kein Zufall, daß der Erfinder des Anarchismus ein Russe war.
Wäre die russische Menschheit nicht durch andere, angefangen von den Warägern, zum Staat organisiert worden, so wären sie Kaninchen geblieben. Man kann Kaninchen nicht zum Leben der Bienen oder Ameisen erziehen. Diese haben die Fähigkeit, Staaten zu bilden, Hasen haben sie nicht. Sich selbst überlassen, würde der Slawe nie über den engsten Familienkreis hinausgekommen sein.
Die slawischen Völker sind zu einem eigenen Leben nicht bestimmt. Das wissen sie, und wir dürfen ihnen nicht einreden, sie könnten das auch. Wir haben 1918 die baltischen Länder und die Ukraine geschaffen. Wir haben aber heute kein Interesse an dem Fortbestand der ostbaltischen Staaten und an einer freien Ukraine.
Rechristianisierung wäre der größte Fehler, denn das wäre Wieder-Organisierung. Ich bin auch nicht für eine Universität in Kiew. Wir bringen ihnen das Lesen besser nicht bei. Sie lieben uns gar nicht, wenn wir sie mit Schulen quälen; es wäre schon falsch, sie auch nur auf eine Lokomotive zu stellen.
Wir haben auch keinen Grund, mit einer Neuverteilung des Bodens anzufangen. Die Eingeborenen werden künftig aber weit besser leben als jetzt. Wir finden in ihnen die Menschen zur Bearbeitung des Bodens, der uns heute abgeht.
Wir werden ein Getreide-Exportland sein für alle in Europa, die auf Getreide angewiesen sind. In der Krim haben wir Südfrüchte, Gummipflanzen -- mit 40 000 Hektar machen wir uns unabhängig --, Baumwolle. Die Pripjet-Sümpfe geben uns Schilf.
Den Ukrainern liefern wir Kopftücher, Glasketten als Schmuck und was sonst Kolonialvölkern gefällt. Unsere Deutschen -- das ist die Hauptsache -müssen eine festungsartig in sich geschlossene Gemeinschaft bilden. Der letzte Pferdebursche muß höher stehen als einer der Eingeborenen außerhalb dieser Zentren.
Für die deutsche Jugend wird das ein Gebiet sein, wo sie sich vorarbeiten kann. Dänen, Holländer, Norweger, Schweden nehmen wir mit herein. Wir dürfen es nicht so machen wie vor dem Krieg in den Kolonien, wo neben der deutschen Kolonial-Gesellschaft eigentlich nur kapitalistische Interessen am Werk waren. Der Deutsche soll das Gefühl für weite Räume bekommen. Wir müssen ihn in die Krim bringen und in den Kaukasus.
Die Leute träumen heute von einer großen Weltfriedenskonferenz. Lieber führe ich zehn Jahre Krieg, als daß ich mir den Sieg auf solche Weise wegstehlen lasse. Ich habe ja keine unmäßigen Ziele; im Grunde sind es lauter Gebiete, in denen einmal schon Germanen gesessen haben.
Nacht vom 22. auf 23. 9. 1941
Ein Glück scheint mir die Einheitsküche bei der Wehrmacht: Schon im (Ersten) Weltkrieg war die Küche unvergleichlich viel besser, wenn die Offiziere aus ihr mitverpflegt werden mußten.
Es ist auch nichts gewonnen mit einer Speisenfolge ohne Ende. Wozu eine solche Fülle von Gängen, wie es früher die Regel war? Man ist den ganzen Abend an seine Nachbarin gebunden, statt sich mit Menschen, die einem liegen, unterhalten zu können. An dem, was man gern mag, kann man sich nicht satt essen, und mit dem anderen ist einem nicht gedient.
Für unsere Partei-Veranstaltungen wird das kalte Büffet die beste Einrichtung sein. Man setzt sich zusammen, wie man Lust hat, und kann den Platz wechseln, um zu plaudern, wie es sich gibt. Auch fällt der Rangstreit weg, den unseligerweise die Tischordnung stets mit sich bringt.
25. 9. 1941, mittags
Das Staunenswerteste an der Taktik der russischen Führung ist der Fanatismus, mit dem ein an sich richtiges Prinzip auch dann noch verfolgt wird, wenn es falsch ist, daran festzuhalten. Der Grund: die Angst, eines Mißerfolges S.186 wegen zur Verantwortung gezogen zu werden.
Es heißt da nie: Infolge eines Versagens der Führung oder übermächtigen deutschen Druckes habe ich mich gezwungen gesehen, den und den Schritt zu unternehmen; es heißt immer: infolge Verrats. Alles ist hier Verrat, weil jeder Einheitsführer fürchten muß, um einen Kopf kürzer gemacht zu werden, wenn er nicht dem Befehl gemäß sich hat durchsetzen können. Lieber läßt man sich von uns den Schädel einschlagen.
Dagegen ist der Angriffsgeist, mit dem der Russe vorwärts geht, für uns nichts Neues; das war im Weltkrieg nicht anders als heute; es erklärt sich aus ihrer Stupidität. So wie uns heute nicht mehr fühlbar ist, mit welcher Härte im Weltkrieg auf russischer Seite gegen uns gekämpft wurde, so werden kommende Jahrhunderte auch diesen Feldzug lediglich als grandiose Operation vor Augen haben, während man die vielen Krisen nicht mehr sieht, die durch den russischen Angriffsgeist für uns entstanden sind. Doch gab es im Weltkrieg einen Typ des russischen Kämpfers, der mehr gutmütig als grausam war. Heute ist dieser Typ verschwunden; der Bolschewismus hat ihn ausgebrannt.
Was für ein gefährliches Menschenreservoir ist Asien] Eine Sicherung Europas ist denkbar nur unter der Voraussetzung, daß wir die europäische Grenze bis zum Ural vorschieben. Westlich von ihm darf ein organisierter russischer Staat nicht mehr bestehen]
Da es gegen diese Völkermasse eine natürliche Abscheidung nicht gibt, brauchen wir einen Ostwall, und der muß aus lebenden Menschen bestehen. Ein dauernder Grenzkampf im Osten schafft ein festes Geschlecht und hindert uns, in die Weichheit einer rein auf Europa gegründeten Staatswelt zurückzusinken.
25. 9. 1941, abends
Der Bauer jagt am wenigsten Ideologien nach. Biete ich ihm im Osten Boden an, so wird ein Strom von Menschen dahin aufbrechen, denn schön ist für den Bauern die Landschaft, die viel bringt. In zwanzig Jahren wird die Auswanderung Europas statt nach Amerika nach dem Osten gehen.
Im Schwarzen Meer kriegen wir ein Binnenmeer mit unendlichem Fischreichtum. Durch die Soja-Bohnen in der Krim heben wir die Viehzucht. Wir ernten ein Mehrfaches von dem, was der ukrainische Bauer heute aus dem Boden herausholt.
25./26. 9. 1941
Die Wochenschau heute: Ich bin ganz ergriffen, das ist ein Heldenepos, wie es noch keines gegeben hat. So war das im Weltkrieg auch, aber niemand hat damals es festgehalten. Ich bin doch maßlos glücklich, daß ich den Krieg in dieser Weise erlebt habe]
Man hat mir gesagt, die Wirkung meiner Rede sei deshalb so stark, weil ich keine Phrasen mache. Ich komme nicht in Gefahr, eine Ansprache an Soldaten mit den Worten einzuleiten: "Kein schönerer Tod sei in der Welt ...", weil ich die Wirklichkeit, die Empfindungen kenne des Soldaten, der, einem kleinen Befehl und sonst nur der S.187 Stimme seines Innern folgend, den Weg durch die Hölle geht.
Im reinsten Idealismus bin ich ins Feld gezogen, dann aber hat man Tausende verletzt und sterben sehen, und da kommt einem das Bewußtsein dessen, daß das Leben ein dauernder grausamer Kampf ist, welcher letztlich der Erhaltung der Art gilt: Der eine mag vergehen, wenn andere leben bleiben.
Ich kann mir denken, daß mancher sich heute an den Kopf greift: Wie kann der Führer nur eine Stadt wie Petersburg vernichten] Gewiß, von Haus bin ich vielleicht ganz anderer Art. Ich möchte niemand leiden sehen und keinem weh tun; aber wenn ich erkenne, daß die Art in Gefahr ist, dann tritt an die Stelle des Gefühls eiskalte Vernunft: Ich sehe nur noch die Opfer, welche die Zukunft fordert, wenn heute ein Opfer nicht gebracht wird.
27./28. 9. 1941, nachts
Wer weiß, wenn meine Eltern vermögend genug gewesen wären, mich die Akademie besuchen zu lassen, so wäre ich wohl nicht in die Lage gekommen, die soziale Not von Grund auf kennenzulernen. Dem, der außerhalb der Not lebt, muß erst ein Tor aufgestoßen werden, damit er sie sieht.
Die Jahre, die mich das Elend in der härtesten Form am eigenen Leibe haben erfahren lassen, sind für die deutsche Nation zum größten Segen geworden: Wir hätten sonst heute den Bolschewismus]
Dabei hat mich die Trostlosigkeit meiner Umgebung in einem Punkte nicht berührt: Ich habe während dieser Jahre im Geiste in Palästen gelebt; damals ist mir das Bild vom Neubau der Stadt Berlin entstanden.
Auf zweierlei haben wir zu achten: 1. daß alle begabten Jugendlichen auf Staatskosten erzogen werden, 2. daß jedem begabten Menschen alle Pforten offenstehen.
Da ich die sechs Klassen Mittelschule nicht aufzuweisen hatte, hätte ich nicht Offizier werden können, mochte ich auch ein Vielfaches von dem mir erarbeitetet haben, was ein Absolvent weiß. Den Pour le merite konnte nur der Offizier bekommen; es war schon etwas Außerordentliches, wenn ein Bürgerlicher ihn erhielt.
Und welche Rolle spielte im ganzen Leben das Elternhaus] Einen Ministerposten konnte ein Mensch, dem die Voraussetzungen der Herkunft und der Schule fehlten, nur über die Sozialdemokratische Partei bekommen.
In der Marine hatten wir bis vor kurzem vier Küchen nebeneinander. Die Meinung, man habe eine Einbuße an Autorität zu befürchten, wenn hier Unterschiede nicht bestehen, ist unbegründet. Wer mehr als die anderen kann und S.190 weiß, hat immer die Autorität, die er braucht.
Skandalös war die Unterbringung des Hausgesindes beispielsweise in Berliner Wohnungen, unwürdig die der Schiffsmannschaft selbst auf Luxusdampfern. Ich weiß, daß sich das nicht von heute auf morgen überall ändern läßt, aber der Zeitgeist ist doch ein anderer geworden.
27./28. 9. und 9. 10. 1941
Der Duce hat Schwierigkeiten, weil seine Wehrmacht royalistisch denkt. Eine Truppe, die versagt, öffentlich loben, das zerstört ihr soldatisches Ehrgefühl. Einer solchen Truppe muß klargemacht werden, daß sie sich miserabel benommen hat. Gewiß, jeder Truppe kann passieren, daß sie einmal ausläßt; die Front ist oft Nerveneindrücken ausgesetzt, von deren Wirkung sich die Führung keine rechte Vorstellung macht.
Aber da heißt es hart sein: Eine solche Truppe muß so bald wie möglich wieder eingesetzt werden] Man kann den Tod nur mit dem Tod besiegen] Wenn du zurückgehst, wirst du erschossen, gehst du vor, so kannst du mit dem Leben davonkommen] Und erst wenn die Scharte ausgewetzt ist, soll alles andere vergessen sein.
Wiederum: Eine Führung darf nicht so leichtfertig vorgehen, daß man den kleinen Mann einfach totschießen läßt. Es geht nicht an, was dem kleineren Verband nicht gelungen ist, nun durch die Masse erreichen zu wollen, auf die Gefahr hin, daß sich die Zahl der Opfer nur eben ins Ungemessene erhöht.
Antonescu (Rumäniens Staatsführer) hat in einem Tagesbefehl vor wenigen Wochen einer seiner Einheiten vorgehalten, sie sei die Schande der Nation. Seiner Rasse nach sicher nicht Rumäne, sondern Germane, ist Antonescu der geborene Soldat. Sein Unglück, daß er Rumänien unter sich hat]
Von Natur hat ja selbst unser Volk seine heutige Sauberkeit nicht gehabt; erinnern wir uns nur an die Hiebe, die noch Friedrich Wilhelm I. eigenhändig den Berlinern verabreichte] Sauberkeit ist das Ergebnis einer ununterbrochenen Erziehung zur Disziplin.
13. 10. 1941, nachts
Dieser Tage habe ich einen Angriff, der uns ein Stück von vier Kilometer Tiefe bringen sollte, untersagt, weil der Erfolg die Opfer, wie mir schien, nicht gerechtfertigt haben würde. Ich gebe zu, der Unterführer hat es da schwerer. Wie soll er die Grenze ziehen, wenn er vor der Frage steht, ob er seinen Leuten ein Opfer zuzumuten oder zu ersparen hat?
Was man da im Weltkrieg gemacht hat, das war ja einfach toll. Die Offensive auf Verdun ist eine Wahnsinnstat gewesen. Die Kommandierenden auf beiden Seiten hätten vor ein Kriegsgericht gehört.
Man ist auch heute noch nicht auf der ganzen Linie abgekommen von einer Einstellung, die damals beispielsweise das Leben von sagen wir 20 000 Mann nutzlos dadurch geopfert hat, daß man die Meldegänger ausschickte ohne Rücksicht darauf, ob sie bei sofortigem Aufbruch Gefahren ausgesetzt waren, die nicht bestanden, wenn man den Einbruch der Dunkelheit abwartete.
So sah ich mich doch wiederholt, obwohl es nichts als eine Postkarte wegzubringen gab, schwerem Artilleriefeuer ausgesetzt. Einer meiner späteren Kommandeure hat das allerdings völlig abgestellt. Inzwischen hat sich der Geist geändert, und eines Tages wird jeglicher Unfug dieser Art verpönt sein.
14. 10. 1941, früh
Ich habe mir angewöhnt, am Abend Ärgerliches nicht anzusehen; ich würde die ganze Nacht nicht davon loskommen. Auch pflege ich Briefe oft drei, vier Tage liegen zu lassen.
Mancher wundert sich vielleicht, daß er keine Antwort bekommt, aber wenn ich die Antwort diktiert habe, beschäftige ich mich zunächst zwölf Stunden überhaupt nicht mehr damit; den nächsten Tag korrigiere ich das Geschriebene ein erstes, den übernächsten vielleicht ein zweites Mal.
Ich bin da sehr vorsichtig, es soll niemanden geben, der mir entgegenhalten kann: Da hast du das und das geschrieben.
Ich bin überhaupt der Meinung, in einem Zeitalter, wo Eisenbahn, Wagen und Flugzeug zur Verfügung stehen, sollte man, wenn es hart auf hart geht, lieber zusammenkommen als schreiben. Beim Schreiben sagt man sich, dem muß ich es nun einmal zeigen]
Der andere kann dann nicht umhin, genauso zu antworten, oder er kommt und insultiert einen. Neulich habe ich einem meiner Herren, der mit der Frage zu mir kam, was er antworten solle auf einen beleidigenden Brief, verboten, überhaupt eine Antwort zu geben.
Wir haben ein dummes Gesetz, das vorsieht, eine Beleidigungsklage müsse, wenn das Klagerecht nicht verfallen soll, sofort erhoben werden. Viel richtiger wäre, zu bestimmen, daß eine solche Klage vor Ablauf von drei Wochen nicht erhoben werden darf. Dann würde aller Zorn verraucht sein, und es käme nicht mehr zur Verhandlung.
14. 10. 1941, mittags
Ich halte nicht für richtig, sich jetzt in einen Kampf mit der Kirche zu stürzen. Am besten, man läßt das Christentum langsam verklingen; ein langsames Ausklingen hat auch etwas Versöhnendes S.193 in sich: Das Dogma des Christentums zerbricht vor der Wissenschaft.
Es erschiene mir unsagbar töricht, einen Wotanskult wieder erstehen zu lassen. Unsere alte Götter-Mythologie war überholt, war nicht mehr lebensfähig, als das Christentum kam. Es verschwindet immer nur, was reif ist unterzugehen] Die ganze antike Welt lebte damals lediglich noch in philosophischen Systemen und auf der anderen Seite in einem Götzenkult.
14./15. 10. 1941
Die Wettervorhersage? Darauf ist nicht der mindeste Verlaß] Der Wetterdienst muß aus der Wehrmacht wieder ausgegliedert werden. Die Lufthansa hatte einen Wetterdienst, der hervorragend war.
Das Herz hat mir wehgetan, wie diese Einrichtung aufgelöst wurde. Der heutige Apparat ist nicht mehr so gut, und es fehlt auch an anderen Voraussetzungen.
Die Wettervorhersage ist keine Wissenschaft, die sich mechanisch lehren und lernen läßt. Was man braucht, sind Menschen mit einem sechsten Sinn, Menschen, die in und mit der Natur leben, mögen sie nun von Isothermen und Isobaren etwas wissen oder nicht. Freilich: Diese Leute werden in der Regel nicht in eine Uniform passen; der eine ist krumm, der andere lahm.
Aber dafür unterliegen sie auch nicht dem Zwang, sich in Tabellen zu vergraben, und sie brauchen nicht damit zu rechnen, vom Ort, den sie kennen, an einen anderen versetzt zu werden, dessen klimatische Verhältnisse ihnen unbekannt sind, und sie haben auch keinen Vorgesetzten, der -- im Besitze größerer Weisheit, weil besser bezahlt und höher im Rang -- in Versuchung kommt, ihnen die einzige wahre Meinung zu diktieren.
Das beste wäre vielleicht, eine zivile Organisation aufzuziehen, bestehend aus einer Zentrale, die, im Besitze des Materials, das heute ausschließlich Grundlage der Wettervorhersage ist, das dazu registriert, was ihr erprobte Wetterfrösche -- private Menschen aus jeder Landschaft -- fernmündlich über die Aussichten melden, die ihrer Erfahrung nach an ihrem Ort für die nächsten Stunden oder Tage gegeben sind.
Der Apparat wird nicht viel Geld kosten. Ein alter Lehrer zum Beispiel ist glücklich, wenn er als Entgelt für diese seine Ferngespräche im Monat seine 30 Mark verdient. Er hat das Telephon ins Haus bekommen] Und dann ist es eine Ehre für ihn, mit seinem Wissen herangezogen zu werden.
Der Mann braucht keine schriftlichen Meldungen zu machen, er mag auch ruhig seinen Dialekt sprechen; vielleicht ist er zeitlebens aus seiner Gegend nicht herausgekommen. Aber er weiß zu lesen aus dem Flug der Schwalben und der Mücken, aus dem Aussehen seiner Umgebung, der Landschaft und des Himmels, aus der Art, wie sich die Luft anläßt und wie der Wind den Klang der Glocken herüberträgt und aus vielem anderen mathematisch Unmeßbaren und Unwägbaren.
Von seinem Vater hat er das gehört, und in der Erfahrung eines Lebens hat es sich ihm erhärtet. Man braucht nur herumzuschauen: In jeder Gegend finden sich Menschen, von denen man weiß, sie verstehen sich auf das Wetter] Die Zentrale verarbeitet das erhaltene Materiai zusammen mit dem, was ihr an "wissenschaftlichen" Unterlagen zukommt.
Auf solchem Wege, könnte ich mir denken, werden wir am Ende vielleicht doch wieder einmal zu einem verläßlichen Instrument kommen, einem Wetterdienst, mit dem sich arbeiten läßt.
17. 10. 1941, abends
Verglichen mit der Häufung von Schönheit im mitteldeutschen Raum kommt uns der neue Ostraum heute wüst und leer vor. Die Menschen? Die werden wir hineinbringen.
Das Gebiet muß den Charakter der asiatischen Steppe verlieren, europäisiert werden] Dazu bauen wir jetzt die großen Verkehrsstränge an die Südspitze der Krim, zum Kaukasus; an diese Verkehrsstränge reihen sich, wie an eine Perlenschnur, die deutschen Städte, und um diese herum liegt die deutsche Siedlung. Die zwei, drei Millionen Menschen, die wir dazu brauchen, haben wir schneller, als wir denken; wir nehmen sie aus Deutschland, den skandinavischen Ländern, den Westländern und Amerika.
Ich werde es ja wohl nicht mehr erleben, aber in zwanzig Jahren wird das Gebiet schon 20 Millionen Menschen umfassen. In dreihundert Jahren wird es eine blühende Parklandschaft von ungewöhnlicher Schönheit sein]
Die Eingeborenen? Wir werden dazu übergehen, sie zu sieben. Den destruktiven Juden setzen wir ganz hinaus. Der Eindruck, den ich im weißrussischen Gebiet hatte, war besser als der in der Ukraine. In die russischen Städte gehen wir nicht hinein, sie müssen vollständig ersterben.
Wir brauchen uns da gar keine Gewissensbisse zu machen. Wir leben uns nicht in die Rolle des Kindermädchens hinein, wir haben überhaupt keine Verpflichtung den Leuten gegenüber. Das Wohnhaus reformieren, die Läuse fangen, deutsche Lehrer, Zeitungen? Nein] Lieber richten wir einen Rundfunk ein, der von uns abhängig ist, und im übrigen sollen sie nur die Verkehrszeichen kennen, damit sie uns nicht in die Wagen laufen]
Unter Freiheit verstehen diese Leute, daß sie sich nur alle Festtage zu waschen brauchen. Wenn wir mit der Schmierseife kommen, erben wir keine Sympathien. Man muß da ganz umlernen. Es gibt nur eine Aufgabe: eine Germanisierung durch Hereinnahme der Deutschen vorzunehmen und die Ureinwohner als Indianer zu betrachten.
Wenn diese Menschen über uns gesiegt hätten, gnade Gott] Haß? Nein, den kennen wir nicht; wir handeln nur aus Überlegung. Die aber handeln aus S.196 dem Minderwertigkeitskomplex des Unterlegenen; sie wittern den Überlegenen und verbinden mit dem Minderwertigkeitskomplex den Haß.
Ich gehe an diese Sache eiskalt heran. Ich fühle mich nur als der Vollstrecker eines geschichtlichen Willens. Was die Leute momentan über mich denken, ist mir vollkommen gleichgültig. Die Rechtsverhältnisse, das ist eine Erfindung des Menschen] Die Natur kennt keine Planvermessung und keine Notariate. Der Himmel kennt nur die Kraft.
18. 10. 1941, abends
Die Wirtschaft besteht überall aus den gleichen Halunken, eiskalten Geldverdienern. Die Wirtschaft kennt den Idealismus bloß, wenn es sich um die Löhne der Arbeiter handelt: "Was, Sie wollen Erhöhung, wo bleibt da der Idealismus?"
Auch bei uns, ich weiß es, waren vor 1933 die Geschäftsmöglichkeiten für diese Leute größer. Wenn aber die Wirtschaft weint, das gehört zum Beruf. Nie habe ich einen Industriellen kennengelernt, der nicht sofort eine besorgte Miene aufsetzte, wenn er meiner ansichtig wurde.
Dabei kann man jedem nachweisen, daß er sich absolut verbessert hat. Wenn man sie hört, schnaufen sie, wie wenn sie gerade am Ende wären. Aber trotz aller Steuer bleibt doch noch viel Geld über.
21. 10. 1941, mittags
Das Christentum war alles zerstörender Bolschewismus. Dabei hat der Galiläer, den man später Christus benannte, etwas ganz anderes gewollt. Er war ein Volksführer, der gegen das Judentum Stellung nahm.
Galiläa war sicher eine Kolonie, in welcher die Römer gallische Legionäre angesiedelt haben, und Jesus war bestimmt kein Jude. Die Juden nannten ihn ja auch einen Hurensohn, den Sohn einer Hure und eines römischen Soldaten.
Die entscheidende Verfälschung der Lehre des Jesus kam durch Paulus. Er hat raffiniert die Lehre des Galiläers für seine Zwecke umgefälscht und ausgewertet. Der Galiläer hatte die Absicht, sein galiläisches Land von den Juden zu befreien, er wandte sich mit seiner Lehre gegen den jüdischen Kapitalimus, und deshalb haben die Juden ihn getötet. Einer der gemeinsten Kommissare gegen ihn war Saulus.
Als Saulus dann auf einmal merkte, daß sich für die Lehre des Galiläers viele Menschen sogar töten ließen, da kam das, was man "die Erleuchtung des Saulus" nennt; es war die Einsicht, daß man mit der Lehre des Galiläers, wenn man es richtig anpackte, den römischen Staat, den die Juden haßten, zum Zusammenbruch bringen könne.
Die römischen Religionsvorstellungen waren allen arischen Völkern eigen. Der Jude hingegen kannte und kennt auch heute nichts anderes als das goldene Kalb, das er anbetet. Dem Juden fehlt jede metaphysische Religionsvorstellung, seine Religion ist krasser Materialismus, und es ist bezeichnend, daß er sich ein Jenseits im Schoße Abrahams vorstellt.
Während nun alle anständigen Elemente in Rom sich der neuen Lehre verschlossen, brachte das Urchristentum die revolutionäre Aufwiegelung des Mobs der Millionenstadt; Rom wurde bolschewisiert, und dieser Bolschewismus wirkte sich in Rom genauso aus, wie wir es später in Rußland erlebten.
Erst unter den Einwirkungen des germanischen Geistes hat nach und nach das Christentum seinen offen bolschewistischen Charakter verloren; es ist einigermaßen tragbar geworden. Während es abstirbt, will der Jude nun wieder mit dem Urchristentum, dem Bolschewismus, beginnen.
Man muß den hohen Stand der römischen Kunst und Kultur in Tempeln wie Wohnungen vergleichen mit dem, was die bolschewistische Unterwelt damals in den Katakomben als neue christliche Kultur brachte. Damals Zerstörung aller Bibliotheken, und heute sehen wir in Rußland das gleiche: ein Herabdrücken auf ein ganz niedriges, allen gleiches Niveau.
Damals und bis in das Mittelalter hinein die fürchterlichsten Folterungen, Marterungen und Verbrennungen im Namen des Christentums und heute das gleiche im Namen des Bolschewismus. Aus dem Saulus wurde ein Paulus, aus dem Mordechai ein Karl Marx.
Wenn wir diese Pest ausrotten, so vollbringen wir eine Tat für die Menschheit, von deren Bedeutung sich unsere Männer draußen noch gar keine Vorstellung machen können.
21./22. 10. 1941, nachts
Was mein persönliches Dasein betrifft, so werde ich immer einfach leben. Als Führer und Staatsoberhaupt S.198 aber muß ich mich von aller meiner Umgebung sichtbar abheben. Behängt sich meine Umgebung mit Orden und Sternen aller Art, so sticht der Führer dadurch ab, daß er das nicht tut. Liefen meine Männer ohne Dekoration, so müßte ich die Sterne tragen.
Wir brauchen einen großen Stil. Diesen Stil müssen wir uns schaffen. Deshalb werden wir die Feier unserer Feste in eine Form gießen, die bleiben soll. Dem Engländer sind seine uns barock anmutenden alten Formen voller Leben, weil sie, von der Tradition geheiligt, ohne Unterbrechung auf den heutigen Tag weitergegeben sind; das ist das Geheimnis des Fortwirkens ihrer Kraft.
Ich halte aber für nötig, daß ich die Entwicklung dieses Stiles selber noch erlebt habe; sonst könnte ein späterer Führer auf den Gedanken kommen, er könne sich auf mich berufen, wenn er "schlicht" bleibt. Komme mir keiner mit preußischer Schlichtheit] Man muß wissen, wie Friedrich der Große die Gelder des Staates verwaltet hat]
Im übrigen ist Preußentum ausschließlich eine Frage des Charakters und der Haltung. Es hat eine Zeit gegeben, wo ich sagen konnte, daß es in Europa nur einen Preußen gibt, und der säße in Rom] Heute kann man sagen, dort lebt ein Römer unter Italienern. Der andere Preuße war ich, und ich saß in München.
Wer die Reichskanzlei betritt, muß das Gefühl haben, vor den Herrn der Welt zu treten, und schon der Weg dahin durch den Triumphbogen auf den breiten Straßen an der Soldatenhalle vorbei zum Platz des Volkes soll ihm den Atem nehmen.
Damit allein sind wir in der Lage, den einzigen Konkurrenten, den es gibt für uns, Rom, in Schatten zu stellen. Die große Halle soll so werden, daß die Peterskirche mit dem Platz davor darin verschwinden kann.
Wir nehmen als Baustein Granit. Selbst die ältesten Findlinge aus Urgestein in der norddeutschen Ebene zeigen kaum einen Anflug von Verwitterung. Diese Bauten werden, wenn inzwischen nicht wieder das Meer die norddeutsche Ebene überspült, unverändert noch in zehntausend Jahren stehen]
25. 10. 1941, abends
Vor dem Reichstag habe ich dem Judentum prophezeit, der Jude werde aus Europa verschwinden, wenn der Krieg nicht vermieden bleibt. Diese Verbrecherrasse hat die zwei Millionen Toten des Weltkrieges auf dem Gewissen, jetzt wieder Hunderttausende.
Sage mir keiner: Wir können sie doch nicht in den Morast schicken] Wer kümmert sich denn um unsere Menschen? Es ist gut, wenn uns der Schrecken vorangeht, daß wir das Judentum ausrotten. Der Versuch, einen Judenstaat zu gründen, wird ein Fehlschlag sein.
Es gibt eine gewisse protestantische Muckerei, die unerträglich ist; der Katholizismus hat das Gute, daß er die evangelische Sittenstrenge nicht kennt. In katholischen Gegenden lebt es sich insofern besser, als der Geistliche menschlichen Schwächen selber leichter erliegt, und weil er zuläßt, daß seine Schäflein das Sündigen nicht allzu schwer nehmen.
Der derzeitige Zustand: Goebbels heiratet eine protestantische Frau und wird daraufhin aus der Kirche ausgeschlossen. Nun will er nichts mehr zahlen, die Kirche aber bedeutet ihm, sein Ausschluß sei lediglich eine Kirchenstrafe; was die Zahlungspflicht angeht, habe er sich als weiter ihr verpflichtet zu betrachten.
Mir machte die Kirche damals zum Vorwurf, daß ich als Trauzeuge bei der Eheschließung zugegen war; man würde mich ausgeschlossen haben, wenn man sich nicht gesagt hätte, das bringt ihm neue Sympathien ein]
26. und 27. 10. 1941, abends
Aus dem Osten bringt uns kein Mensch mehr heraus] Wir hatten ein Kali-Monopol. Wir kriegen jetzt dazu ein Brot-Monopol, Kohle, Eisen und Holz.
Zur Auswertung des europäischen Indiens, der Ukraine, brauche ich nur Frieden im Westen, nicht auch Frieden im Osten. Die Grenzpolizei dort sorgt dafür, daß wir das Land bebauen können. Auf eine Kriegsbeendigung juristischer Art lege ich für den Osten gar keinen Wert.
Mir handelt es sich darum, die kontinentale Vorherrschaft auszukosten; jeder Gedanke an Weltpolitik ist lächerlich, solange man den Kontinent nicht beherrscht. Die Spanier, die Niederländer, die Franzosen waren einmal daran. Wir selbst waren es. Sind wir die Herren in Europa, dann haben wir die dominierende Stellung in der Welt. 130 Millionen im Reich, 90 in der Ukraine, nehme ich die anderen Staaten des neuen Europa dazu, so kommen wir auf 400 Millionen, und damit nehmen wir es auf gegen die 130 Millionen Amerikaner.
Zerbräche das Empire heute, so ginge es durch unsere Waffen zugrunde, S.200 die Erben aber wären nicht wir, sondern Rußland nähme Indien, Japan Ostasien, Amerika Kanada, und ich könnte die Amerikaner nicht einmal hindern, sich im Süden festzusetzen.
Heute habe ich nichts davon, wenn England stirbt. Ich würde mit den Erben kämpfen müssen, während ich mich vielleicht dermaleinst an der Konkursmasse, wird sie jetzt nicht versteigert, beteiligen kann. Heute interessiert mich nicht mehr England, sondern nur der noch, welcher dahinter steht.
Was die Gestaltung unserer Zukunft angeht, können wir unbesorgt sein: Ich hinterlasse nicht nur die stärkste Wehrmacht, sondern eine Partei, die das gefräßigste Wesen der Weltgeschichte sein wird.
28. 10. 1941, abends
Ich habe nichts dagegen, wenn man das Wild schießt. Ich sage nur, das ist ein trauriger Sport. Das Anständigste bei der Jagd ist das Wild, das Zweitanständigste der Wilderer: Der setzt wenigstens sein Leben ein.
Der Müller, diese armselige Mißgeburt der Natur, geht auf ein Reh los] Der Unterschied ist doch zu groß zwischen einem Repetiergewehr und einem Hasen: Der Hase hat sich nicht weiterentwickelt seit dreitausend Jahren] Wenn Müller sich den Hasen fangen müßte, dann würde ich ihm die schönste Prämie geben.
Man täusche sich nicht: Die Jagd ist gar nicht populär] Ginge ich zur Jagd, das würde mir in den Augen meiner Anhänger mehr schaden als eine verlorene Schlacht]
30. 10. 1941, mittags
Zu Gruppenführer Wolff, der von der Fasanen- und Hasenjagd zurückgekommen ist, welche der Außenminister in Gegenwart des Reichsführers-SS, des Reichsfinanzministers und anderer Herren dem Grafen Ciano im Sudetenland veranstaltet hat:
F(ührer): Was habt ihr nun da geschossen, Adler, Löwen?
W(olff): Nein, ganz gewöhnliche Karnickel.
F.: Das wird eine Freude sein jetzt unter den Karnickeln: Die Luft ist rein.
General Jodl: Fällt das alles unter den Begriff Wild?
W.: Ja]
Jodl: Das müßte eigentlich zahm heißen]
F.: Habt ihr mit den Explosivgeschossen gearbeitet?
W.: Nein, nur mit Schrot.
F.: Habt ihr Treiber auch angeschossen?
W.: Nein, nichts bekannt]
F.: Auf Partisanen kann man niemand von euch ansetzen?
W.: Der Reichsaußenminister würde das als Einladung zu einem Frontkommando sicher sofort angenommen haben]
F.: Wieviel hat nun Ciano geschossen?
W.: 400]
F.: Nur 400? Wenn er in seinem Leben nur einen Bruchteil davon als Flieger abgeschossen hätte] Damit war die Jagd zu Ende?
W.: So eine Jagd ist furchtbar nett: Man wird aus der Arbeit und den Sorgen einmal ganz herausgelöst]
F.: Muß man zu dem Zweck Hasen und Fasanen umbringen? Die Mordlust bringt die Männer zusammen] Wie gut, daß wir die Hasensprache nicht verstehen] Die würden vielleicht in Ausdrücken von euch reden wie: Laufen konnte er so nicht, das dicke Schwein] So ein alter Hase mit reifer Lebenserfahrung] Die größte Freude unter den Hasen wird sein, wenn sie merken, daß ein Treiber angeschossen ist]
29. 10. 1941, abends
Das alte Paris macht einen vornehmen Eindruck. Die großen Perspektiven sind gewaltig. Ich hatte die ganzen Jahre schon alle meine Männer nach Paris geschickt, damit sie nicht staunen, wenn wir an den Neubau von Berlin herangehen. Berlin ist darin jetzt miserabel, Berlin wird aber einmal schöner sein als Paris.
Paris hat, wenn man vom Eiffelturm absieht, doch nichts, was der Stadt so charakteristisch den Ausdruck gibt, als etwa Rom das Kolosseum. Aber: Ich war doch glücklich, daß wir Paris nicht zu zerstören brauchten. Mit so großer Seelenruhe, als ich an die Vernichtung von Petersburg und Moskau herangehe, mit so großem Schmerz hätte mich die Vernichtung von Paris erfüllt.
Ich habe alles das (die Pariser Oper) nur in der Frühe gesehen zwischen sechs und neun. Ich wollte die Bevölkerung möglichst wenig erregen. Der erste Zeitungsjunge, der mich erkannt hat, bekam sofort die Mundstarre; ich habe noch das Bild vor Augen einer Französin, die in Lille, am Fenster stehend, meiner ansichtig wird und "Le Diable]" ruft]
Wir sind zum Schluß dann hinauf nach Sacre Coeur. Schauerlich] Aber alles in allem: Paris ist ein europäisches Kulturdokument.
Im nächsten Heft
Hitler über seine Diplomaten: "Da kann ich nur sagen: au weh]"
S.180 Links: General Keitel; rechts neben Hitler ohne Mütze: Hitler-Sekretär Bormann. * S.182 Kapitulant: Soldat, der sich über die gesetzliche Dienstzeit hinaus zum Militärdienst verpflichtet. * S.186 Mit Generalmajor Rommel (r.) in Polen, 1939. *

DER SPIEGEL 11/1980
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