28.09.1981

SPIEGEL GesprächIrresein als Berufskrankheit?

Großmeister Robert Hübner, Psychiater Paul Matussek und andere Fachleute über Schach, Genie und Wahn
SPIEGEL: Die Schachspieler der Weltspitze werden bewundert und zugleich bedauert. Sie werden bewundert, weil ihre Gehirne anscheinend weit mehr zu leisten vermögen, als selbst andere kluge Köpfe je vollbringen oder sich oft auch nur vorstellen können, und sie werden bedauert, weil zumindest einige von ihnen allem Anschein nach dafür einen zu hohen Preis zahlen müssen. Das Leben mehrerer Weltmeister und anderer Spitzenspieler endete im Wahn.
Herr Pfleger, Sie sind Arzt und Schachgroßmeister. Gibt es nach Ihrer Meinung unter den großen Schachspielern im Vergleich zu Angehörigen anderer geistiger Berufe überdurchschnittlich viele Fälle geistiger Erkrankung?
PFLEGER: Nein. In allen geistigen und künstlerischen Disziplinen, in denen jemand weitestgehend seinem Metier lebt, muß es geradezu zu ausgeprägten und oft eigenartigen Persönlichkeiten kommen. Durchschnittlichkeit und Genie vertragen sich nicht.
SPIEGEL: Eigenartig oder absonderlich zu sein bedeutet ja nicht, abnorm oder krank zu sein. Es wurde und wird aber über geisteskrank gewordene Schachgenies ohne Zweifel weit mehr geschrieben als etwa über hochbegabte Mathematik-Professoren oder berühmte Rechtsanwälte, die im Irrenhaus starben.
PFLEGER: Ich glaube wirklich nicht, daß es unter großen Schachspielern mehr geistige Erkrankungen gibt als unter Angehörigen vergleichbarer geistiger und künstlerischer Berufe. Aber ich habe keine Erklärung dafür, warum es so viele Berichte über kranke Schachspieler gibt und warum dieses Thema auch Autoren wie zum Beispiel Stefan Zweig in der "Schachnovelle" faszinierte.
SPIEGEL: Herr Hübner, Sie stehen nach dem Weltmeister Anatolij Karpow und dem Vizeweltmeister Wiktor Kortschnoi auf Platz drei der Weltrangliste. Stört es Sie, daß es über die besten Schachspieler neben positiven Ansichten auch eine negative Meinung gibt? Wenn wir sie volkstümlich ausdrücken dürfen: Allzu viele sind verrückt geworden, allzu viele spielten oder spielen verrückt, ohne es zu sein.
HÜBNER: Man müßte zunächst den Begriff "verrückt" bestimmen, den Sie in dieses Gespräch eingeführt haben.
SPIEGEL: Bitte.
HÜBNER: Es gibt meines Erachtens die Realität, die zu jedem Zeitpunkt nur eine einzige Form hat, gemäß dem Gesetz, daß A gleich A ist. Die Menschen sind aber nicht in der Lage, diese Realität vollständig zu erfassen. Es besteht für sie nur die Möglichkeit, sich dieser Realität anzunähern, und zwar dadurch, daß sie logische Schlüsse ziehen oder ihre Sinnesorgane gebrauchen. Verrückt nennen wir solche Menschen, bei denen nach allen menschlichen Maßstäben offensichtlich ist, daß sie sich der Realität nicht nähern, sondern sich von ihr entfernen. Diese Leute sind "verrückt" von dem, was wir gemeinhin als mögliche Realität akzeptieren.
SPIEGEL: Was können Sie über die Schachspieler aussagen, wenn Sie diesen Begriff verwenden?
HÜBNER: Es ist mir nicht gelungen, durch Beobachtungen Material dafür aufzufinden, daß Schachspieler in besonderem Maße dazu neigen, eine Abkehr von dem, was gemeinhin als seiend aufgefaßt und anerkannt wird, zu betreiben. Hingegen ist es mir gelungen, einiges Material für Verrücktheiten bei Pressevertretern zu sammeln.
SPIEGEL: Können Sie uns dafür Beispiele geben?
HÜBNER: Es ist allgemein bekannt und akzeptiert, daß menschliche Handlungen auf einem Komplex von Motiven und daß Phänomene auf einem Komplex von Ursachen beruhen. Immer wieder kann man aber in der Presse Berichte finden, in denen eine einzige Ursache für ein Phänomen angegeben wird. So las ich neulich irgendwo eine Überschrift, in der das Wort "Schachwunder" vorkam. Nun gibt es heute aber keine Wunder mehr, es handelt sich also nicht um ein Wunder, sondern um eine Erscheinung, die auf verschiedenen Ursachen beruht, und es wäre nötig, diese Ursachen zu ergründen. Das geschieht aber nicht, sondern es geschieht eine "Verrückung" hin zum Wunder. In diese Gruppe der "Verrückungen" scheint mir auch die Frage zu gehören, ob Schachspieler verrückt seien. Es ist kein Grund dafür zu sehen, daß die Behandlung eines Elementes der Gruppe in mir eine andere Reaktion hervorrufen sollte als die gleichartige Behandlung anderer Elemente: Die Meinung, Schachspieler seien verrückt, stört mich nicht mehr oder weniger als andere absurde Ansichten, die allgemein im Umlauf sind.
SPIEGEL: Vom Philosophen Schopenhauer stammt das Wort, jede Steigerung des Intellekts über das gewöhnliche Maß hinaus disponiere als Abnormität zum Wahnsinn. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts erklärte der Psychiater Binder das Irresein zur Berufskrankheit des Genies. Herr Professor Matussek, wie eng ist der Zusammenhang zwischen Genie und Wahn nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis?
MATUSSEK: Die Verbindung von Genie und Wahn wird heute nicht mehr so eng gesehen. Im Gegenteil: Wo psychotischer Wahn beginnt, hört Kreativität auf. Dagegen sind - wie Herr Pfleger eben schon andeutete - nichtpsychotische Abnormitäten, also Variationen des sogenannten normalen Lebens, eher die Regel als die Ausnahme. Seltene Spitzenleistungen äußern sich auch in mehr oder weniger deutlichen Abweichungen von der Durchschnittsnorm, die Persönlichkeit und Charakter betreffen.
SPIEGEL: Von den neun früheren inoffiziellen oder offiziellen Weltmeistern, die gestorben sind oder nicht mehr an Turnieren teilnehmen, sind unseren Quellen zufolge fünf völlig gesund geblieben und geben zu unserem Thema nichts her: Adolf Anderssen, José Raúl Capablanca, Emanuel Lasker, Max Euwe und Michail Botwinnik. Von den anderen vier Weltmeistern waren, wie wir meinen, zwei mit Sicherheit klinische Fälle, Paul Morphy und Wilhelm Steinitz. Ein anderer - Alexander Aljechin - war vielleicht, ein vierter - Bobby Fischer - ist wahrscheinlich ein klinischer Fall. Morphy und Steinitz litten wohl an einer Schizophrenie, also an der Geisteskrankheit, die auch bei einigen anderen berühmten Schachspielern festgestellt wurde. Läßt sich in zwei, drei Sätzen sagen, Herr Matussek, was das Wesentliche der Schizophrenie ist?
MATUSSEK: Daß sich etwa jemand für einen deutschen König hält oder sich von Spionen und Gangstern durch Radio oder Fernsehen verfolgt fühlt, ist ein simples, alltägliches Beispiel für einen Wahn. Dessen Variationen sind aber zahlreich. Neben dem Wahn sind optische oder akustische Trugwahrnehmungen, aber auch Denkstörungen und charakteristische Beeinträchtigungen des Gefühlslebens weitere Erscheinungsbilder der bunten Palette schizophrener Symptome.
SPIEGEL: Welche Rolle spielt die Lebensgeschichte des Schizophrenen?
MATUSSEK: Früher sagte man, die Schizophrenie breche über einen Menschen herein wie eine Grippe oder der Krebs. Diese Ansicht wird heute nur noch von einigen Nachzüglern vertreten. Sie ist überholt von der Erkenntnis, daß neben der unbestrittenen "Anlage" auch die Lebensgeschichte für die Manifestation der Erkrankung von grundlegender Bedeutung ist.
SPIEGEL: Ist es richtig, daß für die an Schizophrenien oder anderen Psychosen Erkrankten eine extreme Ich-Schwäche kennzeichnend ist?
MATUSSEK: Ja.
SPIEGEL: Wie äußert sie sich?
MATUSSEK: Wenn man mit dem aus der Psychoanalyse stammenden Begriff operiert, was keinesfalls alle Psychiater tun, könnte man in der gebotenen Kürze sagen: Ich-Schwache können weder die eigenen Triebe in Schach halten und sich organisch entwickeln lassen, noch sind sie zu einer Reifung des kindlichen Gewissens fähig, noch bringen sie das Maß an Common sense auf, das zur Verständigung mit anderen unerläßlich ist.
SPIEGEL: Und trifft es zu, daß diese Schwäche der Kreativität förderlich ist?
MATUSSEK: Das gilt nur bis zu einem bestimmten Grad der Ich-Schwäche. Bis dahin kann die Überzeugung von der allgemeinen und damit für den einzelnen unter Umständen gemeinen Realität als kreativitätsfördernd gelten. Wird die Ich-Schwäche stärker, dann reißt der Kontakt zur Außenwelt ab, und kreative Impulse verlieren sich in einer psychotischen Verstiegenheit.
SPIEGEL: Lassen Sie uns über die relativ wenigen, aber recht zuverlässigen Befunde sprechen, die es über die vier genannten Weltmeister gibt. Beginnen wir mit Paul Morphy, einem Amerikaner: Er war mit 21 Jahren der beste Schachspieler der Welt, aber sein Schachleben als Turnierspieler dauerte lediglich eineinhalb Jahre, und insgesamt spielte er nur 55 Partien gegen etwa gleichwertige Gegner. Nach Rückkehr von einer überaus erfolgreichen Reise durch Europa genoß Morphy noch einen Triumphzug durch die USA, zog sich dann aber erst vom Schachspielen und bald darauf aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Sein Versuch, als Rechtsanwalt eine neue Existenz zu gründen, scheiterte. Er lebte mit Mutter und Schwester zusammen, unternahm nur wenige Auslandsreisen, wurde in der Öffentlichkeit lediglich noch täglich zu bestimmten Stunden beim Spaziergang und beim Opernbesuch gesehen, verdächtigte seinen. Schwager, er wolle ihn betrügen und umbringen, und starb mit 47 Jahren.
MATUSSEK: Die Angaben sind für eine genaue Diagnosenstellung unzureichend. Was bewirkte den Rückzug aus dem gesellschaftlichen und beruflichen Leben? Wie kam es zur wahnhaften Verdächtigung seines Schwagers? Mit welcher Überzeugung wurden die Vergiftungsideen geäußert, und wie haben sie sein Verhalten beeinflußt? Das ist nur ein kleiner Ausschnitt von Fragen, die zunächst geklärt werden müßten, um den zweifelsohne nachgewiesenen Rückzug aus der Gesellschaft genauer und damit erkenntnisträchtiger begreifen zu können.
SPIEGEL: Morphy spielte in seiner Schachzeit des öfteren "blind", also ohne Brett und Figuren zu sehen, einige Male sogar gegen sechs bis acht Gegner zugleich. Das war eine für die damalige Zeit hohe Zahl. Dieses Blindspielen bedeutete zweifellos eine große geistige Leistung. Kann eine Geisteskrankheit durch eine geistige Überanstrengung entstehen?
MATUSSEK: Mit Sicherheit nein. Eher müßte die Einseitigkeit der Begabung mit den sich daraus ergebenden Folgen der Abkapselung von der Mitwelt und der Aufkündigung auch solcher Kontakte beachtet werden, die für eine kontinuierliche Entwicklung der Persönlichkeit notwendig sind.
SPIEGEL: Zu Wilhelm Steinitz, einem gebürtigen Österreicher. Gegen Ende seines Lebens spielte er zwar noch auf Turnieren, wurde aber zwischendurch schon in Irrenanstalten eingeliefert. Er glaubte, ohne Draht und Hörer telephonieren zu können. Auch war er davon überzeugt, daß elektrische Ströme von ihm ausgingen, mit denen er die Figuren auf dem Schachbrett bewegen könne. Hier handelt es sich unseres Erachtens um gesicherte Fakten dieser Leidensgeschichte. Wohl ins Anekdotische gehört der Bericht, Steinitz habe Gott zu einer Partie herausgefordert und ihm einen Bauern vorgeben wollen.
MATUSSEK: Diese Fakten sind sicherlich Symptome, die man bei Schizophrenen antrifft. Nur darf man sie sich nicht isoliert vorstellen, gleichsam als "willkürliche Marotten" einer sonst gesunden Person. Sie sind in eine Fülle anderer Symptome eingebettet, die nicht jeder so Erkrankte unbedingt dem Arzt mitteilen wird. Auch der Arzt erfährt meistens nur einen mehr oder weniger großen Ausschnitt.
SPIEGEL: Zu dem Exilrussen Alexander Aljechin. Von ihm wird berichtet, er habe sich "dauernd in einer äußeren und inneren nervösen Unruhe" befunden, gelegentlich habe sich "die angespannte Energie und aufgespeicherte Kraft mit eruptiver Wucht" entladen, er habe das "Bild eines nervösen, von krankhaftem Ehrgeiz getriebenen Kämpfers, Hämmerers und Zertrümmerers" geboten. Das sind natürlich keine Diagnosen, sondern Berichte im Stil seiner Zeit, der zwanziger und dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts. In seinem berühmten Buch "Genie, Irrsinn und Ruhm" kam Wilhelm Lange-Eichbaum aufgrund solcher Berichte zu dem Ergebnis, es liege bei Aljechin "eine sehr deutliche schwere Psychopathie" vor.
MATUSSEK: Die Diagnose von Lange-Eichbaum war seinerzeit gebräuchlich. Man bezeichnete damit seelische Abnormitäten, die dem Betroffenen und der Umwelt Leiden verursachten, ohne Einsicht und Änderung, und zwar ausschließlich aufgrund der sogenannten Anlage. Heute wird die Diagnose kaum noch verwandt. Sie ist zu vieldeutig und zu wenig trennscharf.
SPIEGEL: Herr Professor de Groot, Sie sind der einzige unter uns, der Aljechin gekannt hat. Er hat sich ja sogar an Ihrer berühmten Untersuchung über das Denken der Schachspieler beteiligt. Welchen Eindruck hatten Sie von Aljechin?
DE GROOT: Für Aljechin gab es auf der Welt nur Schach und ihn selbst, sonst nichts. Er war ein großer Egoist, und man wird vielleicht seinen Ehrgeiz krankhaft nennen können. Aber anomal, geisteskrank war er meines Erachtens nicht.
SPIEGEL: Herr Matussek, gibt es Übergänge zwischen solchen Erscheinungsbildern wie bei Aljechin und den Psychosen, wie sie bei Morphy und Steinitz manifest wurden?
MATUSSEK: Was man früher unter einem Psychopathen verstand, stellt kein Bindeglied, keinen Übergang zur Schizophrenie dar. Im Gegenteil: Solche Fälle, von denen ein Teil heute als Grenzfälle, als sogenannte borderline cases diagnostiziert werden, sind eher Schranke als Schwelle zur Psychose. Allerdings gibt es andere Auffälligkeiten vor dem Ausbruch der Psychose. Das ist aber bisher noch nicht detailliert genug und empirisch zuverlässig ausdiskutiert worden.
SPIEGEL: Zu Bobby Fischer. Vielleicht sollten sich über ihn zunächst die beiden Großmeister äußern, die ihn aus seiner aktiven Zeit kennen. Herr Hübner?
HÜBNER: Aus meiner persönlichen Kenntnis kann ich mich nicht äußern, weil ich keine habe. Was allenthalben über Fischer geschrieben worden ist, scheint mir so verwirrt und verwirrend zu sein, daß ich es nicht als Basis für eine Aussage benutzen möchte. Mein Eindruck ist, daß Fischer größere psychische Schwierigkeiten hat, als man dem Durchschnitt der Menschen zuschreibt.
PFLEGER: Ich würde weitergehen. Ich habe den 17jährigen Fischer eine Woche lang beobachten können. Bei Fischer war sicherlich schon relativ früh eine extreme Schizoidie vorhanden. Er wollte sich abschließen, möglichst jeden Kontakt meiden, auch nur in einem Hotelzimmer statt in einer eigenen Wohnung leben.
SPIEGEL: Sie würden eine Schizoidie, nicht eine Schizophrenie annehmen?
PFLEGER: Bis er 1972 abrupt seinen Abschied von der Schachwelt nahm, war er trotz seiner - gelinde gesagt - Eigentümlichkeiten nicht schizophren. Über das Jetzt kann man nur munkeln. Nach Aussagen von Bekannten, die ihn in den letzten Jahren vereinzelt sahen, geht es ihm nicht gut.
SPIEGEL: Warum brach er das Schachspielen ab, als er Weltmeister geworden war?
PFLEGER: Mit der Antwort bewege ich mich im hypothetischen Bereich. Fischers einziges Ziel war es gewesen, die Weltmeisterschaft zu erringen. Das mag er selbst lange Zeit für eine Illusion gehalten haben. Als nun diese Illusion doch Wirklichkeit wurde und Fischer - aus seiner eigenen Sicht - eine Art Gottähnlichkeit erreicht hatte, wird panische Angst über ihn hereingebrochen sein, irgend jemand könne ihn von diesem Thron wieder herunterstoßen. Beides, der Gipfelrausch wie die Angst vor dem Absturz, traf auf ein ganz schwaches Ich, das damit nicht fertig werden konnte.
SPIEGEL: Fischer hat oft gesagt und mit nahezu jedem öffentlichen Auftritt bewiesen, daß es für ihn bis zu seinem Sieg im Weltmeisterschaftskampf gegen Spasski 1972 in Reykjavik nichts anderes gab als Schach. Läßt die Entscheidung, nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft auf diesen Lebensinhalt zu verzichten, für sich genommen schon auf eine geistige Erkrankung schließen?
MATUSSEK: Der Krankheitsbegriff wird in der Psychiatrie, zumindest in der deutschsprachigen Psychiatrie, sehr eng gefaßt und nur bei nachgewiesener körperlicher Verursachung der psychischen Abnormitäten angewandt. Insofern würde ich mit dem Begriff Geisteskrankheit zögern. Man kann den Entschluß auch mit den psychischen Eigenarten und Entwicklungen erklären, muß dabei aber mehr und Genaueres über die Vorgeschichte und inneren Erfahrungen wissen, als hier mitgeteilt wird. Ob zum Beispiel der Entschluß zum Aufhören wirklich die Bedeutung hat, die ihm wegen des Überraschungseffekts zugeschrieben wird, ist im Zusammenhang mit der Vorgeschichte zu prüfen. Das Schachspielen auf der Großmeisterebene ist ja nur die der Öffentlichkeit zugängliche äußere Seite des Verhaltens.
SPIEGEL: Können Sie das näher erläutern?
MATUSSEK: Um Weltmeister zu werden, muß man sein Leben extrem einseitig auf dieses eine Spiel konzentrieren. Für Bobby Fischer war die Abkapselung von anderen Lebensbereichen offenbar notwendig. Für ihn gab es nur die eine Idee, nämlich Schach zu spielen, um möglichst zur einsamen Spitze vorzudringen. Um eine solche Einstellung gesund durchzuhalten, bedarf es glücklicher Umstände, vor allen Dingen verständnisvoller Freunde. Das aber heißt: Wer alle Mitmenschen als potentielle Gegner erlebt, wird sich auf dem Weg zur Spitze leicht verirren.
DE GROOT: Was mich an diesem Fall so betroffen hat, ist der Eindruck, daß Fischer mit seinem Lebensweg eine Nachahmung des Falles Morphy anzustreben scheint. Um es populär auszudrücken: Ich frage mich, ob Fischer nur so tut, als ob er verrückt ist und den zweiten Morphy spielt, oder ob er wirklich krank ist.
MATUSSEK: Nach den Erfahrungen der Psychiater, insbesondere der Militärpsychiater, kann man eine Psychose vorübergehend durchaus simulieren, zumal es sich ja überwiegend um Innenerlebnisse handelt. Aber das läßt sich nicht dauernd durchhalten. Fischer kann nicht acht oder zehn Jahre einen Geisteskranken spielen.
SPIEGEL: Nach den Regeln des Weltschachbundes und nach dem Verständnis aller Schachspieler ist Bobby Fischer schon lange kein Weltmeister mehr, weil er seinen Titel nicht verteidigt hat. Könnte es sein, daß er sich immer noch als Weltmeister fühlt, ähnlich wie andere Schizophrene sich für Napoleon oder einen anderen "Großen" halten?
MATUSSEK: Das wäre nicht untypisch.
SPIEGEL: Würde denn beim heutigen Stand der Psychiatrie ein neuer Fall Morphy, Steinitz oder Fischer verhindert werden können?
MATUSSEK: Die Lebensgeschichte einiger Schachmeister scheint zu zeigen, daß eine gewisse Isolierung von der Außenwelt eine Bedingung für die kreative Leistung ist. Aber diese Isolierung braucht, wie es scheint, nicht ebenso zwangsläufig mit einer Entwicklung hin zu einer Psychose verbunden zu sein. Ich bin überzeugt, daß man durch eine psychotherapeutische Hilfe zu einem richtigen Zeitpunkt und durch einen für den Fall geeigneten Fachmann manche Irrwege vermeiden könnte, und zwar ohne Gefährdung der Kreativität. Der richtige Zeitpunkt ist wichtig. Danach ist es nämlich oft recht schwierig, einen Menschen, der psychotische Höhenluft im Sinne des Sichversteigens genossen hat, aus der Steilwand wieder herauszuholen. Die Luft da oben ist für ihn subjektiv dermaßen schön, daß schon eine sehr subtile Abseilarbeit notwendig ist, um ihn dezent wieder in der realen Weit landen zu lassen.
SPIEGEL: Herr Hübner, wir haben nur über Krankengeschichten von Weltmeistern gesprochen, man könnte auf Krankengeschichten auch von anderen weltberühmten Schachspielern verweisen. Sie sind selbst Spitzenspieler. Sind solche Tragödien für Sie ein Thema so ziemlich wie jedes andere auch, oder beschäftigt Sie dies mehr, weil es sich ja um Leute handelt, die den gleichen Beruf ausüben oder ausgeübt haben wie Sie?
HÜBNER: Die Summe der Zeit, die ich für die Beschäftigung mit diesem Thema aufgewandt habe, ist natürlich größer als diejenige, welche ich bisher für das Studium der Raffzähne des Kaninchens verbraucht habe.
SPIEGEL: Erlauben Sie uns, bitte, noch eine weitere Frage. Professor Matussek nennt in einer seiner Arbeiten "ein häufiges Erscheinungsbild des präpsychotischen Stadiums ... das eines kontaktschwachen, in sich zurückgezogenen, introvertierten, vielleicht sogar verschrobenen Sonderlings", und er spricht davon, daß die Reduktion der Kommunikationsmöglichkeiten "mit Angst im Zusammenhang steht". Sieht man von dem Stichwort "Angst" ab, so sind dieser Text und die Artikel, die einige Journalisten gelegentlich des Kandidatenfinales gegen Kortschnoi in Meran über Sie geschrieben haben, einander sehr ähnlich. Ist das ein Vergleich, der zu nichts führt, oder wäre es wichtig, darüber nachzudenken?
HÜBNER: In bezug auf meine Person?
SPIEGEL: Ja.
HÜBNER: Mir scheint, daß die Begriffe, die dort angewandt werden, wenig scharf sind. Sie sind emotionsgefüllt, aber nicht inhaltsgefüllt. Die Meinungen werden geteilt sein, welche Erscheinungsformen des Lebens als verschroben zu betrachten sind. Das Wort "Sonderling" bezeichnet im allgemeinen einen sozialen Außenseiter, ohne auf die psychische Situation der Person Bezug zu nehmen. Die übrigen drei Begriffe sind beinahe synonym. Wenn sich alle introvertierten Personen im präpsychotischen Stadium befänden, müßte sich wohl die halbe Welt in klinische Behandlung begeben. Ich fühle für meine Person dazu im Augenblick keine Veranlassung.
SPIEGEL: Ob die Schachspieler der Weltspitze zu bedauern sind wegen der Risiken geistiger Erkrankungen, haben wir erörtert. Zu fragen wäre nun, ob sie zu Recht bewundert werden wegen ihrer geistigen Leistung. Ist das Schachspielen, Herr Professor Dörner, ein "Probierstein des Gehirns", wie Goethe es genannt hat? Oder anders gefragt: Läßt sich Intelligenz daran messen, wie gut oder wie schlecht jemand Schach spielt?
DÖRNER: Da ist was dran, aber nur, wenn es gelingt, die Bedingungen gleich zu halten. Das heißt: Nur dann, wenn die Leute, die miteinander verglichen werden sollen, gleichermaßen motiviert sind, Schach zu spielen, und wenn sie das gleiche Ausmaß an Übung haben. Dann würde ich im Schachspielen schon ein Indiz für Intelligenz sehen. Aber ich würde es ablehnen, einen Vergleich zu ziehen, wenn ich diese Informationen nicht besitze.
SPIEGEL: Ist es aber nicht oft eine besondere Begabung, eine spezielle Art des Denkens, die zum Erfolg im Schach führt?
DÖRNER: Sicher. Manche Menschen können gut Aufgaben bewältigen, die präzise formuliert sind und einen fest umrissenen Rahmen haben. Das Schach bietet solche Aufgaben nicht. Seine Regeln sind zwar fest vorgegeben, aber das Ziel ist unklar. Es besteht eine unbestimmte Situation, manche Leute mögen das; Menschen dieses Typs haben bessere Aussichten, gut Schach zu spielen, als die zuerst genannten.
SPIEGEL: Nehmen wir einen anderen "Probierstein des Gehirns", den Test, mit dem der berühmt-berüchtigte IQ, der Intelligenzquotient, ermittelt wird. Hilft er uns weiter?
DÖRNER: Es gibt Untersuchungen, nach denen der 10 einiger berühmter Großmeister bei 130 lag. Das wäre zwar für Normalbürger respektabel, aber für Schachgenies sollte man mehr erwarten. Leute mit solchen Werten gibt es unter den Studenten jedes Seminars zwei oder drei. Ich würde deshalb sagen: Entweder sind die Großmeister, die dort untersucht wurden, keine Genies, oder der Intelligenztest taugt für diese Art von Prognose nicht. Ich würde das Letztere annehmen.
SPIEGEL: Herr Hübner, warum spielen Schachspieler oft gerade dann verrückt, wenn es um höchste Ehren und Titel geht? Seit dem Match zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski 1972 in Reykjavik werden neben den Partien auf dem Brett auch noch psychologische Kämpfe ausgetragen.
HÜBNER: Ich möchte Ihre These stark in Frage stellen. Seit dem Weltmeisterschaftskampf 1972 wurden 22 Kandidatenwettkämpfe und ein Weltmeisterschaftskampf ausgetragen, aber beispielsweise habe ich aus dem Zweikampf Hort/Spasski nie etwas über psychologische Kämpfe vernommen. Ich habe immer behauptet und behaupte nach wie vor, daß hauptsächlich die Presse diese Dinge hochspielt, weil sie über Schachkämpfe nichts anderes zu berichten hat oder zu berichten weiß. Es hat meiner Meinung nach auch 1972 im Wettkampf Spasski/Fischer in Reykjavik zwischen den beiden Kontrahenten kein "psychologischer Krieg" stattgefunden. Etwas anderes mag es 1978 bei dem Wettkampf Karpow/Kortschnoi in Baguio City gewesen sein. Das ist auch der einzige Wettkampf, bei dem ich ein Übermaß an Einsatz schachfremder Mittel von seiten der Spieler sehen kann.
SPIEGEL: Uns scheint, Sie müssen schon einige Fakten leugnen, um diese Ansicht - nicht die Spieler, die Presseleute sind schuld - vertreten zu können.
HÜBNER: Erstens habe ich die Behauptung in dieser Form nicht aufgestellt. Zweitens verlangt mich zu wissen, welche Fakten ich leugne.
SPIEGEL: Sprechen wir von Reykjavik 1972. Würde es Sie nicht irritieren, wenn Sie in einem Weltmeisterschaftskampf vorher nicht wissen, ob Ihr Gegner überhaupt erscheint und ob er - wenn er kommt - pünktlich ist, in welchem Raum gespielt wird, ob die ersten Stuhlreihen geräumt worden sind, ob Kameras eingeschaltet sind, ob ein Protest läuft - das würde Sie kaltlassen?
HÜBNER: Ob mich das irritieren würde, weiß ich nicht. Sollte ich darüber eine Aussage treffen, müßte man die einzelnen Punkte durchgehen. Wenn zum Beispiel der Gegner zu spät kommt, hat er weniger Zeit, das ist ungünstig für ihn. Jetzt geht es darum, ob diese Maßnahme von einem der Teilnehmer getroffen oder herbeigeführt wurde, um den Gegner bewußt zu stören. Ich bestreite, daß dies Fischers Absicht war, und meine, daß er niemand anderen gestört hat als sich selbst und daß dies auf ihn selbst zurückgefallen ist.
PFLEGER: Ich sehe es etwas anders. Auch ich glaube zwar, daß es weder in Fischers noch in Spasskis Absicht gelegen hat, den Gegner zu stören, und ich meine auch, daß die Presse allzu begierig auf all diese Dinge eingegangen ist. Aber ähnlich wie Cassius Clay/Muhammad Ali sich nicht nur durch seine Boxkünste, sondern auch durch seine Sprüche zum Weltstar machte, so sind auch die Schachkämpfe nicht nur wegen ihrer schachlichen Bedeutung, sondern auch durch die Begleitumstände derart in das Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt worden. Man sollte gar nicht zu bestreiten versuchen, daß einige Spieler dazu erheblich beigetragen oder dies zumindest gebilligt haben. Auch bei dem vorigen Kandidatenfinale, 1977/78 in Belgrad, hat Spasski seinen Gegner Kortschnoi beschuldigt.
SPIEGEL: In Belgrad geschah ja noch mehr. Der Meinung, Schachspieler seien verrückt oder spielten verrückt, hat vor allem Spasski neue Nahrung gegeben. Wie soll es auf das Publikum wirken, wenn ein bis dahin fairer, bescheidener, unauffälliger Sportler mit einem grünen Stirnschild im Turniersaal erscheint und überdies nur für Sekunden an den Spieltisch tritt, um seinen Zug auszuführen, und sogleich wieder in den Hintergrund flüchtet? Mit diesem Verhalten blieb Spasski in Belgrad nicht weit hinter Fischer in Reykjavik zurück.
HÜBNER: Sie irren sich, wenn Sie meinen, Spasski habe dies getan, um Kortschnoi zu verwirren. Spasski war subjektiv davon überzeugt, daß dies eine für ihn notwendige Schutzmaßnahme war.
SPIEGEL: Schutz wovor?
HÜBNER: Schutz vor Strahlen.
SPIEGEL: Das macht die Sache nicht besser.
HÜBNER: Wieso?
SPIEGEL: Was soll man davon halten: ein grünes Schirmchen auf der Stirn als Schutz vor geheimnisvollen Strahlen, die von dem einsamen Emigranten Kortschnoi ausgehen?
HÜBNER: Darüber, ob es die Sache besser oder schlechter macht, kann man wenig sagen. Es macht sie aber anders, und darauf kommt es an.
DE GROOT: Nur eine Zwischenfrage: Hat Spasski wirklich gesagt, daß er an Strahlen glaubt, und wenn er es gesagt hat, muß man dann annehmen, daß es stimmt?
PFLEGER: Er hat mir das auch in einem persönlichen Gespräch gesagt. Er will sogar ein Buch darüber schreiben. Ich habe mich sehr gewundert, daß er eine solche Strahlentheorie sehr ernsthaft entwickelt hat, denn ich schätze Spasski sehr.
SPIEGEL: Wir sind damit bei der Frage, ob Aberglauben unter Spitzen-Schachspielern stärker verbreitet ist als unter anderen Leuten. In Belgrad ließ sich Kortschnoi seinerseits gegen sowjetische Strahlen, die er zu spüren glaubte, telephonisch von einem Schweizer Parapsychologen nicht nur beraten, sondern - wie er meint - auch helfen. Und aus seinem jetzt erschienenen Buch "Antischach" geht hervor, daß er glaubt, den Weltmeisterschaftskampf 1978 in Baguio auf den Philippinen eigentlich nur deshalb verloren zu haben, weil er dort den Blicken des sowjetischen Hypnotiseurs Suchar ausgesetzt gewesen sei. Geht man in der Schachgeschichte zurück, so gibt es etliche andere Beispiele. Da sollten Katzen oder Ehefrauen im Turniersaal Glück bringen, und da gab es berühmte Spieler, die davon überzeugt waren, daß ihre eigenen Gedankenströme den Gegner am Brett irritieren könnten oder umgekehrt. Haben Sie für all dies eine Erklärung?
HÜBNER: Zunächst müßte man auch hier das Phänomen untersuchen und genauer prüfen, was überhaupt Aberglauben ist. Dann wird man erst sehen können, welche Funktion dies hat. Es kann zum Beispiel die Funktion haben, Verantwortung von sich abzuweisen. Wenn man eine Partie verliert, ist es normalerweise so, daß man sich eingestehen muß, versagt zu haben, ob nun auf geistigem oder psychischem Gebiet, ist gleichgültig. Hat man dagegen ein solches Hilfsmittel zur Hand, dann kann man leicht, sich schützend, sagen: Es war gar keine prinzipielle Unzulänglichkeit, auf die meine Niederlage zurückzuführen ist, sondern es war dieser eine Punkt, der außerhalb des Einflußbereiches meiner Kräfte liegt.
MATUSSEK: Solch Aberglaube ist nicht nur unter den Spitzenspielern im Schach verbreitet. Es gibt ihn bei so ziemlich allen Spitzensportlern.
EBERSPÄCHER: Er ist im Sport gang und gäbe. Da haben wirklich viele ihre individuelle Geschichte. Ich kenne Radrennfahrer, die meinen, nicht starten zu können, wenn ihr Lenker nicht mit ganz neuem weißem Band umwickelt ist. Ein Bundestrainer berichtete mir von einem Athleten, der sich nur auf einem nassen Sattel in der Lage fühlt, eine Höchstleistung zu erbringen. Ein anderer Bundestrainer erzählte mir von einem Skiläufer, der wichtige Wettkämpfe nur in einer ganz bestimmten Hose absolvierte, die notfalls über zig Kilometer herbeigeschafft werden mußte. An solche irrationalen Dinge haben sich viele gewöhnt, einige sind im Laufe der Zeit regelrecht davon abhängig geworden. Dann wird es allerdings problematisch.
SPIEGEL: Ist es nicht ein Unterschied, ob da hinter dem Tor des 1. FC Köln ein Ziegenbock steht oder ob jemand sagt, er habe ein Schachmatch verloren, weil vom Gegner geheimnisvolle Strahlen ausgegangen seien?
MATUSSEK: Sicher gibt es Unterschiede. Aber all diese Dinge haben die gleiche Wurzel, den Abbau von Angst. Und man muß den Schachspielern zugute halten, daß sie stundenlang auf einem Fleck sitzen, während es für sie um vieles geht. Da steigt der Adrenalinspiegel und möglicherweise die Konzentration anderer Hormonsysteme. Zur Angst vor dem eigenen Versagen kommt die Angst vor äußeren Einflüssen bis hin zu parapsychologischen Erscheinungen. Dann suchen sie eben irgendein Mittel, das ihnen zum Angstabbau geeignet erscheint. Das ist aus der Sicht des Psychiaters nicht so verwunderlich wie aus der Sicht des Laien.
SPIEGEL: Herr Pfleger, Herr Hübner, sind nach Ihren Eindrücken Schachspieler abergläubischer als andere Sportler, abergläubischer als Nichtschachspieler?
PFLEGER: Ich glaube nicht. Diese Angst vor unbekannten fremden Einflüssen zum Beispiel gibt es wirklich nur bei diesen Spitzenkämpfen. Bei normalen Turnieren, auch bei hochkarätigen, ist davon nichts zu spüren.
HÜBNER: Ich meine, daß die Hypothese, Schachspieler seien abergläubischer als andere, nicht gestützt werden kann. Unter den Spitzenspielern kenne ich niemanden, der einen Talisman hat oder einen bestimmten Kugelschreiber braucht. Was die Furcht vor Strahlen angeht, so scheint es mir zweifelhaft, ob dies unter Aberglauben eingeordnet werden kann.
SPIEGEL: Was ist denn diese Furcht vor Strahlen sonst, wenn nicht Aberglaube?
HÜBNER: In den Fällen, die mir bekannt sind, ist der Glaube an solche Beeinflussungsmöglichkeiten, die nicht innerhalb der eigenen Kontrolle liegen, nicht auf das Schachspielen beschränkt. Er ist ganz allgemein und immer vorhanden. Die Personen, bei denen ich diesen Glauben vor allem entwickelt gefunden habe, stammen aus der Sowjet-Union, wo häufig Dinge geschehen, die sehr schwer nachzukontrollieren sind. Man wird insbesondere durch Maßnahmen der Administration mit Geschehnissen konfrontiert, von denen man nicht weiß, warum sie jetzt geschehen und welches ihr Grund ist. Man hat dort in diesem Bereich mehr als sonst in der Welt Schwierigkeiten, der Verflechtung von Ursache und Wirkung nachzugehen. Daher greift mancher zu dem erwähnten Erklärungsmuster, damit er eine Ursache hat. Ich würde das nicht als Aberglauben bezeichnen - es sei denn, auch die Anhänger einer Religion seien abergläubisch.
SPIEGEL: Herr Hübner, wir haben jetzt über die Schachspieler Kortschnoi und Spasski gesprochen, die auf den Plätzen 2 und 4 der Weltrangliste stehen. Dürfen wir Sie, den Spieler auf Platz 3, fragen, ob Sie solche Einflüsse durch Hypnose und durch Strahlen für möglich halten?
HÜBNER: Es gibt genügend Leute, die als ernsthafte Wissenschaftler anerkannt sind und sich mit diesem Problem beschäftigen. Ich selbst bin aus Mangel an Information nicht in der Lage, mir eine fundierte Meinung über die Frage zu bilden, ich habe jedoch keinerlei Erlebnisse in dieser Richtung gehabt.
SPIEGEL: Herr Pfleger und Herr Matussek, was halten Sie von den "Strahlen von Belgrad" und von den Blicken des Karpow-Psychologen Suchar, die Kortschnoi in Baguio City irritierten?
PFLEGER: Da würde ich schon einen Unterschied sehen - nicht was Kortschnoi selbst angeht, der glaubte sich subjektiv beide Male betroffen. Aber in Baguio City hat sich ein Parapsychologe aus Oxford geäußert, der anhand von Beispielen dargelegt hat, daß hypnotische Einflüsse, wie sie Kortschnoi dem Psychologen Suchar unterstellt, grundsätzlich möglich seien. Ich nehme an, daß auf jeden Fall eine subjektive Sensibilität dazutreten muß.
MATUSSEK: Die "Strahlen von Belgrad" und die Blicke des Psychologen Suchar scheinen mir eine andere Qualität zu haben als die Angsterlebnisse, von denen wir vorhin sprachen.
SPIEGEL: Herr Eberspächer, Sie lehren nicht nur die Theorie des psychologischen Trainings, Sie sind auch praktisch tätig, unter anderem bei Radfahrern, Ruderern und Judokas. Wie würden Sie es angehen, wenn Herr Hübner sich in knapp drei Jahren wieder an den Weltmeisterschaftskämpfen beteiligt und Sie als Trainer verpflichtet?
EBERSPÄCHER: Ich sehe einen Grund für die Probleme, die Herr Hübner in Meran hatte und die zum Abbruch des Kandidatenfinales führten, darin, daß die Bedingungen, unter denen er Schachspielen trainierte, wenig zu tun hatten mit den oft spektakulären Bedingungen, die er dann bei seinem Wettkampf antraf.
SPIEGEL: Training im stillen Kämmerlein, Wettkampf vor großer Kulisse.
EBERSPÄCHER: Genau. Mir scheint, daß Schachspieler im allgemeinen und Herr Hübner im besonderen nur unzureichend darauf trainiert sind, sich mit psychisch belastenden Einflüssen einer solchen ungewohnten Umgebung auseinanderzusetzen.
SPIEGEL: Was würden Sie tun?
EBERSPÄCHER: Ich hätte Herrn Hübner im Training Schach unter ähnlichen Bedingungen spielen lassen, wie er sie dann im Wettkampf auch antraf, hätte also die psychischen Belastungsbedingungen im Training simuliert. Um die Lärm- und Publikumskomponente zu simulieren, hätte er zum Beispiel in einer Turnhalle, in der zur selben Zeit Fußball gespielt wird, in einer lauten Gaststätte oder in einem gut besuchten Schwimmbad gegen starke Gegner antreten müssen. Hohes öffentliches Interesse hätte er dann schon im Training gewissermaßen live erleben können.
SPIEGEL: Das wäre der Hauptpunkt?
EBERSPÄCHER: Eine weitere Aufgabe würde ich darin sehen, das Selbstbewußtsein zu trainieren, das bei solchen Wettkämpfen immer sehr stark in Frage gestellt wird. Der Sportler muß lernen, sich Ziele zu setzen, und diese Ziele systematisch gegen Widerstände zu erreichen suchen, denn das ist das psychologische Kernproblem jeden Wettkampfes. Das Training darf sich vom Wettkampf nicht dadurch unterscheiden, daß solche Widerstände ausgeräumt werden, etwa dadurch, daß man ohne vorherige konkrete Zielsetzung nur spielt, läuft, springt oder Schach spielt. Man muß in das Training systematisch Prognosen einbringen., also Ziele setzen, und dann prüfen, ob und warum diese Prognosen eingetroffen oder nicht eingetroffen sind. Denn erst aus der Erfahrung, daß man gesetzte Ziele aus eigener Anstrengung und aufgrund eigener Fähigkeit erreichen kann, erwächst Selbstvertrauen.
SPIEGEL: In Ihren Aufsätzen kehrt der Gedanke immer wieder, das Selbstgespräch des Sportlers müsse trainiert werden. Wie ist das zu verstehen?
EBERSPÄCHER: Das klingt für den Laien zunächst so, als wollten wir den Sportlern etwas angewöhnen, was sie noch nicht tun. Aber wir alle sprechen permanent mit uns selbst - natürlich nicht in dem Sinne, daß wir ständig irgendwas vor uns hinbrabbeln. So verstehen es viele Sportler, wenn wir mit dem Training von Selbstgesprächen beginnen. Sie fragen dann manchmal sogar, ob das denn normal sei, wenn man mit sich selbst spreche. Es wird ihnen dann aber sehr schnell klar, daß insbesondere während der Wettkämpfe, wenn Dialoge mit anderen oft gar nicht möglich sind, ständig Selbstgespräche ablaufen. Der Tennisspieler und der Schachspieler sprechen mit sich selber, nicht nur über die spezifischen Probleme ihres Wettkampfes, sondern auch über die äußeren Bedingungen, besonders dann, wenn sie davon gestört werden. Entscheidend ist für mich, daß in der Steuerung des Selbstgesprächs ein ganz konkreter, leicht verständlicher und praktikabler Ansatz zur Steuerung der Konzentration liegt. Aber vielleicht würde es noch klarer, wenn ich ein Beispiel gebe.
SPIEGEL: Bitte.
EBERSPÄCHER: Wenn ein Radrennfahrer einen Berg hochfährt, hat das eine intensive motorische Dimension. Aber wenn er bei dem Selbstgespräch, das er dabei führt, von dem Gedanken nicht loskommt: "Ich schaffe es doch nicht", dann hilft sein Strampeln nichts. Er muß vielmehr lernen, überzeugt, positiv und leistungszuversichtlich mit sich zu reden, zum Beispiel: "Noch einen Kilometer, dann hab'' ich''s." Das klingt einfach, muß aber hart trainiert werden. Aber natürlich ist dies nicht die einzige Methode des psychologischen Trainings.
SPIEGEL: Kann man dieses Training auch übertreiben?
EBERSPÄCHER: Manche psychischen Hindernisse, die einem Erfolg entgegenstehen, haben ja ohne Zweifel eine Schutzfunktion. Würde ich etwa einen Skiabfahrtsläufer ganz strikt darauf trainieren, nie "aufzumachen", also die Abfahrtshaltung nie aufzugeben, so würde er sich in bedrohlichen Situationen unter Umständen falsch und lebensgefährlich verhalten. Hier kommt man in Bereiche des psychologischen Dopings, von dem ich sagen möchte, daß es viel gefährlicher ist als das medizinische oder das pharmakologische, unter anderem deshalb, weil es nicht nachweisbar ist.
DE GROOT: Ist nicht eine Gefahr auch darin zu sehen, daß Sie mit Ihren Methoden die Persönlichkeitsunterschiede einebnen, daß Sie aus Menschen Leistungsmaschinen machen, wenn ich es mal drastisch ausdrücken darf?
EBERSPÄCHER: Bei jedem Training muß man sich fragen, wem es dient, wem damit geholfen wird. Da gibt es problematische Bereiche, etwa im Kindersport oder in den Sportarten, die mit objektiven Gefahren verbunden sind. Es kann nicht der Sinn sein, Persönlichkeiten durch Training negativ zu verändern. Sehr wohl aber können sich dadurch Voraussetzungen verbessern, um im Sport und in anderen Bereichen höhere Leistungen zu erreichen.
SPIEGEL: Herr Hübner, sind Sie im Meraner Kandidatenfinale vielleicht deshalb gescheitert, weil Ihnen ein solches Trainingsprogramm gefehlt hat?
HÜBNER: Es ist sehr schwer und methodisch bedenklich, über das "Was wäre, wenn ..." eine Aussage zu treffen. Man kann nur das Geschehene analysieren.
SPIEGEL: Dann anders gefragt: Würde Ihnen, losgelöst von Meran ''81, ein solches Trainingsprogramm einleuchten, wie Herr Eberspächer es hier jetzt skizziert hat, oder ist Ihnen das zu schachfremd?
HÜBNER. Was gesagt worden ist, ist sicherlich durchaus plausibel, und es würde mich interessieren, ein solches Programm auszuprobieren.
SPIEGEL: Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Um die Schach-Weltmeisterschaft
werden von Donnerstag dieser Woche an im Südtiroler Kurort Meran ein Sowjet- und ein Exilrusse kämpfen: der 30jährige Titelverteidiger Anatolij Karpow aus Moskau und sein 20 Jahre älterer Herausforderer Wiktor Kortschnoi aus der Schweiz. Das Recht auf diesen Titelkampf erwarb Kortschnoi um die Jahreswende 1980/81, als er ebenfalls in Meran das Kandidatenfinale gegen den Deutschen Robert Hübner gewann. Der Kölner Großmeister hatte das Match nach acht beendeten und zwei abgebrochenen Partien beim Stand von 4 1/2 zu 3 1/2 Punkten für Kortschnoi aufgegeben. Der linientreue Karpow und der antisowjetische Kortschnoi kämpfen zum zweiten Male um die Weltmeisterschaft. 1978 konnte sich der Sowjet-Profi in Baguio City auf den Philippinen in einem dreimonatigen Match gegen seinen Ex-Landsmann nur knapp durchsetzen. Die beiden Schachgenies lieferten sich auf den Philippinen psychologische Kämpfe, über die mehr geschrieben wurde als über ihre Partien. Schimpfkanonaden und Streit um Fahnen, Sessel und Figuren gehörten ebenso dazu wie Ablenkungs- und Hypnoseversuche. Das Psycho-Duell der beiden Russen ähnelte dem bis heute spektakulärsten Titelkampf der Schachgeschichte, den 1972 der damalige sowjetische Weltmeister Boris Spasski gegen den US-amerikanischen Herausforderer Bobby Fischer im isländischen Reykjavik verlor (SPIEGELTitel 32/1972).
Nach dem Triumph, der Beste der Welt zu sein, scheint Fischers Leben in einer Tragödie zu enden. Als Weltmeister hat der Amerikaner keine einzige Partie mehr gespielt. Wie vom Schachsport hat er sich auch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Selbst früheren Freunden ist unbekannt, wo und wie er lebt. Seit Fischers Sturz vom Schachgipfel ins Nirgendwo wird spekuliert, ob sein Verhalten auf eine geistige Erkrankung zurückzuführen ist. Mehrere berühmte Schachspieler starben in geistiger Umnachtung, darunter auch zwei Weltmeister: der Amerikaner Paul Morphy (1884) und der Österreicher Wilhelm Steinitz (1900).
Das Thema Schach, Genie und Wahn erörtern:
Robert Hübner, 32, Altphilologe und seit 1970 Schachgroßmeister. Hübner hat nach dem Reglement des Weltschachbundes das Recht, sich in der nächsten WM-Runde 1983/84 als einer von acht Kandidaten an den Endkämpfen zu beteiligen.
Paul Matussek, 62, leitet in München die Forschungsstelle für Psychopathologie und Psychotherapie in der Max-Planck-Gesellschaft und ist Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität München. Er schrieb unter anderem Bücher über "Endogene Depression" und "Kreativität als Chance" und gab das Buch "Psychotherapie schizophrener Psychosen" heraus.
Dietrich Dörner, 43, ist Professor für Psychologie an der Universität Bamberg und schrieb unter anderem das Buch "Problemlösen als Informationsverarbeitung".
Hans Eberspächer, 38, ist Professor für Sportwissenschaft an der Universität Heidelberg, Mitherausgeber eines Handbuches zur "Praxis der Psychologie im Leistungssport" und Autor eines 1982 erscheinenden Buches über "Sportpsychologie".
Adriaan de Groot, 67, war Professor für Psychologie an der Universität Amsterdam und ist als Emeritus nun Extraordinarius an der Universität Groningen. Er schrieb unter anderem das Standardwerk "Thought and Choice in Chess".
Helmut Pfleger, 38, ist Arzt für Innere Medizin und Psychotherapeut und arbeitet als wissenschaftlicher Assistent an der Medizinischen Universitäts-Poliklinik in München. Er ist Schachgroßmeister und Schach-Mitarbeiter des Fernsehens.
S.108 Im Hamburger SPIEGEL-Haus, von links, im Uhrzeigersinn: Hans Eberspächer, Robert Hübner, Paul Matussek, Adriaan de Groot, Dietrich Dörner, Helmut Pfleger, Redakteur Werner Harenberg; im Vordergrund links, mit Rücken zur Kamera: Stenographen Margot und Horst-Peter Neu. * S.110 Bei der ersten Partie des WM-Kampfes 1978 in Baguio City auf den Philippinen. * S.115 Im September 1858 im Pariser Schach-"Cafe de la Regence". Morphy spielte gegen acht Gegner "blind" - ohne Bretter und Figuren zu sehen. Der Blindspieler und seine Gegenspieler, zwischen denen sich Zuschauer drängten, riefen sich die Züge zu. Morphy verlor keine Partie und gewann sechs; zwei Partien endeten remis. * S.117 Bei einer im Berliner "Cafe König" ausgetragenen Partie des 1929er Weltmeisterschaftskampfes gegen den Exilrussen Efim Bogoljubow. Mitte: der als Schiedsrichter amtierende deutsche Ex-Weltmeister Emanuel Lasker. * S.119 Kortschnoi 1978 in Baguio City mit "Gurus": Angehörigen einer Sekte, die er während des WM-Wettkampfes für sein Training engagierte. * Spasski 1972 in Reykjavik vor der ersten Partie des WM-Wettkampfes gegen Bobby Fischer. * S.122 Mit Mario Adorf und Curd Jürgens. *
Von Werner Harenberg

DER SPIEGEL 40/1981
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