22.06.1981

„Eine unmögliche Mission“

Wie ein französisches Sonderkommando die besetzte Moschee in Mekka befreite / Von Jean-Claude Bourret Im November 1979 stürmten 1500 Rebellen in einem Handstreich die Moschee in Mekka - Auftakt zum größten Putsch gegen Saudi-Arabiens Herrscher. Versuche, die Moschee zurückzuerobern, schlugen fehl; König Chalid bat Paris um Hilfe. Die Befreiung der Moschee schildert ein französischer Autor in einem neuen Buch. Auszug: 1981 Editions France-Empire, Paris.
Mekka, 20. November 1979. Über 150 000 Pilger drängen sich Schulter an Schulter um den schwarzen Stein des Islam im Hof der heiligen Moschee. Jeder fromme Moslem muß einmal in seinem Leben im Pilgermonat Allahs Macht und Klugheit huldigen.
Einer hat allerdings nicht den entrückten Blick derer, die hier ihr Gebet verrichten: Dschuhaiman Bin Seif al Uteibi, 34 Jahre alt. Er hat gerade auf die Uhr geblickt. Es ist 17 Uhr.
Dschuhaiman zieht eine Maschinenpistole unter seinem Pilgergewand hervor und schießt eine Salve in die Luft. Aus allen Ecken stürzen bewaffnete Männer hervor, die eine rote Armbinde an ihrem Pilgergewand tragen.
Es sind ungefähr 1500 Männer, die da heranstürmen, Gewehrsalven peitschen. Eine Panik entsteht.
Die Gläubigen fliehen, sie sind doppelt in Schrecken versetzt: zunächst durch die Toten, die bereits in ihrem Blut liegen, überwiegend Religionspolizisten, aber auch moslemische Gläubige.
Der zweite große Schrecken ist das Sakrileg, daß geschossen wurde -- im heiligsten Teil der heiligsten Moschee in der heiligsten Stadt des heiligsten Landes des Islam. Die Gotteslästerung ist ungeheuerlich. 150 000 Kehlen schreien gleichzeitig ihre Angst und ihre Verzweiflung hinaus. Die verängstigte Menge wird zu einer riesigen Menschenwalze, die mehr als tausend Pilger zu Tode quetscht.
Aber die Rebellen wissen die Angst für ihre Zwecke zu nutzen. Sie verleiten mehr als 6000 Pilger dazu, in den unterirdischen Gängen der Moschee Zuflucht zu suchen, in einem 75 000 Quadratmeter großen Kellergewölbe, in dem sich ein Fremder nur Meter für Meter vorantasten kann. Die Rebellion hat plötzlich 6000 schreiende Geiseln, die mehr und mehr verstummen, je weiter sie sich in den tausendjährigen Kellergewölben verlieren.
Diese Rebellion ist gut organisiert. Eine Bombe, aus einem feuerroten Chevrolet geworfen, explodiert vor dem Palast des Königs Chalid. Zwei Wachsoldaten werden getötet. Die Verwüstungen sind beträchtlich, aber der König ist unverletzt.
Von allen Seiten erreichen den König beunruhigende Meldungen. In Taif wurde die heilige Moschee zum gleichen Zeitpunkt und unter den gleichen Umständen angegriffen. Auch in Tobruk sind Rebellen zum Angriff übergegangen.
In Tobruk stehen sich die Armee und die Aufständischen gegenüber, die mehrere strategische Punkte besetzt halten. S.145
Die Aufständischen in Mekka schießen auf jeden, der versucht, sich der Moschee zu nähern. Etwa 50 königstreue Soldaten, die mit dem Ruf "Allahu akbar" ("Allah ist groß") zum Angriff übergegangen waren, sind gefallen.
Am 21. November beschließen Polizei und Armee, den Vormittag abzuwarten, um ihren Gegenangriff besser koordinieren zu können.
Um 11.30 Uhr beginnt der Sturmangriff gegen alle Eingänge der Moschee. Das Gemetzel ist schrecklich. Die verschanzten, gut geschützten und gut ausgebildeten Rebellen richten ein Blutbad an. Der Geruch des Todes bedeckt den großen ockerfarbenen Hof der heiligen Moschee wie mit einem fauligen Mantel.
Nach einer Beratung mit dem König befiehlt der Oberbefehlshaber der Armee einen neuen Angriff. Am 22. November um 10 Uhr greifen 3000 Soldaten, unterstützt von zwölf Panzern und fünf Hubschraubern, zum drittenmal an. Die amerikanischen M-113-Schützenpanzer setzen sich rasselnd in Bewegung.
Eine Granate detoniert zwei Meter vor dem ersten Fahrzeug. Die nächste Granate trifft, der Schützenpanzer geht in Flammen auf. Zwei weitere M 113 explodieren und brennen aus. Das Chaos ist vollkommen. Brennende Gestalten stürzen aus den Fahrzeugen und brechen im Hof der heiligen Moschee zusammen.
In den Himmel über der Moschee steigen schwarze Rauchschwaden, die einen Geruch von Öl und verbranntem Fleich verbreiten. Aus den Minaretten, die zu Stützpunkten der Rebellen geworden sind, werden Tausende von Kugeln aus Kalaschnikows auf die fünf Hubschrauber abgefeuert.
Einer von ihnen ist getroffen, er geht in Flammen auf und stürzt ab. Innerhalb von zwei Sekunden fliegt die Spitze eines der Minarette in die Luft, die Tanks des Hubschraubers fangen Feuer. Das zerstört die letzte Hoffnung auf eine Vertreibung der Rebellen. Überall spürt man plötzlich, daß die Rebellen gute Aussichten haben, sich durchzusetzen.
Nach dem Debakel des 22. November 1979 wendet sich Saudi-Arabien hilfesuchend an Frankreich. König Chalid schildert Präsident Giscard d'Estaing die Situation: Seine Truppen sind unfähig, die Lage zu meistern; die Hilfe muß sofort kommen.
Eine Stunde später wird auf Befehl des Präsidenten eine Einheit der GIGN alarmiert, der "Groupe d'intervention de la gendarmerie nationale", wie die Eingreiftruppe der Gendarmerie heißt.
Die Wahl der GIGN geht auf einen Besuch eines saudischen Prinzen S.146 im Jahr 1979 zurück, der von der demonstrierten Schlagkraft der Eliteeinheit stark beeindruckt war.
Am 23. November starten drei GIGN-Männer, der Hauptmann Barril und zwei Unteroffiziere, in einer Sondermaschine der Luftwaffe zu einem Flug nach Saudi-Arabien.
Zuvor hat Frankreichs Verteidigungsminister Hauptmann Barril kurz mit der Lage vertraut gemacht: Fanatiker halten in der heiligen Moschee von Mekka Geiseln gefangen, die Saudis können sie nicht herausholen. Die GIGN muß es schaffen -- ein klassischer Auftrag für die Truppe, die schon manche "unmögliche Mission" ausgeführt hatte.
In der Nacht zum 24. November landet die weiße Mystere 20 mit den drei GIGN-Männern in der Nähe von Mekka. Außergewöhnliche Vorsichtsmaßnahmen sind getroffen worden. Nicht so sehr, um das Geheimnis der Operation zu wahren, als vielmehr, um einen möglichen Angriff der Rebellen auf den Flughafen zu vermeiden. Denn offensichtlich haben die Rebellen viele Anhänger unter den Studenten und sogar unter den Militärs. Es sieht alles nach Putsch aus. Die Erstürmung der Moschee ist dazu nur der erste Schritt.
Ein Oberst empfängt Barril und die beiden anderen Männer der GIGN. Ein Dolmetscher steht ihnen zur Verfügung. Glühende Hitze liegt über der kleinen Gruppe. Obwohl es Nacht ist, zeigt das Thermometer 31 Grad an.
Inzwischen sind drei schwere Kisten aus der Mystere 20 ausgeladen worden, die man ihr in Frankreich mitgegeben hatte. Dann setzt sich ein Konvoi in Bewegung, bestehend aus einem Wagen mit Maschinengewehr, einem Chevrolet, in dem der Hauptmann mit dem Oberst fährt, einem Lastwagen mit den drei schweren Kisten und einem weiteren Wagen, der den Zug beschließt.
40 Kilometer von Mekka entfernt kommt der Zug schließlich zum Stehen. In der Wüste wird ein Lager errichtet: die Operationsbasis der GIGN.
Am 24. November um acht Uhr, nach ein paar Stunden Schlaf, treffen sich Hauptmann Barril und seine Unteroffiziere mit dem Krisenstab, den König Chalid gebildet hat. Der Oberst erläutert Barril die Situation und spricht die Hoffnung aus, "daß es Ihnen mit Ihrer großen Erfahrung gelingen wird, unser Problem zu lösen".
Darauf Barril: "Ich muß genau wissen, was sich abgespielt hat. Zeigen Sie mir zuerst den Plan der Moschee, damit ich sehen kann, wohin sich die Rebellen zurückgezogen haben."
Der Oberst: "Wir haben leider keinen Plan. Die heilige Moschee wurde vor 1400 Jahren gebaut, niemand kennt genau ihre unterirdischen Gewölbe."
"Dann muß ich mich an Ort und Stelle über die Situation informieren."
"Herr Hauptmann, das ist nicht möglich. Nur ein Moslem darf die heilige S.147 Moschee in der heiligen Stadt betreten."
Daraufhin diskutieren sieben hohe saudische Offiziere leidenschaftlich über das Problem. Sie müssen sich entscheiden zwischen ihrer Treue zu Allah, ihrer Treue zum König und der dringenden Notwendigkeit, die Rebellen aus der Moschee zu holen.
Sie entscheiden sich schließlich dafür, daß Barril sich in der Stadt aufhalten, aber die Moschee nicht betreten darf. Er soll sie mit einem Fernglas beobachten.
Hauptmann Barril stimmt zu. Am Nachmittag bringt ihn und die beiden GIGN-Unteroffiziere ein ziviler Chevrolet, der von einem saudischen Soldaten gefahren wird, in die Nähe der Großen Moschee, wo ein anderer Oberst sich ihrer annimmt.
Die dort postierten Polizisten sind auf der Hut. Jeder ist mit einem Revolver des Typs Smith & Wesson "357" bewaffnet, trägt eine kugelsichere Weste und verfügt über sechs Handgranaten und 50 Patronen. Der Oberst warnt Barril: "Auf den Minaretten sind Scharfschützen, sie schießen gut, passen Sie auf."
Die beiden Offiziere betreten ein kleines Gebäude gegenüber der Moschee. Durch eine rautenförmige Öffnung sieht der französische Hauptmann die Große Moschee der islamischen Welt mit ihren Minaretten vor sich liegen. Ein schrecklicher Leichengeruch liegt über dem heiligen Hof; der Platz ist mit Hunderten von Leichen bedeckt.
Hinter der kleinen Öffnung macht sich Barril Notizen und Skizzen. Von Zeit zu Zeit rattert ein Maschinengewehr.
Am Abend überblickt Barril die Situation besser. Aber da es ihm verboten ist, das Heiligtum des Islam zu betreten, ist eine Informationsbeschaffung ziemlich mühsam.
In dem kleinen Zimmer, das ihnen gleichzeitig als Schlafraum und als Büro dient, faßt einer der Unteroffiziere die Situation zusammen: "Das ist eine verdammte Scheiße, Hauptmann! Wir stehen Tausenden von gut bewaffneten Leuten gegenüber. Haben Sie die Leichen gesehen?"
Daraufhin Barril: "Für mich ist das Wichtigste, daß sich der größte Teil der Rebellen in den Kellergewölben befindet. Da sind sie zwar im Augenblick am besten geschützt, aber es ist auch der einzige Ort, wo sie durch Nervengas am besten zu treffen sind."
"Gas? Man braucht mindestens zwei Tonnen, und außerdem wissen wir nicht, welche Verbindungen die Gewölbe untereinander haben."
"Nun, ich habe Blankovollmacht von Paris. Ich werde zwei Tonnen CB (Chlorbenzol, ein Nervengas) ordern, wenn es notwendig sein sollte."
"Und wer wird es anwenden, dieses Gas? Die Saudis können damit nicht umgehen."
"Genau das wird Ihr Auftrag sein. Sie werden den Saudis beibringen, wie man die Zerstäuber bedient."
25. November 1979, acht Uhr. Barril trifft wieder mit dem Krisenstab zusammen. Seit dem Vorabend hat sich die Situation noch verschlechtert. An mehreren Orten haben die Gegner des Königs die Bevölkerung zu Versammlungen aufgerufen. Man muß schnell handeln.
Der Oberst will wissen, ob Barril schon eine Vorstellung habe, wie er vorgehen wolle. Barril äußert sich zurückhaltend, er wolle erst noch seine "Beobachtungen fortsetzen". Und außerdem: "Ich brauche eine vollständige Liste aller Truppeneinheiten, über die Sie verfügen, ferner Informationen über ihre Bewaffnung und über ihre militärische Schlagkraft. "Ich muß wissen, wie viele Sprechfunkgeräte Sie haben. Ich muß wissen, wie viele Sender und Empfänger über die gleiche Frequenz verfügen."
Am 25. November 1979 um 19.15 Uhr findet ein weiteres Treffen zwischen den drei Polizisten und dem saudischen Krisenstab statt.
Der Oberst hat sich inzwischen informiert und gibt Barril ausführlich Auskunft auf alle Fragen, die der GIGN-Mann am Morgen gestellt hatte:
"Zunächst die Armee. Wir haben 600 Mann, die der Nationalgarde angehören. Das sind unsere besten Soldaten. Außerdem haben wir mehrere gut ausgebildete Einheiten, die um die Moschee herum in Stellung gegangen sind. Das sind ungefähr 2500 Mann. Wir verfügen außerdem über eine Fallschirmjägereinheit von 125 Mann. Insgesamt sind das 3225. Aber wenn Sie das für ungenügend halten, können wir noch Truppen aus anderen Garnisonen mobilisieren."
"Das wird genügen, Oberst. Was ist mit den Sprechfunkgeräten?"
"Ein Dutzend."
"Das reicht nicht. Können Sie noch andere bekommen?"
"Das ist durchaus möglich, wir werden sie bei anderen Einheiten anfordern. Wie viele wollen Sie haben?"
"Etwa 30."
Dann kommt wieder die Frage des Obersten: "Und Ihr Plan, Herr Hauptmann?"
Hauptmann Barril entfaltet zur Überraschung der saudischen Offiziere eine Karte der heiligen Moschee mit ungefähren Höhenangaben; 75 000 Quadratmeter des heiligen Komplexes sind hier mit schwarzem und rotem Filzstift aufgezeichnet. Barril tippt mit dem Finger auf verschiedene Punkte seines Plans:
"Hier und da und da sind die Eingänge zu den von den Rebellen besetzten Kellergewölben. Die Keller sind als große Säle angelegt, die durch kleine Gänge untereinander verbunden sind. Hier dagegen handelt es sich zweifellos um den ältesten Teil. Dort liegt eine ganze Reihe von kleinen Räumen. Die Rebellen haben das gesamte Kellergewölbe besetzt, das ungefähr 24 000 Quadratmeter groß sein dürfte. Aber sie haben auch die Minarette und die S.148 einzelnen Stockwerke besetzt. Man muß sie daher zunächst zwingen, sich in die Keller zurückzuziehen."
26. November 1979. Es ist 10 Uhr in Paris, als das Telephon beim verantwortlichen Offizier im Verteidigungsministerium klingelt, der zugleich für den Kontakt zum SDECE (Service de documentation exterieure de contreespionnage), Frankreichs Spionageabwehr, zuständig ist.
Der Offizier, ein Oberst, ist zuständig für das "Unternehmen Mekka". Für die Aktion ist eine besondere Telephonleitung eingerichtet worden; nur der Oberst und Barril kennen die Nummer.
Er wartet seit Stunden auf den Anruf von "d'Artagnan", wie Barrils Kodename lautet. Endlich ist er da: "Hallo, hier spricht d'Artagnan."
Eine Viertelstunde lang schildert Barril die Lage. "Ich brauche Material, um das Unternehmen erfolgreich durchführen zu können", sagt Barril.
"Viel?"
"Ziemlich viel. Zunächst drei Tonnen CB-Gas. Ich brauche außerdem 30 Zerstäuber, 50 Kilo Plastiksprengstoff, Zünder, 200 Spezialmasken zum Schutz gegen das Gas."
"Glauben Sie, daß Sie eine Chance haben?"
"Wenn es keinen Staatsstreich gibt, ist es machbar."
28. November, 15 Uhr. Keine Minute vergeht, in der nicht eine Gewehrsalve die drückende Stille über der Moschee unterbricht. Mehr als 3000 Soldaten liegen inzwischen in allen Gebäuden, die die heilige Moschee umgeben. Überall wurden Maschinengewehre in Stellung gebracht, aber es gibt keine Funkverbindung zwischen den einzelnen Einheiten. Nur die Leutnants und einige saudische Hauptleute können einen Kontakt zu ihren Leuten und den Rebellen herstellen.
Die höheren Offiziere versuchen einen Operationsplan zu entwerfen und wollen vor allem herausfinden, ob die Mehrheit der Armee hinter dem König steht. Die verrücktesten Gerüchte gehen um: Das Regiment hat geputscht, es marschiert mit Panzern in Richtung Mekka. Der König wurde bei einem Attentat verletzt. Er hatte einen Herzanfall ...
Es wird Zeit, daß etwas Entscheidendes geschieht.
28. November, 17 Uhr. Am Telephon wird der Hauptmann Barril verlangt -- Anruf aus Paris. Der Hauptmann nimmt den Hörer ab, am anderen Ende der Offizier aus dem Verteidigungsministerium:
"Ich konnte alles bekommen, das Material wird bis zum Abend bereitgestellt. Eine Caravelle wird am 30. November, also übermorgen, im Laufe des Vormittags die Militärbasis von Evreux verlassen. Sie wird am Flughafen von Mekka zwischen 19 und 21 Uhr eintreffen. Sie wird in Athen oder auf Zypern zwischenlanden. Das wird man in der letzten Minute entscheiden."
29. November 1979, 9.15 Uhr. Im Büro des Obersten erklärt Barril Einzelheiten seines Plans. Alles wird vorbereitet wie auf der Militärakademie:
Der Funkplan enthält für jeden der 30 Funksprechgeräte den Namen des verantwortlichen Offiziers, seine Aufgabe, die Anzahl der Männer, über die er verfügen kann, und das Material, das für ihn bereitgestellt ist. Ein zweiter Plan beschreibt den Angriff in allen Einzelheiten.
Schließlich folgen die Anweisungen für die 60 Soldaten, die die Gasgeräte bedienen sollen. 30 Mann sollen dafür reichen. Da jedoch damit gerechnet werden muß, daß der eine oder andere beim Angriff getötet wird, muß stets ein zweiter Soldat in der Lage sein, sofort seinen Platz einzunehmen. Alle Soldaten werden eine Schutzmaske tragen.
30. November, 12.40 Uhr. Anruf aus Paris für Hauptmann Barril: "Wir haben Schwierigkeiten, das Material zusammenzubekommen, besonders die drei Tonnen CB. Voraussichtliche Ankunft des Flugzeugs am 1. Dezember zwischen 18 und 20 Uhr Ortszeit."
1. Dezember, 17.30 Uhr. Die drei Polizisten treffen am Flughafen von Mekka ein. Ihnen folgen drei Lastwagen, die das Material transportieren sollen. Dann warten die Männer auf das Eintreffen der Maschine aus Frankreich. Sie kommt nicht.
18 Uhr: nichts.
19 Uhr: nichts. Beim Kontrollturm keinerlei Funkmeldung.
20 Uhr: nichts. Beginnende Mutlosigkeit bei den drei Polizisten.
20.41 Uhr: Endlich. Die Caravelle ist da. An Bord sind drei Männer: der Flugkapitän, der Co-Pilot und der Funker. Dann erzählt der Flugkapitän, warum sie so spät gekommen sind: "Die Syrer haben Wind bekommen von unserer Mission. Sie haben uns in letzter Minute verboten, ihr Territorium zu überfliegen. Wir waren gezwungen, einen Umweg zu machen, und wir hatten Schiß, daß die Syrer Scheibenschießen auf uns veranstalten würden."
2. Dezember, 6.30 Uhr. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Aber eine hektische Betriebsamkeit liegt über dem kleinen Militärlager.
Lastwagen parken in einer Zone, die durch dunkelgrün gestrichene Fässer abgegrenzt ist. Die Soldaten formieren sich nach den kurzen Kommandos der Offiziere. Im Büro des Obersts schlürft S.149 Barril den ersten Pfefferminztee dieses Morgens.
"Wie wollen Sie vorgehen?", fragt der saudische Oberst.
"Ich habe mir für Ihre Männer eine Art Schnelltraining ausgedacht. Meine beiden Unteroffiziere werden als Ausbilder dienen. Der Unterricht wird in zwei Teilen erfolgen. Zunächst die Aufbereitung des Pulvers, dann der Gebrauch der Verteilerdüsen und der Schutzmasken."
"Wieviel Zeit werden Sie dafür brauchen?"
"Einige Stunden. Um jede Überraschung im Falle einer Revolte von Einheiten gegen den König zu vermeiden, sollten die Soldaten Ihrer Spezialtruppen und der Einheiten, auf deren Treue Sie wirklich zählen können, ihre Rangabzeichen auf der rechten Seite tragen. Das wird das Erkennungszeichen für die Truppen sein, die unter Ihrem Befehl die Operation 'Wiedereroberung der Moschee' durchführen."
Hinter den drei kleinen Gebäuden gibt bereits ein GIGN-Mann mit Hilfe eines Dolmetschers seine Anweisungen. Die ausgewählten Soldaten bilden einen Kreis um ihn herum. Er zeigt ihnen die kleinen CB-Aluminiumkisten, die etwa zehn Kilo schwer sind: "Mit einem Gramm dieses Pulvers können Sie einen Menschen innerhalb einer guten Viertelstunde einschläfern."
Der Dolmetscher übersetzt Satz für Satz. Die saudischen Soldaten hören aufmerksam zu. Während des ganzen Tages erklären und demonstrieren die beiden Polizisten den Gebrauch des Gases, die Benutzung der Flaschen und Masken.
3. Dezember, 11 Uhr. Die Umgebung der Großen Moschee riecht immer noch nach Pulverdampf und Leichen. Die ersten Ratten zeigen sich. Die Rebellen sind keineswegs entmutigt, eher schon die Soldaten. Sie wissen jedoch, daß bald Entscheidendes passieren wird. Aus dem Ausland ist "Spezialmaterial" angekommen. König Chalid wird gewinnen. Es ist nur noch eine Frage von Stunden.
Im Spezialcamp, wo sich die drei Polizisten nun schon zehn Tage aufhalten, geht die Unterweisung der 60 Soldaten und der 30 Offiziere weiter. Jetzt hat Barril die Einweisung der saudischen Offiziere selbst übernommen.
Bis zum Abend hat jeder Offizier die Handgriffe geübt, die für den Angriff am nächsten Morgen entscheidend sind.
4. Dezember, 7 Uhr. Es ist der Tag X. Mit einer Ausnahmegenehmigung gelingt es Barril ein drittes Mal, nach Mekka zu gehen. Nach wie vor ist es nicht möglich, die heilige Moschee zu betreten. An der Seite des Obersten kann er feststellen, daß sein Funkplan genau eingehalten wird.
Die Elite-Einheiten halten die Moschee immer noch eingeschlossen. Sie müssen das Eintreffen der 30 Spezial-Mannschaften sichern. Im Schutz der Gebäude, die die heilige Moschee umgeben, probieren die Männer ihre Masken aus.
Um 8 Uhr ist die Funkverbindung hergestellt. Die Offiziere stehen in Gruppen zu je zwei Mann bereit. Die Rebellen, die merken, daß etwas im Gange ist, verstärken das Feuer.
Auf den Minaretten und den einzelnen Stockwerken sind 30 Scharfschützen S.150 postiert, die hervorragend schießen. Später wird man erfahren, daß sie 150 Kilometer von Mekka entfernt ausgebildet worden waren, in einem geheimen Lager, das von mehreren arabischen Ländern unterhalten wurde, die König Chalid feindlich gesinnt sind.
Lange Salven aus automatischen Waffen antworten auf die gezielten Schüsse der Scharfschützen. Hauptmann Barril sieht einen Lastwagen vorbeifahren, aus dem Blut tropft. Auf der Ladefläche liegt ein halbes Dutzend saudischer Soldaten, tot oder verwundet.
9.45 Uhr. "Achtung", sagt der Oberst, "es ist 15 Minuten vor Stunde Y."
Um jeden Irrtum auszuschließen, trägt jede Gruppe von jeweils drei Männern den Namen des verantwortlichen Offiziers. In zwei Minuten prüft der Oberst, ob jeder bereit ist und ob die Funkverbindungen funktionieren.
Jede Gruppe ist einsatzbereit. Sie müssen sich zwischen den angreifenden Truppen hindurchschlängeln und durch drei Eingänge in die Kellergewölbe gelangen. Dann werden sie ihre Masken aufsetzen und nacheinander die schweren Türen aufsprengen, die die Aufständischen verschlossen haben.
10 Uhr. "Im Namen Allahs, vorwärts!" Mit echt arabischem Pathos gibt der Oberst das Signal zum Angriff. Plötzlich ertönt Maschinengewehrgeknatter zwischen der Moschee und den umherliegenden Gebäuden. Mehr als hundert automatische Waffen beschießen die Öffnungen, aus denen seit Tagen das Feuer der Rebellen kommt.
"Allahu akbar! Allah ist groß!" schreien die Angriffstruppen fanatisch beim Anblick der maskierten Spezialkommandos. Drei von den Rebellen besetzte Eingänge werden erstürmt. Dem Gegner scheint es nicht viel auszumachen, da er noch alle Eingänge im Nordteil der Moschee besetzt hält.
Schon am 28. November hatten die Angriffstruppen König Chalids versucht, sie auszuräuchern, indem sie in den Untergeschossen Reifen verbrannten. Aber die großen Türen, die die Keller untereinander trennen, funktionierten wie wirksame Feuer- und Rauchschutzwände. Um jeden neuen Versuch zu vereiteln, hatten die Rebellen mehrere Scharfschützen an den Eingängen postiert.
Es gibt in der Tat 22 Eingänge, durch die man in die großen Kellergewölbe gelangen kann. Nur in einem Teil davon haben sich die Rebellen mit ihren Geiseln verschanzt.
Um 10.30 Uhr meldet die erste Angriffstruppe über Funk: "Wir sind vor der ersten Tür. Wir werden sie sprengen!"
Im dunklen Keller zeichnet der Schein der elektrischen Lampen seltsame Lichtfiguren in den beißenden Qualm der Kämpfe. Die schwere, mit Nägeln beschlagene Holztür ist mit jahrhundertealten Malereien bedeckt.
Nervös befestigt der saudische Leutnant die Plastikkugeln. Dann drückt er den Sprengsatz hinein, zieht die Zündschnur bis in eine Mauerecke und dreht den manuellen Generator fest.
Er läßt seine Gruppe in Deckung gehen. Dann dreht er am Griff der kleinen schwarzen Kiste. Ein Sturm fegt durch das Kellergewölbe. Trotz der schützenden Mauerecke wird die kleine Gruppe gegen die Treppen geschleudert.
Die Masken sind heruntergerissen. Einer der Soldaten ist am Kopf verletzt, er blutet, aber die Wunde ist unbedeutend. Tausendjähriger Staub wirbelt auf.
Der Leutnant befiehlt den Angriff.
Jeder setzt seine Maske wieder auf und stürzt in die dunklen Keller. Die Tür ist halb eingeschlagen. Kleine Lichtschimmer erlauben es den Männern, sich voranzutasten, ohne gleich zur Zielscheibe für die Rebellen zu werden, die sich irgendwo im Dunkeln versteckt halten.
Der Leutnant ist schwer beladen. In zwei Säcken transportiert er fünf Kilo Plastik, zehn Handgranaten, vier Magazine für Maschinenpistolen, eine Maschinenpistole, eine elektrische Lampe. S.151 Er schleicht an der rechten Wand entlang und hält einen Augenblick inne. Seine beiden Begleiter tun es ihm nach.
Trotz der ungeheuer dicken Mauern im Keller hört er weitere Explosionen, Schüsse aus automatischen Waffen, erstickte Schreie. Überall rücken die saudischen Spezialtruppen vor.
Bisher hat die Vorhut noch kein Gas eingesetzt, da sie noch auf keinen Widerstand gestoßen ist. 30 Meter weiter teilt sich das Kellergewölbe in zwei Gänge.
Links führt ein Rundbogen etwa zwei Meter tiefer. Während sie sich noch immer mit ihren Lampen, die der Leutnant nie länger als eine Sekunde brennen läßt, weitertasten, entdecken die Männer plötzlich eine weitere Tür.
Es werden neue Sprengladungen vorbereitet. Gewarnt durch die erste Explosion, zieht sich das Kommando diesmal weiter zurück, sie werfen sich auf den Bauch und halten sich die Ohren zu.
Ein greller Blitz: Die zweite Tür ist gesprengt. Es scheint ein Augenblick absoluter Stille zu folgen.
Aber sehr schnell gewöhnen sich die Ohren der drei Männer wieder an den Kampflärm. Und plötzlich geht es los. Drüben, auf der anderen Seite der Tür, haben zunächst zwei, dann sieben Maschinengewehre das Feuer eröffnet. Immer noch auf der Erde, hören die drei Soldaten das Pfeifen der Kugeln, die in die Seitenwände einschlagen und dabei Splitter herausreißen.
Der Leutnant gibt dem Soldaten Ahmed den Befehl, nach vorn zu springen.
Aber Ahmed, offensichtlich starr vor Schreck, bewegt sich keinen Millimeter. Der Gasbehälter, den er auf dem Rücken trägt, müßte jedoch sofort in Aktion treten.
Zwei Meter vor dem Leutnant steht Ahmed. Aus einem kleinen Loch über dem rechten Auge dringt plötzlich eine weißliche Flüssigkeit und ein Strom von Blut.
"Bin Beschir!" schreit der Leutnant, "übernehmen Sie den Apparat. Ahmed ist getroffen."
Ben Beschir kriecht zu seinem toten Kameraden, sucht mit tastenden Fingern den Auslöser, findet ihn und richtet ihn auf das Mündungsfeuer der in etwa 40 Metern Entfernung abgegebenen Schüsse.
Das Gas entweicht mit einem Zischen, ein Pulverdampf quillt durch den Keller, ein letzter Feuerstoß, dann fällt Grabesstille auf die beiden Überlebenden.
"Wir müssen den Apparat aufladen, Leutnant, ich habe alles verschossen!" Über Funk wird die dritte Mannschaft gerufen.
Diese Szene wiederholt sich zehn-, zwanzigmal. Die dumpfen Explosionen zeigen an, daß die Kampftruppen im Keller eine Tür nach der anderen aufsprengen.
Um 11.30 Uhr ist der Widerstand der Rebellen erloschen. Durch fünf Kellerfenster, die in eines der Untergeschosse führen, verströmen zwei Mannschaften das Betäubungsgas, das bis in den heiligen Hof dringt. Man hört immer noch Schüsse, aber der Lärm dringt kaum durch die Mauern des Kellers.
Bis mittags sind mehr als eineinhalb Tonnen Gas zerstäubt. Etwa 50 Rebellen wurden gefangengenommen. In den Kellergewölben findet ein Massensterben statt. Die Rebellen und ihre Geiseln sterben entweder den Erstickungstod, oder sie werden von den Explosionen der Türsprengungen und den Handgranaten zerfetzt.
Um 14 Uhr tritt Stille ein. Zwei Tonnen Gas haben sich in alle Kellerräume verteilt. Die Spezialeinheiten haben mehr als die Hälfte ihrer Leute verloren. Über der Erde wurden ebenfalls etwa hundert Soldaten getötet. Bei den Rebellen war es unmöglich, Bilanz zu ziehen. Es gibt Tausende von Toten.
Aus der heiligen Moschee, die ganz in Giftgas eingehüllt ist, steigen Giftwolken in die Atmosphäre. Der Wüstenwind treibt sie auf das Meer hinaus.
Hauptmann Barril von der GIGN aber weiß, daß er soeben einen geschichtlichen Augenblick erlebt hat. Der saudische Oberst gratuliert dem Franzosen: "Hauptmann Barril, Sie haben uns zum Sieg verholfen!"
Am Abend des 4. Dezember 1979 veranstaltet König Chalid zu Ehren Allahs eine Siegesfeier. Der Generalstabschef überreicht den drei GIGN-Männern das Ehrenabzeichen der saudischen Fallschirmjäger-Truppe.
Drei Polizisten haben einen Thron gerettet. Sechs Monate später erhält Frankreich aus Saudi-Arabien einen Waffenauftrag im Umfang von drei Milliarden Franc.
Von Jean-Claude Bourret

DER SPIEGEL 26/1981
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