30.11.1981

BÜCHERScheich und Ghostwriter

Eric Ambler: „Mit der Zeit“. Deutsch von Hans Hermann. Diogenes Verlag, Zürich; 416 Seiten; 29,80 Mark.
Amblers Romanhelden sind scheinbar Schwächlinge, die hilflos in ein für sie überdimensionales Komplott geraten. Daß sie dabei auch noch unsympathisch wirken, ist Amblers literarischer Trick, um seine Leser auf Distanz zu halten.
Blasser Held seines jüngsten Romans ist der amerikanische Ghostwriter Robert Halliday, der von einem zwielichtigen Geschäftsmann im Nahen Osten fintenreich dazu geködert wird, mit einem psychopathischen Ölscheich ein Fernseh-Interview in einem verlassenen österreichischen Bergwerk zu führen. In Wahrheit soll dieses Gespräch nur als Vorwand dienen für Geheimverhandlungen zwischen Nato-Funktionären und dem Öl-Potentaten um die Errichtung eines Militärstützpunktes in dessen Emirat. Im Austausch dafür verlangt der Scheich einen sicheren Bunker in Österreich.
Doch da auch beim Ambler nicht sein kann, was (noch) nicht ist, scheitert das Komplott an Hallidays nicht vorgesehenen Enthüllungen, und mit ihm scheitert auch Ambler, dem die allzu kompliziert konstruierte Intrige am Ende ohne Überraschungs-Coup aus den Händen gleitet. Eine arge Enttäuschung für Ambler-Fans.

DER SPIEGEL 49/1981
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