20.02.2016

GlobalisierungKampf den Zombies

Die Angst vor einem Absturz der chinesischen Konjunktur lässt weltweit die Börsen beben. Die Regierung in Peking muss die Wirtschaft des Landes drastisch umbauen. Es ist eine Jahrhundertreform – mit ungewissem Ausgang.
Im vergangenen Jahr hat China mehr Eisenerz importiert als je zuvor, mehr als die Hälfte dessen, was auf der ganzen Welt gefördert wurde.
"Warum braucht China so viel Eisenerz?", fragt Michael Pettis. "Damit es mehr Stahl kochen kann. Wozu aber braucht China so viel Stahl? Damit es mehr Schiffe bauen kann. Warum braucht China so viele Schiffe? Damit sie mehr Eisenerz holen können."
Pettis, 57, US-Ökonom und Finanzstratege, lehrt an der Universität Peking. Seit 13 Jahren lebt er in China, seine Bücher zählen zu den anspruchsvollsten und unterhaltsamsten über die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Er kennt Chinas Ökonomie nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als Unternehmer: Vor zehn Jahren gründete er ein Label für chinesischen Punkrock, im Nordwesten Pekings betrieb er eine Zeit lang einen Live-Klub.
Das Frage-und-Antwort-Spiel über Eisenerz und Chinas Schiffsindustrie erzählten ihm seine chinesischen Studenten, "und die", sagt er, "haben es von ihren chinesischen Professoren". Es bringt nach Ansicht Pettis' die wirtschaftliche Situation Chinas sehr gut auf den Punkt: So wie bisher kann es nicht weitergehen, das bisherige Wachstumsmodell hat ausgedient.
Wie aber soll, wie kann es weitergehen? Schon jetzt hat die Eintrübung der chinesischen Konjunktur die Weltwirtschaft beeinflusst wie kaum ein anderes Ereignis seit der Finanzkrise nach 2007. Zweimal, im vergangenen Sommer und zu Jahresbeginn, brachen die chinesischen Börsen ein und rissen weltweit die Aktienmärkte mit in die Tiefe. Seither kommen sie nicht mehr zur Ruhe. Die Sorge wächst, dass die Geschichte von Chinas wirtschaftlichem Aufstieg, einem der steilsten, kraftvollsten und nachhaltigsten der jüngeren Geschichte, zu Ende gehen könnte – mit möglicherweise dramatischen Folgen.
Bereits seit einigen Monaten wetten einige der größten Hedgefonds darauf, dass mit Chinas Wirtschaft auch seine Währung, der Yuan, unter Druck geraten wird. Er erwarte nicht nur, dass China vor einer "harten Landung" stehe, sagte der prominente Börsenspekulant George Soros Ende Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos – "ich beobachte das bereits". Sein amerikanischer Kollege Kyle Bass, der den Hedgefonds Hayman Capital leitet, hat 85 Prozent seines Portfolios auf den Niedergang von Yuan und Hongkong-Dollar gesetzt. Er rechnet in den kommenden drei Jahren mit einer Abwertung von bis zu 40 Prozent: "Das ist viel größer als die Subprime-Krise", zitiert ihn das "Wall Street Journal".
Diese Unsicherheit trifft auf eine ohnehin fragile Weltwirtschaft, die gezeichnet ist von Währungsturbulenzen und steigenden Schulden. Und zu alldem bringt der Absturz des Ölpreises ganze Volkswirtschaften an den Rand des Ruins.
Auch China ist massiv überschuldet. "Als Mao Zedong vor 40 Jahren starb, hatte China nur drei große zivile Flughäfen", sagt Michael Pettis. "Natürlich brauchte das Land mehr Flughäfen, mehr Straßen, mehr Eisenbahnen und Fabriken." China begann zu bauen, zu exportieren und zu investieren, und weil seine Investitionen immer größer wurden, begannen Chinas Provinzen, die Städte und Unternehmen, Kredite aufzunehmen.
"Chinas Wachstumsgeschichte verlief wie viele andere solche Geschichten auch", sagt Pettis. "Mit einem Unterschied: China hat sich noch schneller und höher verschuldet als alle anderen Volkswirtschaften."
Inzwischen nährt sich Chinas Wachstum – seit vergangenem Monat offiziell unter der magischen Siebenprozentmarke – von immer höheren Krediten. 28 000 Milliarden Dollar beträgt Chinas Gesamtverschuldung, nach Pettis' Berechnungen wächst sie um jährlich 14 Prozent, doppelt so schnell wie die Wirtschaftsleistung.
"China braucht neue Quellen für sein Wachstum", sagt Pettis. "Und das können nicht noch mehr Eisenerzfrachter sein."
Pettis' Diagnose, für die er vor Kurzem noch von vielen Ökonomen kritisiert wurde, teilt mittlerweile auch Chinas Regierung. Sie teilt sogar den Kern seines Vorschlags zur Therapie: Die Chinesen müssen mehr Geld ausgeben, das Land braucht mehr Konsum und Dienstleistungen. Chinas Wirtschaft muss reifer werden.
Der 13. Fünfjahresplan, der seit November in Grundzügen bekannt ist und im März verabschiedet werden soll, drückt es im Jargon der Kommunistischen Partei aus. Der Kernsatz lautet: "Um die fundamentale Rolle des Konsums für das Wachstum auszuspielen, werden Anstrengungen unternommen, den privaten Verbrauch zu erweitern und auf einen intelligenten, grünen, gesunden und sicheren Pfad auszurichten sowie Dienstleistungen anzukurbeln."
Chinas Wirtschaft soll also umgebaut werden: von einer investitions- und exportgetriebenen zu einer Konsum- und Dienstleistungswirtschaft. So sagt es der Ökonom Michael Pettis, so steht es im Fünfjahresplan der Kommunistischen Partei, so sagen es inzwischen selbst die Weltbank und der Internationale Währungsfonds.
Dass sich so viele Experten einig sind, ist bemerkenswert – aber keine Garantie dafür, dass dieser Umbau auch gelingt. Nicht nur Chinas Wirtschaft ist in den vergangenen 30 Jahren gewachsen, sondern auch die Zahl der Akteure, die von ihr abhängen und auf sie einwirken. Das Netzwerk, das sich heute von den Fabriken im Jangtse- und Perlflussdelta bis auf die Kapital- und Rohstoffmärkte der Welt erstreckt, ist zu komplex geworden, um es, wie zu Beginn von Chinas Aufschwung, von aus Peking steuern zu können.
Werden die Chinesen ihr Geld künftig ausgeben, statt es zu sparen, weil die Regierung das beschlossen hat? Werden die Staatsbetriebe ihre Produkte ändern, weil die Partei das so will? Werden die Banken Unternehmer finanzieren, die gute Ideen haben statt guter Verbindungen im Apparat? China steht nicht nur vor dem Umbau eines Geschäftsmodells, das Land steht vor einer Systemreform.
Die Regierung muss nicht nur die Gewohnheiten ihrer Bürger verändern, die aus Sorge vor Krankheit und Altersarmut bislang mehr Geld zurücklegen als nahezu jedes andere Volk der Welt. Sie muss zugleich die mächtigen Seilschaften zwischen Partei, Verwaltung und Staatsunternehmen auflösen, die mit dem heutigen System gewachsen sind und von ihm profitieren. Sie muss Besitzstände und Überkapazitäten in den traditionellen Industrien zurückführen und die Gründung neuer, innovativer Unternehmen fördern – und das, ohne eine Finanz- oder gar eine soziale Krise auszulösen.
Chinas Wachstum, beklagte bereits vor Jahren der damalige Premier Wen Jiabao, sei "instabil, unausgeglichen, unkoordiniert und letztlich unhaltbar". Peking hat sich lange Zeit gelassen, diese Missstände zu beheben. Inzwischen ist Chinas Bedeutung so gestiegen, dass die ganze Welt darauf hoffen muss, dass Peking diese Jahrhundertreform gelingt.
In der chinesischen Regierung ist Ministerpräsident Li Keqiang für die Wirtschaftspolitik zuständig, im Januar kam er nach Taiyuan, der Hauptstadt der Kohle- und Stahlprovinz Shanxi. Fabriken und rauchende Schlote dominieren das Bild der klassischen Industriestadt. Den vier Millionen Einwohnern von Taiyuan stehen schwere Zeiten bevor.
Zuerst besuchte Li die Taiyuan Iron and Steel Group, das größte Edelstahlwerk der Welt. Der Sektor leide schwer unter Überproduktion und schwindender Nachfrage, sagte er den Arbeitern am Hochofen Nummer sechs. "China muss veraltete Kapazitäten unnachgiebig eliminieren und den Aufbau neuer Kapazitäten verbieten." Es werde "stahlharten Willen" brauchen, um den Strukturwandel zu überstehen.
Dann fuhr er weiter zur Xishan-Kohlenmine am Westrand der Stadt. "Die Kohleschwemme ist so ernst, und die Preise sind so tief abgestürzt, dass dem Bergbau ungewöhnliche Härten bevorstehen", sagte er dort. Die Minen von Shanxi sollten ihre Förderung reduzieren und entlassenen Arbeitern bei der Jobsuche helfen.
Chinas Staatsfernsehen zeigte Li zwischen freundlich dreinschauenden Stahlwerkern und Kumpels, doch was die wirklich dachten, zeigten deren Kommentare im Internet. "Tritt zurück!", schrieb ein User, der sich "Sarayuki" nennt. "Ihr wollt uns Arbeitern die Arme abschneiden, aber mehr als zwei davon haben wir gar nicht", schrieb ein anderer. "Das ist der Anfang einer großen Flut von Arbeitslosigkeit", so ein Dritter. "Erst wir, dann die Arbeiter in der Exportindustrie. Am Ende wird es alle treffen."
Die Angst ist berechtigt. Allein in der Schwerindustrie dürften in den kommenden drei Jahren bis zu drei Millionen Stellen abgebaut werden, so eine aktuelle Studie der Investmentbank China International Capital.
Die Überkapazitäten hätten ein "unvorstellbares Ausmaß" erreicht, beklagt selbst der Eisen- und Stahlverband. Die seien mit 300 Millionen Tonnen schon vor zwei Jahren fast doppelt so groß gewesen wie die Gesamtproduktion der EU.
Deren Stahlarbeiter und -manager protestierten diese Woche in Brüssel: Die Billigimporte aus China drücken inzwischen auch auf den europäischen Markt. Und es sieht nicht so aus, als könnte Peking daran kurzfristig etwas ändern: Dass Premier Li vor den Arbeitern für den Abbau der Kapazitäten wirbt, zeigt, dass Peking mit seinem Appell bei den Stahlunternehmen selbst nicht durchdringt.
Die meisten dieser Unternehmen sind im Besitz von Provinz- und Stadtregierungen, welche die sozialen Folgen des Wandels fürchten. Die Konsequenz: Obwohl bereits Dutzende Fabriken im nordchinesischen Rostgürtel geschlossen haben, produzieren Dutzende andere weiter Koks, Stahl, Zement, Glas, Aluminium – auf Pump, auf Halde, bei sinkenden Preisen und Gehältern. "Zombie-Fabriken" nennt sie der Volksmund.
"Was Taiyuan einst groß gemacht hat, wird untergehen", sagt der Unternehmer Han Guolin, 55. "Vor ein paar Jahren hat eine Tonne Baustahl 4600 Yuan gekostet, heute werfen sie die dir für unter 2000 nach. Das kann nicht gutgehen."
Han ist mit dem Vertrieb von Milch und Joghurt reich geworden. Sein Geschäft, sagt er, sei profitabel, aber vor zwei Jahren sei er auf eine bessere Idee gekommen. Sie war ihm 300 Millionen Yuan, umgerechnet 45 Millionen Euro, seines Vermögens wert: Er baute einen Freizeitpark.
In den Hügeln östlich von Taiyuan wurde über Jahrhunderte Kohle abgebaut. Vor ein paar Jahren waren die meisten Minen und Steinbrüche aufgelassen, zurück blieb eine trostlose Industriebrache.
Han pachtete gut drei Quadratkilometer des Geländes von der Stadt und setzte seinen Plan um: Er ließ 17 Kilometer Straßen pflastern und eine kleine Eisenbahn verlegen, er legte Parks und Seen an, er baute Restaurants und zwei Museen: Eines davon ist die aufwendig restaurierte Festung, von der aus die japanischen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs das Tal von Taiyuan kontrollierten, das andere eine mehrere Hundert Meter lange Kühlhalle, in der Eisskulpturen ausgestellt sind, eine unter Chinesen sehr populäre Touristenattraktion.
Gut hundert Angestellte arbeiten inzwischen in Han Guolins Vergnügungspark, und die Besucherzahlen der ersten Saison stimmen ihn zuversichtlich. "Die Chinesen haben 30 Jahre lang hart gearbeitet, die Menschen in Taiyuan besonders hart. Davon wollen sie sich jetzt erholen, dafür wollen sie sich belohnen. Für mich steht fest, dass im Konsum und in der Dienstleistungsbranche große Gelegenheiten warten."
Das sehen auch Profis aus der weltgrößten Konsum- und Dienstleistungsnation so. Anfang des Jahres reiste Howard Schultz, Chef der US-Kette Starbucks, durch die chinesische Provinz. Sein Unternehmen betreibt bereits 2000 Kaffeehäuser im Teeland China. Im Jahr 2020, kündigte er nun an, sollen es mehr als doppelt so viele sein – das wären 500 Neueröffnungen pro Jahr. "Langfristig ist es denkbar, dass China eines Tages unser größter Markt sein wird", sagte Schultz. "Wir kennen diesen Markt, und wir sind zuversichtlich, trotz all des Lärms."
Ähnlich hatte sich nach dem Börsensturz im Sommer ein anderer chinaerfahrener US-Firmenchef geäußert, Tim Cook von Apple: "Ich glaube unverändert, dass China langfristig eine nie da gewesene Chance darstellt", sagte er Ende August. Da hatte der China-Umsatz seines Unternehmens bereits den auf allen europäischen Märkten überholt.
Eine Reihe aktueller Statistiken geben Schultz und Cook recht: Trotz der Erschütterungen an den Börsen entwickeln sich Chinas Konsum- und Dienstleistungszahlen positiv. Der Einzelhandel wuchs 2015 um 10,6 Prozent; der Dienstleistungssektor, dessen Anteil am Bruttoinlandsprodukt den der Industrie seit 2013 übertrifft, legte um 8,3 Prozent zu.
Allerdings verlagern sich die Schwerpunkte: Im Konsum verzeichnen ausländische Luxusmarken wie Prada oder Burberry, die über Jahre die China-Schlagzeilen dominierten, teils drastische Rückgänge – eine Folge der von der Kommunistischen Partei eingeleiteten Anti-Korruptions-Kampagne. Günstigere Hersteller, die eher auf Chinas Mittelschicht setzen, gewinnen. Der Kofferbauer Samsonite etwa verkaufte im ersten Halbjahr 2015 fast 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Der Ökonom Pettis begrüßt diesen Trend: "Es war schon immer falsch, den Zustand von Chinas Wirtschaft an der Zahl der Porsche- und Ferrari-Niederlassungen zu messen." Wenn es den Superreichen gut gehe, sei das in China ein besonders schlechtes Zeichen: "Es sind die Eliten, die vom bisherigen Wachstumsmodell profitiert haben. Dieses Modell soll aber überwunden werden."
Gut ist, so gesehen, auch eine Entwicklung, welche die Unternehmensberatung Bain beobachtet: In 18 von 26 Gruppen günstiger Konsumgüter – Weichspüler, Zahnpasta, Hautcreme – geht der Anteil ausländischer Produkte zurück. "Made in China" holt in China auf.
Obwohl der Anteil des Privatkonsums an Chinas Wirtschaftsleistung prozentual nach wie vor sehr niedrig ist, wächst er in absoluten Zahlen. Das hängt mit den steigenden Gehältern zusammen: Insgesamt ist Chinas Mittelschicht zwischen 2005 und 2012 um 50 Millionen Haushalte gewachsen und umfasst derzeit laut der Unternehmensberatung Boston Consulting etwa 147 Millionen Haushalte, knapp die Hälfte der städtischen Bevölkerung.
Aber können Konsum und Dienstleistungen tatsächlich den Einbruch der chinesischen Schwer- und Exportindustrie abfangen? Und wird der massive Abbau von Arbeitsplätzen in der traditionellen Industrie nicht zu politischen und sozialen Verwerfungen führen, die möglicherweise das ganze System destabilisieren?
Die Turbulenzen an Chinas Börsen haben jedenfalls das Vertrauen in den wichtigsten Wachstumsexporteur der Weltwirtschaft erschüttert – nicht weil der Aktienmarkt für Chinas Ökonomie so bedeutend wäre, sondern weil er Unsicherheit offenbarte, wo man bislang nur Kompetenz vermutete. Der China-Optimismus der vergangenen 20 Jahre hat sich in sein Gegenteil verkehrt.
Doch es fällt auf, dass die China-Abteilungen der großen Unternehmungsberatungen und Denkfabriken eindeutige Festlegungen scheuen. Sie arbeiten lieber mit Szenarien als mit einzelnen Prognosen, und unter den Szenarien sind es eher die komplizierten und mehrdeutigen, die als "wahrscheinlich" gelten. Kaum jemand will sich – wie Investor Soros – festlegen und eine mögliche Fehlprognose riskieren.
Diese Vorsicht der Experten hat einen guten Grund: die schiere Größe und Vielfalt, zu der Chinas Volkswirtschaft herangewachsen ist. Die setze sich in Wirklichkeit aus vielen Unterwirtschaften zusammen, schreibt Gordon Orr, der langjährige Asien-Chef der Unternehmensberatung McKinsey. "Manche von ihnen sind mehr als eine Billion Dollar schwer. Manche von ihnen boomen, manche befinden sich im Niedergang." Wer Kinoausstattung verkaufe, für den sehe China anders aus als für jemanden, der Stahlwerke ausrüste.
Der Wissenschaftler und Geschäftsmann Michael Pettis hält sich an seine chinesischen Studenten. 2009, als Pekings Wachstumsraten ihren Höhepunkt gerade überschritten hatten, rief er die Besten unter ihnen zusammen und fragte sie, wie eine "sanfte Landung", eine "gesunde Abkühlung" für die überhitzte chinesische Wirtschaft aussehen könnte. "Wir einigten uns auf drei Schritte", sagt er:
Schritt eins: Der nächste Präsident muss seine Macht konsolidieren.
"Das ist eingetreten", sagt Pettis. Die Anti-Korruptions-Kampagne habe die schlimmsten Exzesse in der Staatswirtschaft eingedämmt, die Macht von Präsident Xi Jinping sei gefestigt.
Schritt zwei: Die Quellen des ungesunden Wachstums – zu niedrige Zinsen, zu langsame Steigerung der Löhne, eine unterbewertete Währung – müssen trockengelegt werden.
"Auch das hat begonnen", sagt Pettis. "Die wichtigsten Fehlentwicklungen in Chinas Wirtschaft werden korrigiert. Aber es geht nicht schnell genug."
Schritt drei: Der Staatssektor muss reformiert und ein großer Teil des Vermögens in den Besitz der privaten Haushalte übertragen werden.
"Das hat die Führung zumindest angekündigt", sagt Pettis. "Aber es ist politisch schwer umzusetzen, und deshalb haben sie es noch nicht getan."
Sein Fazit: "Meine Studenten hatten recht." Er wage keine politischen Voraussagen, doch wenn sich die Führung an diesen Fahrplan halte und endlich beginne, den aufgeblähten Staatssektor zu reformieren, dann bekomme Xi Jinping die Wachstumsraten, die er für eine "gesunde Abkühlung" von Chinas Wirtschaft brauche: drei bis vier Prozent für das Jahrzehnt zwischen 2012 und 2022.
Das sind genau die zehn Jahre, die Xi Jinping China voraussichtlich regieren wird. "Wie schwer es wird, Chinas Wirtschaft sicher zu landen, kann sich ein Außenstehender kaum vorstellen", sagt Pettis. "Doch wenn es Xi gelingt, dann kann er sich mit dem Reformer Deng Xiaoping messen. Der hatte es vor 35 Jahren leichter. Da haben sich alle auf den Flug gefreut."
Von Bernhard Zand

DER SPIEGEL 8/2016
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