05.10.1981

GESTORBENHerbert Mensching

Herbert Mensching, 53. Er hätte das Zeug zum großen populären Komiker gehabt, aber das Fernsehen verschliß ihn mit jenen dröhnenden, grimassierenden Albereien, die es für Humor hält. Mensching, Hypochonder und Herr in einem, war wohl zu scheu, zurückhaltend, um sich da wirklich wehren zu können. So war derjenige, der seine großen mimischen und psychischen Finessen kennenlernen wollte, auf das Theater angewiesen. Zuerst in Frankfurt, dann in München und schließlich in Hamburg spielte der in Hannover Geborene zappelnde Spießer, verängstigte Kleinbürger, getretene Kreaturen: Er spielte die Rolle derjenigen, die keine Rolle spielen, machte ihre Schlichtheit kompliziert und überführte ihre Tragik in seine gütige Komik. Sein Geheimnis war, daß er die Menschenwürde nie verriet, wenn er ihr den Sockel unter den Füßen wegzog. Seine großen Figuren stammten von Moliere und Shakespeare (Malvolio) von Sternheim, Feydeau und Tschechow. Vergangenen Montag starb Mensching in Hamburg.

DER SPIEGEL 41/1981
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GESTORBEN:
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