24.05.1982

SPIEGEL Gespräch„Eine Kette von Fehlleistungen“

Hans Fernstädt und Franz Tartarotti über die Befreiung der entführten Nina von Gallwitz
SPIEGEL: Herr Fernstädt, Herr Tartarotti, Sie haben als Privatpersonen geschafft, was die Polizei nicht vermochte - die fünf Monate lang entführte Nina von Gallwitz zu befreien. Woran hat es gelegen, daß die Polizei gescheitert ist?
TARTAROTTI: Erst mal ist der ganze Fall viel zu niedrig gehängt worden, ganz anders als die Entführung der Kronzucker-Kinder, um die sich damals so ziemlich jeder mit Rang und Namen in der Republik gekümmert hat. Und wenn beispielsweise ein Kind von Außenminister Genscher oder von Innenminister Baum entführt würde, na, was meinen Sie, was dann los wäre? Hier, bei der Nina, ist doch so gehandelt worden, als sei sie ein Kind zweiter Klasse.
SPIEGEL: Ist sie, sind die Eltern von der zuständigen Kölner Polizei auch so behandelt worden?
TARTAROTTI: Offensichtlich ja. Die einen Kräfte, allen voran der Kripo-Chef, hatten wohl mehr im Sinn, sich einen Lorbeerkranz für die Ergreifung der Täter flechten zu lassen. In meiner Gegenwart durfte zum Beispiel der Leiter der Sonderkommission, dem es in erster Linie um das Kind ging, nicht einmal den Mund aufmachen. Die Folge war eine Kette von Fehlleistungen, die die Täter mißtrauisch machen mußte und das Leben des Kindes gefährdet hat.
FERNSTÄDT: Trotz allem sollte es aber nun wirklich nicht einfach heißen: Seht mal da, wieder die doofe Polizei! Im Kern geht es darum, daß die sattsam bekannte Rechtsgüterabwägung - der Schutz des menschlichen Lebens hat Vorrang vor der strafrechtlichen Verfolgung - nicht nur wie üblich lauthals theoretisch bekundet wird, sondern daß diese Grundposition sich endlich auch ganz konkret im tatsächlichen Verhalten der Polizei niederschlägt. Solange über die Freilassung verhandelt wird, darf nicht getrickst, dürfen keine Fallen gestellt werden. Nur unter dieser Prämisse ist es uns gelungen, so merkwürdig das klingen mag, ein zeitlich und inhaltlich begrenztes Vertrauensverhältnis zu den Tätern herzustellen.
SPIEGEL: Dürfen Polizisten in ähnlicher Situation gleichermaßen unbefangen mit Verbrechern umgehen?
FERNSTÄDT: Ja. Sie müssen es sogar. Genau das lehrt der Fall.
SPIEGEL: Wenn die Täter verlangt hätten, daß Sie ihnen auch bei der Flucht helfen müßten, hätten Sie das getan?
TARTAROTTI: Selbstverständlich.
SPIEGEL: Haben die Entführer gefordert, daß Sie nach Abwicklung der Geldübergabe und der Freilassung schweigen?
TARTAROTTI: Im Gegenteil, das habe ich angeboten. Aber sie haben mir ganz selbstsicher gesagt, nach der Freilassung könnte ich Presse und Polizei in vollem Umfang informieren.
SPIEGEL: Sie haben nicht nur geholfen, ein Kind freizubekommen, sondern zugleich den Kidnappern die Möglichkeit gegeben, mit dem Lösegeld, zumindest vorläufig, unbehelligt davonzukommen. Provoziert das nicht neue Geiselnahmen, Nachahmungstaten?
TARTAROTTI: Das kann man nicht ausschließen. Aber Sie können kein Kind opfern, nur weil es hinterher womöglich Nachahmungstäter gibt. Und sie müssen diesen Fall von der Ausgangslage her sehen und beurteilen. Die Polizei hat die Eltern einfach alleingelassen. Mir war klar, wenn Nina überhaupt noch lebt - und das habe ich komischerweise eigentlich nie bezweifelt -, dann muß jemand her, der bei den Tätern wieder Vertrauen gewinnen kann. Und dafür war vielleicht wirklich am ehesten eine Person geeignet, die es schon mal vermocht hat, an der Polizei vorbei Kinder freizukriegen. Dem Vater der Familie wurde nicht mehr geglaubt, der Kirche nicht, dem Stücklen nicht. Und die Polizei war am Ende. Was blieb übrig?
FERNSTÄDT: Wir haben uns nicht gegen einen Apparat gestellt, sondern für einen Apparat gehandelt. Wir sind aber nicht gewillt, eine solche Situation noch einmal durchzustehen. Es muß doch möglich sein, so etwas in Zukunft auch professionell durch die Polizei zu regeln ...
TARTAROTTI: ... wenn wir kein Italien schaffen wollen.
FERNSTÄDT: Ja, das ist sehr wichtig. Ich bin in der Tat auch davon überzeugt, daß die Institutionalisierung einer privaten Vermittlung nicht präventiv, sondern kriminalitätsfördernd wirkt.
SPIEGEL: Wenn wieder einmal das Leben eines Kindes in Gefahr wäre, würden Sie nicht mehr helfen?
TARTAROTTI: Natürlich bleibt die Gewissensentscheidung offen.
FERNSTÄDT: Aber wirklich nur in einer sonst absolut ausweglosen Situation.
SPIEGEL: Wie sind Sie denn überhaupt in den Fall reingezogen worden?
TARTAROTTI: Über Herrn Kronzucker.
SPIEGEL: Und Sie, Herr Fernstädt? S.112
FERNSTÄDT: Ich bin über einen Bekannten der Familie von Gallwitz darum gebeten worden.
SPIEGEL: Woher wußten Sie, bevor Sie ein frisch von dem Kind besprochenes Tonband als Lebenszeichen erhalten hatten, daß Sie tatsächlich mit den Entführern verhandelten?
TARTAROTTI: Daß dreiste Trittbrettfahrer uns den ersten Täterbrief geschrieben hätten, wäre selbstverständlich möglich gewesen. Aber aufgrund der Erkenntnisse von Hans Fernstädt schien es ausgeschlossen. Für mich war das ungeheuer wichtig, um mit äußerster Kraftanstrengung nicht nur einzusteigen, sondern in dem Zug auch weiterfahren zu können bis zur Endstation. Wobei ich mal anmerken möchte, daß vermutlich keiner von uns die Sache allein hätte bewältigen können. Das traf sich schon gut: Der eine, ich, mehr emotional und voller Phantasie, wenn auch nicht ganz ohne Erfahrung, der andere mehr rational, mit kriminalistischem Fachwissen und 22 Jahren Polizeiarbeit hinter sich.
FERNSTÄDT: Das erste Schreiben an uns bot schon die Möglichkeit, die Identität mit vorausgegangenen Mitteilungen an Priester, Eltern und so weiter abzuklären. Dabei spielten nicht nur die Schriftschablonen eine Rolle, auch die Diktion und die Anlage des gesamten Schreibens - es gibt ja immer eine technische und eine taktische Variante. Nach allem konnten wir zu 90 Prozent sicher sein. Die restlichen zehn Prozent Risiko, okay, die haben wir getragen.
SPIEGEL: Wie gelang es Ihnen, die Täter davon zu überzeugen, daß sie von Ihnen nicht getäuscht werden sollten?
FERNSTÄDT: So eine Entführungsszenerie hat doch gewissermaßen drei Ablaufphasen. Zunächst wird die Tat vorbereitet und ausgeführt. Dann kommt die Zeit der Verhandlung über Lösegeldübergabe und Freilassungsmodalitäten, danach die Ermittlungsphase. Die Verhandlungs- und Übergabephase muß nun eben völlig separat gesehen und genutzt werden. Das heißt, die Erwartungshaltung keiner Seite darf in dieser Zeit von der anderen enttäuscht werden. Und das wiederum bedeutete für uns, keine Maßnahmen ablaufen zu lassen, die nicht von den Tätern zu verifizieren waren.
Wahrscheinlich wäre Nina bereits am 1. Januar freigelassen worden, wenn Herr von Gallwitz damals, wie von den Tätern gefordert, allein mit dem Geld im Zug gesessen hätte und nicht unmittelbar von Polizisten begleitet worden wäre.
TARTAROTTI: Für uns war es deswegen am allerwichtigsten, das Vertrauen zu schaffen, daß wir ohne Polizei im Hintergrund arbeiten.
SPIEGEL: Und wie haben Sie das erreicht?
TARTAROTTI: Das war ungeheuer schwer, weil wir ja in einer zuvor von der Polizei versauten Atmosphäre anfangen mußten.
SPIEGEL: Nennen Sie uns doch bitte ein paar Beispiele.
TARTAROTTI: Am 6. April erhielten wir einen Codesatz, der lautete: "Alles oder nichts". Wir haben uns eine halbe Nacht lang überlegt, was wir antworten sollten, und dann formuliert: "Nachricht sauber angekommen. Codesatz verstanden - danke". Damit war zweierlei klar: daß wir erstens den Inhalt der Mitteilung bekommen und zweitens auch verstanden hatten, wie wir codieren müßten. Auf einen anderen Brief haben wir geantwortet: "Nachricht sauber angekommen. Ihre Sorgen sind meine und des Vertrauten und des Piloten. Wichtig ist nur Ihre Sicherheit, weil das für uns heißt, Sicherheit für Nina." So lautete der Klartext, in der Codierung liest es sich etwas anders.
SPIEGEL: Verstümmelt?
TARTAROTTI: Ja, so wie die Entführer sich zu äußern pflegten. Wir sind auf deren Verstümmelung eingegangen, weil wir festgestellt hatten, daß wir dadurch kürzer werden und nicht soviel codieren müssen.
FERNSTÄDT: Damit nicht etwa der falsche Eindruck entsteht, wir hätten blind und willfährig alle Forderungen der Entführer akzeptiert, noch ein anderes Beispiel. Auf einen bestimmten Vorschlag haben wir knallhart geantwortet: "Scheitert." Der Rücklauf hieß dann: "So geht nicht. Schon gesagt, Vertrauen nach diese vier Monat nicht mehr möglich. Ein Monat Tricks, zwei Monate offene Fahndung und jetzt ein Monat wieder warten und hören Schwierigkeiten für unsere Bedingungen. Keine Chance mehr für Vertrauen."
SPIEGEL: Und wodurch ergab sich die dann offenbar doch wieder?
FERNSTÄDT: Wir haben denen minuziös unter Quellenangabe belegt, warum was nicht geht. Das haben sie offenbar nachgeprüft anhand der von uns mit Seitenzahl benannten Bücher, mit Nummern bezeichneten Karten und so weiter, und haben dann feststellen müssen: Unsere Angaben stimmten.
SPIEGEL: Meinen Sie, das hätte auch gefruchtet, wenn die Polizei sich so verhalten hätte? Geht nicht vermutlich jeder Täter davon aus, daß Privatpersonen als Unterhändler oder Berater eher auf Tricks verzichten als Polizisten?
FERNSTÄDT: Ja, sicherlich.
TARTAROTTI: Andererseits hat es überhaupt noch nie eine Entführung gegeben, nach der nicht bekanntgeworden ist, daß die Polizei sehr wohl informiert S.113 war. Die Täter unterstellen natürlich, daß die Polizei unterrichtet wird.
SPIEGEL: Auch diesmal zu Recht?
TARTAROTTI: Abwarten.
SPIEGEL: Waren Sie auf die Art der Übergabe vorbereitet?
TARTAROTTI: Wir waren der festen Überzeugung, daß die Übergabe per Auto erfolgt. Wir hatten das Auto entsprechend ausgerüstet. Ich dachte, ich würde möglicherweise so nach italienischem Muster mehrere Stunden eine bestimmte Strecke immer wieder abfahren müssen ...
FERNSTÄDT: ... oder durch den Wald marschieren oder das Geld vom Viadukt abwerfen.
SPIEGEL: Wie erhielten Sie die Order: Zug?
TARTAROTTI: Das stand auf einem Zettel in der Plastikdose, die ich an einem verabredeten Ort abholen mußte, natürlich mit genauen Angaben, welchen Zug ich wo zu besteigen hätte und so fort.
SPIEGEL: Sie sind allein mit einem Sack voll Geld losgefahren.
TARTAROTTI: Ich habe im Kronzucker-Fall schon einmal viereinhalb Millionen transportiert. Geld ist Papier für mich.
SPIEGEL: Andere schießen gelegentlich, um es zu bekommen. Wie hoch ist Ihr Erfolgshonorar?
TARTAROTTI: Null.
SPIEGEL: Sie haben bei der Freilassung des Kindes Photos gemacht, die dann exklusiv an eine Illustrierte verkauft worden sind.
TARTAROTTI: Als die Polizei auf uns zukam und uns nicht zu dem Kind lassen wollte, da habe ich die Polizisten erst einmal photographiert. Ich habe Emotionsausbrüche gehabt, die so weit gingen, daß ich mir fast einen Polizisten geschnappt hätte. Als sich das Wiedersehen abspielte, habe ich mich hinter der Kamera versteckt und einfach photographiert, weil ich nicht vor dem Kind meine Emotionen abladen wollte.
SPIEGEL: Das war der einzige Grund?
TARTAROTTI: Ich mache keine Geschäfte. Warum fragen Sie das? Ich muß nur mit meinem Gewissen leben können.
SPIEGEL: Wer bekommt denn das Geld aus dem Exklusivvertrag?
TARTAROTTI: Die Eltern. Die übersehen doch in ihrem Überschwang noch gar nicht, wie schwierig es sein wird, die 1,5 Millionen wieder zurückzuzahlen.
SPIEGEL: Noch mal: Kein Erfolgshonorar?
TARTAROTTI: Ich habe den Eltern vorher gesagt: Wenn ihr mich dafür bezahlen wollt, lege ich die Arbeit sofort nieder.
SPIEGEL: Spesen? S.114
TARTAROTTI: Bisher haben wir beide einige Tausender aus den eigenen Taschen bezahlt.
SPIEGEL: Mußten Sie vor der Übergabe Polizisten abschütteln?
TARTAROTTI: Nein, die wußten davon nichts ...
SPIEGEL: ... und stehen nun ohne Anhaltspunkte für die Ermittlungen da?
TARTAROTTI: Ich habe vor, während und nach der Übergabe Erkenntnisse gewonnen und auch weitergeleitet, die unter Umständen ziemlich klare Hinweise liefern können.
SPIEGEL: Sie haben in der Nacht, im Zug, Erkenntnisse gewonnen?
TARTAROTTI: Ja, genau 0.39 Uhr nach meiner Uhr, die immer 40 Sekunden vorgeht, damit ich die Nachrichten nicht verpasse.
FERNSTÄDT: Es gibt eine Reihe von Anhaltspunkten, die immer gewonnen werden können - die Wahl des Ortes, Auffälligkeiten in dessen näherer Umgebung, um den wiederzufinden, Dinge, die auf kommunikativem Wege abgelaufen sind oder sein könnten. Das legen wir im Detail natürlich nur der Strafverfolgungsbehörde auf den Tisch.
SPIEGEL: Die scheint mit Auskünften weniger zurückhaltend.
FERNSTÄDT: Das habe ich leider auch feststellen müssen. Ich finde das untragbar. Man sollte nicht in aller Öffentlichkeit mit Detailwissen aufwarten, das nur den Tätern nutzt. Bei allem Wohlwollen grenzt das beinahe an Verfolgungsvereitelung.
SPIEGEL: Sie haben beide gesagt, daß Sie trotz Ihres Erfolges eine private Mittlerfunktion im Grunde für verfehlt halten.
TARTAROTTI: Richtig. Hans und Franz stehen erst mal nicht mehr zur Verfügung.
SPIEGEL: Andererseits ist die Polizei dieser Aufgabe gegenwärtig ersichtlich nicht gewachsen. Was muß geschehen?
FERNSTÄDT: Einschlägige Erfahrungen dürfen nicht länger lediglich fallabhängig ausgewertet werden. Wir können nicht warten, bis alle Großstadtpolizeien endlich ihre Entführung gehabt haben. Vielmehr sollten die Lehren aus sämtlichen bisherigen Entführungen in der Bundesrepublik zentral umgesetzt werden.
SPIEGEL: Und dann?
FERNSTÄDT: Dann sollten sie von einer kleinen Spezialgruppe, die überregional tätig werden kann, im Ernstfall eingebracht werden. Sonst kommen wir immer wieder genau zu dem Punkt, den du erwähnt hast, Franz, daß die Spezialisten nur in den Fällen anrücken, in denen Kinder erster Klasse entführt worden sind.
SPIEGEL: Sie verlangen eine regelrechte Experteneinheit für Entführungsfälle in ständiger Bereitschaft?
FERNSTÄDT: Warum nicht? Wir leisten uns in diesem demokratischen Gemeinwesen ja auch eine GSG 9 im permanenten Stand-by. Natürlich würde sich eine solche Gruppe in den örtlichen Gegebenheiten, in der sozialen Struktur, in spezifischen Kriminalitätsverhältnissen am Tatort nicht so auskennen wie beispielsweise ein Kölner Polizeipräsident, dafür aber besser in den Kernfragen: Wie sind Täterermittlungen, wie ist Täterverhalten, wie ist Betroffenenverhalten zu bewerten, welche Verhandlungsstruktur müssen wir aufbauen?
SPIEGEL: Welche Befugnis sollten die Spezialisten haben?
FERNSTÄDT: Sie könnten genauso wie andere Fachleute, wie der Arzt, wie der Psychologe, der Flugingenieur hinzugezogen werden, um die Gesamtsituation zu einem Konsens zusammenzustricken.
SPIEGEL: Über alle Länderkompetenzen hinweg und beim Bundeskriminalamt angesiedelt?
FERNSTÄDT: Bei bestimmten Straftaten mit internationalen Bezügen wird das BKA ja ohnehin regelmäßig eingeschaltet. Ähnlich könnte es auch in Entführungsfällen laufen, auch dann, wenn sie sich zunächst scheinbar nur im Inland abspielen. Man sollte bei bestimmten Delikten endlich zu einer Verfahrensweise übergehen, die der eines FBI nahekommt. Ich sage dies, obwohl ich weiß, daß man amerikanische Verhältnisse nicht einfach nach Europa und europäische nicht nach Amerika transferieren kann.
SPIEGEL: Sie wissen ja auch, daß die Diskussion um eine originäre bundespolizeiliche Kompetenz wegen der Vergangenheit unseres Landes einigermaßen belastet ist.
FERNSTÄDT: Ja, trotzdem.
TARTAROTTI: Bei einer Entführung können Sie doch grundsätzlich mal annehmen, daß sie in irgendeiner Weise ins Ausland hineinspielt, abstrahlt. Auch in unserem Fall gibt es diese Wahrscheinlichkeit. Entführungen implizieren immer den Verdacht einer Tat mit internationalem Bezug.
SPIEGEL: Was präzise fordern Sie? Eine Spezialtruppe, die eine originäre Zuständigkeit hat, obwohl sie dem BKA zugeordnet ist, oder wollen Sie lediglich, daß eine einschlägig vorgebildete, ausgerüstete Gruppe dort auf Anforderung zur Verfügung steht?
FERNSTÄDT: Ich meine grundsätzlich, daß heutzutage Kriminalitätsbekämpfung schlicht gesagt nicht mehr eine Angelegenheit von Ländern sein kann, sondern nur noch eine Angelegenheit des Bundes. Für den speziellen Fall einer Entführung frage ich: Was macht man mit 1,5 Millionen in der Tasche? Die Täter müssen sich ja früher oder später irgendwohin absetzen, und sei es, daß sie sich nur ins Ausland begeben, um das Geld zu tauschen oder zu wechseln.
Dann endet der Fall, der zunächst rein regional behandelt worden ist, doch in der Zuständigkeit des BKA, das nämlich dann im Wege des Rechtshilfeverfahrens beauftragt wird, der Spur ins oder im Ausland nachzugehen. Dann doch lieber gleich von vornherein, ob auf Anforderung oder auch ohne, das ist letztlich ziemlich egal. Wer würde dann wohl, wenn es draufankommt, nein danke sagen und hinterher womöglich im Regen stehen?
SPIEGEL: Herr Fernstädt, Herr Tartarotti, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
S.109 Mit Redakteuren Hans Leyendecker und Axel Jeschke vor Tartarottis Haus in Bornheim bei Bonn. * S.112 In der "Welt" vom 20. März 1982. * S.114 Bei einer Pressekonferenz am 17. Mai; Wecker und Plüschtier waren Nina von Gallwitz bei der Freilassung von den Entführern mitgegeben worden. *
Von Hans Leyendecker und Axel Jeschke

DER SPIEGEL 21/1982
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