11.06.2016

KunstMeeses Rache

Der Berliner Maler, Performancekünstler und Provokateur Jonathan Meese wird nun doch bei einer "Parsifal"-Oper die Regie übernehmen: Gezeigt wird sie im Sommer 2017 bei den renommierten Wiener Festwochen und dann im Oktober desselben Jahres bei den Berliner Festspielen. Für Meese könnte dieser Doppelschlag Triumph und Rache zugleich sein: Ursprünglich hatten ihn die Wagner-Festspiele in Bayreuth beauftragt, in diesem Jahr Richard Wagners "Parsifal" neu zu inszenieren und auch Bühnenbild sowie Kostüme zu gestalten. Dann warf man ihn hinaus, angeblich aus Sorge, er würde den Finanzrahmen sprengen – womöglich hatte man aber eher Angst davor, das gediegene Publikum zu verschrecken. Bei Meese, der sich selbst einen Kunstfanatiker nennt, gehören Hitlergrüße und Eiserne Kreuze zur typischen Symbolik seines durchaus kritisch gemeinten Werkes. Nun also Wien und Berlin, wo man offenbar mutiger ist als in Bayreuth. Meese wird eine neue Komposition des österreichischen Avantgardisten Bernhard Lang umsetzen – und sie angeblich mit einer Sci-Fi-Ästhetik noch futuristischer wirken lassen. Auf Anfrage sagt Jonathan Meese: "Nur da, wo der Kunst gedient wird, ist auch Platz für Meese und Wagner. Das war in Bayreuth nicht der Fall." Wagner sei "kein durchdemokratisiertes Unterhaltungsprogramm" und auch kein "ideologisches Weichspülprogramm".
Von Uk

DER SPIEGEL 24/2016
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