13.12.1982

Beten für Mars

Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ hat eine Liste der 400 reichsten Amerikaner aufgestellt.
Die Wege zum Ziel waren höchst unterschiedlich: Der eine schaffte es mit Mars-Riegeln, der andere mit Schuhcreme; manche mit Zeitschriften oder Computern, einer gar mit Possen und Witzeleien auf der Bühne.
Viele konnten auch mit einer Erbschaft starten, die meisten jedoch machten ihr Glück mit Öl: Die 400 reichsten Männer und Frauen Amerikas hat das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" ausfindig S.205 gemacht und in einer Liste vorgestellt.
Da treffen sich die Gettys, Hunts und Rockefellers mit solchen, die im Klub der Milliardäre und Multimillionäre eher überraschen: Bob Hope und Yoko Ono, Penthouse-Verleger Bob Guccione, Kosmetik-Zarin Estee Lauder, IOS-Flüchtling Robert Vesco und Zuckerbäcker Forrest Mars.
Wer mit welchem Busineß ans große Geld kam, war nicht immer leicht zu ermitteln, schreibt "Forbes". Denn die "echten Reichen" seien oftmals sehr verschwiegen. So gelang es den Redakteuren nur mit Hilfe von Bankiers, Finanzberatern, Ökonomen, Managern und Zeitungsleuten, ihre Krösus-Liste zusammenzustellen.
Ein 85jähriger Griesgram, der sein Geld in der Schiffahrt machte und Unsummen in die Ausbeutung der Amazonas-Urwälder investierte, steht an der Spitze der kaum vorstellbar Reichen: Daniel Ludwigs Vermögen wird auf über zwei Milliarden Dollar veranschlagt.
Ebenfalls zur Gruppe der 13 US-Milliardäre zählen gleich fünf Mitglieder der Familie Hunt, die 1980 versuchte, durch Spekulationskäufe den Weltmarkt für Silber in den Griff zu bekommen. Margaret, Caroline, Lamar, William und Nelson Bunker Hunt, allesamt in Dallas ansässig, besitzen jeweils rund eine Milliarde Dollar - Reichtum, der sich auf das Öl ihres Vaters gründet.
Auf Öl und Erbschaft geht auch das Vermögen der übrigen Dollar-Milliardäre zurück, ausgenommen Forrest Mars und David Packard. Der 78jährige Mars, größter Süßwaren-Hersteller der Welt, ließ laut "Forbes" seine Belegschaft bei Übernahme der Firma zum gemeinsamen Gebet für die Produkte versammeln: "Ich bete für Milky Way, ich bete für Snickers ..." Computer-Spezialist David Packard begann seine Karriere 1939 in einer kleinen Garage, in der er - gemeinsam mit seinem auf 650 Millionen Dollar Vermögen geschätzten Kompagnon William Hewlett - elektronische Geräte bastelte.
Im Land der sprichwörtlich unbegrenzten Möglichkeiten hatten manche eine Chance, ans große Geld zu kommen - auch wenn sie nicht Kinder der mächtigen Familien waren. Harry Brakmann Helmsley beispielsweise investierte 1938 seine gesamten Ersparnisse in den Bau eines New Yorker Hauses. Heute nennt der 72jährige Mitbesitzer des Empire State Building etwa 750 Millionen Dollar sein eigen. Seine Hobbys: Schwimmen und festliche Bälle.
Der Handel mit Kartoffeln machte J. R. Simplot schon mit 30 Jahren zum Millionär. Als 15jähriger verkrachte er sich mit seinem Vater, ging von der Schule ab und jobbte so lange in der Landwirtschaft, bis er sich einen eigenen Kartoffelacker kaufen konnte. Ins große Geschäft stieg Simplot nach einer Begegnung mit Ray Kroc ein, dem Begründer der McDonald's-Kette (und ebenfalls Mitglied im Club der 400). Heute, so ermittelte "Forbes", hat es Simplot auf rund 500 Millionen Dollar Vermögen gebracht. Salben, Parfüms und Lippenstifte trugen Estee Lauder Reichtümer ein. 1946 mixte sie noch, gemeinsam mit ihrem Mann Joseph, die Ingredienzen für ihre Kosmetik-Tiegel. Heute teilt sich "Blue Lady", wie sie in der Branche genannt wird, mit ihrer Familie Konzern-Anteile von mehr als 500 Millionen Dollar.
Nicht allein lockere Späße brachten schließlich Bob Hope auf die Liste der 400. Der heute 79jährige Entertainer, Vater von vier Adoptivkindern, investierte schon 1949 Millionengagen in ölträchtigen Grundbesitz. "Forbes" schätzt ihn auf mittlerweile 280 Millionen Dollar Vermögen.
Auf Grundbesitz stützen insgesamt 63 der steinreichen Amerikaner ihr Vermögen; 50 Multimillionäre haben Beteiligungen an verschiedenen Industrieunternehmen. Ein sicherer Weg zu Geld scheint aber auch der geschäftstüchtige Umgang mit den Medien zu sein: 40 Männer und Frauen, so erkundete "Forbes", machten ihre Millionen als Verleger, mit Fernseh- oder Rundfunkstationen.
Mit dunklen Geschäften kamen zwei eher anrüchige Namen auf die exklusive Liste: Meyer Lansky und Robert Vesco. Der russischstämmige Unterwelt-Krösus Lansky hat "wahrscheinlich weit mehr" als 100 Millionen Dollars angehäuft. IOS-Betrüger Vesco, den "Forbes" ähnlich reich einschätzt, soll sich an Bord einer (mit Raketen bestückten) Yacht in der Karibik aufhalten.
Den letzten Platz auf der "Forbes"-Liste nimmt schließlich der 40jähriges Armas Markkula von "Apple Computer" ein. Der Ärmste der Reichen bringt es immerhin auf 91 Millionen Dollar.
Unter dem Schlußstrich folgt jedoch noch ein weiterer Name: Malcolm Stevenson Forbes, 63 Jahre, fünf Kinder, Erbe und Herausgeber des zweimal wöchentlich erscheinenden "Forbes"-Magazins. Der Publizist, so erfährt der Leser, ist Kunstsammler, Segler und Ballonfahrer.
Die Höhe seines Vermögens wird in der Zeitschrift nicht genannt. In einem "Playboy"-Interview gab er nur vage Auskunft: "Ich hab' genug, um über die Runden zu kommen."

DER SPIEGEL 50/1982
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