16.11.1981

DRESDNER BANKBöse abgesackt

Die zweitgrößte Geschäftsbank der Bundesrepublik schlidderte in eine Krise: Die Bankführung muß neu organisiert werden, ein Vorstandsmitglied gehen.
Donnerstag vergangener Woche war der vornehme Düsseldorfer Industrieclub bis auf den letzten Platz besetzt. Die Spitzenmanager von Rhein und Ruhr lauschten einem prominenten Gastredner: Hans Friderichs, Chef der Dresdner Bank, referierte über die Währungsprobleme der westlichen Welt.
Während der Bankier aber ganz oben stand, war die Bank gerade böse abgesackt: Erstmals in der Nachkriegszeit fiel der Börsenkurs der Dresdner Bank deutlich hinter die Notierung eines alten Rivalen zurück. Die Dresdner-Bank-Aktie wurde drei Mark billiger gehandelt als die der Commerzbank.
Die Zahlen auf den Kurszetteln bestätigen: Die zweitgrößte Geschäftsbank der Bundesrepublik (Bilanzsumme: 76,6 Milliarden Mark) steckt in einer Krise. Die Geldmanager haben sich bei Gold und Wertpapiergeschäften verspekuliert. Zudem müssen Friderichs und seine elf Vorstandskollegen hohe Ausfälle bei einigen Krediten verkraften.
Um die Großbank wieder auf Kurs zu bringen, griff Friderichs zu Maßnahmen, die in dem empfindlichen Geldgewerbe höchstes Aufsehen erregten: Die Führungsstruktur der Bank wird neu organisiert, ein Vorstandsmitglied muß gehen.
Mit Hilfe der neuen Abteilung "Konzernplanung", die dem Chef selbst untersteht, S.136 will Friderichs künftige Fehlentwicklungen rechtzeitig abfangen. Das wichtige Vorstandsressort Devisen-, Goldhandel und Geldbeschaffung wird aufgeteilt. Vorstandsmitglied Hans-Joachim Schreiber, bisher Leiter der Abteilung, muß sich nach einem neuen Job umsehen.
Vor allem Schreibers Abgang sorgte in der Branche für beträchtliches Aufsehen. Vor gut einem Jahr noch hatte Friderichs seinen Goldhändler in den höchsten Tönen gelobt: "Reden ist Silber, Schreiber ist Gold." Friderichs schätzte Schreibers Urteil so sehr, daß er auf dessen Wunsch ein altgedientes Vorstandsmitglied, den Personal- und Organisationschef Karl Friedrich Hagenmüller, vor die Tür setzte.
Schreiber verübelte dem Kollegen, daß Hagenmüller ihn vor anderen Bankdirektoren als "eine von drei Flaschen im Vorstand" abqualifizierte. Schreiber, so Hagenmüller, mache windige Geschäfte und ramponiere den Ruf der Bank.
Doch Friderichs stützte Schreiber. Denn jahrelang verdiente Schreiber mit seinen Gold- und Währungsgeschäften so viel Geld, daß die Bank damit Verluste in anderen Sparten ausbügeln konnte. In diesem Jahr aber verließ den Manager in dem heißen Geschäft das Glück.
Überdies lastet Friderichs dem ehemaligen Favoriten die Verlustgeschäfte einer Tochtergesellschaft an. Die Deutsche Länderbank, bei der Schreiber im Aufsichtsrat sitzt, verliert in diesem Jahr nach Schätzungen von Experten der Frankfurter Muttergesellschaft rund 50 Millionen Mark. Neben Aufseher Schreiber werden sich auch zwei Länderbank-Vorstände nach einer neuen Tätigkeit umsehen müssen.
Friderichs hat nicht nur Pech mit dem Personal. Zur schwersten Hypothek wird der chronische Sanierungsfall AEG.
Die Dresdner Bank hat dem Elektro-Konzern fast 800 Millionen Mark geborgt. Einschließlich Exportbürgschaften und Ausfuhrgarantien summieren sich die AEG-Verpflichtungen auf gut eine Milliarde Mark.
Unabhängig von diesen ungemütlichen Außenständen muß die Bank schon dieses Jahr für weitere AEG-Hilfen rund 100 Millionen Mark abbuchen. Eine von Friderichs angeregte Schenkungsaktion verschiedener AEG-Banken kostet die Dresdner Bank 51 Millionen. Wegen des Kursverfalls der AEG-Aktie müssen rund 40 Millionen auf die hauseigenen AEG-Aktien abgeschrieben werden. Unangenehmer noch ist, daß Friderichs als Hausbankier des Elektro-Konzerns womöglich noch weitere Millionen für AEG lockermachen muß.
Neben der AEG verunzieren die notleidenden Polen-Kredite die Bilanz der Dresdner Bank. Für die gut 400 Millionen Mark, die Friderichs ausgeliehen hat, muß ein zweistelliger Millionenbetrag als Risikoreserve eingeplant werden. Noch zögert Friderichs mit dieser Rückstellung, er kommt aber kaum daran vorbei. Die Deutsche Bank hat die Reserve auf Wunsch ihrer Wirtschaftsprüfer längst vorgesehen.
So sehr die Sonderfälle AEG und Polen die Verluste treiben: Auch der übliche Geschäftsgang steht nicht zum besten. Angesichts der gesunkenen Kurse bei Aktien und Anleihen muß die Dresdner Bank dieses Jahr rund 100 Millionen Mark auf ihre eigenen Wertpapiere abschreiben.
Seit einigen Wochen tritt die Dresdner Bank sogar selbst als Bittsteller auf. Auf den Geldmärkten in Frankfurt, Luxemburg und London bieten Manager des Instituts oft höhere Zinsen als die Konkurrenz. Der Grund: Zum Jahresende braucht die Bank noch flüssige Mittel, um das Bilanzbild aufzuhellen.
Auch die Kundenberater in den Dresdner-Bank-Filialen sind bei der Geldsuche eingespannt. Kunden, die ihre Festgelder über den 31. Dezember bei der Bank auf dem Konto lassen, bekommen bis zu dreiviertel Prozent mehr Zinsen als üblich offeriert. Trotz aller Schwierigkeiten möchte Hans Friderichs den Aktionären möglicherweise doch eine kleine Dividende zahlen, um das Image der Bank aufzubessern. Dafür plant der Bankchef einen listigen, aber legalen Bilanztrick.
Die 25prozentige Beteiligung an dem Frankfurter Rohstoffkonzern Metallgesellschaft soll in eine neue Firma eingebracht werden. Durch die Überführung in eine sogenannte Vorschaltgesellschaft kann Friderichs die bislang niedrig bewerteten Aktien auf den aktuellen Börsenpreis hochschreiben. Buchgewinn: rund eine viertel Milliarde Mark.

DER SPIEGEL 47/1981
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DRESDNER BANK:
Böse abgesackt

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