25.08.1980

WARENHÄUSER

Schnelle Dollar

Bereits im nächsten Jahr will der Warenhaus-Konzern Kaufhof eine Hamburger-Kette nach US-Vorbild eröffnen.

Klaus Hartmann, Planungsvorstand des Kölner Warenhauskonzerns Kaufhof, ernährt sich derzeit etwas einseitig: Seit einem halben Jahr etwa ißt er vor allem Hamburger.

Im Dienste seines Unternehmens probierte der Handelsmanager "Big Mac" und "Snic-snac", "Whopper" und "Wimpy". Nach monatelanger aufopferungsvoller Tätigkeit konnte Hartmann schließlich ein fundiertes Urteil über gebratenes Hackfleisch und pappige Brötchen fällen.

"Die Dinger", so Hartmann nach seinem jüngsten Besuch bei McDonald's am Kölner Rudolfplatz, "schmecken nicht schlecht."

Hartmanns Erfahrungen mit den Dingern will der Kaufhof schon bald für das Unternehmen nutzen. Der mit einem Umsatz von acht Milliarden Mark zweitgrößte deutsche Warenhauskonzern steigt nach dem Erfolgsrezept der amerikanischen Imbiß-Kette McDonald's in das gewinnversprechende Geschäft mit Hamburgern, Pommes frites und Cola ein.

Bereits im nächsten Jahr wird der Kaufhof in 15 deutschen Großstädten seine ersten Restaurants für schnelle Nahrung (US-Fachjargon: fast food) eröffnen. Und damit auch nichts danebengeht, haben die Kölner sich fachkundiger Hilfe versichert.

Die belgische Warenhaus- und Gastronomie-Gruppe "GB inno-bm" (Jahresumsatz sechs Milliarden Mark), die im Imbiß-Geschäft ("Quick") bereits gute Gewinne gemacht hat, soll den Kölnern beim Fritieren und Verkaufen zur Seite stehen. Die Belgier wurden dafür mit 40 Prozent an der unlängst gegründeten Kaufhof-Tochter "Zentra Hamburger Schnellrestaurant" beteiligt.

"Das ist ein Markt", schwärmt Planungschef Hartmann, "auf dem wir uns noch einiges ausrechnen können."

Die Rechnung könnte stimmen. Denn die aus den USA importierte Vertriebsform mit preiswerten Schnellgerichten findet auch in der Bundesrepublik unter eiligen oder nachlässigen Essern immer mehr Freunde.

Derzeit sind zwischen Flensburg und Freilassing rund 300 Schnell-Restaurants in Betrieb. Und der Markt könnte leicht, schätzt Geschäftsführer Adalbert Scholl-Poensgen von der Unilever-Tochter "Nordsee", das Doppelte verkraften.

Der US-Filialist McDDonald's führte bereits Mitte der 50er Jahre vor, wie mit schnellem Service schnelle Dollar zu machen sind. In seinen beinahe 6000 Restaurants in mehr als 26 Ländern werden täglich über 12 Millionen Gäste mit "Big Mac" versorgt. Seit 1971 eröffnete McDonald's in der Bundesrepublik mehr als hundert Imbiß-Stuben.

Der Blitzerfolg der US-Kette mit solchen klinisch sterilen Schnell-Restaurants zog die Konkurrenz bald nach. Der US-Rivale Burger King ("Whopper") machte bereits 60 Stuben in Deutschland auf, Wimpy-Snack gut drei Dutzend.

Vor allem das deutsche Jungvolk ist begeistert von den legeren Eßgewohnheiten. Die Gäste werden nicht wie in Restaurants an gedeckten Tischen bedient, Messer und Gabel werden nicht gebraucht. Seinen Hamburger und seine Coke, auf Pappe und in Polystyrol, holt sich der Gast an der Theke.

Auch die Ausstattung der Speiseräume ist genormt: geflieste Böden, festmontierte Hocker, pflegeleichte Tische.

Der Betrieb ist bis ins Letzte durchrationalisiert. Wie am Fließband werden die Hackstücke automatisch geknetet, gebraten und bei Summton gewendet. Exakt berechnet sind auch die Kleckse der Ketchup-Spender -einen kleinen für den normalen Hamburger, einen größeren für den Viertelpfünder.

Feinschmecker-Restaurants mit ihren Spitzenpreisen für Gedecke und Wein können Traumrenditen wie die Massen-Brater niemals erzielen. Branchenkenner schätzen, daß von dem in der Bundesrepublik 1979 erzielten Fastfood-Umsatz (750 Millionen Mark) bis zu 20 Prozent als Gewinn hängenbleiben.

Warenhausmanager Hartmann, dessen Kaufhof-Konzern im vorigen Jahr die branchenübliche bescheidene Umsatzrendite von knapp über einem halben Prozent erwirtschaftete, hat denn auch vor allem die Rendite im Kopf.

"Die Rezeptur" der Hamburger, meint Hartmann, mache keine Schwierigkeiten. Viel problematischer sei für einen Neuling im Geschäft "das Know-how der industriellen Produktionsweise".

Weil auch andere längst die schlichte Rezeptur des Hamburgers begriffen haben, werden sich die Kölner sputen müssen. Grundstücke für Fast-food-Restaurants in guter Lage werden knapp.

Insgeheim hält inzwischen bereits ein anderer deutscher Konzern Ausschau S.82 nach geeigneten Lokalitäten. Der Bielefelder Nahrungsmittel-Konzern Oetker will ebenfalls eine Hamburger-Kette aufbauen -- und auch mit einem erfahrenen Partner: Wendy's International, dem drittgrößten Imbiß-Fabrikanten der Welt.


DER SPIEGEL 35/1980
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