18.05.1981

BASKETBALLBesser im Block

Erstmals seit 1965 qualifizierten sich die bundesdeutschen Basketballer für die Europameisterschaft -- dank Entwicklungshilfe aus den USA.
Unter voll bezahlten Bundestrainern blieb die bundesdeutsche Basketballmannschaft 30 Jahre, was sie immer war -- drittklassig. Erst seit zwei Klubtrainer die Betreuung nebenbei übernahmen, lernte sie zu siegen.
Dem Amerikaner Terence Schofield, Lektor in Göttingen, und dem Mainzer Universitätsdozenten Theodor Schober glückte, was noch vor drei Jahren aussichtslos schien: Die deutsche Nationalequipe besiegte Vize-Europameister Israel und den Olympiazweiten Italien und qualifizierte sich für die Endrunde der Europameisterschaft (26. Mai bis 6. Juni in Prag).
Bei Olympia-Turnieren tauchten die Deutschen nur 1936 und 1972 als Gastgeber mit Freilos unter den Körben auf. Den Olympia-Kader 1936 hatten sie noch aus Handballspielern rekrutiert. Auf diese Weise war auch Willi Daume, der spätere Organisator der Münchner Spiele, Olympia-Teilnehmer geworden.
Niemals gelang in der deutschen Kümmersportart eine erfolgversprechende Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Nationalmannschaft. "Das ist ein Grund, warum wir nie absolute Spitze werden", resignierte Schober, der das deutsche Olympia-Aufgebot 1972 schon einmal betreut hatte. Auch Schober war vom Handball abgeworben worden und hatte es im Basketball zum Nationalspieler gebracht.
Erst die anrollende Trimmwelle und die zunehmende Kommerzialisierung im Sport verbesserten auch im Basketball die Bedingungen. Von 1960 bis 1980 verfünffachte der Deutsche Basketball-Bund (DBB) seine Mitgliederschar auf 83 571.
Zugleich kauften Klubmäzene mit Spielern und Trainern aus den USA auch Know-how von der Basketball-Vormacht. "Amerikaner bringen mit ihrer gesunden Naivität die richtige Einstellung mit", erklärte Dieter Ehrich, Basketball-Referent im Bundesausschuß für Leistungssport (BAL). "Die wollen gegen jeden Gegner gewinnen."
Der Kölner Schallplatten-Großhändler Friedrich Wilhelm Waffenschmidt etwa steckte seit 1978 jährlich bis zu 350 000 Mark in den BSC Saturn. Als Klubtrainer gewann er Schober, der aus Saturn eine Spitzenmannschaft formte. Zweimal siegten die Kölner im bundesdeutschen Pokal-Wettbewerb, 1981 lösten sie außerdem den ASC Göttingen als Meister ab.
Göttingen hatte mit seinem Trainer Schofield den Sprung unter die führenden Klubs geschafft. Er war in Los Angeles Spieler und Assistenztrainer an der sportfreudigen Universität von Kalifornien (UCLA) gewesen. Als das bundesdeutsche Nationalteam seinen letzten Bundestrainer Bernd Röder abschob, holte der DBB 1980 Schofield und Schober.
Sie mochten nicht für das Amt eines hauptamtlichen Bundestrainers ihren Beruf und die Arbeit in ihren Klubs aufgeben und betreuen die Nationalmannschaft nebenbei. Das erwies sich als Vorteil: Beide bildeten in der Nationalequipe einen Block aus den besten Spielern ihrer Klubs. So vermieden sie Reibungsverluste zwischen Vereinen und Nationalmannschaft.
Alle Mitglieder des Nationalkaders mußten sich verpflichten, unbegrenzt für Lehrgänge und Wettkampfreisen bereitzustehen. Das schreckte manchen Altstar ab. Der Altersdurchschnitt ihrer Mannschaft sank auf 22 Jahre.
Außerdem "nutzen wir am gescheitesten den Austausch mit Amerika", beschrieb BAL-Direktor Eduard Friedrich, "durch Trainingslager, amerikanische Trainer und Spieler, aber auch indem wir deutschstämmige Amerikaner integrierten". Der Deutschamerikaner Ulrich Peters (Göttingen) entfaltete sich zum Spielgestalter. Der erfolgreichste Korbjäger, Michael Pappert, trainierte zwei Jahre in den USA.
So verwirrt es die Amerika-erfahrenen Spieler kaum, wenn Trainer Schofield, sobald ein Spiel auf der Kippe steht, vor Erregung ins Englische wechselt.

DER SPIEGEL 21/1981
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