29.11.1982

Antworten auf ungestellte Fragen

SPIEGEL-Redakteurin Ariane Barth über Neil Postmans Buch „Das Verschwinden der Kindheit“
Wem wäre es nicht aufgefallen: Die Kinder spielen die alten Spiele nicht mehr. Kreidemuster für Hüpf und Hink sind kaum noch auf den Straßen zu sehen. Wo sind noch Kinder, die mit ihren Peitschchen die Kreisel zu schlagen verstehen oder, die alten Lieder singend, durch der Hände Brücke ziehen? Wer kennt denn noch "Kaiser, König, Edelmann, Bettelmann"? Wir leben schließlich tief in der Demokratie. Groß und klein stehen versammelt vor Telespielautomaten.
Und überhaupt: Die Kinder sehen nicht mehr wie Kinder aus.
Verschwunden sind die Mädchen in gesmokten Flügelkleidern, die Buben in bortenbesetzten Russenkitteln, verschwunden ganz allgemein der Unterschied in der Kleidung zwischen Erwachsenem und Kind. Jeans und Pullover, Turnschuhe und Trenchcoat, die Schüler und die Lehrer tragen oft das gleiche. Die weißen Kindersöckchen passen nun auch der Frau Mama. Vierjährige Evas sind angezogen und gekämmt wie 40jährige, die Ärmel lässig hochgekrempelt, das Haar lasziv über eine Augenbraue gezogen.
Wie früh erwachsen die Kinder doch heutzutage sind: Steffi Graf, 13, "aufgeregtes Kind, ehrgeiziger Profi" ("Frankfurter Allgemeine Zeitung"), spielt Weltklasse-Tennis; Daniela, 13, schafft an, "die Jüngste vom Kölner Babystrich" ("Bild"); die 13 Jahre alten Schüler Jonathan Dubman und Kai Borzsony (einen "Stern"-Interviewer zur Eile mahnend: "Wir sind Kinder. Wir haben keine Zeit") entwickeln und verkaufen Computerprogramme.
Kinder verfallen den Süchten Erwachsener. Die Lulle im Mundwinkel, die Flasche Bier in der Hand, ist der Typ des kleinen Gernegroß auf den Rängen der Fußballstadien anzutreffen. Die Raucher werden statistisch jünger, die Alkoholiker im Jugendalter häufiger. Hasch wird an Schulen gedealt.
Immer mehr Kinder begehen Verbrechen, nicht selten so brutal, so heimtückisch oder auch so intelligent wie Erwachsene. Als "Monster-Kinder" werden sie von Billig-Blättern verkauft. In Frankfurt faßte die Polizei einen zehn Jahre alten Serieneinbrecher zum 52. Mal. Zwei Mädchen, 14 Jahre alt, töteten bei Hamburg einen Jungen, zehn Jahre alt, nachdem er ihnen sexuell nicht zu Willen sein konnte.
Das Erwachsenen-Spiel mit den Trieben, mehr und mehr Jugend erschließt es sich in immer jüngeren Jahren. Die Menarche der Mädchen, um 1900 im 14. Lebensjahr, tritt inzwischen im Alter von durchschnittlich zwölf Jahren ein. Daß Kinder Kinder gebären, kommt öfter vor. Nymphchen ziehen gesellschaftliches Verlangen auf sich. Brooke Shields spielte als Elfjährige das "Pretty Baby" aus Louis Malles Freudenhaus, dessen Jungfräulichkeit meistbietend versteigert wurde. Unter den höchstbezahlten Photomodellen sind Kindfrauen, die wie Vamps hergerichtet werden.
Die frühreifen Kinder wie die verschwundenen Kinderspiele sind Zeichen eines tiefgreifenden Wandels in unserer Gesellschaft: "Das Verschwinden der Kindheit". Diesen Titel gab Neil Postman, New Yorker Professor für die gesellschaftliche Wirkung von Medien, einem schmalen Buch, das eine kühne Linie von mittelalterlichen Zuständen zum Fernsehzeitalter zieht.
( Neil Postman: "The Disappearance of ) ( Childhood". Delacorte Press, New York; ) ( 177 Seiten; 13,95 Dollar. )
Bis zum 17. Jahrhundert gab es den prinzipiellen Abstand zwischen Erwachsenen S.225 und Kindern nicht. Gleich Zwergen waren die Kinder der Gesellschaft integriert. Im Gemisch und Gewimmel aller Altersstufen auf engem Allzweckraum ging es sowieso etwas kindisch her. Mit den Großen teilten die Kleinen Arbeit und Spiel. Sie wirkten in Kleidung, ja sogar im Ausdruck - alte Gemälde überliefern es - wie Miniaturerwachsene. Sie genossen viel Freizügigkeit, doch Kinderschutz war dem rohen Zeitgeist fremd. Stahl ein Kind, wurde es ohne Ansehen seines Alters gehenkt wie ein ausgewachsener Dieb.
Bis auf ihre Fähigkeiten in der Liebe und im Kriege wurden die Kinder des Mittelalters etwa vom siebten Lebensjahr an für voll genommen. Denn in diesem Alter beherrschten sie die Sprache und damit die wichtigste Fähigkeit in einer Kultur der mündlichen Überlieferung, die aus sich heraus das Hier und Jetzt, das Unmittelbare und Überschaubare betonte und faßbar war für den kindlichen Verstand.
In der Fernseh-Ära sieht Postman vergleichbare Bedingungen. Das Medium vereint groß und klein in der sich im Wohnzimmer auftuenden Mattscheibenwelt. Sie beginnt den Nachwuchs bereits im Alter von 36 Monaten in ihren Bann zu ziehen.
Der Kommunikationsforscher schreibt den Kommunikationsmitteln einer Gesellschaft gigantische Prägekraft zu. Wenn er auch berufsbedingt übertreiben mag, seine These ist interessant: Durch das neue Medium verschwindet die Kindheit als Idee, so wie sie im Laufe der Jahrhunderte durch ein neues Kommunikationsmittel überhaupt erst entstanden war.
Als der Goldschmied Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert aus einer alten Weinpresse die erste Druckerpresse konstruierte, begann das Schriftzeitalter: Die Welt der Unmittelbarkeit verengte sich auf Zeichen, und dahinter tauchten abstrakte Welten auf.
Sie erschließen zu können, wurde der Inbegriff von Erwachsenheit, ja von Kultur, davon geschieden das Kind als Rohprodukt der Natur, das erst lesen lernen mußte und mehr: Auf dem Baustein des uralten Alphabets gründete die moderne Zivilisation. Der Art, wie sich die Buchstaben zum Wort zusammenfügten, hatte geschultes Denken in Sequenzen und Konzepten zu entsprechen.
Die Bücher verlangten die Fähigkeit zur Abstraktion. Sie förderten, da Lesen Absonderung beinhaltete, die Entwicklung des Individualismus, den die erzählende Gesellschaft nicht gekannt hatte. Ihrer Wahrheit der Märchen setzte das gedruckte Wort Distanz entgegen. Kritischer Umgang mit dem Text wurde ein Zeichen von Reife.
Verhaltensweisen, die in Bibliotheken angebracht waren, erhielten ganz allgemein einen hohen kulturellen Rang: Disziplin des Geistes und des Körpers zu üben und auf unmittelbare Bedürfnisbefriedigung zu verzichten - die Kinder hatten leidvoll nach dem krönenden Erwachsensein zu streben.
Die alten Werte halten der Flimmerkiste nicht stand: Sie lädt ein zur Bedürfnisbefriedigung ohne sonderliche Anstrengung. Der Rausch der Bilder, bis zu 1200 Einstellungen in der Stunde, hält einen Zappelphilipp still, ohne daß er Körperbeherrschung übt.
Ein Bild spricht das Gefühl stärker an als den Verstand. Es mag zwar mehr als tausend Worte sagen, aber zur Abstraktion S.226 kein Wort. Niemals Negation seiner selbst, appelliert es an den Beschauer, ihm schlicht zu glauben. Statt daß sich die Gedanken auf längeren Wegen bewegen wie beim Schreiben und Lesen, rasen sie durch das Augenpulver, bleiben in der Oberflächlichkeit.
Postman: "Fernsehen bietet eine ziemlich primitive, doch unwiderstehliche Alternative zur linearen und sequentiellen Logik des gedruckten Wortes." Es ist nicht nur ein gängiger Witz, daß Fernsehen für Zwölfjährige gemacht wird, sondern nach Ansicht des Professors die formale Bedingung des Mediums: Bild-Geschichten sind eben die kindgemäße Art von Welterklärung.
So homogenisiert das Fernsehen die Geistesverfassung der Generationen: Es spricht die Kindlichkeit der Erwachsenen an und versetzt die Kinder in die Erwachsenenwelt. Der Kinderwachsene ist Postmans Horror-Vision vom vereinheitlichten Menschentyp des TV-Totalitarismus.
Dabei ist Fernsehen zutiefst demokratisch. Alles ist für jeden (wer immer auch den Knopf bedient). Das Medium bedingt einen Zusammenbruch der Informationshierarchie, durch die jahrhundertelang - ebenso wie die Klassen - auch die Kinder auf ihre Plätze verwiesen wurden: die Dümmsten und Kleinsten auf die niedersten Ränge.
Der Kasten, worin sich das erste wirkliche Theater der Massen abspielt, schafft eine ähnliche Situation, wie sie zu mittelalterlichen Plauderzeiten bestand, als Nachrichten jeder Art, ungebremst vom späteren Sinn für Intimität, durch das Sozialgefüge der Stände und Generationen hin und her sausten.
Mit den Büchern baute sich neben der Hierarchie durch Besitz eine Hierarchie durch Bildung auf. Nach den dunklen Zeiten der alchimistischen Geheimnisse war der gewaltige Schatz der gedruckten Informationen im Prinzip für jedermann verfügbar. Jedoch die schwierigen Bedingungen, Wissen zu erarbeiten, schieden die Schichten voneinander.
Die Kindheit entwickelte sich in gehobenen Bürgerkreisen aus der dem Mittelalter fremd gewesenen Idee, daß Kinder erzogen werden müßten. Ihre Erniedrigung zu Objekten, die sich im Rohzustand der Unerzogenheit befanden und pädagogischer Führung bedurften, ging mit ihrer Erhöhung zur kindlichen Unschuld einher. Vor der verderbten Welt der Großen mußten die zarten Wesen geschützt werden. Kindheit wurde auch eine Verschwörung des Schweigens wissender Erwachsener gegen das Kind.
Überall Geheimnisse - Wonnen und Qualen der frühen Jahre. Schritt um Schritt wurde den Heranwachsenden mancher Rätsel Lösung offenbart, bis hin zur Aufklärung über dieses, wie sich Nietzsche ausdrückte, "widerliche Geheimnis, aus welchem das neue Kind gezeugt und geboren wird". Aufgeteilt in hauchdünne Jahrgangsscheiben je nach dem pädagogisch für passend erachteten Wissensstand, war die Kindheit in sich selbst eine subtile Informationshierarchie.
Den bürgerlichen Schnickschnack mit der Unschuld und der Erziehung konnten sich die verelendeten Arbeiter des letzten Jahrhunderts nicht leisten. Ihre Kinder wurden von der Not früh ins Leben und in die Fabrik gestoßen. Erst im Wohlstand der Industrienationen des 20. Jahrhunderts, als aus dem Proletariat ein Kleinbürgertum wurde, setzte sich die Kindheit nach einem vielhundertjährigen Prozeß allgemein durch.
Ihre Blüte mochte sie im Nierentischbiedermeier der fünfziger Jahre erreicht haben. Die Erziehungswut, wie sie sich vor hundert Jahren zum Beispiel in der Verwendung von Geradehaltern oder Klingeln zur Anzeige von Onanie ausgetobt hatte, war in gemäßigteren Formen gebändigt. Gleichsam vergeistigt, befand sie sich in einem Schriftenschwall zur Behandlung von Kindern, bis schließlich die Antithese ihrer Nichtbehandlung aufkam. Die Dekadenz der Kindheit, dieser historischen Idee zur gesellschaftlichen Ausschmückung einer Lebensphase, begann.
In dem Sozialdrama ist das neue Medium gewiß nur einer von vielen Faktoren. Es dürfte weniger Ursache, wie Postman meint, als vielmehr Verstärker einer irreversiblen Kulturtendenz sein, die sich allerdings im Fernsehen wie in einer Kristallkugel gebündelt zeigt.
Die Schleier der Geheimnisse, die einst zwischen Erwachsensein und Kindheit als deren wesentliches Merkmal hingen, sind aufgerissen durch ein Medium, dessen Bedingung nicht das Speichern, sondern das Ausstrahlen von Informationen ist. Nicht an Individuen gerichtet, sondern an hohe Einschaltquoten im Sendegebiet, nivelliert die Telemitteilung zwischen den Adressaten sozialen Abstand jeder Art, Status ebenso wie Alter.
Verflochten, wie sich Kindheit und Individualismus historisch mit den Büchern entwickelten, lösen sich die gesellschaftlichen Gebilde auf. Wo der Unterschied zwischen Kind und Erwachsenem, Jugend und Alter, undeutlich wird, verschwindet auch der einzelne in der grauen Masse Mensch.
Nachrichten aus Nirgendwo, da unverfolgbar zu ihren Quellen, ersetzen in der Fernsehkindheit die Autoritäten. Statt von Erwachsenen stufenweise aus der beseelten Welt der Märchendinge in die gesellschaftliche Verabredung von Wirklichkeit geführt zu werden, erhält das Kind von dem anonymen Medium ständig Antworten auf Fragen, die es nie gestellt hat.
Kindliche Neugier war ein Schlüssel zur Sphäre der Erwachsenen, solange diese verschlossen war. Was die Großen S.228 angeht, wird nunmehr bloßgestellt durch einen Apparat, Kinder bedient euch: Apathie, wenn nicht Altklugheit bis hin zum Zynismus sind nach Postmans Beobachtung charakteristische Kinderreaktionen auf die künstliche Wirklichkeitsproduktion.
Und was für eine seltsame Produktion: Teils Fenster zur Welt, teils Schaukasten einer surrealistischen Zerstückelung von Welt, zeigt das Fernsehen vor allem das Besondere, ist doch das Gewöhnliche kaum der Rede wert.
Zur Eröffnung der Buchmesse warnte Altkanzler Helmut Schmidt davor, "die Zukunft unserer Kinder" mit einer "Gespensterwelt" des totalen Fernsehens zu beschweren: "Es darf nicht dazu kommen, daß kleine Kinder bei Vorgängen im Alltagsleben spontan ausrufen: ''Mutti, das ist ja wie im Fernsehen!''" Es ist längst dazu gekommen, und schlimmer noch, da kleine Kinder bei eben jenen Vorgängen im Alltagsleben ganz enttäuscht zu bemerken pflegen, so toll wie im Fernsehen sei das ja nicht gewesen.
Politiker zum Beispiel wirken live sehr viel banaler als in der TV-Erscheinungsaura. Vorbei die Zeiten, da Politikverständnis ein Gipfel von Erwachsenheit war, zentrierte es sich doch um das gedruckte Wort in Abhandlungen und Pamphleten. Politik als Teleschau, so wie sie heutzutage geboten wird, nähert sich dem kindlichen Auffassungsvermögen: der Sheriff, dargestellt vom Präsidenten Ronald Reagan. Wer hätte gelesen, was er so schrieb.
Der Mensch und seine Gesellschaft voller Unfähigkeit, die Erde voller Katastrophen, das ist der Stoff, aus dem die Tagesschau ebenso Spannung bezieht wie der Film als Fälschung des Lebens. Der Kinderschutz, einer der vornehmsten Zivilisationsgedanken, verlor vor der Gewalt des Mediums seinen geistigen Bestand.
Zwar sind die Körper rechtlich vor Ausbeutung und Verletzung geschützt, doch die Gehirne der Kinder sind einer Flimmerwelt ausgeliefert, in der die Qualen der Menschen Unterhaltung bedeuten, ob nun "echt" Verhungerte oder "unecht" Ermordete gezeigt werden. Ähnlich mögen Kinder des Mittelalters öffentliche Hinrichtungen mitangesehen haben, wie sie denn auch selber nicht selten Brutalitäten erlitten. Desgleichen paßt zum Generationen überschreitenden Gewaltkonsum von heute, daß die Einsatzpläne für die modernen Waffen zwischen kindlichen und erwachsenen Opfern auch keinen Unterschied machen.
Die klassische Kindheit beruhte auf der Heuchelei einer heilen Welt; die unheile Welt aber ist die Realität. Postman schätzte grob, daß während seines bisherigen Lebens, er ist 50 Jahre alt, 75 Millionen Menschen durch Gewaltanwendung anderer umgekommen seien. S.229
Die Lehre des Fernsehens, daß Erwachsene mit ihren Tötungsgelüsten nicht fertig werden, ist also, global gesehen, so falsch nicht, wenngleich sie für den Hausgebrauch unrichtig ist. Kinder lernen ihre aggressiven Impulse am besten zu kontrollieren, wenn sie fest daran glauben, daß Große es könnten.
Kindliche Illusionen von der wunderbaren Welt sind - Kinderpsychologen, allen voran der berühmte Bruno Bettelheim, beschwören es - eine hervorragende Grundlage, auf der sich mit wachsenden Erfahrungen das Realitätsprinzip aufbaut. Der Kinderblick ins Fernsehen dagegen ist oft genug ein Blick in die Hoffnungslosigkeit.
Die wenigen guten Nachrichten sind die Verheißungen des Konsums. Die Werbung wirbt um Irrationalität. Sie ist erfolgreich, sofern sie erwachsene Ratio zu übertölpeln vermag. Wenn sie wieder werden wie die Kinder, sind die Konsumenten ideal. Und für die Kinder lautet die Botschaft des Werbefernsehens, daß sie töricht genug bleiben sollten, um den Schmarren zu glauben.
Schamlos werden Kinder als Verkaufsanreize eingesetzt. Ebenso ist ihr symbolischer Gebrauch als Sexualobjekte gesellschaftlich akzeptiert. All die Kindfrauen-Stars stehen dafür, als Verkäuferinnen ihrer selbst.
Brachen die Kinder recht offen in die erotischen Phantasien Erwachsener ein, so ist umgekehrt das Triebleben der Großen für die Kleinen sehr viel durchsichtiger geworden. In der übererregten Gesellschaft zerplatzte die Fiktion von der kindlichen Unschuld.
Das Fernsehen klärt die Kinder über die Raffinessen des Knutschens auf. Früh wird Voyeurismus auf Busen, Beine und Popo gelenkt. Allein das Letzte zwischen den Geschlechtern bleibt der Fernsehkindheit verborgen: Ihr ist dafür die Überblendung auf rauschende Flüsse geläufig.
Nie waren Kinder so informiert wie die der Fernseh-Ära, nie aber auch so vollgestopft mit Informationen, die mit ihrem Leben nichts zu tun haben. Wenn sie auch darin den Erwachsenen ähnlich werden, das neue Medium schichtet Hierarchien auf andere Weise.
Kinder, die eine Scheibe als zweite Eltern haben, werden für ein Leben vor der Scheibe gezüchtet. Die Computergesellschaft braucht zur Beobachtung ihrer Screens Unmengen von Menschen, die apathisch genug für solche eindimensionale Arbeit sind, doch zugleich hellwach elektronische Befehle befolgen.
Kinder dagegen, die im Widerspruch zum Zeitgeist eine beschützte Kindheit in der Ferne vom Fernsehen haben, steigen nach Postmans Versprechung eher in eine intellektuelle Elite auf: Sie hätten dann eine größere Chance, einmal hinter der Scheibe zu erscheinen. Derweil schaut der Kinderwachsene in die Röhre.
S.224 Neil Postman: "The Disappearance of Childhood". Delacorte Press, New York; 177 Seiten; 13,95 Dollar. * S.225 Um 1500, von dem Niederländer Jan van Scorel. *

DER SPIEGEL 48/1982
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