23.08.1982

Nahum Goldmann

gehört zu den größten Männern des europäischen Zionismus, gleichzeitig aber auch zu den schärfsten jüdischen Kritikern Israels. Den israelischen Staatslenkern von Ben-Gurion über Golda Meir bis zu Begin warf er vor, daß sie das Verhältnis des Judenstaates zu den Arabern nur als Konfrontation begriffen, daß sie einen Ausgleich zwischen Israel und seiner orientalischen Umwelt nie ernsthaft versucht hätten, so daß Israel eine Provokation bleibe. Er beklagte die konformistische Haltung der israelischen Parteien und die oft provinziellen Seiten des Kulturlebens im Judenstaat.
Dabei stand Goldmann, 87, zeit seines Lebens im Dienst der zionistischen Idee. Geboren in Rußland, aber aufgewachsen in Frankfurt am Main, gehörte der studierte Jurist Goldmann, Absolvent der Universitäten Marburg, Berlin und Heidelberg, schon seit 1926 der Leitung der "Zionistischen Vereinigung in Deutschland" an. Seit 1935 vertrat er die "Jewish Agency", welche die Auswanderung der Juden nach Israel organisierte, beim Völkerbund in Genf, floh vor den Nazis im Krieg in die USA, deren Staatsbürger er wurde, und leitete von 1949 bis 1978 den Jüdischen Weltkongreß, Dachorganisation aller jüdischen Verbände außerhalb Israels.
Ständig sammelte er unter den Juden der Diaspora Spenden für Israel, am berühmtesten wurde seine Verständigung mit Konrad Adenauer, die 1952 zum deutsch-israelischen Wiedergutmachungsabkommen führte. Es brachte Israel drei Milliarden Mark, jüdischen Nazi-Opfern in der ganzen Welt noch mal 450 Millionen Mark ein.
In Israel erregte die unablässige Kritik des weltläufigen Goldmann, auf dessen Dienste Israel dennoch nicht verzichten konnte, um so mehr Ärgernis, als Goldmann erst 1964 seine amerikanische Staatsbürgerschaft zugunsten der israelischen aufgab, aber nie ständig in seinem Jerusalemer Domizil wohnte, sondern in Paris, Genf und New York: ein europäischamerikanischer Großbürger und Patriarch eines aufgeklärten, weltoffenen Judentums, das sich in den nationalistischen und orthodoxen Ultras nicht wiedererkennt, die Israel heute regieren. Er sagte fast gleichzeitig: "Die Ewigkeit Israels wird nie verleugnet werden." Aber auch: "Israel muß umdenken."

DER SPIEGEL 34/1982
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