08.09.1980

GESTORBENNina Kandinsky

Nina Kandinsky. Die Moskauer Generalstochter war von 1917 an 27 Jahre lang die Ehefrau des Malers Wassily Kandinsky, danach für 36 Jahre seine Witwe -- und sonst gar nichts. Eine liebende Frau, so lautete ihre Maxime, müsse zu Gunsten ihres Mannes "vieles aufgeben, damit er sich entfalten kann". Nina Kandinsky, die über ihr Geburtsdatum stets lächelnd schwieg, empfand sich selbst als "Frühling im Lebensherbst" des gewiß eine Generation älteren frühabstrakten Künstlers. Sie begleitete ihn, seit Eheschluß ohne einen Tag Unterbrechung an seiner Seite, 1921 aus den Wirren der zunehmend beengten sowjetischen Kunstsituation nach Deutschland, wo er am Bauhaus lehrte, und 1933 ins Pariser Exil. Als Witwe wachte sie scharfäugig über Kandinskys Nachruhm, suchte per Copyright unliebsame kunsthistorische und biographische Aspekte zu unterdrücken (so im 13jährigen, schließlich für sie erfolgreichen Rechtsstreit mit dem Autor und Verleger Buchheim) und lenkte hinterlassene Bilder durch Verkauf und Stiftung in große Museen; allein 30 Gemälde und Aquarelle gingen als Geschenk ins Pariser Centre Pompidou. Am vorigen Dienstag wurde Nina Kandinsky in ihrem Haus im Schweizer Prominentenort Gstaad Opfer eines Raubmords.

DER SPIEGEL 37/1980
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GESTORBEN:
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