Vom Himmel hoch, da kam er mit dem Auftrag, im südindischen Mysore zu landen und einem der dort zahlreich vertretenen "Geschöpfe" die Hand zu schütteln, der Fernsehreporter Günther Jauch vom Bayerischen Rundfunk.
Heia Safari. Mit "Geschöpfen" sind da unten die Affen gemeint, denen sich Reporter Jauch noch etwas zaghaft näherte. Ansonsten, stellte die Schweizer Presse einstimmig befremdet bei der Ausstrahlung der TV-Premiere "Rätselflug" fest, benähme sich Jauch bei den Exoten wie ein teutonischer Vertreter aus dem Bilderbuch des Herrenmenschen: "Frech, rücksichtslos, anmaßend und dumm" ("Tagesanzeiger").
Der peinliche Auftritt eines deutschen Reporters im Schweizer Fernsehen DRS war letzte Woche im Schweizer TV der Auftakt einer neuen Quizsendung von DRS und ARD, die seit eineinhalb Jahren "zu den beliebtesten Sendungen der frankophonen Länder gehört" (ARD).
Ab 22. Juli soll Jauch nun wechselweise mit seinem Schweizer Reporterkollegen Bernhard Russi, dem Ex-Olympiasieger, jeden zweiten Donnerstag um 21.00 Uhr im "Rätselflug" der ARD zu sehen sein. Die Quizsendung ist eine Kopie der von Jacques Antoine ("Spiel ohne Grenzen") entwickelten französischen Sendung "La Chasse au tresor" (Die Jagd nach dem Schatz).
Deren Idee ist "einfach" (ARD), wie so manches Unterhaltsame im deutschen Fernsehen, "aber technisch nicht unkompliziert". Deshalb hat die ARD bei der Realisierung die Hilfe der Schweizer und Pariser Kollegen von "Antenne 2" in Anspruch genommen: Jede der bisher 13 Folgen wurde nacheinander deutsch und französisch produziert - eine vergleichsweise billige Sendung, an der inzwischen auch die italienische RAI, die Holländer und Engländer Interesse zeigen.
Im Studio von "Antenne 2" befinden sich zwei Kandidaten, ein Mann und eine Frau; es ist deren Aufgabe, einen exakt beschriebenen Schatz irgendwo auf der Welt zu finden; wo, wird ihnen in der Sendung präsentiert: in Bayern oder Sri Lanka, der Schweiz, Jugoslawien, Jemen, Pakistan, Indien, Nepal, Tunesien, Jordanien oder Dschibuti.
Unterstützt von Karten- und anderem Informationsmaterial, dem rotierenden Reporter vor Ort im Hubschrauber, bei Laune gehalten vom Spielleiter Rudolf Rohlinger ("Mildes Nervenzucken vor der Sendung hat es jedesmal gegeben"), müssen die beiden Kandidaten innerhalb einer Dreiviertelstunde die Objekte finden. Lohn: 6000 Mark. Per Funk (siehe Graphik) sind die beiden harmonisierenden Kandidaten mit dem Reporter im Hubschrauber verbunden, der im rätselhaften Luftraum bereits rotiert.
Auf ihre Anweisung bricht er ins fremde Revier ein - am vergangenen Montag um 20.00 Uhr im DRS etwa Günther Jauch "ebenso schamlos wie rüpelhaft in die Ruhe einer buddhistischen Klosteranlage" ("Neue Zürcher Zeitung"). Der deutsche Reporter trieb einen der Mönche zur Eile an und plärrte "Buddha, Buddha - falsche Höhle", grauste es den Rezensenten der "NZZ", und "er übergoß Herumstehende mit einem unverständlichen Wortschwall, bedrängte sie, verletzte die elementarsten dort gebräuchlichen Höflichkeitsformen".
Beim "enervierenden Durcheinander" ("NZZ") auf der Mattscheibe, das seine Ursache im unverständlichen Wortsalat und dem elektronischen Zusammenschnitt wackliger Szenen aus der Handkamera hat, ist der Zuschauer zur Passivität verurteilt. Schlimmer: Bald kommt Langeweile auf.
Wenigstens zu wütenden Kommentaren gab die Sendung Anlaß genug. Im "Tagesanzeiger" verstieg sich Guido Wüest, ehemals selbst Abteilungsleiter beim Fernsehen, zu der Anklage, "mit der ersten Ausgabe der Unterhaltungsreihe 'Rätselflug' selbst den minimalsten menschlichen Anstand verletzt zu haben". Wüest weist in seiner Polemik auch auf ähnliche Entgleisungen im französischen Fernsehen hin und der Rezensent der "NZZ" die ARD-Erfolgsmeldungen ins Reich der Phantasie: Das frankophone Fernsehen Kanadas etwa mußte die Reihe nach sechs Monaten absetzen, weil die Zuschauer ausblieben. "Rätselflug" in Turbulenzen.
DER SPIEGEL 29/1982
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