23.02.1981

Im Schützengraben für die falsche Sache

Von Sternsdorff, Hans Wolfgang

SPIEGEL-Gespräch mit Ex-Terrorist Peter Jürgen Boock über seine Erfahrungen in der RAF

SPIEGEL: Herr Boock, ist es Ihre eigene freie Entscheidung, mit uns hier in der Hamburger Untersuchungshaftanstalt ein SPIEGEL-Gespräch zu führen.

BOOCK: Ja. Ich hatte mir schon vor meiner Verhaftung überlegt, daß ich -wenn eine bestimmte Situation eintreten sollte -- dann verpflichtet bin, aus sowohl politischen als auch menschlichen Gründen bestimmte Dinge zu sagen, um zu verhindern, daß sich Sachen fortsetzen, wie ich selber sie nicht mehr für richtig halte und auch nicht mehr tolerieren kann.

SPIEGEL: Die äußeren Umstände für dieses SPIEGEL-Gespräch sind alles andere als normal -- für Sie wie für uns. Als inhaftierter Terrorist unterliegen Sie besonders verschärften Sicherheitsbestimmungen. Nichts von dem, was wir sprechen, kann vertraulich bleiben. Ein Kriminalbeamter der Abteilung TE vom Bundeskriminalamt hört mit -- zum erstenmal bei einem SPIEGEL-Gespräch; eine Bedingung, die wir akzeptieren mußten, sonst wären wir hier nicht hereingekommen. Den Inhalt des Gesprächs bestimmen Sie und wir allein. Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof will von uns den Text vor der Veröffentlichung nicht zu lesen bekommen. Er hat uns versichert, eine Zensur fände nicht statt. Sie, Herr Boock, stehen unter starkem äußeren, natürlich auch inneren Druck. Jedes Wort kann hier zur Schlinge werden, für Sie und auch für andere. Ein denkbar ungeeigneter Rahmen für ein Gespräch auch über Tod und Leben. Warum haben Sie bisher alle Aussagen -- auch gegenüber dem Ermittlungsrichter -- verweigert und wollen nur mit uns reden?

BOOCK: Wenn Sie wie ich überhaupt erst zwei Jahre dafür hatten, um klarer zu sehen über bestimmte Sachen, die in der Vergangenheit abgelaufen sind, wenn Sie den ungeheuren Druck innerhalb einer völlig geschlossenen Gruppe sich vorstellen können -- Auswirkungen von einer anderen Isolation als der, die hier im Moment auch herrscht --, dann können Sie sich wahrscheinlich vorstellen, daß es eine ganze Weile dauert, ehe man sich über bestimmte Dinge klarwerden kann. Verarbeiten -- weiß ich nicht, ob man sie jemals richtig kann. Dazu kommt, daß ich erst mal mit ganz, ganz subjektiven Sachen fertig werden muß, bevor ich an objektive herangehen kann. Es scheint leichter zu sein, in gewisse Paragraphen reinzurutschen, als Bedingungen zu bekommen, unter denen man erst in der Lage ist, Dinge anders klarzukriegen für sich -- so, daß man vielleicht auch anders drüber reden kann.

SPIEGEL: Aber Sie können jetzt reden?

BOOCK: Bei mir ist es im Moment so, daß es vielleicht klingt wie abgespult. So ist es auch nur für mich zustande gekommen, daß ich mir was zurechtlegen konnte im Kopf. Ich war mir nicht sicher, ich kann heute sprechen, oder ich kann es nicht. Ich war mehrfach kurz davor, dieses Gespräch wieder abzusagen. Ich will mich an die Leute wenden, die jetzt möglicherweise in einer ähnlichen Situation sind wie ich oder die Gefahr laufen, in so eine Situation zu kommen. Wenn ich beim Ermittlungsrichter Aussagen machen würde, wäre das eine direkte Folge, ohne daß jemand noch Zeit hat, sich was zu überlegen. Ich will niemanden verraten. Ich finde, daß auch die Leute, um die es mir geht, die Chance haben müssen, für sich was klarzukriegen, zu verarbeiten und dann einen Schritt zu tun -- und nicht durch mich quasi ans Messer geliefert werden. Solche Haftbedingungen, wie ich im Moment habe, kann ich keinem anderen zumuten.

SPIEGEL: Sie wollen möglicherweise bevorstehende Terroraktionen verhindern, aber keine Täter verraten, und wollen sich deshalb über uns an die Öffentlichkeit wenden, damit nicht nur S.111 die Polizei informiert ist, sondern gleichzeitig auch die Täter gewarnt sind und nicht irgendwo ahnungslos in eine Festnahmesituation geraten, von der man nicht weiß, wie sie endet?

BOOCK: Das ist richtig. Das war die Befürchtung, die ich für mich selber die ganze Zeit haben mußte und auch hatte. So wie der Ablauf der Dinge bei meiner Verhaftung war, habe ich Glück gehabt. Ob ein anderer ähnliches Glück hat, weiß ich nicht. Jemand, von dem ich sicher weiß, daß er von der Waffe keinen Gebrauch machen würde, ist bei seiner Verhaftung erschossen worden.

SPIEGEL: Wer?

BOOCK: Elisabeth von Dyck.

SPIEGEL: Sie wissen, daß es einen Beschluß des Ermittlungsrichters am Bundesgerichtshof gibt, wonach Sie über möglicherweise bevorstehende Terroranschläge aus Gründen der Rechtsgüterabwägung auf dem Wege über Ihren Verteidiger Angaben machen dürfen und daß dieser Weg nicht überwacht wird wie unser Gespräch hier. Wir fügen das dann vor Drucklegung in das SPIEGEL-Gespräch ein und werden diese Passagen besonders kennzeichnen. Stimmt es denn also, was -- bevor das BKA davon wußte -- der SPIEGEL im November gemeldet hatte: daß Sie sich vom Terrorismus gelöst haben und ausgestiegen sind?

BOOCK: Gelöst ist eine Sache, die für mich nicht mit dem Schritt wegzugehen angefangen hat, sondern zu einer ganz anderen Zeit schon.

SPIEGEL: Ein innerer Ablösungsprozeß und dann ein äußerer Schritt?

BOOCK: So ist es. Unter diesem Druck, unter dem man steht, wenn es scheinbar gar keinen Weg mehr gibt, da beginnt die erste Suche innerlich nach irgendeiner Identität, die einem bleibt. Bevor man überhaupt einen Schritt tun kann, muß das alles unter ganz bestimmten Umständen geschehen, wobei man sich nichts anmerken lassen darf, weil das sonst Konsequenzen hätte.

SPIEGEL: Daß Ihr Ausstieg und auch die Tatsache, daß Sie keine Waffe mehr hatten, schon vorher bekanntgemacht war, hat nach Ansicht einiger Ihrer Freunde die Situation und den Ablauf bei Ihrer Festnahme wohl beeinflußt und dazu beigetragen, daß Sie heute am Leben sind. Sehen Sie das auch so?

BOOCK: Es kommt sicher darauf an, wie glaubwürdig diese Nachricht für diejenigen gewesen ist, die die Festnahme durchführten. Wie ihre Einschätzung in meinem Fall genau war, kann ich nicht wissen. Die unmittelbare Festnahmesituation war sehr erregt. Beide Seiten wußten nicht, was kommt nun als nächstes. Ich habe einfach nichts gemacht.

SPIEGEL: Waren Sie darauf vorbereitet? S.112

BOOCK: Mir war klar, daß die Festnahme irgendwann passieren würde. Ich habe meine Lebensumstände nicht mehr danach ausgerichtet, wann oder wie das sein könnte, sondern einfach versucht, so zu leben, wie ich es für richtig halte. Ich war mit Leuten zusammen, die zum Teil sehr unterschiedliche Ansichten hatten. Schon aus dem Grunde hätte ich niemals eine Waffe dabeihaben können. Eine andere Sache ist es, daß ich natürlich auch befürchten mußte, daß andere mich vielleicht ausmachen, bevor die Polizei mich ausmacht, so daß ich da irgendwie in der Zwickmühle gesteckt habe. Mir war klar, das waren Umstände, auf die habe ich keinen Einfluß, das passiert irgendwann. Aber ich wollte mich davon nicht bestimmen lassen. Sicherlich werden manche sagen, leichtsinnig, wie der sich verhalten hat. Aber wenn man sich von solchen Umständen bestimmen läßt, ist eigentlich schon gar nichts mehr möglich. Dann kann man sich einen Strick nehmen.

SPIEGEL: Läßt sich so eine Einstellung durchhalten?

BOOCK: Das ist nicht nur mein Verdienst, sondern das Verdienst der Leute, mit denen ich zusammen war, denen mehr oder weniger klar war, was mit mir ist oder so. Leute, die, soweit sie das konnten, versucht haben, mir da auch seelisch und was ansonsten möglich war, zu helfen. Mir geht natürlich durch den Kopf, was ist jetzt mit all diesen Leuten. Wie steht die Öffentlichkeit zu diesen Leuten, wie steht die Bundesanwaltschaft dazu. Denn wenn es solche Leute nicht gäbe, dann würde keiner wie ich eine Chance haben, so einen Weg zu gehen.

SPIEGEL: Was haben Sie bei Ihrer Festnahme empfunden?

BOOCK: Ich habe es eigentlich schon ''ne ganze Weile vorher gemerkt.

SPIEGEL: Wie lange?

BOOCK: Stunden. Ich habe krampfhaft überlegt, in eine Situation zu kommen, wo das halbwegs unter guten Vorzeichen sozusagen über die Bühne gehen kann. Dabei mußte ich berücksichtigen, daß jemand bei mir war.

SPIEGEL: Angelika Steffenhagen, Ihre Lebensgefährtin während der letzten Monate. S.113

BOOCK: Ja. Als ich gemerkt habe, daß wir observiert wurden, waren wir mitten in der Stadt, und das hielt ich für sehr ungünstig.

SPIEGEL: Sind Sie deshalb aus der Stadt herausgefahren -- nach Hamburg-Wilhelmsburg?

BOOCK: Quasi. Ich habe irgendwann gesagt, fahr so und so, einfach nur als Anweisung. Dann war es auch offensichtlich. An einem bestimmten Punkt hab'' ich gesagt, du sollst anhalten. Und dann passierte das. Im selben Moment war es wie ein Filmriß. Wie es dann passiert ist, habe ich erst eine ganze Weile hinterher rekonstruieren können. Da wird die Tür aufgerissen, man liegt plötzlich im Schnee, hat einen Lauf im Nacken und ein Bein zwischen den Schenkeln, Kommandos -- ganz mechanisch, was dann abgeht. Wenn in diesem Moment Schluß gewesen wäre, dann ... Ich habe mir gedacht, was ist mit Angelika. Das kann ich Ihnen genau sagen.

SPIEGEL: Und danach? Haben Sie Anlaß, darüber zu klagen, wie man Sie behandelt?

BOOCK: Ich kann keinem, der jetzt hier um mich rum ist, einen Vorwurf machen, weil alles nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten geschieht, die sich scheinbar nicht ändern lassen. Aber gerade diese Zwangsläufigkeit führt nicht zu Umständen, unter denen man irgendwas für sich verarbeiten könnte. Das Gegenteil ist der Fall. Es spielt sicher für jeden Inhaftierten eine Rolle, welche Wechselwirkungen es gibt zwischen Gefängnis und draußen. Dieser Mechanismus muß sich unbedingt ändern. Ich finde es richtig, wenn jemand diese Haftbedingungen nicht mehr ertragen kann, daß er sich da bemerkbar macht. Ich habe im Moment etwas anderes für mich zu verarbeiten und seh'' mich dabei auch nicht in einer wesentlich anderen Lage als viele andere um mich herum. Für mich ist das insofern ein Problem, als ich mich hier im totalen Vakuum bewege. Es gibt keinen Widerpart mehr für irgendwelche Überlegungen.

SPIEGEL: Ihr Leben während der letzten Jahre hatte für Sie nur die Alternative: Tod oder Gefangenschaft. Was haben Sie mehr gefürchtet?

BOOCK: Es gab eine Phase, wo ich mich fast systematisch in die eine Richtung begeben habe -- Selbstmord.

SPIEGEL: Wann war das?

BOOCK: Bis 1978 -- wo ich nach Jugoslawien kam -- war das so. Da gab es den äußeren Druck, von dem ich schon geredet habe, den Gruppendruck, wo man -- weil einfach ein Gegenpart fehlt, jemand, der anderer Meinung ist, der einem über den eigenen Opportunismus weghilft, der die richtige Frage stellt oder den richtigen Zweifel im richtigen Punkt anmeldet -- dann gar nicht mehr in der Lage ist, selber zu zweifeln. Das zu verdauen in so einer Situation ist fast unmöglich. Ich habe das immer verglichen mit der Situation im Krieg. Die Leute, die irgendwann schon wissen, wir liegen für die falsche Sache im Schützengraben, welche Entscheidung können die treffen? Die können sich nach vorne begeben und sich eine Kugel verpassen lassen oder können sich nach hinten begeben und sich eine Kugel verpassen lassen.

SPIEGEL: Sie sind jetzt 29 Jahre alt. Stellt sich ein anderes Gefühl zum Leben ein, wenn man jeden Augenblick vom Tod bedroht ist?

BOOCK: Ein Mann von 29 Jahren -ach, ja. Man hat das Gefühl im nachhinein, nur ein Jahr gelebt zu haben. Ich weiß nicht -- ich war vorher so gut wie tot. Ich habe angefangen zu leben.

SPIEGEL: Welches sind Ihre persönlichen Gründe dafür, daß Sie nicht zum Verräter werden wollen. Haben Sie Angst davor, daß sich die Gruppe an Ihnen oder an Personen, die Ihnen nahestehen, die Ihnen beim Aussteigen geholfen haben, rächen könnte? Oder empfinden Sie nach wie vor eine gewisse politische Solidarität oder einfach nur menschliche Verbundenheit denen gegenüber, mit denen Sie jahrelang in einer Schicksalsgemeinschaft zusammengesperrt waren?

BOOCK: Menschliche Solidarität auf jeden Fall. Über die inneren Widersprüche bei anderen kann ich nur zum Teil was sagen. Eine Auseinandersetzung in aller Offenheit findet da nicht mehr statt. Das bezeichnet schon mal die Situation, aus der heraus irgendwas passiert oder nicht passiert. Deswegen kann ich mich auch nicht ohne weiteres pauschal von allen Leuten distanzieren und werde das auch nicht tun.

SPIEGEL: Weil Sie nicht hineinblicken können in das, was die anderen wirklich bewegt, oder weil die vielleicht heute in der Gruppe eine ähnliche Rolle spielen, wie Sie sie offenbar gespielt haben?

BOOCK: Es sind mehr die äußeren Bedingungen, die diesen Rahmen bestimmen. Wenn ich an mich selber denke, ist es der Opportunismus und S.114 eine gewisse Art von Feigheit, was bestimmend ist für das, worüber man sich verbal auseinandersetzt.

SPIEGEL: Versprechen Sie sich von diesem SPIEGEL-Gespräch Vorteile für Ihren eigenen Prozeß?

BOOCK: Nein. Ich glaube, die kann ich mir in keiner Weise versprechen.

SPIEGEL: Welche Erwartungen verknüpfen Sie damit?

BOOCK: Ich habe im letzten Jahr zum erstenmal Erfahrungen gemacht, die für mich ganz neu sind. Die haben andere vielleicht schon gemacht, bevor sie in die Gruppe gekommen sind. Es gibt hier in der Bundesrepublik Entwicklungen, die aus sozialen Gründen heraus in Bewegung gekommen sind. Die aus der Wohnungsnot entstanden sind, Hausbesetzungen, aus Überlegungen, die sich mit der Zukunft von uns allen und von anderen beschäftigen, die Anti-Kernkraftbewegung, Bewegungen gegen die Wiederaufrüstung. Aus meiner jetzigen Sicht haben diese Bewegungen politische Relevanz und bergen eine Möglichkeit zur Veränderung in sich -- nicht aufgesetzt, nicht nur rein intellektuell begründet. Da stecken Möglichkeiten, die jedenfalls die Art und Weise, wie die Gruppe Politik betrieben hat, nicht in sich birgt.

SPIEGEL: Hat die RAF als Politik ausgegeben, was gar nichts bewirken konnte, um die Lebensverhältnisse der Menschen in diesem Lande zu verbessern?

BOOCK: Einer der Gründe, warum ich wollte, daß dieses Gespräch hier mit Ihnen zustandekommt, ist der: Ich will versuchen zu erreichen, daß die Leute in der Gruppe sich klarmachen, daß, wenn sie gerade jetzt irgendwas täten, eine Aktion also, daß sie genau diese Ansätze gefährden und sogar zerstören würden. Daß sie bei jedem Schritt, den sie da tun, sich dessen klar sein müssen und hinterher niemand sagen kann, er hätte es nicht gewußt.

SPIEGEL: Oder könnte es sein, daß innerhalb der RAF eigentlich genau das Gegenteil erwünscht ist, daß die Politik der RAF gerade zum Ziel hat, die Bundesrepublik immer mehr wegzubringen vom liberalen Rechtsstaat in Richtung Polizeistaat, damit es dann irgendwann vielleicht eine größere Basis gibt, sich gegen diesen Staat zu solidarisieren? Die revolutionäre Situation, die es in der Bundesrepublik nie gab, künstlich herbeizuführen?

BOOCK: Ich kann da nur für mich sprechen. Nach meiner jetzigen Einschätzung habe ich mich eben früher mit solch wichtigen inhaltlichen politischen Fragen zu wenig auseinandergesetzt, Widersprüche gar nicht ausgetragen.

SPIEGEL: Aber es gab oder gibt doch in der Gruppe auch Köpfe, denen man unterstellen kann, daß sie darüber nachdenken. Unter Verhältnissen, die für die große Masse des Volkes zumindest akzeptabel sind, besteht wohl kaum Bereitschaft für eine Revolution. Wenn Unterdrückung herrscht und wichtige Freiheiten beschnitten werden, wächst die Bereitschaft, dagegen auch gewaltsam vorzugehen. Wenn denn schon diese Gruppe das Ziel gehabt hat, irgendwann eine Basis zu finden, und nicht nur ein kleiner Haufen von Desperados bleiben wollte, dann hätte ja eine fatale innere Logik darin gelegen, die Entwicklung in diese Richtung zu treiben. In der Tat haben wir ja als Folge des Terrorismus in Deutschland auch einen Abbau von Freiheitsrechten zu beklagen gehabt. Hat die RAF das gewollt?

BOOCK: Ich weiß nicht. Ein Großteil ihrer Analysen und ideologischen Überlegungen ist ja vor 1975 gelaufen. Danach fand das eher die Zwangsläufigkeit von Fortsetzungen, wobei eine wirkliche Analyse kaum mehr stattgefunden hat.

SPIEGEL: Aus Mangel an Zeit oder an gedanklicher Kraft? War Politik gar kein Gesprächsgegenstand mehr in der Gruppe?

BOOCK: Nur noch einseitig. Da gibt''s verschiedene Ebenen, auf denen diskutiert wird. Der Großteil der Gruppe ist von bestimmten Überlegungen einfach ausgeschlossen, kriegt bestimmte Informationen überhaupt nicht oder erst danach.

SPIEGEL: Ein Großteil -- die Mehrheit?

BOOCK: Ja.

SPIEGEL: Wer bespricht den Rest und in welchem Kreise?

BOOCK: Ich würde es mal als Führungskader oder so bezeichnen. Das wechselt aber.

SPIEGEL: Wie stark ist dieser Führungskader?

BOOCK: Kann ich hier nicht sagen.

SPIEGEL: Was für Leute bestimmen, wer im engeren Kreis dabeisein darf, alles mitkriegt und vielleicht auch eine abweichende Meinung äußern darf? Und wer kommt in die zweite Abteilung, die offenbar für mehr oder weniger unzuverlässig gehalten wird?

BOOCK: Das kann ich nicht sagen, weil ich dadurch möglicherweise auch Leute gefährde, wenn ich solche Gründe nenne.

SPIEGEL: Wir akzeptieren das. Aber es gibt also in der RAF eine Trennung in Zuverlässige und Unzuverlässige?

BOOCK: Ja.

SPIEGEL: Warum hat die RAF eigentlich seit Jahren keine politischen Texte mehr herausgegeben?

BOOCK: Weil es seitdem einige wichtige politische Entwicklungen in der BRD auf breiterer Basis gegeben hat und die Analysen der RAF damit gar nicht mehr übereinzubringen waren und auch jetzt nicht sind.

SPIEGEL: War man selber davon überzeugt, daß man sich der Basis nicht mehr verständlich machen kann?

BOOCK: Ich denke, daß sich die Gruppe damit auseinandersetzen muß, zwangsläufig.

SPIEGEL: Es gibt nur einen neueren Text. Die Prozeßerklärung von Rolf Clemens Wagner in Winterthur.

BOOCK: Die kenne ich nicht.

SPIEGEL: Kennen Sie das hier -die vier Zentimeter dicke Schlagzeile der "Bild"-Zeitung nach Ihrer Festnahme? Danach sind Sie Deutschlands "Terrorist Nr. 1" ...

BOOCK: ... (lacht verwirrt, greift sich an den Kopf) ... Entschuldigen Sie, aber ... ich wußte das nicht ...

SPIEGEL: ... für Ihre Gefährten aus der Stadtguerilla werden Sie, wenn dieses SPIEGEL-Gespräch erschienen ist -- ganz gleich, was Sie sagen --, wohl der "Verräter Nr. 1" sein. Werden Sie damit fertig? S.115

BOOCK: Dafür trägt man eine Verantwortung -- ob die Dinge nun passieren oder nicht passieren. Die Titulierung von irgendeiner Seite ist nicht wichtig. Außerdem: Eins hat das andere zur Folge, so oder so.

SPIEGEL: Wir wissen, daß Sie über Ihre eigene mögliche Tatbeteiligung und auch die mögliche Tatbeteiligung anderer an einzelnen Terroraktionen jetzt nichts sagen wollen. Aber vielleicht können Sie uns etwas darüber sagen, welches Ihre politische Einschätzung zu den Terroranschlägen des Jahres 1977 ist -- also die Serie der Fälle Buback, Ponto, Schleyer und der versuchte Raketenüberfall auf die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Entsprach das damals Ihrer Auffassung von bewaffneter Politik, und haben Sie geglaubt, daß mit solchen Anschlägen die Verhältnisse in der Bundesrepublik zu bessern seien?

BOOCK: So geglaubt habe ich das eigentlich nicht mehr. Ich bin mir auch nicht sicher, ob überhaupt eine Mehrheit in der Gruppe das geglaubt hat.

SPIEGEL: Wenn es nur die Minderheit gewesen ist -- gemacht muß es ja jemand haben.

BOOCK: Gemacht ist wieder ''ne andere Sache. Unheimlich wichtig dabei ist der Druck, von dem ich schon geredet habe. Der führt zu schier unvorstellbaren Sachen. Der Opportunismus und die Angst. Die Angst erst mal, was ist mit einem selber, wenn man sich gegen irgend etwas stellt, wenn man zum Beispiel laut sagt "nein, das nicht, und zwar aus diesen Gründen nicht". Was das für eine Konsequenz haben kann ...

SPIEGEL: ... halten Sie es für denkbar, daß jemand solche Aktionen mitmacht, sogar zum Mörder wird, obwohl er eigentlich gar nicht dahinter steht -- also nur deshalb, weil er glaubt, sich anpassen zu müssen und weil er ein Opfer dieses Gruppendrucks ist?

BOOCK: Ja.

SPIEGEL: Daß jemand sogar zu so extremen Verbrechen fähig ist, obwohl er selber gar nicht dahinter steht, aber der Druck, der auf ihm selber lastet ...

BOOCK: ... ihm keine andere Möglichkeit läßt. Ja, das ist es genau. Den letzten Satz kann man unterstreichen.

SPIEGEL: Das setzt aber doch voraus, daß es Leute gibt, die sagen, das muß gemacht werden, wir ordnen das an.

BOOCK: Ich habe da eben für mich an eine spezielle Situation gedacht, die nicht mal mit mir zusammenhängt. Deswegen habe ich ja gesagt. Zum Fall Schleyer: Wenn es nach mir gegangen wäre, würde er heute noch leben. Das kann ich konkret mit ja beantworten. Dasselbe weiß ich auch von einer ganzen Anzahl weiterer Leute, von denen aber -- das muß ich gleich dazu sagen -- ich selbst nach ihrer Festnahme nicht weiß, ob sie das je so sagen würden. Dieser Druck, von dem ich die ganze Zeit rede, der ist ja danach in keinster Weise weg, eher noch stärker.

SPIEGEL: Hat es Sie überrascht, daß sich die Bundesregierung im Fall Schleyer nicht erpressen ließ?

BOOCK: Für mich war es erst mal ganz allgemein eine Überraschung, daß es überhaupt zu dieser Aktion kam. Ich habe mir gedacht, eigentlich kann daraus nichts werden. Ich fand es politisch falsch. Man sagt auf der einen Seite: "keine Aktion gegen das Volk", und auf der anderen Seite passieren dann solche Sachen ...

SPIEGEL: ... daß man ein Flugzeug voll Urlaubern aus Mallorca als Geiseln nimmt.

BOOCK: Ja, ich sehe da einfach einen Bruch, einen politischen Bruch mit dem, was bis dahin passiert war. Die Leute, die vorher einen politischen Einfluß in der Gruppe hatten -- die damals in Stammheim gesessen haben -- konnten meiner Meinung nach mit dem ganzen Ablauf dieser Aktion nicht einverstanden gewesen sein. Da bin ich mir relativ sicher.

SPIEGEL: Warum? Die Aktion hatte doch zum Ziel, gerade auch die Stammheimer Häftlinge freizupressen.

BOOCK: Ich denke, daß die Stammheimer aus politischen Gründen nicht damit einverstanden gewesen wären, daß das um jeden Preis geschieht. Ich denke, daß die Priorität -- also keine Aktionen, die sich gegen das Volk richten -- von den Leuten in Stammheim sehr ernst genommen worden ist. Die hätten nicht in Kauf genommen, daß der Fahrer von Buback und Polizisten in der Begleitung von Schleyer erschossen werden. Erstens, weil sie das aus politischen Gründen nicht für richtig befunden hätten, und zweitens, weil sie auch keine Verwirklichung der Aktion gesehen hätten. Mogadischu schon gar nicht.

SPIEGEL: Weil dort Urlauber die Opfer waren?

BOOCK: Einfach Beliebige, ja.

SPIEGEL: Es gab aber auch in der Zeit vorher -- etwa 1972 -- Aktionen der RAF, bei denen auch völlig Unbeteiligte zu Schaden gekommen sind. Zum Beispiel hier in Hamburg wurden S.116 beim Anschlag auf das Springer-Verlagshaus 34 Arbeiter verletzt.

BOOCK: Aber es gab auch eine Art Selbstkritik zu dieser Aktion in Hamburg. Es gab nie wieder danach eine Selbstkritik, und das ist bezeichnend für die politischen Umstände bei irgendeiner anderen Aktion.

SPIEGEL: Hat man in der RAF, soweit Sie das verfolgen konnten, nach Mogadischu noch Möglichkeiten gesehen, über Geiselnahmen Druck auszuüben und Gefangene freizupressen? Oder war das für die Gruppe damit ein für allemal klar, daß auf diesem Wege nichts mehr zu erreichen ist?

BOOCK: Womit da einzelne spekulieren oder spekuliert haben ... Ich sehe es politisch so, daß das kein Weg ist. Ich finde ihn politisch grundsätzlich nicht mehr richtig.

SPIEGEL: Sie gehörten jedenfalls damals zur Fraktion der Unzuverlässigen ...

BOOCK: ... Unberechenbaren, das trifft eher zu, weil da verschiedene Ursachen und auch verschiedene Einschätzungen eine Rolle spielen. In meinem Fall gab es noch einen anderen Grund. Ich hatte die ganze Zeit harte Drogen genommen. Ich hatte einen äußeren Vorwand dafür gefunden, daß zu tun.

SPIEGEL: Seit wann haben Sie Drogen genommen?

BOOCK: Ununterbrochen. 1977 war das auf einem Höhepunkt. Da hatte ich so was wie eine Selbstmordstrategie drauf. Seit meinem 16. Lebensjahr habe ich mit Drogen zu tun. 1974 gab es ''ne Steigerung für mich.

SPIEGEL: Was haben Sie genommen, wieviel?

BOOCK: Alles. Heroin, Dolantin, Morphin, Kokain. 1977 habe ich täglich zwischen vier und acht Ampullen gebraucht. Ich hatte durch ''ne gesundheitliche Geschichte einen gewissen Vorwand, an diese Sachen ranzukommen. Und deswegen wurde es für besser befunden, daß ich aus Europa abhaute.

SPIEGEL: Wann war das?

BOOCK: Ich bin in ''ner Zwickmühle. Solange das sachliche, recherchierbare Sachen sind, ist das eine Seite. Wenn es aber zum Beispiel um Personen geht, ist''s eine ganz andere Sache. Mein Verteidiger wird beantragen, daß bestimmte Dinge nachgeprüft werden, die ich auch für nachprüfbar halte, wo ich mich auf bestimmte Fakten stützen kann. Nämlich, daß ich zu dem Zeitpunkt, als Schleyer noch lebte, schon nicht mehr in Europa war.

SPIEGEL: Da waren Sie schon weg? Von wo nach wo sind Sie gereist?

BOOCK: Ich kann den Zeitraum, wann ich aus Europa weg bin, nur in etwa sagen, das hängt eben auch mit der Erinnerung zusammen. Ich denke, es war zwei bis drei Wochen nach dem Beginn der Schleyer-Entführung. Da bin ich von Brüssel aus über ein Ostblockland nach Bagdad geflogen. Ich bin dann zwei Jahre lang nicht mehr in Europa gewesen, mit einer Ausnahme, nur quasi als Zwischenstation.

SPIEGEL: Mit welcher Fluglinie sind Sie aus Brüssel abgeflogen?

BOOCK: Wenn ich das noch genau wüßte, wäre es ja sofort nachzuprüfen. Da fängt für mich wirklich ein Problem an, das auf die Reihe zu bringen.

SPIEGEL: Erinnern Sie noch, wohin das Flugzeug zuerst flog? Brüssel--Bagdad wohl kaum direkt.

BOOCK: Es können eigentlich nur drei Zwischenstationen gewesen sein -entweder Warschau, Prag oder Belgrad.

SPIEGEL: Der Abflug war jedenfalls Brüssel. Und das zwei bis drei Wochen nach der Schleyer-Entführung. In einer Zeit also, wo die Fahndung auf Hochtouren lief, konnten Sie in Brüssel ein Flugzeug besteigen. Schlechte Zensuren für Herrn Herold, die Sie da austeilen.

BOOCK: Ich bin dann von Bagdad -- nachdem Mogadischu und alles passiert war -- ziemlich lange danach noch mal in Europa gewesen, in Paris. Von Paris aus dann nach Belgrad. Auf dem Weg wieder wohin, aber da war erst mal, Gott sei Dank, Schluß für mich. Von meinem Abflug in Brüssel bis jetzt war jedenfalls nichts mehr, woran ich in irgendeiner Weise beteiligt war.

SPIEGEL: Im Mai 1978 wurden Sie in Zagreb festgenommen -- zusammen mit Rolf Clemens Wagner, Sieglinde Hofmann und Brigitte Mohnhaupt.

BOOCK: Ja. Da war ich massiv drogenabhängig. Aber auch mit den Drogen ist das so eine Sache. Ich meine, die haben mir sehr geholfen. Wenn die Jugoslawen den anderen gesagt hätten, der hat zuviel Drogen im Verhältnis zu seiner Krankheit genommen, dann säße ich wahrscheinlich nicht hier. Dann hätten mich die anderen ausgebootet, ohne Zurück.

SPIEGEL: Wie haben sich die Jugoslawen verhalten?

BOOCK: Das will ich nicht sagen. Das spielt auch in Bereiche rein, die für mich jetzt nicht unbedingt wichtig sind.

SPIEGEL: Die Jugoslawen haben Sie medizinisch gut behandelt?

BOOCK: Was ihnen möglich war, haben sie getan. Die haben mich gerettet.

SPIEGEL: Haben Sie eine Entziehungskur gemacht?

BOOCK: Zwangsläufig.

SPIEGEL: Ist Ihnen damals dort eigentlich klar gewesen, daß die Frage, ob Sie in die Bundesrepublik ausgeliefert werden würden oder nicht, vor allem davon abhing, wie sich die Bundesregierung zu der von Jugoslawien geforderten Auslieferung der Exilkroaten verhielt?

BOOCK: Ich war, ehrlich gesagt, erst mal mehr damit beschäftigt, anzufangen zu denken. Das andere war für mich nicht so wesentlich. Auch die ganzen Umstände waren eigentlich eher so, daß ich mich vorbereiten mußte auf irgendein Danach. Zum Beispiel auch der Beginn der Überlegung, wie komme ich raus aus der RAF.

SPIEGEL: Haben Sie damit rechnen können, daß Sie aus Jugoslawien wieder freikommen würden, oder kam Ihre Abschiebung für Sie überraschend?

BOOCK: Möchte ich so nicht beantworten. Das ist eine Sache, die für mich auch subjektiv ein wesentlicher Punkt ist. Wie gesagt, ich säße sonst nicht hier. Eine unmittelbare Überraschung war es jedenfalls nicht.

SPIEGEL: Wann sind Sie von Belgrad weitergeflogen? S.117

BOOCK: Im November 1978.

SPIEGEL: Und wohin?

BOOCK: Über einen Zwischenstopp in Bagdad in den Jemen.

SPIEGEL: Wann kamen Sie im Jemen an?

BOOCK: Drei Tage später.

SPIEGEL: Wie lange blieben Sie?

BOOCK: Bis Ende 1979.

SPIEGEL: Waren Sie in Aden oder außerhalb, im Camp?

BOOCK: Da will ich auch wieder bestimmte Rücksicht auf die palästinensischen Leute nehmen, die mich sehr korrekt behandelt haben. Dasselbe kann man eigentlich auch über die Jugoslawen sagen. Es lagen sicherlich unterschiedliche Interessen vor, aber in beiden Fällen war es gut für mich.

SPIEGEL: In Aden hätten Sie einen Kollegen von uns treffen können. Der SPIEGEL hatte nämlich zu dieser Zeit -- November 1978 -- dort ein SPIEGEL-Gespräch mit dem Staatspräsidenten Ali Nasir Mohammed geführt. Es begann mit der Frage: "Wir möchten gern wissen, ob Ihr Land die vier in Belgrad freigelassenen mutmaßlichen deutschen Terroristen beherbergt." Antwort des Staatspräsidenten: "Sie werden enttäuscht sein, das Land steht Ihnen offen, Sie brauchen nur zu sagen, wohin Sie fahren wollen, um selber feststellen zu können, daß wir hier keine deutschen Terroristen beherbergen."

BOOCK: Möglicherweise hat er das wirklich nicht gewußt. Ich weiß nicht, worüber der Mann informiert war. Die politischen Machtverhältnisse sind da sehr wechselhaft und undurchsichtig.

SPIEGEL: Spielte Wadie Haddad dort noch eine Rolle? Offiziell heißt es, er sei seit März 1978 tot. Das wurde andererseits aber auch bezweifelt.

BOOCK: Der ist tot. Im Jemen habe ich mich die ganze Zeit damit auseinandergesetzt, welchen Weg ich eigentlich einschlagen will. Ich hatte ja auch genügend Zeit dazu, nur -- ähnlich wie jetzt in der Haft -- kein Gegenüber, mit dem ich mich hätte aussprechen oder abstimmen können. Mir war klar, daß ich nur unter einem bestimmten "Wohlverhalten" von dort je wieder wegkommen würde.

SPIEGEL: Weil man aus dem Jemen nicht als freier Mann wegfahren kann, wohin man will?

BOOCK: Ja.

SPIEGEL: Wie kam es dazu, daß Sie da wieder abflogen?

BOOCK: Es gab einen bestimmten äußeren Grund, der die Gruppe veranlaßt hatte, dort wieder auf mich zuzukommen. Ich habe mich dann auch erst mal so verhalten, als wäre ich einverstanden -- einfach, um da lebend wegzukommen.

SPIEGEL: Dürfen wir daraus schließen, daß jemand von der Gruppe in den Jemen kam, um Sie zu holen?

BOOCK: Das kann man daraus schließen. Es gab die Situation einer peinlichen Befragung, wie ich mich denn jetzt und was ich denn jetzt und ob ich denn jetzt mich zu was und wie verhalte. Mir war klar, wenn da irgendwie ein falsches Wort in falscher Richtung fällt, dann ist da fini.

SPIEGEL: Was heißt das?

BOOCK: Das können Sie wörtlich nehmen.

SPIEGEL: Dann wäre dort auf der Stelle "fini" gewesen? Haben die Ihnen das ganz klar so gesagt?

BOOCK: Nein -- das ist mir klar aus der Situation entnommen, oder ist gewesen. Das war objektiv so. Das weiß ich jetzt im nachhinein genauer.

SPIEGEL: Vorweg ging eine Art von Gesinnungstest, von politischer Überprüfung?

BOOCK: So ist es. Aus dem Bewußtsein heraus, daß das die einzige Chance ist, habe ich mich angepaßt verhalten. Ich habe geredet, wie man es erwartet hat.

SPIEGEL: Sie gehörten doch zu der Fraktion der Unberechenbaren. Da hätte die Gruppe doch eigentlich froh sein müssen, daß Sie am anderen Ende der Welt saßen und ihr nicht gefährlich werden konnten.

BOOCK: Ich denke, daß der äußere Anlaß, noch mal auf mich zuzukommen, der war, daß die Haig-Aktion technisch schiefgegangen war. Dabei kommt natürlich gleich hinzu, daß meine Rolle überhaupt so war, daß sie sehr eng mit allen möglichen technischen Sachen zusammenhängt. Von daher wird auch erklärbar, wieso es so viele Fingerabdrücke von mir gibt.

SPIEGEL: Im Juni 1979 wurde bei Mons in Belgien ein Attentat auf den damaligen Nato-Oberbefehlshab er und heutigen amerikanischen Außenminister Haig verübt. Haig kam unversehrt davon. Ein Begleitfahrzeug wurde durch die Explosion beschädigt, und zwei Sicherheitsbeamte wurden verletzt. Das war also ein Attentat der RAF, dazu gibt es ja auch einen Bekennerbrief von ihr. Und weil es nicht wie geplant ausgegangen war, kamen die zu Ihnen und erklärten, ohne unseren Spezialisten in gewissen technischen Dingen kommen wir da nicht aus?

BOOCK: Es gab nicht viele, die sich überhaupt und ganz allgemein in technischen Dingen auskannten.

SPIEGEL: Wollen, können Sie etwas darüber sagen, ob es zu Ihrer Zeit noch Kontakte gegeben hat zu ausländischen Terrorgruppen?

BOOCK: Ich weiß das objektiv nicht, und wenn ich''s wüßte, würde ich''s nicht sagen.

SPIEGEL: Wie viele Leute in der Gruppe machen heute noch aus Überzeugung weiter und wie viele vielleicht nur noch aus Verzweiflung, weil sie keinen Ausweg sehen?

BOOCK: Ich denke, daß es einige Leute in der Gruppe gibt, die in meiner Situation sind.

SPIEGEL: Einige?

BOOCK: Einige. Das ist jetzt ein sehr sensibler Punkt. Je mehr ich dazu sage, desto mehr kann ich diese Leute in Situationen bringen, die diesen Druck noch verstärken.

SPIEGEL: Ohne daß Sie diese Schwelle überschreiten -- wie würden Sie allgemein die Stimmung kennzeichnen? Überwiegt das Gefühl der Niedergeschlagenheit und des Scheiterns aller politischen Ansätze, oder fühlt S.118 man sich noch stark im Bewußtsein vermeintlicher Erfolge?

BOOCK: Zumindest in dem Zeitraum Ende November 79 bis Januar 80 war das eher so, daß allgemeine Auswegs- und Hoffnungslosigkeit herrschte -- unausgesprochen allerdings. Das hat sich nur in Nebenargumenten bemerkbar gemacht. War einfach da. Aber das wiederum birgt eine ganz bestimmte Gefahr in sich, die für mich auch einer der Gründe ist, hier mit Ihnen zu reden. Nach meiner Meinung ist die Linke an diesem ganzen zunehmenden Isolationsprozeß innerhalb der Gruppe -der genau das Gegenteil bewirkt von irgendeinem Sich-klar-werden-Können -- durch ihre Haltung bis Nichthaltung nicht unbeteiligt.

SPIEGEL: Wie sollte sich nach Ihrer Ansicht die Linke dem Terrorismus gegenüber verhalten?

BOOCK: Sie soll immer wieder dazu auffordern, sich Rechenschaft abzulegen über die tatsächliche Wirkung von gewissen Dingen auf der einen und auf der anderen Seite. Sie soll inhaltlich klarmachen, daß es hier Bewegungen sozialen Ursprungs gibt, die Veränderungen mit sich bringen können. Dem kann man nur die andere Seite -- die Position der RAF -- gegenüberstellen, und daraus kann jeder für sich schlußfolgern.

SPIEGEL: Sie sagten, es gäbe einige, die wie Sie am liebsten aufgehört hätten oder heute am liebsten aufhören würden. Nach dem Bankraub in Zürich im November 1979 blieb der als Terrorist verfolgte Rolf Clemens Wagner auf der Bank einer Straßenbahnhaltestelle einfach sitzen und ließ sich ganz ohne Widerstand festnehmen. Konnte er nicht mehr weiter, oder wollte er vielleicht auch gar nicht mehr?

BOOCK: Ich möchte dazu eigentlich nichts sagen. Da muß ich mir erst über einiges klar werden. Das hängt mit meiner Situation in der Gruppe zu diesem Zeitpunkt zusammen, wo ich zwar wieder zurück war, aber in der Gruppe eigentlich den Status mehr eines Gefangenen hatte als eines, der sich irgendwie aktiv beteiligen durfte, sei es bei Diskussionen oder sonstwas. Ich bin auch von allen möglichen Leuten ferngehalten worden. Es gab mal eine kurze Gelegenheit für mich, mich mit Rolf auseinanderzusetzen. Da habe ich einen bestimmten Eindruck gewonnen. Aber klar -- bezeichnend ist, er ist einfach sitzen geblieben.

SPIEGEL: In der Schlußphase Ihrer äußeren Zugehörigkeit zur RAF haben Sie als Gefangener gelebt? Können Sie das näher schildern?

BOOCK: Ich will das so ausdrücken: Einmal ist mir der Kragen geplatzt. Da habe ich all die angestauten Bedenken und alles mögliche einfach gesagt. Und das hatte sofort Folgen.

SPIEGEL: Welche?

BOOCK: Zum Beispiel die -- was sonst nie vorkommt --, daß mir die Waffe weggenommen worden ist. Aber mir gegenüber immer einer da war, der eine hatte. Daraus hab'' ich wohl zu Recht geschlossen, daß ich jetzt entweder ''nen Abgang machen muß oder was anderes mit mir passiert. So habe ich im Grunde genommen auf eine bestimmte Situation gewartet, habe ich dann selber herbeigeführt, so daß es mir möglich war, abzuhauen. Das war in einer Wohnung in Paris.

SPIEGEL: Aus freien Stücken konnten Sie da nicht raus?

BOOCK: Nein, ich durfte überhaupt nichts. Ich durfte nicht mal aus einem bestimmten Zimmer raus, wenn andere anwesend waren, weil die nicht mitkriegen sollten, daß ich überhaupt da bin.

SPIEGEL: Sie sind ständig bewacht worden -- Tag und Nacht -- von verschiedenen Leuten?

BOOCK: Manchmal von einem, manchmal von zwei.

SPIEGEL: Da mußte also einer Wache schieben, wenn Sie nachts schliefen?

BOOCK: Ne, ne, es reicht ja, wenn man weiß, daß man zwischen anderen liegt. Auf jeden Fall war es so, daß es mir nicht möglich war, wegzugehen, ohne mich selber zu gefährden. Außerdem habe ich in der ganzen Zeit noch ein anderes Problem gewälzt -- nämlich: Was ist mit anderen, wenn ich das jetzt mache. Das ist überhaupt die ganze Zeit für mich ein wahnsinniges Problem gewesen. Unter meine Kategorie fielen auch noch andere.

SPIEGEL: Die auch in dieser Wohnung saßen?

BOOCK: Nein.

SPIEGEL: Aber dann waren die doch nicht unmittelbar betroffen, wenn Sie dort aus der Wohnung weglaufen.

BOOCK: Es reicht ja, wenn man mittelbar davon betroffen ist.

SPIEGEL: Sie haben sich gesorgt, daß andere, wenn Sie da abhauen ...

BOOCK: ... das tue ich jetzt noch ...

SPIEGEL: ... die Folgen davon zu spüren kriegen, weil deren Gefangenschaft unter Umständen noch härter S.120 wird, wenn sie in einer ähnlichen Situation sind.

BOOCK: Ich kann darüber nichts sagen, ob das jetzt Gefangenschaft ist oder danach zum Beispiel eine geworden ist. Das wäre Spekulation -- da kann man sich verrückt machen.

SPIEGEL: Wie lange haben Sie in der Pariser Wohnung in dieser Situation gelebt?

BOOCK: Etwa zwei Wochen.

SPIEGEL: Haben Sie versucht, die Leute, die mit Ihnen in der Wohnung waren, zur Rechenschaft zu ziehen -zu sagen, was geht hier vor, ich will an die frische Luft?

BOOCK: Nein, ich hab'' micht möglichst ruhig verhalten, weil es schon so bedrohlich genug war und ich eine Steigerung vermeiden wollte. Und dann habe ich nach dem Punkt gesucht, wie kommst du hier raus.

SPIEGEL: Und wie haben Sie das geschafft?

BOOCK: Auch wieder mit einer meiner Fähigkeiten. Das war Mitte bis Ende Januar 1980. Ich habe einen kleinen Sabotageakt vollführt. Ich habe dafür gesorgt, daß ein Gasboiler etwas anders funktioniert, als er soll. Und daraufhin hat das Ding poff gemacht. So war eine Situation da, daß jemand kommen mußte, um das Ding zu reparieren. Der Boiler war ziemlich im Arsch.

SPIEGEL: Mußte ein Handwerker geholt werden?

BOOCK: Ja, und dadurch gab''s eine Situation, wo ich nur mit einem einzigen konfrontiert war. Da konnten natürlich die Waffen nicht mehr offen rumliegen, das Ding war also in der Tasche. Die hab ich mir geschnappt und bin aus dem Fenster gesprungen -- Hochparterre.

SPIEGEL: Und nun -- hatten Sie Geld?

BOOCK: Das mit dem Geld hatte ich vorher schon geregelt. Ich habe eine kleine Summe mitgenommen.

SPIEGEL: Jetzt standen Sie plötzlich auf der Straße in Paris -- allein, wußten Sie denn überhaupt wohin.

BOOCK: Was dann kam, war ein ziemlich entsetzlicher Dauerlauf, wo ich auch erst mal im Kopf habe, möglichst schnell und weit weg. Da gab es nicht so wahnsinnig viele Möglichkeiten für mich. Denn ein paar konnten die auch nachvollziehen. Welchen Weg nehme ich, welchen nehme ich nicht. Ein ziemliches Chaos und Durcheinander. Ich habe mehr instinktiv gehandelt.

SPIEGEL: Hinterhergelaufen oder gar hinterhergeschossen hat jedenfalls keiner.

BOOCK: Das wäre ja das Ende dieser Wohnung gewesen, weil der Handwerker da war. Das war eben genau die günstigste Situation.

SPIEGEL: Offiziell war die Lesart der Gruppe immer, die Beziehungen ihrer Mitglieder untereinander seien von Liebe, von Solidarität geprägt.

BOOCK: Ich kann nicht pauschal sagen, so was hat''s nie gegeben; ich kann auch nicht sagen, das war in Vollendung so. Ich habe das als einen langsamen Erosionsprozeß empfunden. Ich selber habe nur wenige richtig emotionale Beziehungen gesehen. Persönlich hatte ich von mir aus in der ganzen Zeit nur eine, die mir jetzt noch wichtig ist -- und das ist nicht die zu Brigitte Mohnhaupt.

SPIEGEL: Zu der Ihnen mal eine Liaison nachgesagt wurde.

BOOCK: War alles Quatsch.

SPIEGEL: Sie gilt als besonders harte, herrische Frau ...

BOOCK: ... dazu möchte ich wirklich nichts sagen.

SPIEGEL: Aber immerhin jemanden gab es, der Ihnen wenigstens ein bißchen Hilfe oder das Gefühl von Verstandenwerden geben konnte?

BOOCK: Wo ein Ansatz von Offenheit da war, wo bestimmte Dinge mal gesagt werden konnten, ohne daß man gleich für sich Konsequenzen erwarten mußte.

SPIEGEL: Und um diese Person sorgen Sie sich heute vor allem?

BOOCK: Ja. Ich will nicht sagen, wer das ist.

SPIEGEL: Lief also in der Gruppe nichts über Diskussionen, sondern alles über Befehl und Gehorsam?

BOOCK: Die Struktur war auf jeden Fall von oben nach unten -- in ganz krassem Maße.

SPIEGEL: Man hat bei Ihren Schilderungen das Gefühl, daß diejenigen, die vielfach Angst und Schrecken verbreiten, offenbar zum Teil selber Opfer sind und unter Angst und Schrecken leben.

BOOCK: Das trifft so zu. Der Druck ist nicht weg, wenn man verhaftet ist. Deshalb ist das ein ganz sensibler Bereich, was zu sagen.

SPIEGEL: Über alle wichtigen Dinge, Planungen und so weiter, wußten nur einige wenige Bescheid?

BOOCK: Das ist richtig. Zum Teil mußte man seine Schlußfolgerungen auch daraus ziehen, wie bestimmte Dinge liefen.

SPIEGEL: Hat denn nie mal jemand gesagt, was ist das für ein Scheißleben, wir müssen ewig aufpassen, daß man uns nicht schnappt, und sogar innerhalb dieses Ladens erfahren wir nicht, was läuft, und werden wie Knechte behandelt? Oder war das schon eine Folge des Binnendrucks, daß es zu solchen Ausbrüchen schon gar nicht mehr kam?

BOOCK: Ich kann jetzt nicht sagen, wie einzelne so was empfinden. Ich kann nur von mir reden. Und das habe ich ja soweit bestätigt.

SPIEGEL: War die Angst vor Spitzeln groß, vor Leuten, die vielleicht eingeschleust sein könnten?

BOOCK: Nein.

SPIEGEL: Was war für den Fall geplant, daß sich jemand absetzt, einfach abhaut?

BOOCK: Das einzige, wovon ich jetzt reden kann, ergibt sich unmittelbar durch den Pariser Fenstersprung. S.121 Über die Folgewirkung muß man sich im klaren sein. Ich will nicht die Möglichkeiten von anderen kaputtmachen.

SPIEGEL: Wie hat sich der äußere Fahndungsdruck ausgewirkt, psychisch?

BOOCK: Bei mir kam durch diese Mauer von Drogen sehr wenig an mich ran.

SPIEGEL: Aber nach Ihrem Abflug aus Belgrad war das mit den Drogen für Sie doch vorbei.

BOOCK: Ja. Aber im Jemen hatte ich mich mit der Fahndung noch nicht wieder auseinanderzusetzen. Als ich dann in Europa war, wollte ich für mich in erster Linie eine andere Möglichkeit finden, mich überhaupt wieder mit Leben auseinandersetzen zu können. In Deutschland war dann für mich klar, irgendwann kommt der Punkt, wo du erwischt wirst. Und wenn du dich nur danach ausrichtest, dann bist du bald wieder am Ende. Ich habe einfach angefangen, anders zu leben. Für mich liegt ''ne Schwierigkeit darin, wenn ich von meiner Zeit nach Paris erzähle. Dann hat das sofort wieder Konsequenzen für Leute. Solange das so ist, kann ich es nicht tun.

SPIEGEL: Seit Jahren fordern RAF-Häftlinge die Zusammenlegung zu größeren Gruppen einer Haftanstalt. Was sind die wirklichen Gründe für diese Forderung -- der humanitäre Aspekt einer Auflockerung von Isolation, oder die Möglichkeit, den Druck der Gruppe auf den einzelnen fortzuführen und Abweichler bei der Stange zu halten; ist er Rekrutierungsinstrument für den terroristischen Nachwuchs, oder geht es schließlich auch um die Chance, günstigere Voraussetzungen zu schaffen für mögliche Befreiungsaktionen?

BOOCK: Da möchte ich gerade im Moment nichts sagen.

SPIEGEL: Weil gerade wieder ein Hungerstreik im Gange ist?

BOOCK: Irgendwie möchte ich dazu doch was sagen. Den Umkehrschluß kann jeder draus ziehen. Ich denke, daß es ein paar Leute dabei gibt, die wirklich im Kopf haben, die Haftbedingungen zu verbessern. Wenn ich mich jetzt dazu weiter auslassen würde, würde ich denen in den Rücken fallen. Dann könnte ich meine politische Glaubwürdigkeit gleich begraben. Aber jetzt mal zum Punkt. Im Jemen, wo also jemand kam und mich abholte, habe ich mitgekriegt, daß eine Sache gelaufen ist. Da gab es die Schießerei bei Dortmund, wo Angelika Speitel verhaftet und Michael Knoll erschossen worden ist. Wohl aus Rachegründen hat man dann irgendwo was präpariert, ''n Baum. So als wenn dasselbe da stattgefunden hätte wie schon vorher bei Dortmund, also ''ne Übungsschießerei. Um diesen Baum herum hat man dann wohl Tretminen gelegt, von denen ich ausgehe, daß sie -- da ich nirgends gehört habe, daß sie explodiert sind und auch in der Zeit in Paris nicht gehört habe, daß sie beseitigt worden sind -da jetzt noch liegen.

SPIEGEL: Wo?

BOOCK: Wenn ich das genau wüßte. Das wäre eine Sache der Ermittlungsorgane, S.122 die Dinger zu finden. Oder auch, daß jemand, der dazu mehr weiß, irgendwie was verlautbaren läßt. An dem Baum ist ''ne Zeitung oder so was befestigt, wie mir bekanntgeworden ist. Das ist so präpariert worden, so als Zielscheibe oder was -- keine Ahnung. Anschließend sollte auf einen anonymen Anruf hin, das war die Erwartung, die Polizei eintreffen, um zu recherchieren.

SPIEGEL: Und drauftreten ...

BOOCK: ... das drückt eigentlich auch wieder aus -- also ich kann darin keinerlei politische Wirkung oder Zielsetzung sehen -- nur pure Rache eben. Wenn das geklappt hätte, wäre es politisch absolut vernichtend gewesen als Aussage über die Gruppe. Ich weiß einfach nicht -- da ist Schluß.

SPIEGEL: War das ebenfalls im Umkreis von Dortmund? S.123

BOOCK: Ich weiß es nicht. Wenn ich''s genauer wüßte, würde ich es sagen. Diese Sache hat mein Verteidiger dem Ermittlungsrichter schon bekanntgemacht. Diese Sache hängt sehr eng zusammen mit der Stimmung in der Gruppe, so wie ich sie empfunden habe in der Zeit nach 1979. Diese unausgesprochene Resignation und mehr oder weniger bewußt auch der Widerspruch zwischen politischer Realität hier in der Linken und dem Anspruch der Gruppe. Das geht weit auseinander. Darüber ist in der Gruppe diskutiert worden, habe ich mehr oder weniger mitbekommen.

SPIEGEL: Stichwort: Finale Aktion.

BOOCK: Ganz allgemein, weil das in dem politischen Kontext wichtig ist, will ich jetzt auch hier sagen: Wenn die Leute, die sich mit solchen Gedanken tragen, sich die Situation in der BRD mal genau angucken, dann müssen sie die Entwicklungen einfach sehen, die in den letzten Jahren zustande gekommen sind. Egal jetzt, welcher Schritt von ihnen erfolgt -- das kann ja auch irgendwas anderes sein, was da mittlerweile zustande gekommen ist --, sie sollten sich von vornherein überlegen, welche Auswirkungen das haben wird auf die politische Landschaft, auch auf alle Versuche von anderen Leuten, von der Basis her was in Gang zu bringen. Das ist mir sehr wichtig.

SPIEGEL: Weil, wenn irgend etwas Schreckliches passiert, damit auch jede vernünftige Politik der Linken kaputtgemacht wird?

BOOCK: Allerdings.

S.110 In der Hamburger Untersuchungshaftanstalt mit Redakteur Hans-Wolfgang Sternsdorff und Boock-Verteidiger Heinrich Hannover (r.). * S.112 Abtransport des Schwerverletzten aus seiner Villa in Oberursel in die Frankfurter Uni-Klinik, wo er starb. * S.113 Oben: Im August 1977 von der Polizei entschärfter Raketenwerfer, der auf das Gebäude der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gerichtet war; * unten: im September 1977 in Köln. * S.115 Vom November 1979. * S.117 Bei einer Zwischenlandung auf dem Flug nach Mogadischu in Dubai. * S.118 Im Jahr 1979. Oben: Auf einer Landstraße bei Mons (Belgien); * unten: Tatort des Schußwechsels nach einem Bankraub im Bahnhofsviertel. * S.120 Im November 1978. *

DER SPIEGEL 9/1981
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Im Schützengraben für die falsche Sache