14.05.2016

HSH NordbankNeuer Chef auf Konfrontationskurs

Der designierte Vorstandschef der HSH Nordbank, Stefan Ermisch, geht offenbar auf Konfrontationskurs mit den Eigentümern der Bank. In Aufsichtsratskreisen heißt es, Ermisch halte die Entlastung der Landesbank im Zuge der jüngst beschlossenen Aufspaltung nicht für ausreichend, um die Bank erfolgreich zu privatisieren. Die HSH soll faule Kredite im Volumen von bis zu 3,2 Milliarden Euro verkaufen und bis zu 6,2 Milliarden Euro in eine Bad Bank auslagern, das Gesamtvolumen beträgt jedoch maximal 8,2 Milliarden Euro. Die Bad Bank gehört den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein, die gleichzeitig Mehrheitseigentümer der HSH sind. Weitere acht Milliarden an ausfallgefährdeten Krediten bleiben in der Restbank. Ermisch, der im Juni auf Constantin von Oesterreich folgt, hat dem Gremium vorgerechnet, diese Altlasten würden der HSH jährlich mindestens 200 Millionen Euro Verlust bescheren; dagegen stünden potenzielle Gewinne des künftigen Kerngeschäfts von 250 bis 300 Millionen Euro. Auf dieser Grundlage dürfte sich die HSH allenfalls mit einem kräftigen Abschlag verkaufen lassen. Die EU-Kommission hatte den Eigentümern die Auflage gemacht, die HSH bis 2018 zu privatisieren. Geprüft werden soll ein Börsengang, ein Verkauf oder eine Fusion, möglicherweise mit der Nord/LB – gelingt dies alles nicht, wird die Bank abgewickelt, und den Ländern droht ein hoher Verlust. Vor diesem Hintergrund wirft Ermisch den Eignern offenbar vor, sich bei der EU-Kommission nicht hinreichend eingesetzt zu haben. Um die HSH verkäuflich zu machen, will Ermisch vor allem die Kosten senken. Über den angekündigten Stellenabbau hinaus soll die Zahl der Mitarbeiter um weitere 200 auf unter 2000 sinken.
Von Mhs

DER SPIEGEL 20/2016
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