17.03.1980

„Feldherr bin ich wider Willen“

Adolf Hitlers Monologe im Führerhauptquartier (II) 1980 Albrecht Knaus Verlag, Hamburg.
30. 10. 1941, abends
Wir halten uns einen großen Nachrichten-Apparat, genannt Auswärtiges Amt, und man erfährt nichts] Wir wissen nicht, was sich über dem Graben (dem Englischen Kanal) -- es sind nur 37 Kilometer von uns -- begibt] Im Grunde genommen muß man sagen, das riesige Geld ist schlecht angelegt] Der einzige Apparat, der Devisen kriegt -- andere kriegen Wische --, müßte das doch herausbringen]
Was ein Diplomat ist, ist so vornehm, daß er mit normalen Leuten nie verkehrt] Der Minister selber will es: Diplomaten bewegen sich nur in ihren Kreisen. So erfahren sie auch nur, was in diesen Kreisen zirkuliert.
Warum hat man nur diese großen diplomatischen Vertretungen? Was sie bei uns tun, weiß ich: Sie schneiden Zeitungsartikel aus und kleben sie auf. Als ich in die Reichskanzlei kam, erhielt ich jede Woche eine Mappe mit Zeitungsausschnitten vorgelegt, alles veraltet, von vierzehn Tagen vorher. Durch (Reichspressechef) Dr. Dietrich erfuhr ich am 2. Juli, was vom Auswärtigen Amt am 15. kam]
So eine Gesandtschaft müßte vor allem ein halbes Dutzend junger Attaches haben, die sich sofort an einflußreiche Weiber heranmachen. Das ist der einzige Weg, etwas zu erfahren. Wenn das aber lauter verträumte Philosophen sind, die nur das reine Glück suchen, dann ist das auch schlecht]
Wenn ich mir unsere Vertreter anschaue da draußen, dann kann ich nur sagen: au weh] Es hat doch niemand fertiggebracht von diesem Auswärtigen Amt, die wirklich zugängliche Tochter des früheren amerikanischen Botschafters Dodd so richtig in Beschlag zu nehmen. Die vom Auswärtigen Amt sind doch dazu da] Das wäre das richtige gewesen]
Dieses Mädel, die mußte nach kurzer Zeit vollständig eingesponnen sein] Sie ist auch eingesponnen worden, aber leider von lauter anderen. Nun wundert''s mich nicht] Die Senilität war zu groß, um auf dem Gebiet noch auftreten zu können] Den alten Dodd, der ja ein Trottel war, den hätten wir über die Tochter kriegen können.
Keitel: War sie denn wenigstens hübsch?
v. Puttkamer: Widerwärtig]
Ja, das muß man überwinden, lieber Freund, da muß man schon so was in Kauf nehmen, für was werden die Leute bezahlt] Wäre es anders, so ist das ja kein Dienst mehr, sondern Wollust und damit zu verurteilen] Und es bestünde wieder die Gefahr, daß er sich mit ihr verheiratet]
1./2. 11. 1941, nachts
Unsere Verwaltung verfährt doch vielfach unbeschreiblich dumm] Zu mir kam eines Tages der Oberbürgermeister von Leipzig, Goerdeler, um mir seinen Rücktritt anzutragen. Grund: Er hatte eine Straße mit elektrischem Licht versehen wollen, Berlin aber unterband ihm das; es solle bei der Gasbeleuchtung bleiben.
Ich bin der Sache nachgegangen, und siehe da, die Entscheidung hatte ein ganz kleines Würstchen getroffen, ein Jurist im Innenministerium]
Kürzlich hat ein kleiner Referent im Propagandaministerium dem Baumeister der Neuen Münchner Oper die Berechtigung abgesprochen, sich Architekt zu nennen, weil er dieser und jener S.208 Fachschaft nicht angehöre. Ich habe diesen Unfug abgestellt]
Da wundere man sich nicht, wenn das Land mit einem Haß gegen Berlin erfüllt wird] Ministerien sollen führen, nicht aber sich mit der Ausführung belasten. Der Behördenapparat ist zu einem rein maschinellen Mechanismus geworden.
Wir kommen davon nur los, wenn wir uns zu weitgehendster Dezentralisierung entschließen. Schon die Ausdehnung der Reichsgrenzen zwingt uns dazu. Man darf nicht glauben, daß eine Vorschrift, welche für das Altreich oder Teile davon am Platze ist, für Kirkenes und die Krim ein Gleiches bedeutet. Es geht nicht an, dies Riesenreich von Berlin aus in bisher gewohnter Art regieren zu wollen.
2./3. 11. 1941, nachts
Unsere Sprache wird in hundert Jahren die europäische Sprache sein. Die Länder des Ostens, des Nordens wie des Westens werden, um sich mit uns verständigen zu können, unsere Sprache lernen. Die Voraussetzung dafür: An die Stelle der gotisch genannten Schrift tritt die Schrift, welche wir bisher die lateinische Schrift nannten.
Wir sehen jetzt, wie gut es war, daß wir uns im Herbst vorigen Jahres zu diesem Schritt entschlossen haben. Für einen, der Russisch lernen wollte -- wir tun es nicht --, bedeutet allein schon die Fremdheit der Buchstaben Mühsal]
Ich glaube dabei, daß wir mit der sogenannten gotischen Schrift nicht etwas verlieren, was uns eigentümlich ist. Die nordischen Runen gleichen doch viel mehr den griechischen Schriftzeichen. Warum sollten barocke Schnörkel gerade der Ausdruck des Deutschen sein]
5. 11. 1941, abends
Es gibt ein interessantes Dokument aus der Zeit Cäsars, danach haben die Heere jener Zeit sich ohne Fleisch ernährt; die antike Quelle berichtet von Notzeiten, in welchen die Soldaten sich gezwungen gesehen hätten, zum Fleisch zu greifen.
Man weiß, daß den antiken Philosophen schon der Übergang vom Brei zum Brot ein Abstieg zu sein schien. Auch die Wikinger hätten, wären sie auf Fleisch angewiesen gewesen, ihre Riesenfahrten nicht unternehmen können. Es gab ja keine Möglichkeit, Fleisch zu konservieren.
Die Entstehung der Gruppe als der kleinsten militärischen Einheit rührt daher, daß jeweils ein Trupp über eine Getreidemühle verfügte. Vitaminträger war die Zwiebel.
Die Menschen müssen einmal sehr lange gelebt haben. Die Wende trat ein in der Zeit, wo der Mensch vom Früchte-Esser sich darauf umstellte, Gekochtes zu sich zu nehmen. Der Mensch ist das einzige Wesen, das den Ernährungsprozeß umstellt, indem er das Essen durch Kochen steril macht.
Eine Kröte ist ein entarteter Frosch. Wer weiß, was die Kröte frißt, sie frißt bestimmt etwas, was ihr nicht bekömmlich ist.
Von der Odin- und Wotans-Wald-Vorstellung bin ich geheilt worden dadurch, daß ich eines Tages in den Odenwald kam. In der Rheinebene sahen wir fabelhafte Menschen, im Wald lauter Kretins. Da wurde mir klar: Die germanischen Sieger haben sich in die fruchtbare Ebene gesetzt, während die Ureinwohner sich in das kümmerliche Gebirge zurückzogen.
10./11. 11. 1941
Es gibt im Grunde genommen nur drei reelle Auszeichnungen: das Mutterkreuz, die Dienstauszeichnung und das Verwundetenabzeichen. An der Spitze steht das goldene Mutterkreuz. Das ist der schönste Orden. Ihn trägt ohne Ansehen der Person die Frau des Ministers und die Bauersfrau.
An zweiter Stelle kommt die Dienstauszeichnung. Bei allen anderen Ehrenzeichen wird neben vielen Fällen, in denen sie mit höchstem Recht verliehen sind, immer eine große Zahl solcher stehen, wo das nicht so ist.
Ich habe im Weltkrieg das E(iserne) K(reuz) I nicht getragen, weil ich gesehen habe, wie es verliehen wird. Wir hatten einen Juden im Regiment, Guttmann, einen Feigling sondergleichen. Er hat das EK I getragen. Es war empörend und eine Schande. Ich habe das EK I erst angelegt, als ich zu Hause sah, wie die Roten die Truppe behandelt haben, aus Trotz.
16. 11. 1941, mittags
Bei uns versteht man unter Einheitsstaat, daß alles von einer Zentrale aus regiert wird. Zuletzt ist ein kleiner Ministerialdiener in Berlin gescheiter als ein Oberbürgermeister in Essen. Total umgekehrt verfahren die Engländer in Indien. 145 000 Menschen beherrschen 350 Millionen.
Wir brauchten dazu Millionen Beamte] Die Franzosen besitzen keinerlei Selbstverwaltung und sind unser schlechtestes Vorbild: der Idealstaat der Juristen und Advokaten]
Ein Aufbau, der die lebendigen Kräfte mobilisiert, wo sie da sind, wird Krisen steuern können, vor denen der Juristen-Staat versagt. Da muß eine große Verwaltungsreform einsetzen] Voraussetzung ist, daß die Juristen aus den Ministerien heraus und in eine dienende Stellung kommen]
Der Jurist kann nur ein Berater sein, führen kann er nicht] Wie will ein Mensch, der sein ganzes Leben nur über Akten sitzt, von den Vorgängen des Lebens eine Vorstellung haben: Er weiß gar nichts]
Ich tue alles, um die Juristen so schlecht als möglich zu machen, damit möglichst wenige mehr studieren. Man muß den Beruf derartig kompromittieren, daß er nur von Leuten angestrebt wird, die nichts anderes als Paragraphen kennen wollen.
Was sollen juristische Bedenken, wenn etwas volkspolitisch notwendig ist? Nicht dank, sondern trotz der Juristen lebt das Volk. Ich bin ja nicht der erste, der in ihnen eine Bazillenkultur sieht] Friedrich der Große hat nicht anders gedacht.
16. 11. 1941, abends
Ich muß mich doch immer wieder ärgern über die Rechtsprechung] Die S.211 ganzen Sittlichkeitsverbrecher sind regelmäßig vorbestraft, bis sie beim Lustmord enden] Warum werden solche Menschen nicht gleich eliminiert?
Wenn der Jurist sagt, wahrscheinlich ist der Täter nicht normal: um so schlimmer. Es geschieht ihm das, was dem Normalen geschieht] Die Gesellschaft muß vor solchen Elementen geschützt werden] Alle die Tiere, welche sogenannte Gemeinschaften bilden, haben Außenseiter. Außenseiter werden ausgestoßen.
Das Tollste ist bei Beginn dieses Krieges passiert] Vor Beginn des Krieges habe ich ein Testament gemacht, eigenhändig geschrieben und Lammers (dem Chef der Reichskanzlei) übergeben.
Einen Monat darauf kommt zu mir folgender Fall: In Hamburg hat ein dortiger Kaufmann eine Frau als Erbin eingesetzt. Das Testament ist von einer Schwester angezweifelt worden.
Das erste Gericht hat die Schwester abgewiesen, das Kammergericht traf folgende Entscheidung: Am Willen des Erblassers ist nicht zu zweifeln, aber ein Testament muß eigenhändig geschrieben sein, der Ort und das Datum muß wie der Text der letztwilligen Verfügung von der Unterschrift gedeckt sein, in dem vorliegenden Testament ist die Ortsangabe nicht mit der Hand geschrieben, sondern vorgedruckt, die Verfügung ist deshalb ungültig.
Ich habe (Reichsjustizminister) Gürtner gesagt: Ich lasse das ganze Kammergericht verhaften. War doch mein eigenes Testament danach ungültig] Nun passiert das unsereinem: Ich kann mich wehren, aber so ein kleiner Mensch, der steht doch da einfach vor einer Mauer] Er muß sich sagen, es gibt überhaupt kein Recht]
Ein solches Recht ist eine geistige Verkrüppelung] In meinen eigenen Prozessen habe ich ja Dinge erlebt, die sind haarsträubend] Der ganze Beruf des Rechtsanwalts ist ein schmutziger Beruf. Der Rechtsanwalt lügt vor dem Gericht]
Wie gemein der Beruf ist, das geht daraus hervor, daß sie ihren Namen geändert haben] Nur zwei Berufe haben den Namen geändert: Die Lehrer wollen Volksbildner heißen] Die Rechtswahrer sollen ruhig Rechtsanwälte bleiben, wenn nur der Beruf gereinigt wird, eine Einrichtung von Staats wegen.
Heute: Auf der einen Seite blödsinnig harte Urteile, wo das ganze Volk eine Handlung versteht; auf der anderen Seite eine unangebrachte Milde. Bei einem Landesverräter interessiert mich nicht, was er verraten hat und ob ihm der Verrat gelungen ist und ob er die Geldquittung bekommen hat, mich interessiert nur, ob er für oder gegen Deutschland gestanden ist. Bei gewissen Roheitsdelikten ist es das gleiche.
Fangen, einsperren, auslassen, überwachen, wiederfangen; wie die Jägerei das Wild hegt, um es bei Gelegenheit umbringen zu können, so hegen die Juristen die Unterwelt. Wenn ich mir die Behandlung von Verdunkelungsverbrechern ansehe: Da knobelt so ein Jurist, bis er wieder einen Milderungsgrund herausfindet] Ändern tut sich so ein Schwein nie]
Ich bin barmherzig meinen anständigen Volksgenossen gegenüber. Ich spüre nur die eine Verpflichtung, die anständige Bevölkerung vor der Unterwelt in Schutz zu nehmen. Diese juristische Geisteswelt ist eine für uns geradezu verbotene]
Ein Gericht schlägt mir vor die Begnadigung eines Kerls, der ein Mädchen, das von ihm schwanger wurde, in den Wannsee geworfen hat, mit dem Bemerken, der Mann habe das aus Angst vor dem unehelichen Kind getan] Ich habe dabei festgestellt, daß alle, die so etwas taten, bisher immer begnadigt wurden, in Hunderten von Fällen] Das ist aber doch die größte Roheit] Ich sagte Gürtner: Von solchen begnadige ich nicht einen, Sie brauchen mir das gar nicht mehr zu bringen]
Eines Tages schlägt mir (der Chef der Präsidialkanzlei) Meißner vor, ein des Landesverrats schuldiges Mädchen zu begnadigen, weil es Philosophie studiert hat] Ich sagte Meißner: Sind Sie wahnsinnig? Wenn ein junger Bursche einmal einen Fehltritt macht und ich S.214 muß mir sagen, das ist ein blöder Kerl, ja] Aber in so einem Fall]
28./29. 12. 1941
Eines steht außer Zweifel: Einen vollgültigen Ersatz für (den Nürnberger Gauleiter und Antisemitenführer) Streicher haben wir nicht] Bei allen Schwächen, die er hat, es gibt keine so vollblütige Gestalt wie ihn.
Wenn wir nicht lügen wollen, müssen wir vor der Geschichte feststellen: Es gäbe kein nationalsozialistisches Nürnberg, wenn Julius Streicher nicht gekommen wäre] Er hat sich mir als Führer unterstellt zu einer Zeit, wo andere das nicht getan haben, und er hat die Stadt der Parteitage restlos erobert; es ist sein unvergängliches Verdienst.
Was Streicher im "Stürmer" getan hat: Er hat den Juden zeichnerisch idealisiert; der Jude ist viel gemeiner, viel blutgieriger, satanischer, als Streicher ihn dargestellt hat.
Wenn ich einmal meine Memoiren schreibe, muß ich erklären, das war der Mann, der wie ein Büffel gekämpft hat, wie ein Stier, er hat mir Franken erobert, das ist sein Werk] Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich das Gefühl habe, daß ich einem Menschen nicht ganz gerecht werde. Immer wenn ich nach Nürnberg komme, habe ich ein sehr bitteres Gefühl. Unwillkürlich sagt man sich doch, gegenüber diesen Verdiensten sind die Gründe, die zur Entlassung geführt haben, kleinlich]
Ich kann ein Würstchen hinsetzen, das führt mir wunderbar den Gau weiter im Rahmen des Großdeutschen Reiches. Kommt ein Zusammenbruch, so läuft mir der aber weg. Ich kann meinen Nachfolgern nur empfehlen, daß sie sich bemühen, loyal zu sein in einem solchen Falle.
Ganz normal sind wir wahrscheinlich alle nicht, sonst würden wir als Spießer in einer Wirtschaft sitzen. Das Zentrum, die Bürgerlichen, alle haben mich für wahnsinnig erklärt, in ihren Augen war der normal, der am Abend seine drei Schoppen trinkt: Warum macht er diese Geschichte, das ist der Beweis, daß er verrückt ist] Wie viele mußten ihr Elternhaus verlassen, weil man den Sohn als Apfel ansah, der weit vom Stamm gefallen ist.
Wenn ich von dem Standpunkt ausgehe, was hat er für Fehler gemacht?, dann kann ich jeden großen Mann vernichten. Gegen Richard Wagner hat man gekämpft: Er trägt seidene Schlafröcke] Verschwendungssucht, Unfähigkeit mit Geld zu rechnen, der Mann ist verrückt]
Bei mir genügte es schon zu sagen, daß ich Gelder für Menschen ausgegeben habe, ohne zu wissen, ob sie gut angebracht waren. Wenn man jemanden töten will, findet man Gründe. Mir macht''s nichts, wenn man es mit mir macht, aber ich schäme mich, wenn ich mit einem solchen Maßstab messe]
Ich habe einmal ein Paket Briefe bekommen, von (dem preußischen SPD-Innenminister) Severing; sie hätten ihn vernichtet. Ich habe gleich zum Doktor (Goebbels) gesagt: Die dürfen wir nicht veröffentlichen. Es waren Herzensergüsse, wie sie ein kleiner Ladenjüngling seinem Mädchen macht. Mir ist er dadurch eigentlich nähergekommen. Vielleicht war das auch ein Grund, weshalb ich davon abgesehen habe, ihn zu verfolgen.
Auch die Lichtbilder von der Mathilde von Kemnitz (der zweiten Frau des Generals Ludendorff) habe ich im Tresor, sie dürfen nicht veröffentlicht werden.
Ich sagte mir: Es geht nicht, daß einer verhungern muß, nur weil er mein Gegner war. War er ein gemeiner Feind, dann ins KZ mit ihm; hat er aber sein Amt nicht zu persönlichem Eigennutz mißbraucht, so lasse ich ihn laufen und sorge dafür, daß er leben kann. So habe ich auch (dem ehemaligen SPD-Wehrminister) Noske und vielen anderen geholfen und, wie ich von Italien zurückkam, habe ich ihnen die Pensionen erhöht. Jeder hat heute, ich glaube, 800 Mark.
Aber nie konnte ich erlauben, daß die Männer für mich eine politische Erklärung abgeben, wozu sich Severing zum Beispiel oftmals anbot. Es hätte so ausgesehen, als hätte ich mir das erkauft] Von einem weiß ich, daß er sagt: Mehr, als wir uns je vorgestellt haben, ist erreicht worden]
Auch (der ehemalige KPD-Vorsitzende) Thälmann wird im KZ sehr anständig S.216 behandelt; er hat ein eigenes Häuschen drinnen. (Der ehemalige KPD-Fraktionschef) Torgler ist freigelassen worden, er arbeitet in Deutschland an einem Werk über den Sozialismus im 19. Jahrhundert. Ich bin der Überzeugung, daß er den Reichstag angezündet hat, aber nachweisen konnte ich es ihm nicht; persönlich habe ich ihm nichts vorzuwerfen; er hat sich auch vollständig davon abgewendet. Hätte ich den Mann vielleicht einmal getroffen zehn Jahre vorher] Er war von Haus ein kluger Mensch.
1./2. 1. 1942, nachts
Die Trauung, meine ich, werden wir so einrichten, daß nicht ein Paar allein da herantritt. Wenn jedes Paar zehn Angehörige dabei hat, haben wir bei 50 Paaren 500 Zuschauer; da kann man schon etwas Schönes geben. Der Standesbeamte von heute steht vor einer unmöglichen Aufgabe. Man kann nicht zehnmal am Tag gleich gut sprechen. Und was reden die Standesbeamten oft für Zeug zusammen] Schon das Wort Standesbeamter ist nicht schön.
3./4. 1. 1942, nachts
Der militärische Gruß ist etwas Unglückliches. Ich habe den Deutschen Gruß (Hitler-Gruß) deswegen bei mir eingeführt, weil sich folgendes abgespielt hat.
Ich hatte den Befehl gegeben, mich nicht mit dem Deutschen Gruß zu grüßen. Aber viele vergaßen das. (Heeres-Oberbefehlshaber) Fritsch zog die Konsequenz, er gab 14 Tage Mittelarrest dem, der mich mit dem Deutschen Gruß gegrüßt hatte. Darauf habe ich den Deutschen Gruß eingeführt.
Bei Paraden, wenn die Offiziere, die vorbeireiten, den alten Gruß anwenden: Wie schlecht sieht das aus und wie wirklich schön, wie wunderbar ist es, wenn der Deutsche Gruß angewendet wird] Ich habe ihn zum Partei-Gruß gemacht, nachdem der Duce längst ihn hatte.
Ich hatte die Beschreibung vom Reichstag in Worms gelesen: Luther wurde mit dem alten Deutschen Gruß begrüßt, der zeigen sollte, daß sie ihm nicht mit der Waffe, sondern in Frieden gegenüberstehen. Der friderizianische Gruß war noch, den Hut herauszuhalten. Im Mittelalter mußten die Unfreien die Kopfbedeckung herunternehmen, während die Edlen mit dem Deutschen Gruß gegrüßt haben.
Im Ratskeller in Bremen habe ich 1921/22 die Leute sich so grüßen sehen. Da ist es mir zum ersten Mal aufgefallen. Es ist das alte Überbleibsel: Ich habe keine Waffe in der Hand] Am ersten Parteitag in Weimar habe ich dann so grüßen lassen. Die SS hat es ganz stramm gemacht. Die anderen haben uns von da an Faschistenhunde genannt.
Das Wort "Der Führer" wird in zehn Jahren ein überpersönlicher Begriff S.217 sein. Ich brauche den offiziellen Titel nur dahin festzulegen: Der Führer, dann ist der Begriff Reichskanzler verschwunden. Dieser Titel vermeidet, daß irgendein Klimbim dazukommt, dabei ist wunderschön, daß die Deutschen sagen dürfen: Mein Führer, während die anderen nur sagen können: Führer. Daß sich das eingebürgert hat, ist eine wundervolle Sache.
Mit mir spricht niemand in der dritten Person. Alles schreibt: "Mein Führer, ich grüße Sie". Die dritte Person verschwindet durch mich. Wir müssen hier den letzten Schatten aus dem zopfigen, unterwürfigen Feudalzeitalter abschaffen.
Ich weiß gar nicht, woher der Titel Führer kam, ich habe ihn gar nicht eingeführt. Er kam plötzlich auf im Volk, und langsam ist er zu einem Begriff geworden. Ich bin so glücklich, daß ich seinerzeit den Titel Reichspräsident abgelehnt habe. Der Titel Führer ist an sich der schönste, weil er aus der Sprache erwachsen ist. Es hat sich das so ergeben, das ist auch das richtige. Auch das Wort "Mein Führer", ich glaube, das haben die Frauen geprägt.
4. 1. 1942, mittags
Wenn ich mich einmal aufnehmen ließe mit einer Zigarre, ich glaube, die Firma Reemtsma würde mir sofort eine halbe Million zur Verfügung stellen] Oder wenn ich in einem Pelzmantel, einen Muff in der Hand, das Gewehr vor mir, in einem Anstand auf Hasen zu sehen wäre]
Maßlos geschadet hat mir einmal ein Brief gegen einen Bierbrauer: Sie sollten nicht so tun, wie wenn sie einzig für das Volk sorgen wollten, wenn sie immer vom kleinen Mann reden, dem man sein Bier lassen muß] Die erste Folge war: Amann (der Geschäftsleiter des "Völkischen Beobachter") kam käseweiß zu mir, das Hofbräu, das Löwenbräu und das Bürgerbräu hätten uns ihre Annoncen gesperrt, was einen Ausfall von 7000 Mark sofort und von 27 000 für Dauer-Annoncen zur Folge hatte. Ich habe mir geschworen, niemals mehr einen Artikel in der Wut zu schreiben]
5./6. 1. 1942, nachts
Stalin steht da als der Mann, welcher der bolschewistischen Idee zum Sieg zu verhelfen gedachte. In Wirklichkeit ist er nur Rußland, die Fortsetzung des zaristischen Panslawismus] Der Bolschewismus ist ihm ein Mittel zum Zweck: Vor den germanischen und romanischen Völkern dient er als Tarnung.
Wären wir nicht 33 zur Macht gekommen, dann wäre das über Europa hingebraust wie ein Hunnensturm] Ganz Europa wäre das Opfer geworden, denn wir hätten nichts machen können]
Wir sind an einem Abgrund vorbeigekommen, den kein Mensch gekannt hat. Drei, vier Tage vorher habe ich noch eine Unterredung mit dem Reichsmarschall gehabt: Göring, es wird der schwerste Kampf, den wir je S.220 gehabt haben] Göring sagte, wieso, mein Führer?
7. 1. 1942, abends
Ich habe noch keinen Engländer gesprochen, der Churchill nicht abgelehnt hätte. Jeder hat gesagt, der Mann ist geisteskrank] Man sieht es jetzt: Hätten wir den Krieg gleich verloren, dann wäre doch wieder eine kontinentale Macht dagewesen, und was für eine]
Deshalb, weil Amerika von England verlangt, Ostasien aufzugeben, wird Churchill eine Änderung seiner Beziehungen zu Amerika nicht eintreten lassen: Er ist ein bestechliches Subjekt.
Etwas halte ich nicht für ausgeschlossen: Wenn von allen Staaten einer die Generalbilanz zieht, so ist England der erste. Nur ein einziger Staat kann in diesem Krieg nichts gewinnen und nur verlieren: England.
Wenn sie Singapur einmal aufgegeben haben, so liegt es fern, gegen Japan noch aufzukommen. Neue Waffen müßten gefunden werden. Japan hat seine eigenen Basen, es beherrscht die See und auch die Luft.
England kann nur den einen Gedanken haben, daß ihm Rußland hilft von Wladiwostok aus. Ich glaube, wenn die Engländer heute wüßten, daß sie mit einem blauen Auge davonkommen könnten, so würden sie lieber heute als morgen Schluß machen.
Churchill ist das, was wir früher immer als Journaille bezeichnet haben. Die Opposition konsolidiert sich jetzt. Seine lange Abwesenheit war ungünstig für ihn. Ich glaube, wenn überhaupt ein Staat aus diesem Krieg ausscheidet vor seinem Ende, so ist es England. Ich weiß es nicht, aber ich glaube es.
Sicher ist, für die Engländer ergeben sich ungeheuerliche Konsequenzen. Was ist für uns zu tun? Gar nichts zu machen] Der Schutz für unser Reich ist, daß die Japaner niemals mehr das amerikanische Meer aufgeben. Für England kann es sich nur darum drehen, ob ihm Indien bleibt. Ein Sonderfriede müßte ausgehandelt werden.
Frage: Was tut Amerika? Sie werden sich schadlos halten am Territorialen. England wird eines Tages zum Kontinent gezwungen sein] Eine deutschenglische Armee wird die Amerikaner aus Island herauswerfen.
Den Amerikanern traue ich eine ganz große Zukunft deshalb nicht zu, weil sie in meinen Augen ein verderbter und korrupter Staat sind. Dazu kommen noch Gesellschaftsgegensätze in der schwersten Form.
Das antike Rom war ein kolossal ernster Staat. Es waren große Ideen, welche die Römer beseelt haben. In England ist das heute nicht so. Trotzdem ist mir ein Engländer tausendmal lieber als ein Amerikaner.
Einen Haß und eine Abneigung tiefster Art aber habe ich gegen den Amerikanismus. Jeder europäische Staat steht einem näher. Amerika ist in seiner ganzen geistigen Haltung eine halb verjudete und vernegerte Gesellschaft. Wie will man annehmen, daß dieser Staat hält, wenn 80 Prozent des Einkommens weggesteuert werden, ein Land, in dem alles nur auf den Dollar aufgebaut ist?
13. 1. 1942, abends
Ich kenne die Tatsachen: Das ganze (tschechische) Volk ist schwankend. Ein Teil möchte die Verständigung mit Deutschland, ein anderer tendiert nach der Seite Benesch (Chef der Exilregierung in London). Nicht eingreifen heißt sich eine Katastrophe zuziehen]
Vor zweieinhalb Jahren mußte ich das erste Mal durchgreifen. Neun Leute sind erschossen worden, zweieinhalbtausend sind ins KZ gekommen. Das Ergebnis war die augenblickliche Wiederherstellung der Ruhe.
Am frechsten sind immer die, welche man am entgegenkommendsten behandelt. Das wird einem als Schwäche oder Dummheit ausgelegt. Da ist schon leichter zu ertragen, für brutal gehalten zu werden.
Im übrigen glaube ich, daß (der tschechoslowakische Präsident) Hacha in die Geschichte seines Volkes noch als einer der größten Staatsmänner eingeht. Damals, 1939, hatte ich ihnen gedroht: Wenn bis sechs Uhr die Geschichte nicht bereinigt ist, würden deutsche Flugzeuge über Prag kommen.
Ich wäre heillos blamiert gewesen, da um die Zeit ein so starker Nebel war, daß kein Flugzeug hätte aufsteigen können. Um drei Uhr war die Unterredung mit Hacha beendet. Er hat seine Regierung verständigt, und nach drei viertel Stunden kam Vollzugsmeldung: Es werde nicht geschossen werden. Ihre Armee hatten die Tschechen in Ordnung] Der Befehl war Hacha von meinen Herren aufgesetzt worden.
Ich hatte eine gewisse Besorgnis, wie Hacha kam, weil er gebrechlich war. Was hätte die Auslandspresse geschrien, wenn ihm etwas passiert wäre]
Wie er nun am Morgen zu mir kam, entwickelte er einen Geist des Widerstands, der ihm vorher ganz fremd war. Er wollte nicht, daß der Außenminister mit unterschreibt. Ich sagte mir: Er ist ein Jurist, vielleicht besteht in der Tschechei eine Bestimmung, daß ein Staatsakt keine Gesetzeskraft hat, wenn er vom Außenminister nicht unterzeichnet ist. So habe ich auf der Unterschrift des Außenministers bestanden.
Nächsten Tag in Prag frug er mich, was das gewesen sei, womit man ihn zu einem anderen Menschen gemacht hätte? Die Spritze von Professor Morell (Hitlers Leibarzt) hat das bewirkt]
Heute erhalte ich von Hacha die glutvollsten Sympathiebezeugungen -ich S.223 veröffentliche sie nicht, um nicht den Anschein zu erwecken, als brauchte man die Unterstützung eines Besiegten.
17./18. 1. 1942, nachts
Erst kommt der Schnee und dann der Frost] So stand es in den Büchern über Rußland, und (der Rußland-Experte) Hilger hat mir auch nichts anderes gesagt. Man sieht, auf all diese Beobachtungen ist kein Verlaß.
Man mag die Durchschnittstemperatur unter Zuhilfenahme des Mittels einer großen Reihe von Jahren errechnen, aber man muß dann doch dazu vermerken: Es kann auch einmal ein Jahr kommen, in dem die Temperaturschwankungen bei weitem größer sind, als das errechnete Mittel annehmen läßt.
Das war es, was zu dem Schock geführt hat, das Unerwartete, und daß die Leute dafür nicht ausgerüstet waren. Und weiter: Die Taktik unserer Führung hat sich auf diese Gegebenheiten erst umstellen müssen. Heute lassen wir die Sowjeteinheiten durchbrechen, ohne uns vom Fleck zu rühren. Hinter unseren Linien werden sie dann vernichtet, oder sie verkommen in den Dörfern, denn es fehlt ihnen an jeder Nachschub-Organisation.
Dazu braucht man aber Nerven und, das kann ich offen sagen, mein Herr Vorgänger (der Heeres-Oberbefehlshaber von Brauchitsch) hat die Nerven dazu nicht gehabt. Die Generäle müssen eiskalte Hundeschnauzen sein, unangenehme Leute, wie ich sie in der Partei habe.
Das sind die Soldaten, die man in solcher Lage nötig hat. Wäre der Frost nicht gekommen, so wären wir weiter gelaufen, 600 Kilometer; wir waren nahe daran] Die Vorsehung hat eingegriffen und hat uns vor einer Katastrophe bewahrt.
22. 1. 1942, abends
Einem Kannibalen beibringen, daß er den anderen nicht auffressen soll, das ist sehr schwer, er begreift das nicht: Für ihn ist das von Natur aus so] Aber fürchten Sie nicht, daß ich durch eine Verordnung der Marine das Fleischessen verbieten will] Wir hätten den Nationalsozialismus in Deutschland nicht erfolgreich durchsetzen können, wenn ich die Fleischkost verboten hätte.
Sofort wäre die Frage aufgetaucht, z''wegen was ist dann überhaupt eine Kalbshaxn da? Die Grundlage unserer Ernährung ist im großen heute die Kartoffel. Nur ein Prozent der ganzen deutschen Grundfläche dient aber als Kartoffel-Land.
Wären es drei Prozent, so hätte jeder mehr als genug zu essen] 37 Prozent sind Weide, und das Gras frißt nicht der Mensch, sondern das Vieh. Alle Fleischfresser unter den Tieren sind in der Leistungsfähigkeit den Pflanzenfressern unterlegen. Ein Löwe kann keine Viertelstunde Trab laufen, ein Elefant acht Stunden.
Die Affen, unsere Verwandten aus der Vorzeit, sind reine Pflanzenfresser. Zu den stärksten Menschen gehören die japanischen Ringer, sie essen nur Pflanzenkost. Desgleichen die türkischen Lastträger, Männer, von denen einer ein Klavier heben kann]
Ich habe, solange ich Fleisch gegessen habe, ungeheuer geschwitzt; in einer Versammlung habe ich vier Maß Bier getrunken, dabei aber neun Pfund abgenommen] Und dann noch sechs Flaschen Wasser getrunken. Als ich Vegetarier geworden war, brauchte ich nur ab und zu noch einen Schluck Wasser]
Wenn man einem Kind Fleisch und einen Kuchen oder einen Apfel hinlegt, greift es nie zum Fleisch; das ist atavistisch] Das Kind würde auch nie Bier oder Wein trinken oder zu rauchen anfangen, wenn es die Erwachsenen das nicht tun sähe]
Der Fleischkonsum geht automatisch damit zurück, daß mehr Gemüse gereicht wird und daß jeder sich das vegetarische Essen leisten kann. Ich glaube, daß der Mensch zum Fleisch gekommen ist, weil die Eiszeit ihn in Not gebracht hat. Zugleich kam er zum Kochen, was sich heute schädlich auswirkt.
Alles zum Beispiel, was eine Landbevölkerung zu sich nimmt, ist über 100 Grad erhitzt und damit untauglich geworden] Die südlichen Völker kannten beides nicht] Wunderbar gelebt habe ich in Italien. Das war für mich das Schönste] Die Küche in Rom einfach wunderbar]
22./23. 1. 1942, nachts
Meinen Foxl in Fromelles, ich hab ihn oft studiert] Wenn er von seiner Freundin kam, die ein Riese war, war er total zerbissen; wir haben ihn verbunden, hat man einen Moment weggeschaut, dann hat er die Verbände abgeschüttelt.
Eine Fliege begann zu summen, er lag da, hat die Schnauze auf seinen Pfoten; die Fliege kommt, er zuckt, zuckt wieder, schaut sie an, wie hypnotisiert; allmählich wurde er ganz alt, bekam richtige Falten im Gesicht, den Kopf auf, wieder hin. Auf einmal ist er los, hat gebellt und Geschichten gemacht. Ich habe gesehen, wie ihm allmählich die Galle überlief, genau wie es den Menschen auch geht. Das war ein netter Kerl]
Er saß neben mir, wenn ich gegessen habe, sah mir mit jedem Bissen zu. Habe ich ihm beim fünften, sechsten Bissen nichts gegeben, dann legte er die Pfoten auf, schaute mich an mit einem Blick: Ich bin doch auch da] Ich habe ihn so gern gehabt]
N iemand durfte mich anrühren, da ist er rabiat geworden. Nur mir hat er gefolgt. Dann kam die Zeit mit dem Gaskrieg. So konnte ich ihn nicht mehr mitnehmen nach vorn. Da hat er von anderen zu fressen gekriegt.
Aber nach zwei Tagen, wenn wir aus der Stellung zurückgekommen waren, ist er immer wieder nur bei mir gewesen. Alle haben ihn gern gehabt. Wenn wir marschiert sind, ist er hie und da S.224 zurück, hat geschaut. Ich habe alles mit ihm geteilt.
Wenn ich fort hab'' müssen, in die Stellung, und es war starkes Feuer, da habe ich ihn in der Unterkunft angehängt. Aber meine Kameraden haben mir gesagt, er hat auf niemand reagiert, bis ich wieder da gewesen bin. Wenn ich nur in die Nähe gekommen bin, hat er mich schon erkannt, das war dann ein Geschrei]
Die Rattenjagd ist für ihn die größte Freude gewesen. Er hat die ganze Somme-, die Arrasschlacht mitgemacht, nervös war er gar nicht. Als ich verwundet worden war, hat ihn der Karl Lanzhammer bei sich gehabt, er sagte mir, es war schrecklich mit ihm. Wie ich zurückgekommen bin, ist er auf mich los wie ein Narr.
Ach, daß sie mir den geklaut haben] Ich dachte mir, wenn ich mit dem Leben davonkomme, kaufe ich mir im Frieden eine Hündin dazu. Ich hätte ihn nicht hergegeben, um keinen Preis. In meinem Leben habe ich noch keinen Hund verkauft.
Da kam einer her und wollte den Hund erwerben. Er war ein richtiger Zirkushund. Alle denkbaren Kunststücke hat er gemacht. Vor Kolmar kam der Eisenbahner noch einmal und hat mir 200 Mark geboten. Und wenn Sie mir 200 000 geben, Sie kriegen ihn nicht]
Wir treten in Harpsheim an, auf einmal fehlt der Hund. Marsch] Ich konnte nicht stehenbleiben. Ich bin weg von dem Bahnhof mit einem Gefühl] Dieser Schweinehund, der ihn mir genommen hat, weiß gar nicht, was er mir angetan hat.
Entscheidend ist, daß ein Hund immer beim Herrn schläft. Wenn ein Hund mit umflorten Augen vor sich hinstiert, die Augen voll Wasser, dann weiß man, er denkt an das, was war.
24./25. 1. 1942, nachts
Der Tag nach der Beendigung der (Bayreuther) Festspiele und der Dienstag in Nürnberg (während des Parteitages der NSDAP), das ist für mich etwas so Trauriges, wie wenn vom Christbaum der Schmuck entfernt wird] Nürnberg bedeutet für mich ja eine furchtbare Anstrengung, die schlimmste Zeit im Jahr]
Wir wollen den Parteitag deshalb auch auf zehn Tage ausdehnen, damit ich nicht in einem fort sprechen muß. Ich hatte aus dem Grund schon eingeführt, daß die Proklamation verlesen wird. Ich kann nicht mehr so viel sprechen]
Und ich will gehen, wenn ich sehe, daß es mir schwer wird, den Parteitag in dem alten Stil durchzuhalten. Am anstrengendsten ist das vielstündige Stehen beim Vorbeimarsch. Es ist mir doch schon schwindelig geworden ein paar Mal. S.225
Man macht sich keinen Begriff, wie qualvoll es ist, so lang mit durchgedrückten Knien stehen zu müssen. Ich brauche einen Schutz gegen die Sonne. Das Grüßen mit dem ausgestreckten Arm habe ich mir schon leichter gemacht als das letzte Mal, aber ich bin gewohnt -- alle die Männer schauen doch zu mir her --, jedem ins Aug'' zu sehen.
Wenn der Papst unter einem Baldachin getragen wird: Das sind meist gebrechliche alte Herren] Und der Palmwedel der Pharaonen: Er hatte den Zweck, ihnen Luft zuzufächeln] Vielleicht ist es doch möglich, die Kolonnen statt wie bisher in 12er-Reihe künftig in 16er-Reihe kommen zu lassen. Es werden dann aus fünf Stunden vier Stunden, und das ist schon etwas.
25. 1. 1942, mittags
Wenn ich 150 000 Wolhyniendeutsche herausziehe, so ist das auch mit Härten verbunden, wie die Räumung von Südtirol. Wenn ich heute den Juden herausnehme, dann wird unser Bürgertum unglücklich: Was geschieht denn mit ihm?
Aber haben sich die gleichen darum gekümmert, was aus den Deutschen werden würde, die auswandern mußten? Man muß es schnell machen, es ist nicht besser, wenn ich einen Zahn alle drei Monate um ein paar Zentimeter herausziehen lasse --, wenn er heraußen ist, ist der Schmerz vorbei.
Der Jude muß aus Europa heraus. Wir kriegen sonst keine europäische Verständigung. Er hetzt am meisten überall. Letzten Endes: Ich weiß nicht, S.228 ich bin kolossal human. Zur Zeit der päpstlichen Herrschaft in Rom sind die Juden mißhandelt worden. Bis 1830 wurden acht Juden jedes Jahr durch die Stadt getrieben, mit Eseln.
Ich sage nur, er muß weg. Wenn er dabei kaputtgeht, da kann ich nicht helfen. Ich sehe nur eines: die absolute Ausrottung, wenn sie nicht freiwillig gehen.
26. 1. 1942, abends
Ein Frauenzimmer, das sich in politische Sachen einmischt, ist mir ein Greuel. Völlig unerträglich wird es, wenn es sich um militärische Sachen handelt]
In keiner Ortsgruppe der Partei durfte eine Frau auch nur die kleinste Stelle haben. Man hat daher immer gesagt, die Partei sei frauenfeindlich, wir würden in der Frau nur eine Gebärmaschine oder ein Lustobjekt sehen. Das ist nicht der Fall: In der Jugendfürsorge und auf karitativem Gebiet habe ich ihr viel Raum gegeben]
1924 tauchten bei mir die politischen Weiber auf: Die Frau von Treuenfels, die Mathilde von Kemnitz, sie wollten Reichstagsmitglieder werden, um die Sitten dort zu veredeln.
Ich sagte ihnen, 99 Prozent aller Beratungsgegenstände sind Männerdinge, die Sie nicht beurteilen können] Die Frauen wollten aufbegehren, konnten mir aber nicht mit der gleichen Waffe begegnen, als ich ihnen vorhielt: Sie werden doch nicht behaupten, daß Sie die Männer so gut kennen, als ich die Frauen kenne]
Ein Mann, der brüllt, das ist nicht schön, aber schlimmer ist es noch bei der Frau: Ihre Stimme wird um so piepsiger, je mehr sie schreit] Sie fangen an zu kratzen oder mit Haarnadeln zu stechen] Je galanter man einer Frau gegenüber ist, desto mehr wird man die Frau davon zurückhalten, Dinge zu versuchen, die ihr nicht liegen.
27. 1. 1942, abends
Wenn an meiner Stelle 1936 (bei der Krise um die Rheinland-Besetzung) am 13. März ein anderer gestanden hätte: Jeder würde die Nerven verloren haben] Einzig meine Sturheit und meine Frechheit hat uns geholfen.
Ich mußte lügen: Wenn bis nächsten Tag nicht eine Entspannung eintritt, lasse ich weitere sechs Divisionen (im Rheinland) einmarschieren] Dabei hatte ich nur vier Regimenter] Den nächsten Tag schrieben die englischen Zeitungen: Eine Entspannung der Lage ist eingetreten]
Im nächsten Heft
Hitler über seine italienischen Verbündeten: "Lauter reine Germanen"
S.206 Mit Staatssekretär Meißner (M.) und Nuntius Orsenigo. * S.208 Mit Sohn, Tochter, Ehefrau in Berlin. * S.223 In der Reichskanzlei, vor der Unterzeichnung des Abkommens über die Schaffung des Protektorats Böhmen und Mähren, März 1939. *

DER SPIEGEL 12/1980
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