16.06.1980

GESTORBENErnst Busch

Ernst Busch, 80. Während des spanischen Bürgerkrieges wurden seine Lieder mit Lautsprechern aus den Schützengräben der Republikaner den Faschisten entgegengeschleudert: Für ihn war das proletarische Lied zugleich Faust (des Klassenkampfes) und Herz (der Solidarität). Der in Kiel geborene Maurerssohn, der bei Piscator Theater spielte und vor 1933 vor allem politisches Kabarett machte, wurde im Vichy-Frankreich 1942 verhaftet und 1943 an die Deutschen ausgeliefert. Der Einspruch von Gustaf Gründgens bei seinem Gönner Göring soll dem zum Tode Verurteilten das Leben gerettet haben: Im Brandenburger Zuchthaus wurde er von den Russen befreit. 1946 gründete er in Berlin den Schallplattenverlag "Lied der Zeit" und mußte später erleben, wie einige als "pazifistisch" verschriene Platten in der DDR aus dem Verkehr gezogen wurden. DDR-Präsident Pieck gelang es, den Altkommunisten Busch zu überreden, die DDR dennoch nicht zu verlassen. Der Sänger, dessen Lieder mit ihrem markant proletarischen Gestus eine ganze Generation von Protest- und Politsängern bestimmt haben, war auch ein kauzig-pfiffiger Schauspieler, idealer Verkörperer von Brechts listigen lebensgierigen Helden vom Azdak im "Kaukasischen Kreidekreis" bis zum Galilei. Busch starb vorletzten Sonntag nach langer Krankheit in Ost-Berlin.

DER SPIEGEL 25/1980
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