21.05.2016

Übernahmen„Etwas mulmig“

Hermann Simon, 69, Gründer der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners, über die geplante Übernahme des deutschen Roboterbauers Kuka durch den chinesischen Hausgerätehersteller Midea
SPIEGEL: Bildet Kuka den Anfang des Ausverkaufs deutscher Zukunftsunternehmen?
Simon: Das sehe ich nicht so. Solche Befürchtungen gab es immer wieder, auch schon vor hundert Jahren, als Opel von GM gekauft wurde. Es ist völlig normal, dass im Rahmen der Globalisierung Unternehmen übernommen werden, nun eben deutsche von chinesischen.
SPIEGEL: Also haben Sie keine Bedenken gegen chinesische Käufer?
Simon: In den Fällen, die ich kenne, haben sich die Chinesen sehr klug verhalten – klüger etwa als die amerikanischen Private-Equity-Investoren. Im Gegensatz zu denen räumen die Chinesen die Unternehmen nicht aus, sondern versuchen, sie zu stärken. Weil sie sich selbst damit eine starke Basis in Deutschland und auf dem Weltmarkt schaffen wollen.
SPIEGEL: Aber die Chinesen sind doch vor allem am deutschen Know-how interessiert.
Simon: Nicht nur, sie sind genauso an Markennamen und am Standort Deutschland interessiert, wie das Beispiel Putzmeister zeigt.
SPIEGEL: Putzmeister ist ein Betonpumpenhersteller. Bei Kuka aber handelt es sich um eines der wenigen deutschen Unternehmen, die in einem Zukunftsmarkt führend sind.
Simon: Auch mir ist etwas mulmig, denn bei Kuka geht es an den modernsten Kern der deutschen Industrie. Aber warum sollten die Chinesen an dem Unternehmen etwas ändern? Kuka ist auf einem sehr guten Weg. Die Chinesen profitieren von der Stärke des Unternehmens in Deutschland, gleichzeitig verschaffen sie ihm größere Chancen auf dem chinesischen Markt.
SPIEGEL: Fürchten Sie nicht, dass die Chinesen Know-how abziehen wollen?
Simon: Ich kann natürlich nicht für jeden Chinesen meine Hand ins Feuer legen, aber die bisherigen Erfahrungen mit chinesischen Käufern sind nicht schlecht. Es wäre gefährlicher, wenn ein amerikanisches Unternehmen Kuka kaufen und dann den Sitz des Konzerns in die USA verlagern würde, wie es bei solchen Übernahmen schon vorgekommen ist.
Von Am

DER SPIEGEL 21/2016
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