28.01.1980

Betr.: Peking

Datum: 28. Januar 1980 Betr.: Peking
"Habemus officium", telegraphierte SPIEGEL-Korrespondent Tiziano Terzani am Mittwoch vergangener Woche aus Peking. Mit dieser Variante der Floskel "Habemus papam" verkündete Terzani auf seine temperamentvolle Weise -er ist Italiener -- die Eröffnung des Pekinger SPIEGEL-Büros.
Damit ist der SPIEGEL die erste westliche Zeitschrift, die einen eigenen Korrespondenten in China hat -- noch vor den amerikanischen Nachrichtenmagazinen "Time" und "Newsweek". Am Mittwoch um 15 Uhr bekam Terzani vom stellvertretenden Leiter der Informations- und Presseabteilung, Jao Wei, die Pressekarte Nummer 023 überreicht. Kurz darauf heftete er an die Tür von Zimmer 605 des Tschianmen-Hotels ein gelbes Schild mit dem SPIEGEL-Schriftzug.
Für ihn sei es ein besonderer Tag, auf den er mehr als zehn Jahre gewartet habe, schrieb Terzani, 41, an die Hamburger Redaktion. Das neue Büro, es ist die 20. Auslandsvertretung des SPIEGEL, besteht aus einem einzigen Zimmer, möbliert mit einem Doppelbett, einem Schreibtisch und einer braunen Sitzgarnitur mit dem in China unvermeidlichen weissen Spitzen-Bezug. Aus seinem Fenster kann Terzani chinesischen Kollegen von der "Kuanj Min Bao" beim Schreiben beobachten. Terzani: "Von der Strasse her höre ich das monotone Rauschen der vielen Fahrräder und das unablässige Hupen der Busse."
Gestaunt über den chinesisch sprechenden Italiener, der für ein deutsches Nachrichtenmagazin schreibt und der, wie der Apostel Paulus den Römern ein Römer war, den Chinesen ein Chinese ist, hat bislang nur Terzanis Führer. Auf Terzanis Einwand, der Italiener Kolumbus habe "Amerika auch nicht mit italienischen Schiffen entdeckt", wünschte der Chinese "viel Glück bei der Entdeckung Chinas". Entdecken wird Terzani in jedem Fall den SPIEGEL: Von der ersten Februar-Ausgabe an werden 35 Hefte per Luftfracht nach Peking geliefert. Preis pro Heft: 7,10 Jüan, das sind derzeit 4,80 Dollar.

DER SPIEGEL 5/1980
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