26.07.1982

Bio-Kost: „Die Garantie gibt uns kein Bauer“

Die Westdeutschen sind auf dem Bio-Trip: Für chemiefrei gezogenes Obst und Gemüse, für „biologisch höherwertiges“ Vollkornbrot aus dem Steinofen und für „Bio-Agrar-Frisch-Eier“ von umherschweifenden Hühnern zahlen sie freiwillig fast doppelt so hohe Preise wie für normale Kost. Die Angst vor dem „Gift auf dem Tisch“ hat gute Gründe - aber ist die Ware aus den grünen Läden gesünder, und ist sie auch wirklich frei von Gift?
Erst gegen Mittag, wenn im Supermarkt nebenan schon wieder Ruhe herrscht, klingelt in "Heidis neuem Reformhaus" im Frankfurter Westend die Ladenkasse: Dann aber stehen die Kunden dort Schlange.
Aus den benachbarten Bürohäusern eilen sie in Scharen herbei, um für die Mittagspause "biologische Vollwerternährung" einzukaufen, ein paar Schrotbrötchen etwa oder ein Schüsselchen "Bio-Quark", den nur Rosinen und kein Gramm Fabrikzucker süßen.
Von der Uni in der Nähe kommen Studenten, die dem Mensamahl eine "alternative Nascherei" nachschicken wollen, ein Päckchen "Frucht-Kleie-Kekse" zum Beispiel. Junge Mütter, das Kleinkind im Schlepp, stehen bei Heidi geduldig an für ein Dutzend "Bio-Agrar-Frisch-Eier" oder eine Tüte Reform-Gemüse, das, wie die Ladeninhaberin schwört, "garantiert aus reinem Mutterboden" gesprossen ist, deshalb sei es absolut giftfrei.
Reformhaus-Chefin Adelheid Mangold, 40, vormals in der Werbebranche tätig, verkauft keinem Kunden einfach nur Nahrungsmittel. Vielmehr, sie handelt mit "biologisch höherwertigen", "naturaktiven Produkten", die über Genuß und Sättigung hinaus Gesundheit und langes Leben versprechen. "Naturkraft für Ihre Gesundheit", heißt Adelheid Mangolds Verkaufsdevise.
Goldrichtig im Trend liegt die Frankfurterin mit dieser Parole, und dafür bürgt nicht nur ihr eigener Geschäftserfolg. Zulauf wie in kaum einem anderen Jahr zuvor hatten 1981 die 1700 westdeutschen Reformhäuser und ebenso jene rund 300 "grünen Läden", deren Zahl beständig wächst und deren Kundschaft über die traditionelle Gemeinde der Rohköstler, Käuze und Körneresser weit hinausgewachsen ist.
Längst sind es nicht mehr nur faltige Kneipp-Apostel, Hypochonder oder Invaliden, die sich zu einer nonkonformistischen, naturnahen Ernährungsweise bekennen. Vor allem in die modischen Bio-Läden - mit so erdverbundenen Firmennamen wie "Rapunzel", "Ringelblume", "Kürbiskern", "Lebensbaum" oder "Runkelrübe" - strömt ein physisch wie finanziell durchaus vitales Publikum.
Rund zwei Milliarden Mark zahlten gesundheitsbewußte Bundesbürger 1981 für chemiefrei gezogenes Obst und Gemüse, für ungezuckerte Fruchtsäfte oder deftiges Steinofenbrot aus biologisch-dynamisch angebautem Getreide - "Überlebensmittel", wie der Frankfurter Bio-Laden "Distel" wirbt. Das Angebot der grünen Händler ist reichhaltig.
Es enthält "Vollkorn-Spaghetti" aus Italien und griechischen "Bergsalbeitee", "Ökologischen Wein" von französischen Bio-Winzern und Frischkäse "von freilaufenden Ziegen aus Schleswig-Holstein". Da gibt es "Dinkelbrot" aus einer gleichnamigen, seltenen Weizenart und reines Quellwasser aus dem schottischen Hochland.
Ergänzt wird das Nährmittelangebot durch allerlei Naturkosmetika ("Eisenkraut-Körpermilch", "Brennessel-Shampoo") oder auch Kräuterkissen ("gegen Wadenkrämpfe") und Unterhosen aus purer Naturwolle; daneben stapelt sich Gedrucktes: Hirsebrei-Rezepte oder S.67 Anleitungen zum Gärtnern ohne Gift.
Das alles wird zu Verkaufspreisen abgesetzt, die knapp verdienenden Konsumenten leicht den Appetit verderben können. Die Bio-Produkte sind im Durchschnitt doppelt so teuer wie die entsprechenden Artikel bei Aldi oder Hertie. Ein Pfund Sauerkraut etwa, so ergab ein Preisvergleich in Hamburg, kostet beim Grün-Händler 3,65 Mark, im Kaufhaus dagegen nur 1,25 Mark; ein halbes Pfund Butter, bei Hertie 2,55 Mark, ist in den Hamburger Bio-Läden nirgendwo unter vier Mark zu haben.
Für so gesalzene Preise erhält die Bio-Kundschaft - jedenfalls laut Auskunft der Erzeuger und Händler - eine kernige Vorzugsware, die angeblich von Pestizid-Rückständen, Schwermetallen, Farb- und Konservierungsstoffen gänzlich frei, die besser schmecke und länger haltbar sei als die gängigen Lebensmittel.
Keinen Zweifel gibt es für überzeugte "Bioten", daß ungespritzte Äpfel und Tomaten vom Bio-Bauern nicht nur gesünder, sondern auch aromatischer sind als die chemisch traktierten Früchte der übrigen Landwirte; und ebenso unanfechtbar ist ihr Glaube, daß beispielsweise frei umherschweifende Hühner schmackhaftere Eier fallen lassen als Batteriehennen.
Nach Kräften bemüht sich die Bio-Branche, ihre Kundschaft im Glauben ans Grüne zu festigen. Emphatisch etwa rühmt Reformkost-Händlerin Adelheid Mangold den "unverfälschten gesunden Geschmack reiner Natur", der ihre Ware auszeichnet - schließlich stammen ihre Molkereiprodukte von glücklichen Kühen, die, "weitab von allen Industrieanlagen", in einem "Landschafts- und Vogelschutzgebiet" grasen.
Das Gemüse in ihren Auslagen wuchs auf einem Acker, sagt sie, der "seit mindestens fünf Jahren nicht chemisch aufbereitet wurde"; und die Salatdressings, die sie feilhält, sind zwar industriell gefertigt, doch mit "biologisch wertvollem Obstessig, Fruchtzucker und Vollmeersalz" veredelt, was sie zu "höherwertigen Lebensmitteln" erhebt.
Von Zweifeln am Wahrheitsgehalt solcher Reklamepredigten hat sich die S.68 "Bioten"-Bewegung bislang nicht aufhalten lassen. Die Nachfrage nach "Gesundheitskost", prophezeite kürzlich die britische Marktforschungsfirma Frost-& Sullivan, werde sich in den achtziger Jahren verdoppeln oder verdreifachen - ein Geschäft, das mit Sicherheit "lukrativste Möglichkeiten" biete.
"Eine Branche, die noch vor wenigen Jahren nur kränkelnde und alte Leute sowie weltanschaulich verpflichtete Vegetarier zu ihrer Stammkundschaft zählte", berichtete das Wirtschaftsblatt "Capital" über die Reformhaus- und Bio-Szene, "meldet Umsatzrekorde."
"Mehr als die Hälfte aller Anfragen bei uns", bestätigt auch Silke Schwartau von der Hamburger Verbraucherzentrale, "dreht sich um Gift in der Nahrung." In Fernseh-Foren, so in der Bremer Talkshow "III nach 9" und in der ARD-Sendung "Pro und Contra", wurden die heiklen Fragen um Gesundheitskost und biologischen Landbau diskutiert.
Häufig ufert die allgemeine Furcht vor Schadstoffen, unter die sogar harmlose Düngemittel wie Kalk und Kali eingereiht werden, in Hysterie aus. In der Bremer Fernseh-Talkshow mahnte Lebensmittelchemiker Friedrich Koppe zur Vernunft: "Alles mit dem Wort 'Gift in der Nahrung' zu verteufeln, das ist eine Verallgemeinerung, der wir nicht verfallen dürfen" - er erntete nur höhnisches Gelächter.
Alle Altersstufen, alle Schichten, "junge Schnösel und alte Rentner" seien unter der neuen Bio-Kundschaft, erzählte Reformhaus-Besitzerin Erika Hartmeyer in der Bremer Sendung. Aber sie verriet auch: "Wenn mal eine Kontrolle kommt" und sie beweisen solle, "daß es wirklich biologisches Gemüse ist", was sie da feilbiete, dann gerate sie ganz schön in die Klemme. "Die Garantie gibt uns kein Bauer. Wir bekommen nichts schriftlich."
Skeptiker hegen ein doppeltes Mißtrauen: Längst nicht alles, so ihr Verdacht, diene der Gesundheit, was unter Hinweisen wie "kalorienarm", "cholesterinfrei" oder "hochproteinhaltig" in den Bio-Läden ausliege; und vieles, was mit derlei pseudowissenschaftlichen Werbesprüchen angepriesen werde, sei womöglich gar nicht auf dem Acker eines Bio-Bauern gewachsen.
Daß die Gesundheitskost in aller Regel weniger Schadstoffe, aber mehr Vitamine und andere wichtige Nährstoffe enthalte als die üblichen Lebensmittel, wird zwar von den grünen Händlern und ihren Lieferanten unermüdlich beteuert - ist jedoch unter den Ernährungswissenschaftlern durchaus umstritten. Auch eine vom SPIEGEL in Auftrag gegebene Stichproben-Analyse von Bio- und Normalprodukten ergab nicht gerade einen strahlenden Sieg für die Alternativ-Anbieter (siehe Seite 75).
Die Westdeutschen, scheint es, sind geradezu auf einem Bio-Trip. Und die Auseinandersetzungen, die darum geführt werden, leiden an den widersprüchlichen wissenschaftlichen Aussagen, die es pro und kontra Bio-Anbau und dessen gesundheitlichen Nutzen gibt:
* Düngemittel- und Pestizidrückstände, Farb- und Konservierungsstoffe sowie Schwermetalle belasten in gesundheitsgefährdender Weise schon längst jede Mahlzeit, vom Frühstücksei bis zum Freitagsfisch, vom Kotelett bis zum Königsberger Klops - so die Behauptung der Lebensmittelchemiker Eva Kapfelsperger und Udo Pollmer in einem soeben erschienenen Buch mit dem Schreckschuß-Titel "Iß und stirb".
* "Nie zuvor sind unsere Lebensmittel gesundheitlich so sicher gewesen wie heute", meint demgegenüber Professor Ludwig Kotter, Lebensmittelexperte an der Universität München; die in normalen Läden angebotene Kost berge keine Gefahr für Leib und Leben.
* Für "krankmachend" wiederum hält der französische Ernährungsforscher Claude Aubert die chemisch aufbereitete Durchschnittsnahrung. In einem Bestseller ("Das große Buch der biologisch-gesunden Ernährung") plädiert Aubert für die Rückkehr zu einer naturnahen, weitgehend fleischlosen Reformkost.
* Bislang gebe es "keine Hinweise darauf, daß die Umstellung auf 'biologisch-dynamische' oder andere 'Natur- oder Reformkost' zu weniger Erkrankungen oder längerem Leben" beitrage, behauptet andererseits Hanns K. Frank, Physiologe an der Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe.
Vergleichsanalysen stützten Franks Urteil. So fand etwa Professor Hans-Jürgen Holtmeier, Chef des Instituts für Ernährungslehre an der Universität Stuttgart-Hohenheim, auch nach gründlichen Nähr- und Schadstoffbestimmungen nichts Besonderes an den alternativen Lebensmitteln. "Die hohen Preise", resümiert der Professor, "sind der einzige Unterschied zu anderen landwirtschaftlichen Produkten."
So eindeutig fällt das Verdikt der Biokost-Verächter nur selten aus. Kaum ein Kritiker ist bereit, die Naturkost-Mode als schieren Humbug abzutun - oder gar als Erfindung cleverer Trendschmecker, die mit der Giftangst ihrer Kundschaft Geschäfte machen.
Immerhin, "ein gewisser Teil" des Vertrauens in die Alternativ-Lebensmittel, S.69 meint der Dortmunder Ernährungswissenschaftler Professor Gerhard Schöch, sei "wohl nur ein frommer Glaube"; der allerdings spielt in der Bio-Bewegung seit jeher eine wichtige Rolle.
Allerlei esoterischer Mystizismus war dabei, als der Anthroposophie-Begründer Rudolf Steiner vor fast sechs Jahrzehnten die biologisch-dynamische Landvolkbewegung ins Leben rief und damit eine Tradition begründete, an die inzwischen Grüne und Öko-Aktivisten vielfach anknüpfen.
Damals, zu Pfingsten 1924, hatte sich auf dem Gut des Grafen Carl von Keyserlingk in Koberitz bei Breslau ein illustrer Kreis von Großagrariern versammelt, der sich zum anthroposophischokkultistischen Gedankengebäude des Goethe-Forschers Steiner bekannte. Die Landjunker waren zusammengekommen, um acht Vorträgen ihres Meisters über "Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft" zu lauschen.
Tiefes Mißtrauen gegen Kunstdünger - vor allem den von der Großchemie synthetisierten Stickstoff - hatte die Landwirte hergeführt. Zwar hatten die künstlichen Düngemittel keinen Schaden auf den Äckern angerichtet; doch aus anthroposophischer Sicht war die Industrieware, als "Teil des Unlebendigen", aus der Landwirtschaft tunlichst fernzuhalten.
Von Steiner erhofften die Gutsherren Rat, wie sie ohne oder doch mit nur wenig Kunstdünger ihre gewohnten Ernteerträge schaffen könnten - "nachhaltig ertragreichen Landbau" nämlich gedachten sie auch in Zukunft zu treiben.
In seinem "landwirtschaftlichen Kurs" empfahl Steiner, "zerstörte Naturzusammenhänge" wiederherzustellen; es gelte, Erde, Mensch, Tier und Kosmos zu einem harmonischen Kreislauf zu vereinen. Dung, lehrte er, sei nicht nur Nahrung für die Pflanzen, vielmehr bedeute Düngen "Belebung des Erdigen": Nur in einer "verlebendigten Erde" könne die Pflanze vollbringen, "was bis zur Fruchtbildung nötig" sei.
So vergeistigt hatten die schlesischen Junker Mist und Jauche bis dahin nicht gesehen. Gern hätten sie von Steiner noch erfahren, wie das alles in die Praxis zu übertragen sei. Doch der Meister starb wenig später; seine Jünger machten sich allein ans Werk. Sie schlossen sich zum "Versuchsring anthroposophischer Landwirte" zusammen und entwickelten das, was sie anspruchsvoll "biologischdynamische Wirtschaftsweise" nannten.
Dabei griffen die Bio-Dynamiker zurück:
* Sie entsagten dem angeblich fortschrittlichen System der Monokulturen, etwa dem ausschließlichen Anbau von Getreide oder einseitiger Schweinemast; statt dessen verwandelten sie ihre Gutshöfe wieder in sogenannte Betriebsorganismen mit einer vielfältigen Mischung aus Ackerbau und Viehzucht.
* Sie besannen sich auf die überlieferten Regeln der Fruchtfolge sowie der mineral- und stickstoffreichen Gründüngung durch Pflanzenmulche und einen "Mistkompost" aus Jauche und Stallmist, dem mit Gesteins- und Knochenmehl mineralisch aufgeholfen wurde.
* Sie beherzigten schließlich die alte Bauernweisheit, wonach jede erfolgreiche Pflanzenzucht von der Qualität des Saatguts und der richtigen Wahl des Standorts abhängt.
Diesen Rückgriff auf altbewährte Landbaumethoden ergänzten die Steiner-Anhänger durch eine Portion von anthroposophischem Hokuspokus. Um ihren Gewächsen die "Kraft der Erdstrahlen" mit auf den Weg zum Licht zu geben, füllten sie etwa einen frischen Kuhfladen in ein Rinderhorn und verbuddelten dieses "Hautgebilde" über Winter in die Erde. Im Frühjahr gruben sie es wieder aus und verrührten den nun "von allen Erdkräften verlebendigten" Kuhkot grammweise in "blutwarmes" Wasser, mit dem anschließend "vor der Saat" die Äcker besprüht wurden.
Um 1940 beackerten rund 2000 Landwirte, vorwiegend in den deutschen Ostprovinzen, S.71 ihre Scholle biologisch-dynamisch - mit beträchtlichem Erfolg: Ihre Ernteerträge waren reichlich, und schon damals fanden sich genügend Kunden, die für die Bio-Ware gern etwas mehr zahlten.
Erfolgreiche Versuche, chemiefrei anzubauen, gab es zu dieser Zeit auch anderswo in Europa, so etwa in der Schweiz, wo der Politiker Hans Müller gemeinsam mit dem deutschen Mikrobiologen Hans Peter Rusch den "organisch-biologischen Landbau" entwickelt hatte; Müller gründete auch eine Öko-Bauernschule und schuf eine weitverzweigte Vertriebsorganisation für die Bio-Produkte.
Bei ihren Standesgenossen galten die Chemie-Feinde jahrzehntelang als altmodische Eigenbrötler, als eine rückschrittliche Minderheit ohne Zukunft: Nur etwa 700 Öko-Höfe, dazu rund 7000 Biogärtnereien gibt es derzeit in der Bundesrepublik; die Alternativler bestellen, zusammengenommen, nicht einmal 20 000 Hektar Land - weniger als 0,2 Prozent der westdeutschen Agrarnutzfläche.
Doch die Zeit ist vorbei, da die Bio-Landwirte als verschrobene Sektierer belächelt wurden. Neuerdings steigen jährlich etwa 70 Bauern auf die chemiefreie Wirtschaftsweise um - allerdings aus gänzlich anderen Gründen als einst Rudolf Steiners anthroposophische Landjunker.
Auch ohne kosmischen Durchblick nämlich ist inzwischen für jedermann erkennbar, daß die konventionelle Landwirtschaft tief in einer Sackgasse steckt. Seit 1950 hat sich der Kunstdünger-Verbrauch in der Bundesrepublik nahezu verdreifacht; mehr als vier Millionen Tonnen Stickstoff, Phosphat, Kali und Kalk laden die Bauern jährlich auf ihren Äckern ab, pro Hektar an die 330 Kilogramm.
Dazu kommen derzeit jährlich 55 000 Tonnen Pestizide - Insekten- und Unkrautvertilgungsmittel oder wuchshemmende Substanzen. Für die Giftstoffe, insgesamt mehr als 1000 verschiedene Präparate, geben die Landwirte im Jahr weit mehr als eine Milliarde Mark aus.
Mit so viel Chemie erwirtschaften sie mittlerweile enorme Überschüsse, die auf Kosten der Steuerzahler beseitigt werden. Allein die "Räumungskosten" der EG für zuviel erzeugte Milch betrugen 1981 nahezu zwölf Milliarden Mark.
Finanziert wird damit eine zwar höchst produktive, doch zunehmend unrentablere Branche, der Kritiker vorwerfen, daß sie sinnlos hohe Ernteerträge mit schweren Umweltschäden erkaufe. Während der Trend zu hochgradig spezialisierten und mechanisierten bäuerlichen Großbetrieben immer stärker wird, beschleunigt der Giftkrieg gegen Schädlinge den Artenschwund, führen Flurbereinigungen zur Bodenerosion und zum Abbau von Feuchtgebieten, gerät durch Überdüngen Nitrat ins Grundwasser, wird durch Monokulturen die Ackerkrume ausgepowert - ein Panorama, das durch abstoßende Bilder von der Massentierhaltung noch düsterer wird.
Gemessen am widersinnigen Zustand der konventionellen Agrarwirtschaft, wirkt, kein Zweifel, das Treiben der Bio-Bauern auf zeitgemäße Weise sympathisch und vernünftig. Auch wenn ihr Versuch, auf die weit mühsamere, weil knochenbrecherische Art der Vorväter zu ackern, keine realistische Alternative darstellt, ein Schritt in die falsche Richtung ist er wohl kaum.
Nur: Das beantwortet noch keineswegs die Frage, ob die Reform-Landwirte auf ihren Bauernhöfen tatsächlich gesündere Produkte heranzüchten - was die Landwirte der bio-dynamischen Steiner-Schule unermüdlich behaupten. Sie S.72 preisen ihre "Vorzugsnahrung" als "vorbeugende natürliche Gesundheitspflege" an, die ein "Optimum an Kraft, Gesundheit, Qualität und Reinheit" besitze; und das, erklären sie, sei einzig der "naturgemäßen Wirtschaftsweise" zu verdanken.
Klar erwiesen ist für die Steiner-Bauern, "daß die Voraussetzungen für die Erzeugung gesunder Nahrungsmittel durch die herkömmliche Landwirtschaft längst nicht mehr gegeben sind".
Doch der angeblich höhere Gesundheitswert der Bio-Erzeugnisse konnte wissenschaftlich bislang nicht nachgewiesen werden. So wurde auf westdeutschen Staatsdomänen und Versuchsgütern penibel untersucht, wie sich der laut biodynamischer Lehre "qualitätsbildende Faktor Düngung" auf die Pflanzenentwicklung auswirkt: Den Gräsern, Salatköpfen, Kartoffeln und Rüben war offenkundig stets einerlei, ob der Dünger aus der Fabrik oder vom Komposthaufen stammte - chemisch besteht zwischen Stickstoff und Stickstoff ohnedies kein Unterschied.
Auch das Rindvieh unterschied nie zwischen chemisch oder bio-dynamisch gedüngtem Futter; es gedieh so oder so. Ein britisches Forscher-Team, das auf einer Versuchsfarm Langzeit-Vergleichsstudien angestellt hatte, faßte das Ergebnis so zusammen: "In den Jahren, in denen wir die ... angebauten Produkte analysiert haben, konnten wir keine eindeutigen Unterschiede im Gehalt an Gesamtprotein, Fetten, Kohlenhydraten, Mineralstoffen und Vitaminen aufzeigen."
Nicht einmal im Hinblick auf möglicherweise gefährliche Giftrückstände waren die Bio-Produkte im Vorteil. Im Durchschnitt, so zeigte sich bei Vergleichstests, enthielten die Proben allesamt dieselben Pestizid- oder Schwermetall-Konzentrationen - kein Wunder: Die Emissionen aus Fabrikschloten und Auspuffrohren rieseln als saurer Regen auf alle Äcker und Gärten gleichmäßig nieder, und der Wind treibt während der Sprühsaison die Giftschwaden vom Nachbarn auch mal hinüber zum Bio-Bauern.
Ob die festgestellten Rückstandsmengen nun Gefahr für die Volksgesundheit signalisierten oder nicht, auch darüber streiten sich die Gelehrten. Manche vertreten die Überzeugung, daß auf die Dauer auch schon winzige Giftportionen zu ruinösen Gesundheitsschäden führen können.
Tatsache ist, daß den modernen Analyseapparaten der Rückstandskontrolleure nahezu nichts entgeht. Sie kommen nicht nur einem Millionstelgramm Schadstoff in einem Kilo Lebensmittel auf die Spur; sie schaffen es auch, in einem einzigen Untersuchungsgang mehr als 100 verschiedene Wirkstoffe zu ermitteln.
Geprüft wird mithin ungemein pingelig, gefunden relativ wenig: Weniger als zwei Prozent der untersuchten Lebensmittel enthalten verbotene Pestizid-Rückstände - durchweg in einer Konzentration, von der zumindest bisher nicht schlüssig nachzuweisen ist, ob sie Gesundheitsschäden anrichtet.
Außerdem: Rund 75 Prozent aller in der Bundesrepublik zugelassenen Pflanzenschutzmittel gehören keiner Giftklasse an, 82 Prozent werden sogar als "bienenungefährlich" eingestuft. Vom verbleibenden Rest ist nur ein Bruchteil wirklich gefährlich - etwa die sogenannten Insektizide; die allerdings werden nur auf vier Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fäche ausgebracht.
Von einem Gift-Drama der deutschen Landwirtschaft wollen denn auch die meisten Fachleute nichts wissen - bleibt die Frage nach dem angeblich höheren Wohlgeschmack der Bio-Produkte, der sich wissenschaftlichem Urteil entzieht. Immerhin ist es, Umfragen zufolge, nicht zuletzt der verbreitete Überdruß an der faden, genormten Durchschnittsware, der die Konsumenten für die Verheißungen der Alternativ-Werbung anfällig macht.
Unbestreitbar geben ja etwa die transport- und lagerfähigen Lederhaut-Äpfel, die straffen Riesentomaten oder die prallen, doch wäßrigen Erdbeeren der modernen Industrie-Landwirte nur noch einen fernen Abglanz der aromatischen Köstlichkeiten aus weiland Ur-Omas Obstgarten. Bringen die Bio-Bauern die glorreiche Vergangenheit zurück? S.73
Die Entscheidung bleibt dem Geschmackssinn des Verbrauchers überlassen - dem ohnehin einzigen Kriterium, auf das er sich verlassen kann, wenn er vor dem Tresen im Bio-Laden seine Auswahl trifft.
Was er dort vorfindet, wurde nämlich mit Gewißheit nur zum Teil bei alternativen Erzeugern hergestellt. Die Produktionskapazität aller deutschen Bio-Bauern, so schätzen Experten, reiche bestenfalls aus, um etwa 35 000 Dauerkunden mit Lebensmitteln zu versorgen. Da aber inzwischen einige hunderttausend Bundesbürger sich überwiegend alternativ ernähren, werden die Käufer vermutlich massenhaft mit Importware abgespeist.
Die aber steht - zumal wenn sie aus Ländern der Dritten Welt kommt - unter besonders dringendem Giftverdacht. Weit hemmungsloser als in den Industrieländern werden mittlerweile in Asien, Afrika oder Südamerika chemische Unkraut- und Insektenkiller eingesetzt, darunter hochgefährliche Substanzen wie das DDT, das in der Bundesrepublik längst verboten ist.
Überhöhte Pestizid-Rückstände sind auch im exotischen Angebot der Bio-Läden keineswegs ausgeschlossen - zu diesem Ergebnis kam beispielsweise das Chemische Untersuchungsinstitut für die Städte Wuppertal und Solingen: Giftstoffe entdeckten die Lebensmittelkontrolleure etwa in Kürbiskernen, im Orangenschalentee oder im frisch aus tropischen Ländern importierten Curry und Curcuma. Doch auch sonst hatten die Wuppertaler Behörden-Chemiker eine Menge zu beanstanden. So fanden sie unter anderem zuviel Cadmium in grünen, zuviel Kupfer in "biologischen" Teekräutern.
Wie sich die Bio-Kundschaft angesichts solcher Konfusion zurechtfinden soll, weiß auch die Hamburger Verbraucher-Zentrale nicht, die jüngst einen auf Umweltpapier gedruckten Wegweiser mit dem Titel "Biologische Nahrungsmittel" herausgegeben hat. Das Service-Heftchen - "am preisgünstigsten sind biologische Lebensmittel natürlich aus dem eigenen Garten" - hat letztlich nur eine Empfehlung parat: Der Käufer möge bei der Auswahl tunlichst auf Markenzeichen wie "Demeter" (nach der griechischen Göttin der Fruchtbarkeit), "Biodyn" oder "Bioland" achten, die Gütesiegel der Alternativbauernverbände.
Ob's hilft, ist fraglich. Denn die lebensmittelrechtlich nicht geschützten Kürzel geben nur kund, daß die so markierten Erzeugnisse von einem Landwirt stammen, der einem Bio-Bauernbund angehört; eine Qualitätskontrolle der Produkte ist damit keineswegs garantiert.
Daß sich mit den windigen Warenzeichen jedenfalls gute Geschäfte machen lassen, haben die anthroposophischen Steiner-Landwirte schon früh erkannt. Für sie liegt die Qualitätsgarantie in den "Anbaubedingungen", was bedeutet: Wer nach biologisch-dynamischen Richtlinien wirtschaftet, produziert gleichsam automatisch auch besonders wertvolle Nahrungsmittel - die mithin, ohne weitere Prüfung, das "Qualitätssymbol" "Demeter" oder "Biodyn" tragen dürfen.
In der Praxis heißt das lediglich: Wer zwei Jahre im Steiner-Stil geackert hat, erhält vom "Demeter-Bund" - der Organisation der Biodynamiker - die Erlaubnis, alle seine Erzeugnisse unter dem "Demeter"-Siegel zu verkaufen; in der vorangehenden Phase der "Umstellung" muß er sich mit dem Kennzeichen "Biodyn" begnügen.
Die Bedingungen des sogenannten Schutzvertrags, den er mit dem "Demeter-Bund" abzuschließen hat, sind unkompliziert: Er muß dem Bund einmal im Jahr eine "Ernteertragsmeldung" erstatten und schriftlich versichern, daß er in den zwölf Monaten davor an keinem Tag vom biologisch-dynamischen Wirtschaftsweg abgewichen sei. Dann wird ihm die "Demeter"-Markenqualität vorab auch schon für das folgende Jahr bescheinigt.
Einbezogen in den "Demeter-Bund" sind aber auch die Verarbeiter und Händler. Wer biodynamisch erzeugte Rohstoffe etwa in "Demeter-Hartkäse" oder "Demeter-Kräuterleberwurst" verwandeln will, hat nur schriftlich zu geloben, er werde die Weiterverarbeitung "unter besonderer Berücksichtigung des Nahrungswertes" betreiben, auf "chemische Schönungs- und Konservierungsstoffe" verzichten und alle Apparate pingelig reinigen, bevor sie mit der "Demeter"-Rohware in Berührung kommen.
Von den Bäckern, Metzgern und Marmeladekochern, die biodynamische Rohware verarbeiten, steht keiner ausschließlich beim "Demeter-Bund" unter Vertrag; nur höchstens zehn Prozent ihrer Kapazität können die Firmen mit "Demeter"- oder "Biodyn"-Produkten auslasten. Doch an die Qualitätsgebote der Biodynamiker, schwört "Demeter-Bund"-Geschäftsführer Walter Schuricht, "hält sich jeder".
Ebenso leicht ist es schließlich, als Einzelhändler "Demeter"-reif zu werden. Nur zehn Mark "Anerkennungsgebühr" kostet ein "Demeter-Handelsausweis", der zur Teilhabe am gewinnträchtigen Geschäft mit den teuren biodynamischen Lebensmitteln berechtigt.
Daß bei alledem alles mit rechten Dingen zugeht, kann der Verbraucher nur hoffen - im Vertrauen auf das, was die Bio-Agrarier "Selbstkontrolle" nennen. Ausgeübt wird sie von einer "Kontroll- und Gütestelle für Demeter-Produkte" des "Instituts für biologisch-dynamische Forschung" nahe Darmstadt, das zwar als selbständiger gemeinnütziger Verein auftritt, aber mit dem "Demeter-Bund" aufs engste zusammenhängt.
Viel bewältigen kann die "Gütestelle" kaum mit ihren - wie Institutsleiter Erhard Breda einräumt - insgesamt "bescheidenen Kräften". Voll ausgelastet sind die sechs Mitarbeiter Bredas mit der Beratung von "Demeter"- und "Biodyn"-Bauern, die von sich aus Bodenproben einsenden, um Anhaltspunkte für die Einschätzung ihrer Ertragslage zu gewinnen - von Kontrolle keine Rede.
Doch ein solcher Service ist immerhin mehr, als den übrigen Alternativ-Landwirten an Unterstützung zuteil wird. Vor allem die Reform-Bauern der organischbiologischen Richtung, die längst noch nicht über ein ähnlich gut eingespieltes S.74 Beratungs- und Vertriebssystem verfügen wie die Biodynamiker, tun sich meist schwer - besonders in der Umstellungsphase, wenn ihre Erträge zunächst einmal schrumpfen.
Auch haben die Bio-Pioniere oft Mühe, ihre Erzeugnisse an den Mann zu bringen, etwa wenn kein Markt in der Nähe ist oder weil es an Firmen fehlt, die bereit und in der Lage sind, die teureren Bio-Früchte zu verarbeiten. Der Staat, klagen die Reformer, lasse sie im Stich, während er die konventionelle Landwirtschaft alljährlich mit Milliarden-Beträgen subventioniere.
Das stimmt nur bedingt. Denn die Bio-Bauern profitieren wie alle anderen Landwirte von den horrenden Agrar-Subventionen. Lediglich einen Extra-Zuschlag, wie sie ihn gern hätten, bekommen sie bislang nicht. Doch ihre Chancen für eine gezielte Förderung sind in jüngster Zeit gestiegen.
Der von den Öko-Apokalyptikern ausgelöste Giftalarm hat nämlich auch die Landwirte und deren mächtige Lobby aufgeschreckt. Mehr als die Konsumenten sind schließlich die Landwirte selber von Chemie-Schäden bedroht, wenn sie auf dem Traktor, umwölkt von Pestizid-Schwaden, über ihre Äcker kurven. Viele von ihnen sind nach den Gift-Kampagnen regelmäßig tagelang krank.
Überhaupt hat die moderne Landwirtschaft das bäuerliche Leben nicht gerade bereichert; vom einst idyllischen Reiz des Landlebens ist nur wenig übriggeblieben. Seit 1960 ist der durchschnittliche Hektar-Ertrag bei Getreide etwa um 40 Prozent gestiegen, doch die Zahl der Betriebe ging im selben Zeitraum um 40 Prozent, die der Arbeitskräfte sogar um 60 Prozent zurück.
Einigermaßen rentabel arbeiten inzwischen nur noch stark mechanisierte und auf immer weitere Expansion bedachte Großbetriebe, die von ein paar qualifizierten Fachkräften geleitet werden können - die Folge: Das Sozialleben auf den Gutshöfen und Dörfern verödete.
Nicht ohne Wohlgefallen sehen deshalb die Normalbauern dem Treiben auf den Alternativ-Höfen zu, wo wieder mehr Menschen werkeln und, vom Federvieh bis zum Pferd, eine buntgescheckte Tiergesellschaft haust. Die Bio-Bauern selber, eine idealistische Vorhut, bekunden trotz gestiegener Arbeitsbelastung durchweg eine größere Berufszufriedenheit.
Dennoch bemüht sich, nicht verwunderlich, vor allem die chemische Industrie, das Bild vom anheimelnden Bio-Bauernleben als trügerisch zu entlarven. Schon heute, warnen die Kritiker, decke die deutsche Landwirtschaft nur 72 Prozent des einheimischen Nahrungsmittelbedarfs; alljährlich müsse die Bundesrepublik Lebensmittel im Wert von 48 Milliarden Mark importieren - wenn der Alternativ-Anbau zunehme, werde sich die Bilanz noch weiter verschlechtern.
"Die Überschußsituation von heute", so ließ etwa der Chemie-Konzern Hoechst wissen, werde beim Verzicht auf Kunstdünger und Pestizide bald in eine "Mangelsituation" umschlagen, was die Lebensmittelpreise in unbezahlbare Höhen treiben müsse. Die BASF ließ ausrechnen, daß konsequent chemiefreier Bio-Anbau die westdeutschen Ernteerträge um 50 Prozent vermindern würde; dann wäre es, so die BASF-Sprecher, unumgänglich, auch die vier Millionen Hektar ungenutzter Agrarfläche wieder unter den Pflug zu nehmen, die derzeit in der Bundesrepublik unter Naturschutz stehen.
Wahr ist das sicher nicht. Nur in einem gewissen Zeitraum nach der "Umstellung" sinken die Alternativ-Erträge vorübergehend ab. Im übrigen haben die Pioniere der Öko-Landwirtschaft, Steiners Biodynamiker, längst demonstriert, daß sich auch ohne chemische Hilfe konkurrenzfähige Ernten erzielen lassen, wenn auch mit mehr Handarbeit.
Seit jedoch das Häuflein der Bio-Bauern merklich wächst, sitzen die Konstrukteure von Landmaschinen am Reißbrett, um neuartiges Ackergerät auch für die speziellen Bedürfnisse des Reformlandbaus zu entwerfen. Und mehr als früher kümmern sich die Forscher seither um den "integrierten Pflanzenschutz", bei dem auch möglichst viele natürliche Methoden zur Schädlingsbekämpfung einbezogen werden.
Schweizer Betriebswirte haben inzwischen auch vorgemacht, wie die Bio-Erzeugnisse schneller als bisher an die Kundschaft gebracht werden können. Im Kanton Freiburg organisierten sie eine Versandstelle, die derzeit rund 6000 Haushalte regelmäßig mit Obst und Gemüse versorgt. Pro Jahr kommen 500 neue Bio-Abonnenten hinzu; der Umsatz wächst jährlich um zwanzig Prozent.
Die Vorkämpfer für eine Entgiftung der Normalnahrung möchten das Schweizer Modell gern verallgemeinert sehen. Wo der Weg zwischen Erzeugern und Verbrauchern derart verkürzt werde, meinen sie, entfalle die Notwendigkeit, Lebensmittel mit Konservierungs- oder Farbstoffen künstlich frisch und haltbar zu machen.
Gehört die Zukunft also den Öko-Bauern und ihren Helfern? Wohl allenfalls dann, wenn sie ihre Produkte dereinst erheblich billiger liefern als gegenwärtig: Vorerst, so ergab eine Untersuchung des bayrischen Landwirtschaftsministeriums, sind lediglich sieben Prozent der Konsumenten bereit, für Alternativ-Lebensmittel einen Aufpreis von mehr als 40 Prozent zu zahlen.
Mag sein, daß die zahlungswillige Minderheit glaubt, damit schleichenden Krankheitsrisiken vorzubeugen. Doch selbst wenn das zuträfe, schätzen die meisten Ernährungswissenschaftler, würde so mit ziemlich großem Aufwand nur das kleinere Übel bekämpft.
Denn Pestizide hin und Schwermetalle her: Was immer die Bundesbürger womöglich an Chemikalien und Giftstoffen unfreiwillig zu sich nehmen - es schadet ihrer Gesundheit, jedenfalls nach Ansicht der Experten, nicht so sehr wie der Umstand, daß sie zuviel, zu fett und zu hastig essen.
Richtig gefährl ich wird es dann erst nach den Mahlzeiten: "Das größte Nahrungsrisiko der Deutschen", weiß der Dortmunder Professor Schöch, "ist immer noch der Alkohol."

DER SPIEGEL 30/1982
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