08.09.1980

GESTORBENFabian von Schlabrendorff

Fabian von Schlabrendorff, 73. Spätestens im März 1943, nach der Katastrophe von Stalingrad, hielt der Jurist Gewalt für geboten: Zusammen mit Oberst Henning von Tresckow versteckte er in Hitlers Flugzeug eine Zeitbombe -- doch die Zündung versagte. Verhaftet wurde von Schlabrendorff über ein Jahr später, nach dem Attentat vom 20. Juli 1944. Reichsführer SS Himmler verhängte das Todesurteil gegen ihn -- und hob damit den Freispruch des Volksgerichtshofs auf. Nach seiner Befreiung bei Kriegsende rechtfertigte der parteilose Liberale aus märkischem Uradel eindrucksvoll den Widerstand, unter anderem in seinem 1946 erstmals erschienenen Buch "Offiziere gegen Hitler". Während seiner Amtszeit als Bundesverfassungsrichter (1967 bis 1975) sprach sich Schlabrendorff erfolgreich dafür aus, das Recht auf Widerstand ins Grundgesetz aufzunehmen. Er gehörte auch zu den Richtern, die Bayerns Normenkontrollklage (1973) gegen den Grundvertrag mit der DDR zurückwiesen. Vergangenen Mittwoch starb Fabian von Schlabrenndorff in Wiesbaden.

DER SPIEGEL 37/1980
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