30.08.1999

Gabriele Schöttler,

45, SPD-Senatorin für Arbeit und Frauen in Berlin, bohrt einen hochhackigen Pumps tief in den Turnschuh ihres Kabinettschefs Eberhard Diepgen (CDU). So wenigstens zeigt es ein Wahlplakat der SPD, auf dem "Gabi" einen "starken Auftritt für soziale Gerechtigkeit" zelebriert. Die Politikerin mit dem Schuhtick gibt es wirklich. Zwar besitzt Gabriele Schöttler bei weitem nicht so viele Schuhe wie einst die sagenhafte philippinische Präsidentengattin Imelda Marcos, aber immerhin 40 Paar, ausschließlich High Heels "und viele mit 15-Zentimeter-Metallabsätzen", nicht gerechnet "die sechs Paar hochhackige Stiefel für den Winter". Das Plakat ist der Versuch einer Antwort auf Diepgens Wahlkampagne, in der das Stadtoberhaupt sich als Jogger präsentiert ("Diepgen rennt") und in der neuerdings sogar 1000 Stück des Turnschuhs "Ebi" (für Eberhard) unters Volk gebracht werden. So erhielt auch Außenminister Joschka Fischer am vergangenen Donnerstag bei der Ankunft in seinem neuen Berliner Amtssitz von Wahlkämpfer Diepgen ein Paar "Ebi"-Turnschuhe überreicht. Gegen den Dauerläufer Diepgen schlägt nun die Berliner Spitzenkandidatin der Grünen, Renate Künast, 43, eine Wettfahrt auf Inline-Skates vor, was mehr dem "modernen Berliner Tempo" entspreche. Einziges Hindernis: Künast schickt ihre Herausforderung per E-Mail an Diepgen. "Mal schauen", sagt die Grüne, "ob er weiß, wie man da drankommt." Sie selbst rollte vergangenen Mittwoch schon mal auf Inline-Skates mediengerecht durch das Brandenburger Tor zum nächsten Wahlkampftermin - nur ein bisschen fahrlässig, ganz ohne Helm.

DER SPIEGEL 35/1999
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